Euro-KriseEZB belässt Leitzins bei einem Prozent

Die EZB lehnt es ab, die Kreditvergabe in der Euro-Zone weiter zu verbilligen. Der Leitzins bleibt unverändert bei einem Prozent. von dpa

EZB-Präsident Mario Draghi

EZB-Präsident Mario Draghi  |  © Alex Domanski/Reuters

Die Europäische Zentralbank (EZB) hält trotz der immer bedrohlicheren Wirtschaftslage den Leitzins in der Euro-Zone bei einem Prozent. Der EZB-Rat ignorierte damit den wachsenden Druck, die Schulden- und Bankenkrise und die schwache Konjunktur mit billigerem Geld zu bekämpfen.

Nach Überzeugung von Beobachtern sieht die Notenbank stattdessen die Politik in der Verantwortung. So hatte sich EZB-Chef Mario Draghi kürzlich für eine Bankenunion in der Euro-Zone ausgesprochen, die eine einheitliche Kontrolle, eine Rettungseinrichtung für Großbanken und eine harmonisierte Einlagensicherung umfassen solle. Zudem forderte Draghi die Regierungen der Euro-Zone dazu auf, eine klare Vision zu präsentieren, wie es mit dem Euro weitergehen soll. "Je schneller das detailliert wird, desto besser ist es."

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Die EZB befürchtet nach Meinung von Experten, eine Zinssenkung könnte den nötigen Spardruck von den Regierungen der überschuldeten Staaten nehmen. "Für unveränderte Leitzinsen im Juni spricht, dass die EZB den Druck auf die Politik angesichts der Entwicklung in Griechenland und Spanien derzeit wohl aufrechterhalten möchte", sagte Commerzbank-Ökonom Michael Schubert.

EZB-Rat streitet um richtigen Kurs

Ein Eingreifen wird deshalb erst erwartet, wenn sich die Krise weiter zuspitzen sollte. "Die EZB hat bewiesen, dass sie schnell reagieren kann, wenn auch die Regierungen zu weiteren Anstrengungen bereit sind", sagte der Europa-Chefvolkswirt der Citigroup , Jürgen Michels. Zudem fordere die EZB die Rückendeckung der Politik, bevor sie weitere Maßnahmen ergreife.

Neben einer Zinssenkung könnte die EZB zudem Banken langfristig billiges Geld leihen oder wieder Anleihen überschuldeter Staaten kaufen. Allerdings sind solche Maßnahmen auch innerhalb des EZB-Rats umstritten. So hat aus Sicht von Bundesbank-Präsident Jens Weidmann die Notenbank bereits die Grenze ihres Mandats erreicht.

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Leserkommentare
    • RTyped
    • 06. Juni 2012 15:02 Uhr

    Ich frag mich, was das Ganze soll. Geld entsteht doch eh aus dem Nichts. Was für Heuchler die Banken doch sind!

  1. Wir müssen endlich Abstand nehmen von dem Stigma der Inflation und dem Ziel der Preisstabilität.

    Preisstabilität ist ein Luxus, den sich eine Volkswirtschaft nur in guten Zeiten leisten darf. Preisstabilität ist eine gewisse Sorgenfreiheit und Bequemlichkeit, aber sie darf nicht das oberste Leitprinzip der Wirtschaft sein. Das oberste Leitprinzip der Wirtschaft ist Vertrauen in die Kreditwürdigkeit und um diese herzustellen braucht es Liquidität und Wachstumsimpulse.

    Eine Inflation um die 5% wäre eine perfekte Größe und auch die Gefahr einer Hyperinflation wie in Weimar ist absolut unbegründet und völlig deplaziert. 5% Inflation würde die Schulden der kleinen Haushalte, Staaten und Banken reduzieren und die Vermögen der Großen schrumpfen. Gleichzeitig Konsum und dadurch Arbeitsplätze generieren.

    In den Zeiten horrender Staatsschulden, Privatinsolvenzen und ungleicher Vermögensverteilung ist die Inflation das effektivste und sozialste Mittel überhaupt!

    Leider sind "die Deutschen" bei diesem Thema völlig irrational und geprägt von Ängsten aus einer Zeit die quasi niemand mehr erlebt hat und absolut nicht vergleichbar ist.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Mario Draghi | Europäische Zentralbank | Anleihe | Citigroup | Europäische Zentralbank | Euro-Zone
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