Euro-Krise : Deutschland ruiniert Spanien

Die Herabstufung Spaniens ist die Folge einer falschen Rettungspolitik. Die Verantwortung dafür trägt vor allem die Bundesregierung, kommentiert Mark Schieritz.
Die Börse in Madrid © Andrea COmas/Reuters

In dieser Krise wurden viele falsche Entscheidungen getroffen, aber kaum eine war so eklatant falsch wie das Rettungspaket für Spanien – und selten zuvor lag die Verantwortung dafür so offensichtlich bei der Bundesregierung .

Deutschland hat – unter dem Beifall der Opposition – verhindert, dass der Rettungsfonds die Sanierung der Banken übernimmt. Stattdessen wurden Kredite an den spanischen Staat vergeben, damit der seine Banken selbst saniert. Mit dem Argument, dass sonst keine strengen Auflagen gegen Spanien verhängt werden können.

Aber wie das nun einmal so ist mit Krediten: Sie erhöhen die Schulden, und deshalb ist es nur folgerichtig, wenn die Rating-Agentur Moody's Spanien nun herabstuft. Die Rettungsaktion dürfte dem spanischen Staat also endgültig jeden Zugang zum Kapitalmarkt versperren – und spanische Staatsanleihen sind damit noch weniger wert. Weil aber die spanischen Banken wiederum jede Menge spanische Staatsanleihen halten, werden sich in ihren Bilanzen bald neue Löcher auftun.

Anders gesagt: Der Notkredit der Europäer wird den spanischen Staat und die spanischen Banken ruinieren. Operation gelungen, Patient tot. Wenn man weiter auf diese Weise rettet, dann wird der Euro schon sehr bald Geschichte sein.

Spanien braucht bald mehr Geld

Keine Frage: Es gibt keine einfachen Lösungen. Der Rettungsfonds ist für eine Sanierung der Kreditinstitute bislang nicht ausgerüstet, er würde ja als Gegenleistung für seine Finanzspritzen Bankanteile bekommen und müsste die Abwicklung und Restrukturierung überwachen.

Nur: Dann muss man ihn eben umbauen, damit er den Aufgaben gewachsen ist. Die Bundesregierung hat sich dafür nicht eingesetzt, weil sie die innenpolitische Debatte über neue Rettungsinstrumente fürchtete. Stattdessen hat sie eine finanztechnisches Problem (Wie können Banken möglichst effizient saniert werden?) in eine moralisches (Die wollen unser Geld und das müssen wir verhindern) umgedeutet.

Ergebnis: Spanien braucht wohl bald noch mehr Geld und für die Deutschen wird es noch teurer.

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Kommentare

223 Kommentare Seite 1 von 35 Kommentieren

Wut in der Finanzwirtschaft

Vielerorts erlebt man ja schon ein wutschnaubendes Toben von Vertretern der Finanzwirtschaft. Diese fürchten die massive Flucht der Bürger in die Sachwerte - und noch mehr fürchten sie eine Entwicklung weg vom Geld. Wo die Bürger z.B. in einem auch nur etwas größeren Maße Subsistenzwirtschaft betreiben, ist für Handel und Finanzdienstleistungen nichts mehr zu holen.

Deshalb werden ja inzwischen reine Horrorszenarien an die Wand gemalt - von explodierenden Grundsteuern bei gleichzeitig dramatisch sinkenden Immobilienpreisen und wegbrechenden Arbeitsplätzen und Industriezweigen. Die Angst vor Parallel-Märkten, die von der Finanzindustrie nicht zu kontrollieren ist, ist riesengroß. Eine rückläufige Zahl der abgeschlossenen Verträge ist für an der Börse notierte Banken und Versicherungen eine Katastrophe: man wird zum Ziel feindlicher Übernahmen.

Wir sind erst am Anfang

1. "für die Deutschen wird es noch teurer."

Sorry, bei mir ist nichts mehr zu holen.
.......

