Schließt man die Augen, könnte man meinen, da stehe nicht der Umwelt-, sondern der Wirtschaftsminister. Bundesumweltminister Peter Altmaier ( CDU ) hat sich an diesem Morgen in den Eichensaal des Bundeswirtschaftsministerium gewagt – in das Ministerium also, das in den vergangenen Monaten so oft genau das Gegenteil dessen gefordert hat, was das Bundesumweltministerium wollte. 

Altmaier soll heute Bilanz ziehen; Ein Jahr Energiewende heißt die Fachtagung, auf der er spricht. Vor genau einem Jahr hat die schwarz-gelbe Bundesregierung nach dem Atomunglück von Fukushima den Atomausstieg und den langfristigen Umbau der Energiewirtschaft beschlossen. Es ist Zeit für eine erste öffentliche Zwischenbilanz. Altmaier will über die Chancen sprechen, welche die Energiewende Deutschland biete.

In seiner Rede ist wenig zu hören von Offshore-Windrädern und Solarkürzungen. Stattdessen spricht der Minister von Versorgungssicherheit, von bezahlbarer Energie, vom Wirtschaftsstandort Deutschland und der internationalen Wettbewerbsfähigkeit. Deutschland baue die Erneuerbaren Energien zwar radikal aus, sagt er. Zugleich seien auch effiziente Gas- und Kohlekraftwerke nötig. Er glaube nicht, dass Deutschland sich auf Dauer eine parallele Versorgungsstruktur von erneuerbaren und fossilen Energiequellen leisten könne.

Der klassische Konflikt zwischen Wirtschaft und Umwelt sei doch überholt , betont Altmaier: Die Wirtschaft müsse ökologischer und nachhaltiger werden, um zu bestehen; die Umweltpolitik dagegen marktwirtschaftlicher. Altmaier klingt versöhnlich. Er betont, dass er mit allen Akteuren reden wolle. Im übrigen hätten er und sein Amtskollege, Wirtschaftsminister Philipp Rösler ( FDP ), offiziell beschlossen, "dass wir uns mögen".

Altmaier betont Grünes Wachstum

Ihm ist es ein Anliegen, das Verhältnis zwischen den beiden Ministerien zu verbessern. Im Umweltministerium die naiven Gutmenschen, im Wirtschaftsministerium die harte Wirtschaftslobby – so lautet das Klischee. Das will Altmaier ändern. Lächelnd laufen er und Rösler nebeneinander den Mittelgang durchs Publikum, tuscheln vertraut. "Wir geben das Versprechen, dass wir an einem Strang ziehen werden", sagt der Umweltminister in seiner Rede.

Der liberale Wirtschaftsminister hat dagegen eine klare Agenda, die er an diesem Tag loswerden will. "Die Energiewende ist auf einem guten Weg", betont er mehrmals. Rösler will eine ehrlichere Debatte über die Kosten der Energiewende und warnt vor zu viel Planwirtschaft . Es werde nicht funktionieren, wenn der Staat anfange, Kraftwerke und Stromnetze zu bauen.

Auch das Erneuerbare-Energien-Gesetz, das jedem Ökostromproduzenten eine bestimmte Vergütung via Umlage garantiert, müsse neu bewertet werden. "Da müssen wir uns tief in die Augen schauen und fragen: Wollen wir das wirklich bezahlen, oder wollen wir Mechanismen im System ändern?" Es sind die bekannten Positionen des FDP-Ministers: Er ist für weniger Staat und mehr Markt.

Röslers Rede zeigt, wie unterschiedlich Wirtschafts- und Umweltministerium ticken – trotz aller gegenteiligen Beteuerungen. Vor allem die Debatte über die Förderung der erneuerbaren Energien , auf die Rösler anspielt, zeigt: Nach einem Jahr Energiewende ist von der ursprünglichen Euphorie in der Bundesregierung wenig geblieben.