Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat offenbar Zweifel an der Umsetzung der Sparauflagen durch Griechenland. Wenn die Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Weltwährungsfonds (IWF) das nächste Mal nach Athen reise, werde sie feststellen, dass das Programm von Griechenland nicht erfüllt werde, sagte Schäuble nach Angaben von Teilnehmern in der Sitzung der Unionsfraktion im Bundestag. Dies sei unabhängig davon, wie die Parlamentswahl am kommenden Sonntag ausgehe. Die Situation in Griechenland werde sich dahinschleppen.

In Griechenland wird am Sonntag ein neues Parlament gewählt. Die Wahl gilt als Richtungsentscheidung über den Verbleib des Landes im Euro-Raum. Als Favorit gilt die radikal-linke Syriza, die sich gegen die Sparauflagen für Griechenland ausgesprochen hat. Das Bündnis will im Fall eines Wahlsiegs dem "faulen griechischen Staat ein Ende bereiten" und bei einem Verbleib in der Euro-Zone einen Neustart wagen, sagte Parteichef Alexis Tsipras im griechischen Fernsehen. "Wir übernehmen die Regierung und beenden am Montag das Memorandum (Sparprogramm) für ein gerechteres Griechenland." Syriza wolle die Banken unter staatliche Kontrolle bringen und sie über die Ausgabe von Aktien rekapitalisieren.

Die Syriza war bei den Wahlen am 6. Mai als zweitstärkste Partei hervorgegangen und dürfte bei der Neuwahl nach Umfragen mit den Konservativen um den ersten Platz kämpfen.

Bereits jetzt will die griechische Regierung die Sparauflagen der Troika aus EU, IWF und EZB nachverhandeln, weil Spanien Milliardenhilfen ohne ein so hartes Sparprogramm bekommen hat. Allerdings erteilte die EU-Kommission solchen Wünschen bereits eine Absage: "Unsere Position ist unverändert: Wir erwarten, dass die Griechen alle eingegangenen Verpflichtungen erfüllen", sagte ein Sprecher der EU-Kommission.

Spekulationen über Austritt

Die EU-Kommission teilte mit, sollte Griechenland aus dem Euro austreten, könnten die europäischen Nachbarländer gegebenenfalls die Grenzen schließen und Kapitalkontrollen einführen. Das EU-Recht erlaube dies unter bestimmten Umständen, sagte der Sprecher. Auch eine Obergrenze für Abhebungen an griechischen Geldautomaten könnte eingeführt werden.

Zugleich betonte die EU-Behörde, ein Austritt Griechenlands aus dem Euro sei rein spekulativ – das Ziel der EU-Kommission sei, dass das Land Mitglied bleibe.

In Griechenland ziehen Sparer vor der Wahl am Sonntag aus Angst vor den Folgen eines Regierungswechsels immer mehr Geld von ihren Konten ab. Seit Anfang Juni flossen täglich zwischen 100 und 500 Millionen Euro aus den Banken ab, sagte ein hoher Angestellter einer griechischen Privatbank. "Wir verbluten langsam. Wir brauchen dringend eine handlungsfähige Regierung." Nach offiziellen Angaben haben die griechischen Bürger seit Ausbruch der Krise im Jahr 2009 etwa 80 Milliarden Euro von den Banken abgezogen.