EU-Gipfel: EU-Staaten einigen sich auf Wachstumspakt und Bankenaufsicht
Die EU-Staatschefs haben sich auf einen Wachstumspakt verständigt. Auch eine gemeinsame Bankenaufsicht wird kommen. Italien und Spanien hatten eine Einigung verzögert.
© Francois Lenoir/Reuters

Dänemarks Premierministerin Helle Thorning-Schmidt, EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy und Kommissionschef José Manuel Barroso in Brüssel
Die Europäische Union hat sich auf einen Pakt für Wachstum und Beschäftigung mit einem Umfang von rund 120 Milliarden Euro geeinigt. Weiterhin verständigten sich die Staats- und Regierungschefs darauf, den europäischen Euro-Rettungsfonds ESM zu befähigen, direkt Kapitalhilfe an geschwächte Banken zu zahlen.
Voraussetzung dafür ist eine gemeinsame Bankenaufsicht. Unter Einbeziehung der Europäischen Zentralbank (EZB)) soll sie rasch etabliert werden, wie EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy mitteilte. Sobald die Aufsicht wirksam sei, könnten Banken dann direkt aus dem Krisenfonds ESM Hilfe erhalten.
Die geplante Hilfe von 120 Milliarden Euro solle in "unmittelbare Wachstumsmaßnahmen" fließen, sagte Van Rompuy in der Nacht. Die Summe entspricht ungefähr einem Prozent der europäischen Wirtschaftsleistung und soll in die rasche Belebung der schwächelnden Wirtschaft fließen.
Gezielte Investitionen
Dafür erhöhen die EU-Länder unter anderem das Kapital der Europäischen Investmentbank um zehn Milliarden Euro, so dass diese in den kommenden drei Jahren Kredite in Höhe von 60 Milliarden Euro vergeben kann. Etwa 55 Milliarden Euro kommen aus dem EU-Haushalt. Deutschland soll 1,6 Milliarden Euro beitragen.
Die 55 Milliarden Euro sollen gezielt investiert werden, um Wachstum und Beschäftigung zu fördern. Weitere fünf Milliarden sind bereits für sogenannte Projektbonds verplant, die Privatinvestoren für die Finanzierung von Infrastrukturprojekten nutzen sollen.
Im Falle Spaniens, das um Unterstützung aus den Euro-Rettungsfonds gebeten hat, wurde vereinbart, dass die Hilfen zwar beim derzeitigen Euro-Rettungsschirm EFSF beantragt, dann aber in den geplanten dauerhaften Rettungsschirm ESM überführt werden sollen. Dieser verzichtet dafür auf seinen bevorzugten Gläubigerstatus, der nach Ansicht der spanischen Regierung das Interesse an Staatsanleihen der viertgrößten Euro-Volkswirtschaft hätte sinken lassen.
Endgültige Zustimmung steht aus
Die Euro-Zone werde sich das irische Sanierungsprogramm nochmals anschauen und andere Fälle ähnlich behandeln, kündigte Van Rompuy an. Neue Mittel würden dabei nicht geschaffen, wurde in deutschen Regierungskreisen betont. "Es bleibt bei dem Prinzip Kontrolle vor Haftung", hieß es.
- Mai 2013
-
© Aris Messinis/AFP/Getty ImagesEuropa wird unbeliebter: Laut einer Studie des US-Meinungsforschungsinstituts Pew ist die Zustimmung zur EU im Vergleich zum Vorjahr von 60 auf 45 Prozent gesunken. Befragt wurden knapp 8.000 Bürger in acht EU-Staaten. In Deutschland wurden das europäische Projekt und die wirtschaftliche Lage noch in Deutschland bewertet, in Frankreich sank die Zustimmung am stärksten. Allerdings ergibt die Studie auch, dass eine Mehrheit der Bürger den Euro behalten will und dass etwa zwei Drittel der Befragten in Krisenländern die Sparpolitik großen Mehrausgaben vorziehen.
- 28. April 2013
-
© John Kolesidis/ReutersUm sich zukünftige Hilfszahlungen der Troika zu sichern, verabschiedet die griechische Regierung ein neues Sparpaket. Unter anderem sollen bis Ende nächsten Jahres 15.000 Beamte entlassen werden. Ohnehin erreicht die Arbeitslosigkeit immer neue Rekord-Ausmaße: Schon Anfang des Jahres waren in der ganzen Euro-Zone 19 Millionen Menschen ohne Erwerb. In Griechenland und Spanien lag die Arbeitslosenquote bei über 26, bei unter 25-jährigen sogar über 55 Prozent. Immer wieder kommt es in den Krisenländern zu Streiks und heftigen Protesten.
- April 2013
-
© Jessica Rinaldi/ReutersDie wissenschaftliche Basis der Sparpolitik bröckelt: Eine maßgebliche Studie von Kenneth Rogoff und Carmen Reinhart kam zu dem Schluss, dass Staatsschulden das Wachstum bremsen, sobald sie einen bestimmten Punkt überschreiten. Jetzt wird die Arbeit massiv angezweifelt. Neue Forschungen ergeben, dass der errechnete Zusammenhang zwischen Schulden und Wachstum weniger stark ausfällt. Das gibt den Kritikern der Sparpolitik neue Argumente.
- 14. April 2013
-
© Carsten Koall/Getty ImagesDer konservative Protest gegen den Euro formiert sich: Auf ihrem Gründungsparteitag hat die Alternative für Deutschland (AfD) beschlossen, zur Bundestagswahl anzutreten. Die Partei um den Wirtschaftsprofessor Bernd Lucke fordert den Ausstieg aus dem Euro, die Wiedereinführung der D-Mark und das Ende der Rettungspakete. Die AfD gibt sich bürgerlich und versucht, sich von Rechtspopulismus-Vorwürfen abzusetzen. Zustimmung zum Euro-Austritt äußert unter anderem auch der frühere Linken-Vorsitzende Oskar Lafontaine. In Umfragen Anfang Mai erreicht die AfD drei Prozent.
