Passant vor der Zentrale der spanischen Bankia © Getty Images

Spanien hat sich dem Druck aus der Euro-Zone gebeugt, den heimischen Bankensektor mit Mitteln aus dem Krisenfonds EFSF zu sanieren . Das bestätigte Finanzminister Luis de Guindos am Samstagabend. Die Euro-Länder sind bereit, Spanien bei der Rekapitalisierung seines Bankensektors zu unterstützen.

"Die Eurogruppe ist informiert worden, dass die spanische Regierung bald einen offiziellen Antrag stellen wird und ist bereit, auf einen solchen Antrag positiv zu antworten", hieß es in einer Erklärung von Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker . Der Betrag solle den Kapitalbedarf sowie einen Sicherheitspuffer beinhalten und werde auf "bis zu 100 Milliarden Euro" insgesamt geschätzt.

Verantwortung bleibt bei spanischer Regierung

Die Eurogruppe unterstütze die Bemühungen der spanischen Regierung, entschlossen die Restrukturierung des spanischen Finanzsektors anzugehen und "begrüßt ihr Vorhaben, dazu finanzielle Unterstützung der Eurozonen-Mitgliedsländer anzufragen", hieß es in der Mitteilung weiter.

Nach Eingang des offiziellen Antrags sollen der Mitteilung Junckers zufolge die EU-Kommission, die Europäische Zentralbank (EZB) , die Europäische Bankenaufsicht (EBA) und der Internationale Währungsfonds ( IWF ) die Lage in Spanien prüfen und Vorschläge machen, welche Auflagen für Reformen im spanischen Finanzsektor der Regierung in Madrid für die Unterstützung gemacht werden sollen. Demnach soll das Geld an den spanischen Bankenrettungsfonds fließen und dann an die betroffenen Geldhäuser weitergegeben werden. Verantwortlich sei jedoch die spanische Regierung, hieß es in der Erklärung.

Euro-Länder drängen auf Entscheidung

Die Finanzminister des Euroraums hatten zuvor in einer Telefonkonferenz über die Rettungsaktion beraten. Auch IWF-Chefin Christine Lagarde war zugeschaltet. Die Euro-Länder hatten offenbar darauf gedrängt, eine Entscheidung vor dem 17. Juni herbeizuführen . An diesem Tag wählt Griechenland ein neues Parlament. Am Ende könnte der Austritt des Landes aus der Euro-Zone stehen – mit möglicherweise schwer wiegenden Folgen für den Bankensektor anderer Länder.

Bereits vor den Verhandlungen am Samstag hatte Juncker, eine "schnelle Lösung" der spanischen Bankenkrise angemahnt. Auch Bundesbankpräsident Jens Weidmann hatte Spanien Hilfen nahe gelegt : "Die Devise darf nicht sein, bloß nicht unter den Rettungsschirm zu gehen", sagte er der Welt am Sonntag . "Auf das Einspringen der Notenbank zu hoffen, damit keine Auflagen erfüllt werden müssen, ist der falsche Weg."

Spanien ist nach Griechenland, Irland und Portugal das vierte Land, das Hilfen aus dem Euro-Rettungsfonds erhalten würde. In Madrid aber pocht man darauf, dass der spanische Fall anders liegt als der griechische. Vor allem versucht die Regierung, strenge Auflagen des IWF zu vermeiden, wenn sie Hilfen aus Europa in Anspruch nimmt. Das wäre nach den Regeln des EFSF möglich, solange das Geld nur in den Bankensektor fließt.