GriechenlandBrüssel ist zu Zugeständnissen bereit

Die EU-Kommission will mehr Geld für Investitionen in Griechenland bereitstellen. Eine Neuverhandlung der Kreditbedingungen lehnt sie jedoch ab.

Nach dem Wahlsieg der Konservativen in Griechenland hat die EU-Kommission die Bereitschaft signalisiert, die griechische Wirtschaft stärker zu stützen. "Es gibt Überlegungen für zusätzliche realwirtschaftliche Maßnahmen", heißt es aus der Kommission. Die Task Force um den deutschen Horst Reichenbach könne mit mehr Mitteln ausgestattet werden, beispielsweise um Investitionen in die Solarenergie zu fördern oder die Logistik an den Häfen auszubauen. Offiziell will sich die Kommission nicht äußern, denn noch hat sich in Griechenland keine neue Regierung gebildet.

Aus der Wahl am Sonntag ging die konservative Nea Demokratia (ND) als Wahlsieger hervor. Falls eine Koalition mit dem ebenfalls pro-europäischen Pasok zustande kommt, würden beide Parteien über 162 der 300 Sitze im griechischen Parlament verfügen. ND und Pasok wollen zwar den Reform- und Sparkurs fortsetzen, aber mit den Geldgebern über Erleichterungen reden. Das Bündnis der radikalen Linken, das den Sparpakt aufkündigen will, wurde mit knapp 27 Prozent zweitstärkste Kraft.

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Auch im EU-Parlament mehren sich die Stimmen, die sich für eine stärkere Stützung Griechenlands aussprechen. "Das Land braucht einen echten Wachstumspakt", fordert Udo Bullmann (SPD). Die Löhne in Griechenland seien bereits um 30 Prozent gesunken. Endlos könne dies so nicht weitergehen.

Der liberale Jorgo Chatzimarkakis sprach sich schon vor zwei Jahren in der ZEIT für einen Marshallplan für Griechenland aus. Gegenüber ZEIT ONLINE bekräftigt er nun seine Forderung: "Die Entwicklung seit 2010 zeigt klar, dass Griechenland nur durch Wachstum aus der Krise kommt." Die Vorgaben der Troika sollten angepasst werden, allein schon um Griechenland nicht schlechter als Spanien zu behandeln. "Wir brauchen deshalb beim EU-Gipfel nächste Woche ein klares Signal in diese Richtung", fordert  Chatzimarkakis.

Kommission und Parlament sehen am ehesten Möglichkeiten, über eine Ausweitung der Strukturhilfen Griechenland zu helfen. Ohnehin stehen bis 2013 rund 20 Milliarden Euro bereit. Bis Ende März waren davon rund acht Milliarden Euro ausgezahlt. Schon jetzt hat die Task Force 181 Projekte ausgemacht, die in den nächsten Monaten auf den Weg gebracht werden könnten. Dabei geht es beispielsweise um den Bau und Betrieb von 1.400 Autobahnkilometern sowie um Förderprogramme für kleinere und mittelständische Betriebe im Umfang von 1,3 Milliarden Euro.

Der SPD-Politiker Bullmann setzt sich zudem dafür ein, die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit in Griechenland und ganz Europa zum Bestandteil der Verhandlungen um einen europäischen Fiskalpakt zu machen. "Das ist ein ganz zentrales Element unserer Forderung an die Regierung", sagt Bullmann.

Wenig Bereitschaft gibt es jedoch seitens der EU-Kommission, die Kreditbedingungen zwischen EU, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Griechenland neu zu verhandeln. "Die Laufzeit lässt sich noch am ehesten diskutieren, mehr nicht", heißt es aus Brüssel. Die Gefahr sei groß, dass auch andere Länder wie Portugal nachverhandeln wollen, wenn die Bedingungen für Griechenland aufgeweicht würden. Demnach soll sich der Zinssatz für die Kredite nicht ändern.

Die konservativen Abgeordneten sind ohnehin skeptisch. "Es ist zu früh, um über weitere Stützungen der griechischen Wirtschaft zu sprechen. Zunächst müssen sich die bisher zerstrittenen Parteien Nea Dimokratia und Pasok auf eine Regierung einigen", sagt Marcus Ferber (CSU), Co-Vorsitzender der CDU-CSU-Gruppe im EU-Parlament. Für die Einigung auf eine Regierung bleiben den Parteien nur wenige Tage.

 
Leserkommentare
    • bayert
    • 18.06.2012 um 15:38 Uhr

    In D sind viele Infrastrukturprojekte auf Eis gelegt, da das Geld fehlt.Man kann schon froh sein, wenn die Schlaglöcher ausgebessert werden.

    12 Leserempfehlungen
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    "Die Task Force um den deutschen Horst Reichenbach könne mit mehr Mitteln ausgestattet werden, beispielsweise um Investitionen in die Solarenergie zu fördern oder die Logistik an den Häfen auszubauen."

    Wie gut, dass man Geld essen kann!

    Wieso stellt sich nicht jemand mit Medienmacht hin und schreit so lange, bis auch der letzte Bildleser es begriffen hat:

    In Griechenland wurden keine Griechen mit Rettungsgeldern gerettet, sondern all das schöne Geld landete ohne Umwege bei Großbanken vorwiegend aus Frankreich und dem angelsâchsischen Raum.
    Das ganze Zaudern und diese verzögernde Häppchenpolitik hatte einzig den Zweck, den Großbanken Zeit zu verschaffen, sich von den wertlosen griechischen Papieren zu trennen! Solange, bis der Haircut nur noch der EZB (also den Steuerzahlern) wirklich weh tut.

