Schmiergeld-ProzessEhemaliger BayernLB-Vorstand gesteht

Im Schmiergeld-Prozess um Formel-1-Anteile hat Ex-BayernLB-Vorstand Gribkowsky die Annahme von 44 Millionen Euro gestanden. Ihm drohen trotzdem mehrere Jahre Haft. von afp, dpa und reuters

Der frühere BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky vor dem Landgericht München im November 2011

Der frühere BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky vor dem Landgericht München im November 2011  |  © Christof Stache dpa/lby

Der wegen Millionenbetrugs bei einem Formel-1-Geschäft angeklagte ehemalige BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky hat kurz vor Prozessende überraschend ein Geständnis abgelegt. "Es stimmt im Wesentlichen", sagte Gribkowsky vor dem Landgericht München I zu den ihm in der Anklageschrift zur Last gelegten Vorwürfen.

Der ehemalige Bankvorstand hatte acht Monate lang zu dem Vorwurf geschwiegen, 44 Millionen Dollar Bestechungsgeld von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone angenommen zu haben. Er habe sich auf das Ecclestone-Angebot eingelassen, die Formel-I-Anteile der BayernLB schnell zu verkaufen und dafür von ihm einen neuen Job als Berater zu bekommen. "Ich mache das. Ich komme zu dir, aber erst mal verkaufen wir", zitierte sich Gribkowsky selbst.

Anzeige

Gribkowsky war als Risikovorstand der BayernLB für die Formel-1-Anteile zuständig, die der BayernLB im Jahr 2002 zugefallen waren, als die Gruppe des Medienunternehmers Leo Kirch Konkurs anmelden musste. Gribkowsky muss sich wegen Bestechlichkeit, Veruntreuung von Bankvermögen und Steuerhinterziehung vor Gericht verantworten.

Ein paar Jahre Haft weniger

Vor dem Richter sagte er nun, er habe erst später bemerkt, dass er durch seine Zusage an Ecclestone zwischen die Fronten gerate und mit jeweils einem Bein in beiden Lagern stehe. "Das Problem war: Ich kam da nicht mehr raus. Der Deal lief schon", sagte Gribkowsky.

Im Gegenzug für sein Geständnis hat das Gericht ihm eine Haftstrafe zwischen sieben Jahren und zehn Monaten und neun Jahren in Aussicht gestellt. Als Höchststrafe hätten Gribkowsky ansonsten fünfzehn Jahre Haft gedroht.

Mehr als 40 Zeugen

Gribkowsky sitzt wegen der Vorwürfe seit eineinhalb Jahren in Untersuchungshaft. Weil er vor Gericht so lange geschwiegen hatte, haben die Richter bisher mehr als 40 Zeugen vernommen, darunter auch Ecclestone.

Erst nach Ende der Beweisaufnahme suchten seine Verteidiger das Gespräch mit Gericht und Staatsanwaltschaft für eine mögliche Absprache über das Strafmaß. Laut Richter Peter Noll kam es aber zu keiner Verständigung, weil die Strafvorstellungen der Verfahrensbeteiligten "sehr weit" auseinander gelegen hätten. Nach der gescheiterten Verständigung bot Noll dann für das Geständnis die Begrenzung der Strafe auf höchstens neun Jahre an.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. benutzer 09 schrieb: "Davon wird er dann die Hälfte absitzen, sich in den vielleicht 4 Jahren weiterbilden, Einkehr halten....

    Nein.
    Mindestens 2/3 der Freiheitsstrafe werden vollzogen, 57 StGB. Sollte es die im Artikel erwähnte, in Aussicht gestellte Freiheitsstrafe von mindestens 7 Jahren und 10 Monaten werden, wären das mehr als 5 Jahre; der Rest würde dann zur Bewährung ausgesetzt.
    Ob er sich im Strafvollzug weiterbildet und Einkehr hält, ist außerhalb des Einflusses der Justiz.

    benutzer09 fragte: "Muss er den Bestechungsbetrag eigentlich zurückzahlen?"

    Nein.
    An Ecclestone zurückzahlen wird er nicht. Das Geld verfällt dem Staat, inklusive daraus gezogener Zinsen, Dividenden etc., §§ 73, 73e StGB.

    Einkehr halten. Vermutlich wird er auch recht angenehme Haftbedingungen vorfinden."

    Antwort auf "Davon wird er dann ..."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... offenen Vollzug kommen, bis dahin muss er als Ersttäter mit guter Prognose und Kontakten sicher keine 5 Jahre absitzen.

  2. Das Bestechungsgeld wird dem Staat verfallen. 44 Millionen hat der Prozess sicher nicht gekostet, so dass doch ein dickes Plus bleibt.

    Und was das Dealen angeht: Wer seine Justiz nicht ordentlich ausstattet, braucht sich über Dealer in Robe nicht zu wundern. Schon mal Interesse am Justizetat Ihres Bundeslandes gezeigt?

  3. Na klar, was denn sonst!!!!

  4. ... offenen Vollzug kommen, bis dahin muss er als Ersttäter mit guter Prognose und Kontakten sicher keine 5 Jahre absitzen.

    Antwort auf "Nein, Nein"
  5. und Dummheit ist nicht strafbar. Da kann der Geschädigte nur zivilrechtlich Schadensersatz fordern. Strafbare Handlungen gab es wenn auf der Kärntner Seite.

  6. setzt dann werden Schwarzfahrer und Ladendiebe ungleich schwerer bestraft - wenn man diese Unsummen überhaupt ins Verhältnis setzen kann. Alleine die angefallenen Zinsen könnten einer Hartz IV Familie ein unbeschwertes Leben garantieren.

    • xpeten
    • 20. Juni 2012 18:46 Uhr

    Trifft sicher auf einige zu, und Korruption muss man auch, in all ihren Erscheinungsformen und egal, in welcher hierarchischen Ebene, mit Entschiedenheit bekämpfen, damit diesem Eindruck, den Sie hier äußern, entgegengewirkt werden kann,

    aber wer das auf alle Aufsichtsratsposten verallgemeinert, hat zumindest einen falschen Eindruck von unserer Gesellschaft.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Peanuts"
  7. sind diese Aufsichtsräte betroffen, welche sich weigern ihre Einkünfte offenzulegen, obwohl sie in der Politik tätig sind, aber eigentlich überhaupt nichts von diesem Betrieb verstehen.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Peanuts"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, Reuters
  • Schlagworte Bernie Ecclestone | Peter Noll | BayernLB | Leo Kirch | Gericht | Richter
Service