Das haben sich die Griechen et al. auch gedacht, aber man kann immer noch was aus den Leuten rausquetschen, da machen Sie sich mal bitte keine Sorgen. Die Giftliste beinhaltet massive Rentenkürzungen, Aufhebung des Kündigungsschutzes, Lohn-Cuts, Massenentlassungen im öffentlichen Dienst (welche Privatsektor sollte die denn bitte später dann beschäftigen?), Steuererhöhungen, Reduzierung und zeitliche Befristung von Sozialleistungen und andere "Nettigkeiten", und am Besten alles auf einmal. Und da gibt es in Deutschland noch sehr viel "Potential", dass werden wir noch alle sehen!

Marktradikale " Schuld-Analyse"

- Deutschland ruiniert Spanien, Deutschland ruiniert Europa, Deutschland ruiniert am Ende wieder mal die ganze Welt. Deutschland ist im höchsten Maße vertrauenswürdig geworden.
Deutschlands "Schuld" scheint demnach schlimmer als die Schulden
---
Ungeachtet dessen schaffen z.B. die griechischen Reeder ihre Euros weg und kaufen u.a. im großen Umfang Häuser in Berlin auf -
"Die Mittelklasse zieht ihr Geld von der griechischen Bank ab und zahlt es auf einer englischen oder deutschen Bank ein. Einige Banken in München, so weiß man in Athen, beschäftigen griechischsprachige Mitarbeiter, um alle Fragen zum neuen Konto verständlich zu beantworten. Wer richtig Geld hat, geht zu einem Architekten..."

- Deshalb wollen die USA jetzt Europa "vor sich selbst" und vor allem vor Deutschland retten, statt ihre zahllosen selbst angezettelten global folgenreichen sozial- und finanz u. wirtschaftspolitischen Katastrophen erstmal vor der eigenen Haustür zu bearbeiten.
http://www.zeit.de/wirtsc...

Doch - Deutschland ruiniert weiterhin Europa - Nur die Finanzmarktpolitik NewYorks und Londons vermag es nachhaltig zu "retten"·
http://www.zeit.de/wirtsc...

In diesem "transatlantischen" Sinne kommentiert einhämmernd - wie stets- der ZEIT-Wirtschaftsredakteur
Mark Schieritz

Diese Mantra, dass wir an allem Schuld sind

weil wir dieses und jenes nicht mit leichter Hand bezahlen wird langsam zu durchsichtig. Nicht nur. dass der vorgeschlagene Weg gar nicht gangbar war, wie Herr Schieritz am Ende des Artikels leicht beiseitewischt,
wenn wir künftig alles selber und direkt retten sollen, dann muss man auch mal darüber reden, was die Gegenleistungen sind. Die tollen Vorzüge Europas sind für die in Rede stehenden Beträge bald ausgereizt, aber wollen wir tatsächlich Anteile an maroden spanischen Banken in Bundesbesitz bringen?

Herr Schiertz hat schon recht...

...das von allen falschen Wegen der gegangene der "falscheste" war und das das - dieser spezifische Fall - die Schuld der Bundesregierung ist.
Das es erst garnicht soweit kommen hätte sollen/müssen/brauchen ist natürlich eine andere Geschichte und diesen Schuh braucht sich die deutsche Regierung wiederum nicht anziehen.
Den spanischen Banken gehts dreckig weil die spanische Regierung versagt hat - kein bzw. anderes Thema.

"Der Rettungsfonds ist für eine Sanierung der Kreditinstitute

bislang nicht ausgerüstet"

schreibt Herr Schieritz selbst und fordert trotzdem genau das. Naja.

Abgesehen davon sollten die Einstufungen der Rating Agenturen ENDLICH einmal nicht so wichtig genommen werden.
Sie sind kein Gottesurteil, sondern eine mechanistische ex-post Bewertung, die keine Rückschlüsse auf die Zukunft erlaubt, häufig genug falsch und deshalb mitschuldig an der Finanzkrise ist.

k.

man kann es wirklich langsam nicht mehr hören ...

bei dieser ganzen diskussion geht immer so ein bisschen der blick verloren, dass auch deutschland eine hohe staatsverschuldung hat und vielleicht aus diesem und anderen gründen nicht bis zur totalen verdorrung gemolken werden sollte! irgendwann hat doch auch der größte rettungsschirm und die beste innereuropäische hilfe mal ein ende ...
bzgl. der ratingagenturen kann ich mich kassandra_k nur anschließen!

