Als Wolfgang Schäuble an diesem Freitag in Luxemburg zum Treffen der europäischen Finanzminister erschien, hatte er einen klaren Auftrag. Der deutsche Finanzminister musste einlösen, was die Bundesregierung den Oppositionsparteien gestern in Berlin versprochen hatte: "unverzüglich" die Einführung einer Finanztransaktionssteuer voranzutreiben. Also tat der deutsche Finanzminister wie ihm geheißen und erklärte schon bei seiner Ankunft, wenn nicht alle 27 EU-Staaten mitmachten, müsse man halt "die Chance der verstärkten Zusammenarbeit" nutzen.

Bislang hat sich die Bundesregierung gerne hinter dem Argument versteckt, dass die Besteuerung der Finanzmärkte von wichtigen EU-Partnern – allen voran von Großbritannien – abgelehnt wird. Das stimmt und daran hat sich nichts geändert. In Luxemburg erklärte der britische Finanzminister noch einmal seinen Widerstand. Und auch der Schwede Anders Borg warnte, die Einführung einer solchen Steuer habe "negative Auswirkungen auf das europäische Wirtschaftswachstum".

Geändert hat sich vielmehr die politische Geschäftsgrundlage, auf der Schäuble agiert: Die schwarz-gelbe Koalition muss nun nach einem Weg suchen, die Finanztransaktionssteuer mit einer kleineren Gruppe von Gleichgesinnten durchzusetzen. Gesucht wird eine Koalition der Willigen.

Der Weg, den die Europäischen Verträge für einen solchen Fall vorsehen, ist die "verstärkte Zusammenarbeit". Demnach können mehrere EU-Staaten verabreden, bei Projekten voranzugehen, denen nicht alle 27 zustimmen. Auf einer ähnlichen Verabredung basiert auch das Schengen-Abkommen , also die Abschaffung der Grenzkontrollen in weiten Teilen Europas . Doch die Mitgliedsstaaten machen von diesem Instrument nur selten Gebrauch – zu groß ist die Sorge, dass eine verstärkte Zusammenarbeit neue Friktionen innerhalb der Union schafft. Das Instrument ist deshalb an Auflagen gebunden. Die wichtigste: Mindestens neun EU-Staaten müssen mitmachen.

Genau neun EU-Staaten waren es, die sich vor drei Monaten in einem Brief für die Einführung der Finanztransaktionssteuer stark gemacht hatten. Aber in dem Brief war ausdrücklich von einer EU-weiten Einführung die Rede. Ob etwa Italien oder Finnland , die den Brief damals unterzeichnet haben, auch nun dabei sind, wenn nicht alle 27 mitmachen, ist offen. Als treibende Kräfte neben Deutschland gelten Frankreich und Österreich . Besonders überzeugt zeigt sich die Regierung in Wien : "Wir waren noch nie so weit", hat die österreichische Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) bereits vor einigen Wochen im ZEIT-Interview gesagt. Kein Wunder: Ihre Regierung hat mögliche Einnahmen aus einer solchen Steuer bereits im Haushalt für das nächste Jahr verbucht.