Umwelt: Autoindustrie soll bei Klimazielen mehr Flexibilität bekommen
Die europäischen Autohersteller sollen den CO2-Grenzwert flexibler auslegen können. Faktoren wie Infrastruktur und Fahrverhalten sollen künftig berücksichtigt werden.
Bei der Verringerung der Kohlendioxid-Emissionen von Autos bis 2020 und in den Jahren danach soll die europäische Autoindustrie mehr Flexibilität bekommen. Dies empfiehlt ein 84-seitiger Bericht der Cars21-Gruppe, in der Spitzenvertreter der Industrie, der Regierungen, der EU-Kommission und der Gewerkschaften vertreten sind.
In dem Bericht, der von EU-Kommissar Antonio Tajani vorgestellt wurde, bekennen sich Autohersteller und Politiker zu der vorgesehenen deutlichen Verringerung des CO2-Schadstoffausstoßes bis 2020. Diese Verringerung sei technisch "machbar" und die Kosten dafür niedriger als bei früheren Schätzungen.
Der CO2-Ausstoß von Personenwagen muss bis 2015 auf 130 Gramm pro Kilometer und bis 2020 auf 95 Gramm gesenkt werden. Die EU-Kommission will noch in diesem Jahr überprüfen, ob die Ziele unverändert bleiben.
Der ökologische Verkehrsclub Deutschland (VCD) appellierte an die EU-Kommission, sich nicht "durch medial gezündete Nebelkerzen" beeinflussen zu lassen. CO2-Grenzwerte sind demnach nicht nur für das Klima gut, sie verminderten auch die Abhängigkeit der europäischen Volkswirtschaften von Ölimporten. Autofahrer wiederum profitierten von einem ambitionierten Grenzwert bei der Tankrechnung.
Flexibilität soll "kostengünstige Umsetzung der Ziele" ermöglichen
In dem Bericht heißt es, bei der Überprüfung der Einhaltung der Zielwerte sollte "Flexibilität" möglich sein, "um eine kostengünstige Umsetzung der Ziele zu erreichen, ohne tatsächlich die (Klima-)Ziele aufzuweichen". Bei den Zielen für 2020 sollten nicht nur die Auspuffwerte, sondern auch andere Maßnahmen berücksichtigt werden. Bei diesen "Eco-Innovationen" handelt es sich beispielsweise um energiesparende Leuchten, wärmesparende Glasdächer oder die Nutzung von Energie aus Abwärme.
Zudem wird darauf hingewiesen, die Reduzierung der Kohlendioxid-Emissionen könne nur mit "einem umfassenden und integrierten Herangehen" gelingen. Dazu gehöre die Nutzung neuer Energien ebenso wie die Art und Weise der Benutzung von Autos. Umweltbewusstes Autofahren sei ebenso wichtig wie eine Verbesserung der Straßeninfrastruktur.
Zu den Mitgliedern der Cars21-Gruppe gehören unter anderem die Unternehmenschefs Dieter Zetsche (Daimler), Sergio Marchionne (Fiat) und Philippe Varin (Peugeot) sowie sieben Mitglieder der EU-Kommission und der deutsche Wirtschaftsminister Philipp Rösler.
Intensiver Wettbewerbsdruck
Europas Autoindustrie, an der etwa zwölf Millionen Arbeitsplätze hängen, sei von strategischer Bedeutung und ein Eckpfeiler der Industriepolitik in der EU, heißt es weiter. Eine starke Produktionsbasis innerhalb der EU müsse erhalten werden. Die Autobranche müsse weiterhin Technologieführer sein und zunehmend umweltfreundlichere Produkte entwickeln.
Der intensive Wettbewerbsdruck führe dazu, dass die EU-Autoindustrie zunehmend auf ihrem Heimatmarkt herausgefordert werde und auf Drittmärkten Chancen suchen müsse. Die langfristigen Umweltziele könnten nur erreicht werden, wenn die Verbrennungsmotoren weiter verbessert werden und es einen Durchbruch bei elektrisch angetriebenen Autos gebe.
Der derzeitige Zustand der Autoindustrie in der EU könne allerdings aufrechterhalten werden. "Derzeitige Produktionskapazitäten müssen angepasst, neue Produktionsmethoden entwickelt werden." In dem Bericht heißt es auch, neue Fähigkeiten seien gefragt und "mögliche Veränderungen in den Beschäftigungsnotwendigkeiten" müssten bewältigt werden.









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