Grüne und Sozialexperten haben Stromrabatte und Sondertarife für die Verbraucher in Deutschland gefordert. "Wir brauchen neue Preismodelle für Strom", sagte Grünen-Fraktionschefin Renate Künast der Passauer Neuen Presse . Für jeden Haushalt müsse es ein Grundkontingent an Gas und Strom zu einem niedrigeren Preis geben.

Als Grund nannte Künast vor allem die Strompreise, die durch die Energiewende steigen werden. " Die Energiewende kann und muss für die Bürger bezahlbar bleiben", sagte Künast. Die Bevorzugung der Industrie müsse ein Ende haben. Damit bezieht sich Künast auf Pläne, Teile der Wirtschaft bei der Umlage für Erneuerbare Energien auszunehmen.

Die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Ulrike Mascher , äußerte sich ähnlich. Der Bild am Sonntag sagte sie: "Wir brauchen Preisnachlässe nicht nur für energieintensive Unternehmen im Stahl-, Aluminium-, Glas- und Chemiebereich, sondern auch für Menschen mit niedrigen Einkommen. Wir brauchen gesetzlich festgelegte und für alle Stromerzeuger verbindliche Sozialtarife bei den Strompreisen." Wer als bedürftig einzustufen sei, müsse den Stromerzeugern vom Staat genannt werden.

Die Koalition widerspricht

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler ( FDP ) wandte sich gegen die Vorschläge, mit staatlichen Eingriffen eine Reduzierung des Strompreises durchzusetzen. Ursache für die steigenden Preise sei das Erneuerbare-Energien-Gesetz, sagte er. Der Vorschlag eines Zuschusses für Geringverdiener bedeute deshalb im Klartext: "Die negativen Auswirkungen einer Subvention sollen durch eine weitere Subvention gemildert werden."

Die Union hält schon die Sorge vor zu hohen Strompreisen für unbegründet. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte in ihrem wöchentlichen Video-Podcast: "Wir tun alles, um die Energiewende so zu gestalten, dass die Preise bezahlbar bleiben , dass die Versorgung sicher ist und wir gleichzeitig die Energie umweltfreundlicher gestalten."

Auch Unionsfraktionschef Volker Kauder rechnet in absehbarer Zeit nicht zwangsläufig mit steigenden Stromkosten. "Strom muss nicht teurer werden, wenn wir die Förderung der Solarenergie senken", sagte er der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung . Der Opposition warf Kauder vor, durch das Festhalten an der "übertriebenen Solarförderung" die Preise in die Höhe zu treiben.

Bundesumweltminister Peter Altmaier dagegen hatte sich bereits zuvor offen für Staatshilfen zum Schutz vor explodierenden Stromkosten gezeigt. "Strom darf nicht zum Luxusgut werden. Der Staat ist da gefordert, Hilfen anzubieten", sagte Altmaier.

Laut einer Emnid-Umfrage hält eine klare Mehrheit der Deutschen – rund 70 Prozent – den Ausstieg aus der Atomenergie trotz der von Experten erwarteten Erhöhung der Strompreise für richtig. Nur knapp 30 Prozent halten das beschlossene Ende der Kernkraft für falsch.