- März 2013
-
© Andreas Manolis/ReutersZypern droht die Staatspleite. Ein erster Rettungsplan der Euro-Finanzminister sieht vor, auch die Bankkunden an den Kosten zu beteiligen, die vergleichsweise kleine Summen bei Zyperns Banken angelegt haben. Doch das Parlament in Zypern lehnt die Zwangsabgabe ab. Schließlich werden nur Konten mit über 100.000 Euro belastet, die Troika zahlt zehn Milliarden Euro, Zypern bleibt mit umstrukturiertem Finanzsektor im Euro. Am 28. März öffnen zyprische Banken nach einer zwölftägigen Pause wieder, der befürchtete Ansturm der Kunden auf die Institute bleibt aus.
- Januar 2013
-
© Oli Scarff/Getty ImagesIn Großbritannien legt die eurokritische Partei UKIP in Umfragen stark zu. In einer Grundsatzrede kündigt Premierminister David Cameron ein Referendum zum Austritt aus der EU an. Er spricht sich für den Verbleib in der Staatengemeinschaft aus – wenn diese sich "möglicherweise bis zur Unkenntlichkeit" verändere. Die EU müsse flexibler, anpassungsfähiger und offener werden, die Schuldenkrise überwinden. Dazu müsste allerdings der Lissabon-Vertrag verändert werden, was für viele EU-Politiker nicht infrage kommt.
- November 2012
-
© Yves Herman/ReutersDie Euro-Finanzminister, die EZB und der IWF einigen sich auf Maßnahmen gegen die griechische Staatsverschuldung. Aus dem zweiten Hilfspaket werden Notkredite in Höhe von 44 Milliarden Euro gewährt. Außerdem bekommt Athen mehr Zeit, um seine Schulden abzubauen – bis zum Jahr 2020 muss die Schuldenlast nun um 120 statt 124 Prozent gesunken sein, für die Rückzahlungen an den EFSF ist auch über 2020 hinaus Zeit. Einen zweiten Schuldenschnitt für Griechenland hatte unter anderem Deutschland zunächst kategorisch abgelehnt.
- Oktober 2012
-
© Nicolas Armer/dpaDer Rettungsschirm ESM tritt in Kraft. Insgesamt 500 Milliarden Euro können in Form von Hilfskrediten oder durch das Ankaufen von Anleihen an Krisenstaaten vergeben werden. Die Staaten müssen dazu bestimmte Auflagen erfüllen. In Deutschland lehnte das Bundesverfassungsgericht zuvor Klagen gegen den ESM ab. Geklagt hatten unter anderem Peter Gauweiler (CSU) und die Linke im Bundestag. Das Gericht stellte aber zugleich die Bedingung, dass die deutsche Haftung maximal 190 Milliarden Euro betragen dürfe.
- September 2012
-
© Johannes Eisele/AFP/Getty ImagesEZB-Chef Mario Draghi kündigt an, unbegrenzt Staatsanleihen von Spanien und Italien anzukaufen und so deren Zinsen für Neuverschuldungen zu senken. Bedingung ist, dass die Rettungsfonds EFSF und ESM beantragt und entsprechende Reformen zugesagt werden. Damit setzt die EZB ihre Bemühungen fort, die Kreditvergabe anzuregen und die Konjunktur in Krisenländern zu stärken. Im Juli hatte die Bank zu diesem Zweck den Leitzins von 1,0 auf einen Rekordwert von 0,75 Prozent gesenkt.
- 29. Juni 2012
-
© Thierry Charlier/AFP/Getty ImagesIn Brüssel treffen sich die Staats- und Regierungschefs der EU zum Krisengipfel. Spanien und Italien verlangen schnelle Hilfen. Merkel lehnt Euro-Bonds oder ein Eingreifen der EZB, um die Finanzmärkte zu stabilisieren, ab. Spanien und Italien aber verhandeln hart. Am Ende wird ein Pakt für Wachstum und Beschäftigung beschlossen. Rettungsgeld soll zukünftig "flexibler" vergeben werden. Die spanischen Banken sollen direkt Geld aus Brüssel erhalten. Die Staatschef verabreden die Schaffung einer Bankenunion.
- 25. Mai 2012
-
bankia
© Getty ImagesEine Zahl schreckt die Finanzwelt auf. In die Welt gesetzt hat sie José Ignacio Goirigolzarri, der Chef von Bankia, der viertgrößten Bank Spaniens. 19 Milliarden Euro braucht die Bank demnach an Staatshilfen, um zu überleben – weit mehr als bisher angenommen. Die Meldung untergräbt das Vertrauen in spanische Anleihen weiter, auch die Börsenkurse rutschen weltweit ab. Eine neue Debatte beginnt: Angela Merkel schlägt vor, Europas systemrelevante Banken unter eine gemeinsame Aufsicht zu stellen.
- 6. Mai 2012
-
hollande
© Getty ImagesFrankreich wählt einen neuen Präsidenten: Der Sozialist François Hollande weckt vor allem bei Frankreichs Linken die Hoffnung, die Krisenagenda in Europa verändern zu können. Hollande war im Wahlkampf mit der Forderung nach Euro-Bonds aufgetreten – anders als sein Vorgänger Nicolas Sarkozy. Auch kritisierte er, Europas Politik setze zu sehr auf Sparen und zu wenig auf Wachstum.
- 6. Mai 2012
-
griechenland opposition
© Getty ImagesDie Parlamentswahl in Griechenland endet im Chaos: Mehr als eine Woche lang gelingt es den Parteichefs von Konservativen, Linksradikalen und Sozialisten sowie den kleineren Demokratischen Linken nicht, eine Koalition zu bilden. Am Ende fällt die Entscheidung für Neuwahlen im Juni. Die Unsicherheit in Griechenland beunruhigt nicht nur die Finanzmärkte in Europa, sondern auch die griechischen Bürger: Viele räumen ihre Konten und bringen das Geld außer Landes. In Europa wächst die Sorge vor einer Kapitalflucht im Süden.
