Vorsitz Euro-GruppeJuncker macht nur unter Bedingungen weiter

Der luxemburgische Premier will den Euro-Gruppen-Vorsitz nur weitermachen, wenn ein Landsmann ins EZB-Direktorium gelangt. Die Personalentscheidung wurde verschoben.

Jean-Claude Juncker

Jean-Claude Juncker

Luxemburgs Regierungschef Jean-Claude Juncker hat eine Verlängerung seines Postens als Vorsitzender der Eurogruppe an Bedingungen geknüpft. Er werde den Posten nur weiterführen, wenn ein Landsmann ins EZB-Direktorium käme. "Ich mache ein Weitermachen in der Eurogruppe aber abhängig davon, ob der luxemburgische Kandidat, Herr Mersch, zum Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank ernannt werden wird", sagte Juncker. Yves Mersch ist derzeit Chef der luxemburgischen Notenbank.

Die Euro-Gruppe hat die Personalentscheidung vertagt. Die Staats- und Regierungschefs der anderen 16 Staaten mit Euro-Währung seien nicht bereit gewesen, den Luxemburger Kandidaten zum Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank zu ernennen, sagte Juncker.

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EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy hatte den Aufschub dagegen damit begründet, dass der Gipfel der Euro-Zone ohne Angela Merkel nicht beschlussfähig gewesen sei. Die Kanzlerin musste wegen der Bundestagsentscheidung über den ESM und den Fiskalpakt nach Berlin zurückkehren.

Juncker zeigte sich verärgert über die Haltung seiner Kollegen. "Ich lasse mich nicht aufs Eis führen, dass man mir jetzt mit Kusshand eine Weiterführung des Euro-Vorsitzes anbietet, um den ich mich nicht bemüht habe, und danach jemand anderem zu Frankfurter Glücksgefühlen verhilft." Er fügte hinzu: "Ich bin nicht blöder als die anderen. Erst muss ich die Bestätigung haben, dass Herr Mersch für mehrere Jahre dem Direktorium der Zentralbank angehört. Und dann bin ich bereit, sechs Monate weiterzumachen." Zuvor hatte Juncker bereits angekündigt, keinesfalls eine volle Amtszeit übernehmen zu wollen. Er rechne damit, dass eine Entscheidung über den Eurogruppenvorsitz spätestens am 9. Juli beim nächsten Treffen der Euro-Finanzminister falle, möglicherweise sogar schon früher, sagte Juncker.

Juncker steht der Eurogruppe seit der Schaffung eines Vorsitzenden-Postens im Jahr 2005 vor. Er hatte dieses Amt eigentlich Ende Juni abgeben wollen. Er begründete das mit den Anforderungen des Euro-Krisenmanagements. Im März hatte er gesagt, der Vorsitzende der Eurogruppe müsse diese Aufgabe vollberuflich ausüben. EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy hatte jedoch keinen Nachfolger finden können. Im Gespräch dafür war auch der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble, der aber von Frankreichs Präsident François Hollande abgelehnt wurde.

Juncker sagte, er habe "keine existenziellen Beweggründe, dieses Amt unbedingt weiterführen zu wollen. (...) Euro-Gruppe heißt vier Stunden intensive Arbeit am Tag. Die vier Stunden hätte ich gerne für mich selbst, höchstpersönlich". Seine Herangehensweise an die Frage nach dem Euro-Gruppen-Vorsitz sei "höchst egoistisch".

 
Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt, da kein konstruktiver Beitrag. Danke, die Redaktion/au.

    6 Leserempfehlungen
  2. "Zuerst hatten wir kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu."

    3 Leserempfehlungen
  3. Dieses Mal geht Junkers als Hollandes Büttel in eine neue Runde. Irgend etwas muss mit der deutschen Personalpolitik nicht stimmen. Es kommen immer die Kandidaten von Frankreich zum Zug:

    Draghi, Van Rompuy, Junkers

    Offensichtlich sind die Deutschen nur fürs Zahlen zuständig.
    Schrecklicher Laden dieses Europa.

    11 Leserempfehlungen
  4. 4. Rofl!

    Da bleibt uns also dieser bekennende Berufslügner als Eurogruppenchef erhalten!

    Naja die Alternative wäre halt ein Steuerhinterzieher gewesen!

    Und jetzt frag mich mal einer warum die Menschen in D und wahrscheinlich in ganz Europa das Gefühl haben nur noch die Wahl zwischen Pest und Cholera zu haben!

    LG

    Klaus

    10 Leserempfehlungen
  5. Heißa, was für Beschlüsse im Schatten des "Fußballfestes":
    (http://www.zeit.de/news/2...)

    Direkte Staats- bzw. Bankenfinanzierung ohne Sparauflagen, Nachrangigkeit für den ESM/EFSF (sprich Deutschland - dem Kugelfang der Geschichte), vermutlich ein Franzose oder sonstiger Clubmed-Politiker als neuer Eurogruppenchef und freilich ein neuer dreistelliger Milliardenbetrag (der von irgendwoher kommt und uns freilich nichts kostet).

    Und ein Eurogruppencher Juncker, der sich mit dem Gipfelergebnis zufrieden zeigte: «Ich hätte mir mehr gewünscht>>. Keine Sorge Hr. Juncker, das "mehr" wird keine zwei Wochen auf sich warten lassen.

    Das alles geschieht freilich "unter Zeitdruck" der Kanzlerin - denn der ESM soll heute hurtig verabschiedet werden - und zwar bevor die deutsche Öffentlichkeit wach wird. Gottlob lässt sich wenigstens Karlsruhe nicht von den Brot&Spiele-Veranstaltungen in Polen & Ukraine sowie Merkels Ungeduld (Hr. Gauck, unterschreiben Sie!) hinhalten.

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  6. Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Polemik. Danke, die Redaktion/ls

    Eine Leserempfehlung
  7. Was soll man zu dieser Selbstbedienungs-Orgie in Brüssel, genannt "Euro", noch sagen?

    Siehe: http://www.freiewelt.net/...

    7 Leserempfehlungen
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    • warubi
    • 29.06.2012 um 10:39 Uhr

    leider die falsche Quelle.

    "freiewelt.net" ist der Club neoliberal derer "von Storch" und dem Talkshow-Mobiliar: H.O. Henkel.

    • warubi
    • 29.06.2012 um 10:39 Uhr

    leider die falsche Quelle.

    "freiewelt.net" ist der Club neoliberal derer "von Storch" und dem Talkshow-Mobiliar: H.O. Henkel.

  8. endlich eine gute Nachricht.

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