Die verschobene Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens Berlin Brandenburg Airport (BER) wird vermutlich deutlich teurer als befürchtet. Nach Informationen der ZEIT haben bereits 500 Firmen Nachforderungsanträge gestellt. Allein bei einer einzigen Firma im Bereich Messtechnik belaufe sich die Forderung auf 45 Millionen Euro, heißt es in dem Bericht.

Die zu erwartenden Kosten der Verschiebung werden am Freitag dieser Woche Thema auf der Aufsichtsratssitzung der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB) sein.

Gegen die FBB und ihren Aufsichtsratschef Klaus Wowereit, den Regierenden Bürgermeister von Berlin, gibt es wegen der verschobenen Flughafeneröffnung neue Vorwürfe. "Im Nachhinein muss man sagen, die haben an der Realität vorbei operiert", sagte Stephan Loge vom Landratsamt Dahme-Spreewald der ZEIT. "Vielleicht haben sie manchmal gedacht, dass wir nur ein doofes Dorf sind." Seine Mitarbeiter hätten sich mehrmals massiv beschweren müssen, weil ernste Bedenken der Behörde nicht in Protokollen auftauchten, so Loge.

Das Landratsamt Dahme-Spreewald war zuständig für die Abnahme der Entrauchungsanlage auf dem Airport. Als diese Abnahme durch den TÜV scheiterte, musste die für den 3. Juni geplante Eröffnung verschoben werden.

Berlin - Flughafen Berlin-Brandenburg: Hinter den Kulissen des Probebetriebs

Harsche Kritik an Wowereit übte auch der Architekt Meinhard von Gerkan, dessen Firma gmp als Teil der Planungsgruppe Berlin Brandenburg International (PGBBI) an der Generalplanung für den Flughafenbau beteiligt war. Inzwischen wurde der PGBBI gekündigt. In einem persönlichen Brief an den Berliner Regierungschef vom 25. Mai schreibt Gerkan: "Die bloße Kündigung führt zwingend zu einem wochenlangen Projektstillstand und einem nicht absehbaren Terminverzug. Die ausgesprochene Kündigung bedroht nicht uns, aber mit Sicherheit den Projekterfolg." In dem Brief schlägt Gerkan eine organisierte und geregelte Projektübergabe vor. Bislang hat Wowereit den Brief nicht beantwortet.