- 8. März 2012
-
Griechenland
© Oli Scarff/Getty ImagesDie griechische Regierung verschickt eine Erfolgsmeldung: An dem angekündigten Schuldenschnitt beteiligen sich nach Angaben des Finanzministeriums rund 86 Prozent aller Gläubiger, die Papiere nach griechischem Recht halten. Damit ist das nötige Quorum erreicht, um auch die anderen Gläubiger zum Umtausch zu zwingen. Insgesamt wären dann rund 95 Prozent der Investoren im Boot. Rund 197 Milliarden der 206 Milliarden Euro an griechischen Staatsschulden können nun umgeschuldet werden. Die Anleger erhalten Papiere mit längerer Laufzeit und niedrigerem Zinssatz. Griechenland bekommt mehr Zeit.
- 21. Februar 2012
-
Venizelos und Juncker
© Yves Herman/ReutersDie EU-Finanzminister bringen ein zweites Rettungspaket für Griechenland auf den Weg. Es umfasst neue Kredite in Höhe von 130 Milliarden Euro; private Gläubiger sollen auf mehr als 50 Prozent ihrer Forderungen verzichten. Die Euro-Gruppe bannt damit die Gefahr, dass Griechenland am 20. März endgültig zahlungsunfähig wird – an diesem Tag werden 14,5 Milliarden Euro an Zahlungen aus Anleihen fällig. Für die griechischen Staatseinnahmen soll ein Sperrkonto eingerichtet werden, das die vorrangige Bedienung der Kredite sichert.
- 31. Januar 2012
-
Evangelos Venizelos
© Getty ImagesDie Staats- und Regierungschefs der EU verabschieden in Brüssel den Fiskalpakt. 25 Staaten stimmen dem Regelwerk zu; Großbritannien und Tschechien bleiben außen vor. Die neuen Regeln sollen ab 2013 gelten. Künftig kann die Kommission ein Defizitverfahren auch ohne die Zustimmung der Finanzminister eröffnen, immer dann, wenn die Defizitquote eines Landes drei Prozent überschreitet. Das strukturelle Defizit in den Haushalten darf in der Regel nicht mehr die Grenze von 0,5 Prozent überschreiten. Die Krisenstaaten müssen ihre Schulden um fünf Prozent jährlich abbauen. Beschlossen wird auch der dauerhafte Krisenmechanismus ESM, der ab Juli in Kraft treten soll.
- 13. Januar 2012
-
fillon-frankreich-rating
© Getty ImagesDie Rating-Agentur Standard & Poor's stuft Frankreichs Kreditwürdigkeit herab. Einen Tag später entzieht sie neun weiteren Ländern die Bestnote. Auch der Krisenfonds EFSF verliert sein AAA-Rating. Die Folgen sind begrenzt: Die Zinsaufschläge für einige Krisenländer bleiben zwar hoch, sinken aber in der Tendenz. Die erste Auktion des EFSF nach seiner Herabstufung verläuft reibungslos. Allerdings nimmt die Flucht in sichere Häfen zu: Wenige Tage vor der Herabstufung von Frankreich zahlt Deutschland erstmals negative Zinsen auf kurzfristige Staatspapiere – wie zuvor die Schweiz und Dänemark.
- Mitte November 2011
-
Mario Monti
© Filippo Monteforte/AFP/Getty ImagesNach wachsendem Druck der Finanzmärkte auf Italien tritt Regierungschef Silvio Berlusconi zurück. Sein Nachfolger wird der frühere EU-Kommissar Mario Monti. Im Dezember stimmt das Parlament in Rom seinem Spar- und Sanierungsprogramm zu. Auch in Spanien wechselt die Regierung: Bei der vorgezogenen Parlamentswahl am 20. November werden die Sozialisten abgewählt, die konservative Volkspartei (PP) mit ihrem Spitzenkandidaten Mariano Rajoy siegt. Er löst im Dezember José Luis Rodríguez Zapatero als Regierungschef ab.
- Anfang November 2011
-
Lucas Papademos (r.) mit seinem Amtsvorgänger Giorgos Papandreou
© Orestis Panagiotou/EPA/dpaAm 31. Oktober kündigt Griechenlands Ministerpräsident Papandreou überraschend an, er wolle seine Bevölkerung über die EU-Rettungshilfen abstimmen lassen. Europas Regierungen setzten Griechenland daraufhin unter Druck: Die nächste Kredittranche, von den Euro-Finanzministern eigentlich schon gebilligt, wird auf Eis gelegt. Am 3. November sagt Papandreou das Referendum wieder ab. Sechs Tage später kündigt er seinen Rücktritt an. Das frühere EZB-Ratsmitglied Lucas Papademos wird neuer griechischer Ministerpräsident.
- Oktober 2011
-
© Odd Andersen/AFP/Getty ImagesAm 26. Oktober stimmt der Bundestag schon wieder über eine Ausweitung des Rettungsfonds EFSF ab. In ihrer Regierungserklärung appelliert Kanzlerin Merkel an die Abgeordneten, ihre Rettungspolitik zu unterstützen: "Scheitert der Euro, scheitert Europa", sagt sie. 503 von 596 Abgeordneten stimmen für die Erweiterung. Auf dem anschließenden EU-Gipfel beschließen die Staats- und Regierungschefs einen Schuldenschnitt für Griechenland, eine Ausweitung des EFSF und eine Rekapitalisierung der Banken. Italien verspricht, stärker zu sparen.