"Den spanischen Banken gehts dreckig, weil die spanische

Regierung versagt hat"

Als in Spanien Bauboom war, und die Kredite geschaffen wurden, hat man Deutschland vorgehalten, dass sie nicht mithalten. Die Schröderregierung ließ sich so kirre machen, dass sie die Pläne neoliberaler Denkfabriken ins Werk setzte.

Jetzt ist aus der spanischen Baublase die Luft raus, und die Schrödersche Agenda-Politik nimmt den schwächeren Staaten des Euro-Raums die letzte Luft zum Atmen.

Nun könnten wir leicht sagen, die Spanier hätten schon viel früher Basel II beginnen sollen. 2008 wurden die Spanier noch gelobt. Natürlich können wir hinterher leicht sagen, die Agenda-Politik hat den deutschen Binnenkonsum zusätzlich belastet und den Mit-Euro-Ländern zusätzlich das Leben erschwert.

Aber schon morgen rennen die Wirtschaftsjournalisten dem nächsten Hype hinterher, einfach weil es unchic ist, Solidität, Langfristigkeit und allgemeine Wohlstandentwicklung im Blick zu haben, wo man doch Super-Heros wie Irland (vor der Krise), Island (vdK), Spanien (vdK), Facebook (v.d.Börsengang) usw. hoch jubeln kann.

Heute ist so viel Geld in der Welt, dass die Milliarden sich binnen weniger Monate zu Bergen türmen, bis der reale wirtsch. Boden nicht mehr trägt und das ganze zusammen bricht und Verwüstung zurück lässt.

Wir haben ein Schuldenproblem, weil wir ein Vermögensproblem haben. Die Wirtschafts-Auf-und-Abs werden sich nicht beruhigen, bis wir die Schulden und die Vermögen auf ein gesundes Maß reduziert haben, bis sich Wohlstand wieder in die Breite ausweitet.

Nun, es ist aus manchem Blickwinkel ja auch so....

....dass Deutschland etliches tat bzw durchsetzte, das zur Folge hatte, dass die Peripherie nun in einer größeren Rezession ist, als anders notwendig gewesen wäre und diese auf die Weltwirtschaft, wie zu erwarten war, durch zu schlagen droht. Es ist auch so, dass fast jeder Ökonom, jedes Staatsoberhaupt, Zentralbanker und Finanzminister weltweit dies seit zwei Jahren negativ kommentiert während die Märkte deren Aussagen unterlegten.

Das gesagt, ist die Basis nicht von der heutigen Regierung gelegt worden. Sie hätte die europäischen Verträge neu schreiben, durchsetzen und legitimieren sollen, als Zeit war. Das gilt jedoch für alle Parteien. Es haben sehr viele Personen da mitgewirkt durch Tun und verantwortungsloses Nichttun. Das sollte aufgearbeitet werden und es sollte die volle Härte des Gesetzes angewendet werden. Das wird hier nicht geschehen. Das ist aber im Augenblick nicht die Frage.

Im Augenblick wäre wichtig, was wir noch tun können um eine Weltwirtschaftskrise abzuwenden. Das ist die momentane Gefahr. Das fühlt sich in Deutschland nicht so an. Aber am Lauen Nachmittag glaubt man auch die Heftigkeit des nahenden Orkans nicht ganz. Er wird aber bei heutiger Politik kommen und er wird uns erfassen. Wir sollten uns vorsehen. Wir haben weniger Alternativen als vor 2 Jahren und diese sind weitaus teurer. Aber es nutzt nichts. Wir werden da durch müssen und können nur den Schaden versuchen zu begrenzen. Bisher vergrößerten wir ihn.