    Merkel wusste genau, dass sie nicht mal bei den tumbesten CDU Wählern eine weitere Bankenrettung rechtfertigungen können. Nicht, nachdem, trotz großer Ankündigungen, nach 2008 nichts, aber auch gar nichts zur Regulierung der Banken unternommen wurde.

    Also hat sie die faulen Griechen erfunden. Bis auf die 200 reichsten Familien, das Heer der Beamten und den Gewerkschaften, hatte niemand in Griechenland die letzten 10 Jahre Party. Aber die, die nicht gefeiert haben sollen's jetzt bezahlen, während die Profiteure auf ihren Yachten ihr Schweizer Schwarzgeld verprassen.

    Die einfache Bevölkerung wird demnächst Hilfe brauchen. Ich hoffe, dass es dann in Ländern ohne Bildzeitung für ein bisschen Solidaritãt und Mitgefühl reicht.

    Und für meine Landsleute, die sich so leicht manipulieren lassen schäme ich mich.

    das Land der Dichter und Denker, wurde innerhalb von drei Generationen zum Land von Dumm und Dümmer

    graphicdog

    "Die Task Force um den deutschen Horst Reichenbach könne mit mehr Mitteln ausgestattet werden, beispielsweise um Investitionen in die Solarenergie zu fördern oder die Logistik an den Häfen auszubauen."

    Wie gut, dass man Geld essen kann!

    Wieso stellt sich nicht jemand mit Medienmacht hin und schreit so lange, bis auch der letzte Bildleser es begriffen hat:

    In Griechenland wurden keine Griechen mit Rettungsgeldern gerettet, sondern all das schöne Geld landete ohne Umwege bei Großbanken vorwiegend aus Frankreich und dem angelsâchsischen Raum.
    Das ganze Zaudern und diese verzögernde Häppchenpolitik hatte einzig den Zweck, den Großbanken Zeit zu verschaffen, sich von den wertlosen griechischen Papieren zu trennen! Solange, bis der Haircut nur noch der EZB (also den Steuerzahlern) wirklich weh tut.

    Merkel wusste genau, dass sie nicht mal bei den tumbesten CDU Wählern eine weitere Bankenrettung rechtfertigungen können. Nicht, nachdem, trotz großer Ankündigungen, nach 2008 nichts, aber auch gar nichts zur Regulierung der Banken unternommen wurde.

    Also hat sie die faulen Griechen erfunden. Bis auf die 200 reichsten Familien, das Heer der Beamten und den Gewerkschaften, hatte niemand in Griechenland die letzten 10 Jahre Party. Aber die, die nicht gefeiert haben sollen's jetzt bezahlen, während die Profiteure auf ihren Yachten ihr Schweizer Schwarzgeld verprassen.

    Die einfache Bevölkerung wird demnächst Hilfe brauchen. Ich hoffe, dass es dann in Ländern ohne Bildzeitung für ein bisschen Solidaritãt und Mitgefühl reicht.

    Und für meine Landsleute, die sich so leicht manipulieren lassen schäme ich mich.

    das Land der Dichter und Denker, wurde innerhalb von drei Generationen zum Land von Dumm und Dümmer

    graphicdog

  1. welche Unternehmen wollen die dafür unter Vertrag nehmen? Das wird dann wie in Afrika laufen. Die Griechen nehmen weitere Kredite (aka Rettungsgelder) auf, um die Unternehmen hier Aufträge zu verschaffen.

    ......

  2. werden bestimmt immer wieder gern genommen.
    Das "Weiter so" in der Euro-EU muss uns das schon wert sein.

    Eine Leserempfehlung
  3. "Brüssel ist zu Zugeständnissen bereit"

    Na also, nun gibt Brüssel endlich zu, dass Europa sich erpressen lassen muss. Denn es gibt keine Alternativen. Athen bestimmt nun die Agenda, und das ist richtig zum komisch.

    Tragikomisch!

    6 Leserempfehlungen
  4. Eine Leserempfehlung
  5. Das Land braucht keinen Wachstumspakt, sondern eine faire Geldpolitik! Und zwar eine, die keine Zinsen vorsieht und durch das Horten von Geld die Geldmenge minimiert. Derartige Geldmodelle gibt es genügend! Weiterhin sollten die Griechen als erste Sozialreform das bedingungslose Grundeinkommen einführen, um die arme Landbevölkerung zu schützen und die Korruption zu ersetzten. Die Griechen sollten es versuchen und ein Beispiel für die restliche Welt werden.

    2 Leserempfehlungen
  6. Brüssel erklärt sich bereit, noch mehr Geld locker zu machen.....
    Warum mag keiner mehr so recht glauben, dass das wirklich die Lösung des Problems ist?

    Auch wenn eine funktionsfähige Regierung zustande kommt - wer weiss, wie lange die halten wird? Bis Brüssel die nächsten Milliarden überwiesen hat?

    2 Leserempfehlungen
    • etiam
    • 18.06.2012 um 16:02 Uhr

    Griechenland war die letzeten Dekaden der größte Direktzahlungsempfänger - anders als in Portugal, wo jetzt große Autobahnen ins Nichts führen, floss in Griechenland alles in ein Konsumstrohfeuer. Jeder neuen Hilfe droht dieses Schicksal, wenn nicht endlich die Politik tut, was sie überall auf der Welt tut, nämlich regieren (Gesetze machen!) und die Verwaltung aus vielen tausend Beamten endlich mal zu arbeiten anfängt und das tun, was man von Ihnen auf der ganzen Welt erwartet: Gesetze vollziehen.
    Wenn Exekutive und Legislative nicht endlich aufhören nichts als Taschenspielertricks aufzuführen und das einzige, was ihnen in der Not einfällt ist, die Ärmsten zu schröpfen, dann braucht Griechenland kein weiteres Geld sondern eine reinigende Katharsis.

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