- 29. September 2011
-
© Sean Gallup/AFP/Getty ImagesDer Bundestag billigt die von den Euro-Ländern geplante Aufstockung des Rettungsfonds EFSF auf 780 Milliarden Euro, von denen 440 Milliarden an überschuldete Euro-Staaten verliehen werden können. Treten die geplanten Änderungen in Kraft, steigen die deutschen Garantien um 88 Milliarden auf 211 Milliarden Euro. Zudem erhält der Fonds dann weitere Kompetenzen: Künftig soll er an der Börse Staatsanleihen von Krisenstaaten kaufen, um deren Kurse zu stabilisieren. Von 611 anwesenden Abgeordneten im Bundestag stimmen 523 dem Gesetzentwurf der Koalitionsfraktionen zu.
- 7. September 2011
-
Bundesverfassungsgericht
© Ralph Orlowski/Getty ImagesErneut weist das Bundesverfassungsgericht Verfassungsbeschwerden gegen die Griechenland-Hilfen ab. Die Richter entscheiden, dass die deutsche Beteiligung am Rettungsfonds EFSF mit dem Grundgesetz vereinbar ist. Sie setzen aber voraus, dass der Haushaltsausschuss des Bundestages allen Rettungsmaßnahmen zustimmen muss. Bisher musste sich Finanzminister Wolfgang Schäuble lediglich um ein Einvernehmen mit dem Parlament bemühen.
- August/September 2011
-
Banken Frankfurt
© Alex Grimm/Getty ImagesDie europäischen Banken misstrauen einander zunehmend. Statt sich gegenseitig Geld zu leihen, bemühen sie die EZB. Der Liquiditätsfluss im Finanzsektor droht auszutrocknen, die Angst vor einer neuen großen Bankenpleite wächst. Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), fordert deshalb, die Banken mit neuem Kapital auszustatten, das direkt vom Rettungsfonds EFSF kommen soll. Auch die Bankenaufsicht (EBA) zeigt sich besorgt. EZB-Chef Trichet und Deutsche-Bank-Chef Ackermann hingegen kritisieren die Vorstöße.
- 31. August 2011
-
© Sean Gallup/Getty ImagesDas Bundeskabinett bringt das "Gesetz zur Übernahme von Gewährleistungen im Rahmen eines europäischen Stabilisierungsmechanismus" auf den Weg. Damit setzt es die Beschlüsse des Euro-Gipfels vom 21. Juli um. Deutschland bürgt nun für weitere 211 Milliarden Euro. Knackpunkt in der deutschen Diskussion ist die Beteiligung des Bundestages: Künftig soll das Parlament über alle neuen Hilfen abstimmen. Unter anderem haben die Unions- und die FDP-Fraktion dies gefordert.
- August 2011
-
© David Ramos/Getty ImagesDie Debatte über Euro-Bonds entflammt. Euro-Gruppen-Chef Juncker ist dafür, die Krisenstaaten im Süden auch. In Deutschland drängen SPD und Grüne auf die gemeinsamen Anleihen; auch in der CDU bröckelt der Widerstand. Die FDP ist weiterhin strikt gegen Euro-Bonds, auch Angela Merkel lehnt sie ab. Unterdessen sorgen Gerüchte, Frankreich könnte sein AAA-Rating verlieren, für Turbulenzen an den Börsen. Der Dax fällt zeitweise um bis zu sechs Prozent im Vergleich zum Vortag. Sarkozy kündigt weitere Sparpläne an.
- 8. August 2011
-
© Daniel Roland/AFPDie Europäische Zentralbank kauft erstmals auch italienische und spanische Staatsanleihen am Sekundärmarkt. Sie will damit verhindern, dass die Zinsen für die Krisenstaaten weiter steigen. Mit Erfolg: Der Druck auf die beiden Länder nimmt in den kommenden Wochen etwas ab. Italien erklärt sich bereit, ein weiteres Sparpaket aufzulegen: Bis 2013 soll der Haushalt um weitere 45 Milliarden Euro gekürzt werden.
- 21. Juli 2011
-
© Ralph Orlowski/Getty ImagesDie Euro-Länder beschließen das zweite Rettungspaket für Griechenland. Es umfasst neue Kredite in Höhe von 109 Milliarden Euro und soll bis 2014 reichen. Erstmals beteiligen sich freiwillig private Gläubiger: Banken sollen 37 Milliarden Euro beisteuern, indem sie griechische Staatsanleihen in neue Bonds mit geringeren Zinsen umtauschen. Ein Erfolg für die Bundesregierung, die sich für die Beteiligung privater Gläubiger eingesetzt hat.
- Juli 2011
-
© Vincenzo Pinto/AFPDie Sorge um Italien lässt die Gemeinschaftswährung abrutschen. Die Staatsverschuldung der drittgrößten Volkswirtschaft Europas ist, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, mit fast 120 Prozent höher als die Irlands und Portugals. Die Renditen auf ihre Anleihen steigen. Die Regierung plant, in vier Jahren knapp 48 Milliarden Euro einzusparen, etwa im öffentlichen Dienst und im Gesundheitswesen. Berlusconi meint trotzdem: "Wir sind stabil."
- 7. April 2011
-
© Patrick Pleul/dpaAuch Portugal will unter den Rettungsschirm. Das ärmste Land Westeuropas sieht keine Alternative, nachdem die Opposition im März ein geplantes Sparprogramm der Minderheitenregierung ablehnte. Nach dreiwöchigen Verhandlungen bekommt Portugal 78 Milliarden Euro zugesprochen – und mehr Zeit für den Schuldenabbau: Die Neuverschuldung des Staates darf in diesem Jahr nun statt 4,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts 5,9 Prozent betragen.
- April 2011
-
© Wolfgang Kumm/dpaInnerhalb der schwarz-gelben Koalition regt sich Widerstand gegen den ESM: Mehr als 30 FDP-Politiker fordern, den Rettungsfonds auf dem Parteitag im Mai abzulehnen. Außerdem wollen sie ein Insolvenzverfahren für EU-Staaten mit starker Gläubigerbeteiligung und ein Verbot für die EZB, Anleihen aufzukaufen. Sie scheitern: Zwei Drittel der Liberalen sprechen sich gegen ein Nein zum ESM aus. Außenminister Westerwelle sagt: "Europa liegt im deutschen Interesse."
