Zur Bekämpfung seiner Konjunkturschwäche hat Chinas Notenbank überraschend den Leitzins gesenkt. Die Zinsen für einjährige Einlagen fallen um 0,25 Prozentpunkte auf 3,25 Prozent, während die Kreditzinsen auf 6,31 Prozent sinken, wie die chinesische Notenbank in Peking mitteilte.

In der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt gab es zuletzt immer wieder Anzeichen für eine Konjunkturabkühlung. Der Einkaufsmanager-Index für große Industrieunternehmen fiel im Mai überraschend auf ein Jahrestief. Noch schlechter steht es um Chinas mittelständische Industrie. Deren Einkaufsmanager-Index signalisiert bereits seit sieben Monaten schrumpfende Geschäfte. Für das Gesamtjahr sagen Ökonomen ein Wirtschaftswachstum von 8,2 Prozent voraus. Das wäre der schwächste Anstieg seit 1999.

Wegen der Schuldenkrise in Europa waren zudem die Exporte stark zurückgegangen, so dass die Wirtschaftsdaten in den vergangenen Wochen weiter schlecht ausfielen. Europa ist für die Volksrepublik der größte Exportmarkt, doch die anhaltende Finanzkrise lässt das Vertrauen Chinas in die europäische Wirtschaft sinken. Der Chef des chinesischen Staatsfonds (CIC), Lou Jiwei, sagte dem Wall Street Journal: "Wir finden derzeit, dass es zu viel Risiko an Europas öffentlichen Märkten gibt." Die Gefahr eines Auseinanderbrechens steige. Es ist das erste Mal, dass ein hochrangiger Vertreter der Regierung in Peking den teilweisen Rückzug aus Europa öffentlich macht.

Der deutsche Aktienmarkt reagiert positiv auf die Zinssenkung Chinas. Nach der Vorlage der US-Arbeitsmarktdaten reduzierte der deutsche Leitindex Dax seine Gewinne zwar geringfügig, stand zuletzt aber immer noch mit 1,43 Prozent im Plus bei 6.181 Punkten. Die Leitzinssenkung in China sei auch für den Aktienmarkt psychologisch wichtig, denn möglicherweise stehe damit ein neuer Zyklus von Zinssenkungen bevor, sagte ein Händler.