EU-Ratspräsident Herman van Rompuy ist bemüht, eine nette Atmosphäre zu schaffen. Die Konferenz der Staats- und Regierungschefs in Brüssel beginnt mit einer Stunde Händeschütteln. Es folgt das "Familienfoto" genannte Aufstellen sämtlicher Teilnehmer vor den Kameras, damit Zeitungen und Fernsehsender genügend zu zeigen haben.

Es ist ein freundlicher Rahmen, um schwierige Konflikte zu lösen: Die Diskussion über die künftige Haushalts- und Finanzpolitik der Euro-Zone – die Fiskalunion – verlief bisher in aufgeheizter Atmosphäre. Der Währungsgemeinschaft droht im Streit um eine mögliche gemeinsame Verschuldung eine Spaltung in nord- und südeuropäische Staaten.

Einigkeit herrscht dagegen über einen "Pakt für Wachstum und Beschäftigung": Kredite und Reformen sollen Unternehmen zu Investitionen ermuntern . Der Pakt wird am Donnerstagnachmittag Thema in der ersten Arbeitssitzung sein. Außerdem diskutieren die Teilnehmer die grobe EU-Haushaltsplanung für die Jahre 2014 bis 2020 : Wer zahlt wie viel ein, wer erhält welche Zuwendungen. Das Thema ist von begrenzter Bedeutung, der Haushaltsbeschluss hat noch bis zum Jahresende Zeit.

Die folgende Pressekonferenz wird somit zum Kernthema noch keine Lösungen präsentieren: der Rettung der gemeinsamen Währung und damit der europäischen Union. Konkreter wird dies beim Abendessen und der folgenden zweiten Arbeitssitzung, wenn sich der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi , zu der Runde gesellt. Ratspräsident Van Rompuy will dann seinen Vorschlag zur Zukunft der Währungsgemeinschaft präsentieren, den er gemeinsam mit dem Bankpräsidenten, mit EU-Kommissionschef José Manuel Barroso und dem Chef der Euro-Staaten, Jean-Claude Juncker , schrieb. Ergebnisse der folgenden Diskussion könnten am späten Abend durchsickern. Möglicherweise ziehen sich die Beratungen auch bis in die Nacht.

Der Vorlage nach streben Van Rompuy, Barroso, Juncker und Draghi in der Finanzpolitik eine "einheitliche europäische Bankenaufsicht" an. Hinzu kommt ein Regelwerk für die Einlagensicherung der Banken und die Restrukturierung gefährdeter Institute. Nur so ließen sich die Aufsicht und Risikoüberwachung europaweit umsetzen, heißt es in dem Papier, das Van Rompuy möglichst auf dem Gipfeltreffen beschließen lassen will. Der Einfluss der Nationalstaaten sänke dadurch deutlich.

Haushaltspolitische Entscheidungen der Staaten will Van Rompuy stärker bündeln, um "effektive Mechanismen" gegen unsolide Staatsfinanzen zu etablieren. Die Mitgliedsstaaten könnten gemeinsam Obergrenzen für den Schuldenstand der einzelnen Mitglieder festlegen. Die weitere Kreditaufnahme könnte unter Genehmigungsvorbehalt stehen.