- 11. März 2011
-
© Sean Gallup/Getty ImagesDie Staats- und Regierungschefs der EU-Länder beschließen, die Kreditvergabekapazität des EFSF auf 440 Milliarden aufzustocken. Außerdem einigen sich die Staaten auf den "Pakt für den Euro" – die Selbstverpflichtung, sich in der Haushalts-, Steuer- und Sozialpolitik enger abzustimmen – und verpflichten sich zum Sparen. Gleichzeitig wird der Stabilitäts- und Wachstumspakt verschärft. Die von Deutschland geforderten automatischen Sanktionen scheitern allerdings am Widerstand der Mitgliedsstaaten.
- 16. Dezember 2010 /25. Januar 2011
-
© Frank Rumpenhorst/dpaDie EZB verdoppelt ihr Grundkapital auf elf Milliarden Euro, um ihre Anleihekäufe abzusichern. Zu diesem Zeitpunkt hat sie bereits für 72 Milliarden Euro Anleihen aufgekauft – griechische, irische, portugiesische, spanische. Einen Monat später gibt der Rettungsfonds EFSF erstmals selbst Anleihen auf dem Kapitalmarkt aus. Das Interesse der Anleger an den EFSF-Anleihen ist enorm, unter anderem wegen seines Top-Ratings.
- 28. November 2010
-
© Georges Gobet/AFPDie Finanzminister der Euro-Länder einigen sich auf einen dauerhaften Krisenfonds, den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM). Er soll 2013 den Rettungsfonds EFSF ablösen. Der ESM umfasst 700 Milliarden Euro, von denen maximal 500 Milliarden an Not leidende Staaten verliehen werden können. Der Rest dient als Sicherheitseinlage. Sie soll die Rating-Agenturen überzeugen, auch dem ESM Bestnoten zu verleihen. Im Gegensatz zum EFSF wird der neue Fonds mit einer Bareinlage in Höhe von 80 Milliarden Euro ausgestattet. In Einzelfällen können auch private Gläubiger beteiligt werden.
- 21. November 2010
-
© David Cannon/Getty ImagesIrland muss vom Euro-Rettungsschirm aufgefangen werden. Das Land hat seine Banken mit Milliardenbeträgen vor dem Zusammenbruch gerettet und ist dadurch selbst in eine Schieflage geraten. Die Euro-Finanzminister beschließen Hilfskredite in Höhe von 85 Milliarden Euro, im Gegenzug muss Irland wie zuvor schon Griechenland hart sparen. Die irischen Bürger sind wütend: Bis zuletzt hatte ihre Regierung bestritten, Hilfe aus Brüssel beantragen zu wollen.
- 30. September 2010
-
© Bernd Thissen/dpaDie Rating-Agentur Moody's stuft Spanien herab, die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone. Sie bewertet die Bonität des Landes nun nicht mehr mit der Bestnote. Vor dem Platzen der Immobilienblase befand sich Spanien noch im Aufschwung. Seitdem kämpft das Land mit den Folgen der Finanzkrise. Ministerpräsident Zapatero bestreitet, finanzielle Hilfe der EU zu brauchen. Spanien hat auf einen rigorosen Sparkurs geschwenkt – genau wie der ebenfalls hoch verschuldete Nachbar Portugal.
- 7. Juni 2010
-
© Georges Gobet/AFPDie Euro-Finanzminister gründen in Luxemburg die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF), den sogenannten Euro-Rettungsschirm. Die Zweckgesellschaft soll im Notfall am Kapitalmarkt Kredite aufnehmen, um klamme Staaten finanziell zu stützen. Die Euro-Länder sollen für die Kredite bürgen, Deutschland mit bis zu 148 Milliarden Euro. Der EFSF umfasst insgesamt 750 Milliarden Euro. Die tatsächliche Kreditvergabekapazität liegt niedriger, weil für ein AAA-Rating hohe Garantien erforderlich sind.
- 10. Mai 2010
-
© Frank Rumpenhorst/dpaDie Europäische Zentralbank (EZB) beschließt, Staatsanleihen kriselnder Staaten aufzukaufen. Sie will verhindern, dass die Länder ihre Schulden nicht mehr bedienen können, weil die Zinsen immer weiter steigen. Ihre Statuten verbieten ihr, Anleihen direkt von den Emittenten zu erwerben; also wird sie am öffentlichen und privaten Anleihemarkt – dem sogenannten Sekundärmarkt – tätig. Mit der Ankündigung bricht die EZB mit einem Tabu: Bisher hat sie derartige Mittel zur Krisenbekämpfung stets abgelehnt.
- 2. Mai 2010
-
© Jean-Christophe Verhaegen/AFPDie EU-Finanzminister beschließen, Griechenland Kredite in Höhe von 110 Milliarden Euro zu gewähren: 80 Milliarden kommen von den Euro-Staaten, 30 vom IWF. Nur zehn Tage später fließt die erste Tranche nach Athen. Im Gegenzug wird Griechenland verpflichtet, hart zu sparen, die Wirtschaft zu reformieren und staatliche Unternehmen zu privatisieren. An den Kapitalmärkten kann sich Griechenland nur noch zu hohen Zinsen refinanzieren. Standard & Poor's bewertet die Anleihen des Landes als hochspekulativ (B).
- 11. Februar 2010
-
© John Thys/Getty ImagesDie Staats- und Regierungschefs der EU erklären sich bereit, Griechenland finanziell zu unterstützen, um die Stabilität der Währungsunion zu sichern. Die EU fordert Griechenland jedoch gleichzeitig auf, die Sparanstrengungen zu verstärken. Zuvor bescheinigte die Kommission ihren Finanzstatistiken qualitative Mängel. Die griechische Regierung verkündet zusätzliche Sparmaßnahmen in Höhe von 4,8 Milliarden Euro. Das entspricht rund zwei Prozent des griechischen BIPs.
- 16. Dezember 2009
-
© Justin Lane/dpaAls erste Rating-Agentur stuft Fitch die Kreditwürdigkeit Griechenlands herab; die anderen Agenturen folgen. Die Sparmaßnahmen Griechenlands reichten nicht aus, um das Defizit nachhaltig zu verringern, begründet Standard & Poor's die Entscheidung. In der EU wächst die Angst vor einem Staatsbankrott, der andere Länder anstecken könnte. In Griechenland kommt es zu ersten Streiks gegen die Sparpolitik der Regierung.
- Oktober 2009
-
© Vladimir Rys/Getty ImagesDie griechische Regierung revidiert die Schätzung des Staatsdefizits für 2009 nach oben – von sechs auf mehr als zwölf Prozent des BIPs. Bereits zuvor enthielt die Schuldenstatistik des Landes gravierende Fehler: Im Jahr 2004 wurde bekannt, dass die Neuverschuldung in den Jahren 1998 und 1999 – also kurz vor Einführung des Euro – deutlich über den im Maastricht-Vertrag festgeschriebenen drei Prozent des BIPs lag. Ende 2010 werden Griechenlands Schulden mehr als 140 Prozent der Wirtschaftsleistung betragen.
Italien erreichte in einem anderen Punkt ein Entgegenkommen: Staaten, die die vereinbarten Regeln zu Schulden und Haushalt einhielten, würden nicht von der Troika aus EU, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds kontrolliert, wenn sie finanzielle Hilfen eines Rettungsschirms in Anspruch nähmen, sagte Regierungschef Mario Monti. Vereinbart wurde, dass in diesen Fällen die betroffenen Länder die Länderempfehlungen der EU-Kommission verbindlich umsetzen müssen.
Die Regierungen von Italien und Spanien hatten sich eine endgültige Zustimmung zu dem EU-Wachstumspakt vorbehalten, weil sie unmittelbare Maßnahmen im Kampf gegen ihre Staatsschuldenkrise fordern. "Das bedeutet nicht, dass es keine Einigung auf Wachstumsmaßnahmen gibt, aber wir wollen eine Gesamtlösung", sagte ein Vertreter der italienischen Delegation. Langfristige und kurzfristige Maßnahmen müssten dabei verbunden werden.
Weg für Euro-Bonds frei?
Hauptproblem der Staaten sind die hohen Zinsen, die Italien und Spanien derzeit für neue Kredite zahlen müssen. Deshalb könnten die beiden Länder über kurz oder lang gezwungen sein, Kredithilfe aus dem Euro-Rettungsschirm in Anspruch zu nehmen.
Bundeskanzlerin Angela Merkel lobte die Beschlüsse als gute Entscheidungen zum Wachstum und den Arbeitsmethoden der beiden Rettungsfonds. "Insofern glaube ich, dass wir einen guten Abschluss bekommen werden", sagte sie. Auch Euro-Gruppenchef Jean-Claude Juncker begrüßte den Kompromiss. Dieser gehe nicht so weit, wie er gewollt – aber weiter, als er erwartet habe. "Frau Merkel war nicht isoliert, in der Vergangenheit nicht, und sie ist auch jetzt nicht isoliert", sagte er. "Wenn wir eine kohärente Erklärung der Beschlüsse abgeben, bin ich sicher, dass dies die Märkte beruhigen wird."
Italiens Ministerpräsident Monti sagte, nun sei der Weg frei für spätere gemeinschaftliche Kredite in der Euro-Zone, sogenannte Euro-Bonds. Die Währungsgemeinschaft habe mit ihren nächtlichen Beschlüssen dafür die Basis gelegt. In der Bundesregierung wurde diesem Eindruck vehement widersprochen. Euro-Gruppen-Chef Juncker sagte, es scheine "eine Sache des gesunden Menschenverstandes", dass man sich "perspektivisch mittel- und langfristig" mit dem Thema beschäftige.
Die Teilnehmer tagen unter Zeitdruck, da Merkel am Nachmittag nach Berlin zurückkehren muss: Bundestag und Bundesrat wollen dann über die Gesetze für den neuen Rettungsfonds ESM und den Fiskalpakt für mehr Haushaltskontrolle innerhalb der EU abstimmen.




Was nutzt eine europäische Bankenaufsicht?
Meines Erachtens nach, wenig bis gar nichts.
Man sehe sich nur an, wie schon die nationalen Bankenaufsichten oft an offensichtlichen Fehlentwicklungen (wissentlich?) vorbei gesehen haben.
Ein weiterer zahnloser Tiger?
Und so lange keine echten Beschränkungen bei den Formen der Geldgeschäfte gemacht werden, was soll überhaupt kontrolliert werden?
Manche bestehende Beschränkungen wurden durch Gründung von Tochtergesellschaften umgangen.
Und so lange so etwas nicht bestraft wird, wenn juckt es?
... heute über den neuen Rettungsfonds ESM abstimmen, haben sie hoffentlich im Kopf, dass die Richter in Karlsruhe vielleicht auf Überstunden vorbereitet sind -- und nach den zahlreichen Verfassungsbrüchen der letzten Jahre die Notwendigkeit für ein bindendes Urteil gegen das Abenteuer ESM sehen.
Für wie gefährlich die Bundesregierung die europaweite Finanzhilfe für Banken und Staaten (in der Reihenfolge?) hält, zeigt sich schon daran, dass sie überhaupt ein Konstrukt, wie den ESM mit aus der Taufe hebt.
Zum einen vermeidet sie dadurch, direkt in andere Staaten und ausländische Unternehmen zu investieren, obwohl sie dann sehr individuelle Regeln aushandeln könnte. Aber so offensichtlich Steuergelder ausser Landes zu schaffen, wäre ein Fest für die Opposition und würde den Verfassungsrichtern ihre Arbeit sehr einfach machen.
Zum zweiten spekuliert Frau Merkel wohl darauf, dass nach der Pauschal-Abstimmung die Wähler den Zusammenhang zwischen Bundesregierung und ESM vergessen. Das Geld wird schließlich dann "nur" noch bereitgestellt und ohne Parlamentskontrolle eingesetzt. Sollte (was abzusehen ist) mehr Geld verlangt: Man hat einmal abgestimmt, also her mit der Kohle und dem Bürger kann man das Märchen von bindenden Verträgen und der eigenen Unschuld erzählen.
Prägnant auch die Äusserung aus Italien, jetzt wäre der erste Schritt zu EU-Anleihen gemacht. Nicht dass ich meine, die Italiener wollen die Kanzerin tot sehen. Aber ein Ziel scheinen sie zu haben.
Kai Hamann
Ach Herr Hamann,
es ist doch inzwischen vollkommen egal worüber der Bundestag oder das BVG da in Sachen ESM abstimmen. Seit gestern gilt das doch auch schon nicht mehr. Selbst die ESM Regeln sind doch schon wieder gefallen, bevor sie eigentlich je in Kraft treten konnten.
Halten wir mal fest: Angela Merkel hat mit ihrer Zustimmung zur direkten Hilfe für Griechenland 2010 die Büchse der Pandora geöffnet und seit dem lautet die erste Regel in Europa: Es gibt keine Regeln mehr.
Ein einziges beschämendes Tollhaus ist das.
Der Parlamentarismus im Allgemeinen und die Opposition im Besonderen hatte dazu nie etwas Relevantes zu sagen. Ob das Europaparlament inzwischen evakuiert ist, müsste man auch mal klären. Es steht zu vermuten.
Demokratie in Europa: Inzwischen treffen sich die Regierungschefs im Monatstakt zum “Gipfel”, dort schiebt, polemisiert, erpresst, einer den anderen und es kommt dann die nächste Salamischeibe der “endgültigen” Beruhigung der Märkte auf die Platte.
Aber noch bevor man diese etwa parlamentarisch legitimieren könnte, wenn man denn wirklich wollte, ist das dann auch schon wieder Käse von gestern und man wurstelt schon wieder am nächsten Ding.
Ach Herr Hamann,
es ist doch inzwischen vollkommen egal worüber der Bundestag oder das BVG da in Sachen ESM abstimmen. Seit gestern gilt das doch auch schon nicht mehr. Selbst die ESM Regeln sind doch schon wieder gefallen, bevor sie eigentlich je in Kraft treten konnten.
Halten wir mal fest: Angela Merkel hat mit ihrer Zustimmung zur direkten Hilfe für Griechenland 2010 die Büchse der Pandora geöffnet und seit dem lautet die erste Regel in Europa: Es gibt keine Regeln mehr.
Ein einziges beschämendes Tollhaus ist das.
Der Parlamentarismus im Allgemeinen und die Opposition im Besonderen hatte dazu nie etwas Relevantes zu sagen. Ob das Europaparlament inzwischen evakuiert ist, müsste man auch mal klären. Es steht zu vermuten.
Demokratie in Europa: Inzwischen treffen sich die Regierungschefs im Monatstakt zum “Gipfel”, dort schiebt, polemisiert, erpresst, einer den anderen und es kommt dann die nächste Salamischeibe der “endgültigen” Beruhigung der Märkte auf die Platte.
Aber noch bevor man diese etwa parlamentarisch legitimieren könnte, wenn man denn wirklich wollte, ist das dann auch schon wieder Käse von gestern und man wurstelt schon wieder am nächsten Ding.
So wie Italien und Spanien erpresst haben, so haben sie den Aafang vom Ende der Eruo-Zone eingeläutet. Das ist doch keine Solidargemeinschaft. Das ist Betrug. So will ich keinen Euro haben und erst recht keine Hilfzahlungen leisten.
....dass man die relativen Inflationsunterschiede beachten muss. Auch ist bei der Betrachtung ganz wesentlich, ob es sich um eine Wirtschaft mit oder ohne Wechselkursanpassung handelt.
Gerade weil Wechselkursanpassungen unmöglich wurden und gegenseitige Haftung ausgeschlossen war, hätten die Zinssätze differenziert bleiben müssen. Der Zinsunterschied war sachlich begründet und gerechtfertigt. Dann wäre uns diese Euro-Krise erspart geblieben.
Gerade weil Wechselkursanpassungen unmöglich wurden und gegenseitige Haftung ausgeschlossen war, hätten die Zinssätze differenziert bleiben müssen. Der Zinsunterschied war sachlich begründet und gerechtfertigt. Dann wäre uns diese Euro-Krise erspart geblieben.
Senkung des Renteneintritts auf 60, Abschaffung der Kfz-Steuer, runter mit der MWSt. auf 4% bei Grundnahrungsmitteln, Mineralölsteuer wie in Belgien,
Mitnehmen, was zum Mitnehmen ist, die Schulden kann man ja jetzt am Ende "abliefern".
Es schreien doch alle, dass Merkel mit ihrer Sparpolitik den Euro killt. Frau Merkel hat nebenbei noch einen anderen Job: sie arbeitet nicht nur für die EU, sondern auch für Deutschland.
Wir sollen keinen Sparkurs fahren, gut, dann sparen wir eben nicht mehr. Wozu auch?
Wenigstens hätte so die Bevölkerung genug Geld für die Durststrecke vorzusorgen.
Anpassung heißt nicht, sich nur den Forderungen der anderen zu beugen. Anpassung kann genauso gut heißen, sich an bestehende Regelungen in anderen Ländern anzupassen, das sollte nicht vergessen werden.
so aussehen als seien die drei bei jeopardy?
Spanien und Italien haben den wahrscheinlich sowieso nutzlosen Wachstumspakt solange blockiert bis Merkel dahingehend nachgegeben hat, dass diese Länder künftig Geld ohne weitere Auflagen abziehen können? Sie haben also den Wachstumspakt, den sie noch vor wenigen Tagen erst der Merkel reingedrückt haben, dazu genutzt, Merkel unter Druck zu setzen, da die ja so schlau war, den Wachstumspakt für die deutsche Opposition als Beruhigungspille einzusetzen? Da haben Monti, Rajoy und Hollande ihre Hausaufgaben aber wirklich gut gemacht, aus ihrer Sicht und der ihrer Länder hervorragende Arbeit. Und Merkel hat offensichtlich auf ganzer Linie versagt. Überrascht das? Nicht wirklich, oder?
Die Konsequenzen? Die "Märkte" werden jetzt erst recht spanische Banken und überhaupt Italien und Spanien unter Druck setzen, denn die kommen ja jetzt viel leichter an frisches Geld, das man dann direkt an die "Märkte" weiterschieben kann. Und Griechenland, Portugal und Irland müssen ja jetzt zwangsläufig nachverhandeln und andere Konditionen für ihre Rettung fordern. Nicht nur beim Fußball haben sich Spanien und Italien also viel cleverer als wir Deutschen bzw. unsere Vertreter angestellt.
Bleibt erst mal nur eine Hoffnung: Dass der Bundestag heute den ESM platzen lässt und es nicht zu einer ausreichenden Mehrheit kommt. Sonst muss wieder einmal das Bundesverfassungsgericht alles regeln.
Dass ich noch mal Kohl und Schröder in meinem Leben recht geben muss ... das Mädchen kann es einfach nicht.
verpuffen, es ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein.
Dieser Art von Politik fehlt ein wegweisender Kompass, allen voran Frau Merkels Vorgehen. Die abwesende Haltung und Verlässlichkeit verweist auf die Notwendigkeit: in Deutschland die verfassungsgemäßen Schranken nicht weiter einzureißen, sie weiter auszuhöhlen.
““ Italien und Spanien hatten eine Einigung verzögert.““
Ist eine beschönigende Sichtweise, gleich einer Agenturmeldung oder verlängerten Presseabteilung.
Andere Betrachtungen:
““ Italien und Spanien gewinnen im Verhandlungspoker - Italien hat sich in einer langen Verhandlungsnacht in Brüssel in zentralen Punkten durchgesetzt, Kanzlerin Merkel knickte ein. Die kriselnden Mittelmeerländer können nun auf Hilfen ohne große Sparauflagen hoffen. Premier Monti feiert einen "zweifachen Sieg". ....““
http://www.spiegel.de/wir...
Die Hilfen, die jetzt Banken direkt zugute kommen, umgehen die bisher proklamierten EURO-Länder-Grundlagen, deren Protagonisten sich wiederkehrend ad absurdum führen.
Nur auf eine Auswirkung sei hingewiesen:
Mit Recht wird Griechenland (andere Länder werden folgen) jetzt verlangen, die
EURO-Auflagen zu lockern.
Die Endlos-Abwärtsspirale wird nicht gestoppt, sie wird beflügelt, während die Ursachen, die Fehler weiterhin weder beseitigt, noch gelöst werden, nicht einmal ein ernsthafter Versuch ist erkennbar.
verpuffen, es ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein.
Dieser Art von Politik fehlt ein wegweisender Kompass, allen voran Frau Merkels Vorgehen. Die abwesende Haltung und Verlässlichkeit verweist auf die Notwendigkeit: in Deutschland die verfassungsgemäßen Schranken nicht weiter einzureißen, sie weiter auszuhöhlen.
““ Italien und Spanien hatten eine Einigung verzögert.““
Ist eine beschönigende Sichtweise, gleich einer Agenturmeldung oder verlängerten Presseabteilung.
Andere Betrachtungen:
““ Italien und Spanien gewinnen im Verhandlungspoker - Italien hat sich in einer langen Verhandlungsnacht in Brüssel in zentralen Punkten durchgesetzt, Kanzlerin Merkel knickte ein. Die kriselnden Mittelmeerländer können nun auf Hilfen ohne große Sparauflagen hoffen. Premier Monti feiert einen "zweifachen Sieg". ....““
http://www.spiegel.de/wir...
Die Hilfen, die jetzt Banken direkt zugute kommen, umgehen die bisher proklamierten EURO-Länder-Grundlagen, deren Protagonisten sich wiederkehrend ad absurdum führen.
Nur auf eine Auswirkung sei hingewiesen:
Mit Recht wird Griechenland (andere Länder werden folgen) jetzt verlangen, die
EURO-Auflagen zu lockern.
Die Endlos-Abwärtsspirale wird nicht gestoppt, sie wird beflügelt, während die Ursachen, die Fehler weiterhin weder beseitigt, noch gelöst werden, nicht einmal ein ernsthafter Versuch ist erkennbar.
Natürlich ist sinnvoll dass die EZB Banken direkt Kredit gibt ohne dass dadurch die Staatsschulden des Landes steigen und die Abwärtspirale befeuert die wieder alles zunichte macht.
Genau so wäre es sinnvoll Staaten direkt Geld zu geben statt Banken billiges Geld zu geben damit die dann teuer weiter geben.
Nur weil Merkel die Kontrolle überbetont, die jetzt im Augenblick aber weniger wichtig ist, als natürlich mittel-und langfristig, wird da Geld verbrannt.
Auf der anderen Seite ändert alles nichts daran dass ein inkompatibles System unbedingt am Leben erhalten werden soll. Es ist schlicht nicht nachvollziehbar, bzw. zeigt genau die Unregierbarkeit des Konstrukts Euro-Zone, dass sich die Regierungen nichtauf das einzig sinnvolle einigen können: eine temporäre (einige Jahre) Reduzierung der Eurozone auf wirklich kompatible Länder.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren