Griechenland: "Ich deklariere nicht!"
Die Griechen schulden dem Staat 45 Milliarden Euro. Das rigorose Vorgehen der Steuereintreiber verschärft die Misere.
Keiner schuldet dem griechischen Fiskus so viel wie Nikos Kasimatis: 952.087.781 Euro. Der 60-Jährige ist von Beruf Buchhalter und Steuerberater, verheiratet und hat zwei Kinder. Im Juni 2009 trat er seine Haftstrafe im berüchtigten Gefängnis "Diavata" in der Nähe von Thessaloniki an. Kasimatis ist zu einer Freiheitsstrafe von 533 Jahren verurteilt worden. Davon entfallen 150 Jahre auf die Nichtbegleichung von Schulden gegenüber dem Staat, der Rest der Freiheitsstrafe ist wegen Mittäterschaft bei der Ausstellung von Scheinrechnungen verhängt worden.
Das Telefongespräch mit Häftling Kasimatis hat sein Rechtsanwalt arrangiert, ein Besuch im Gefängnis ist nicht so einfach. Im Jahre 2004 sei er nach Athen geflüchtet, ohne seinen Personalausweis. Den hatten die Behörden zuvor einbehalten, sagt Kasimatis ZEIT ONLINE. "Ich habe in fünf Jahren 13 Wohnungen gemietet. Man hat nie meinen Personalausweis verlangt." Immer wenn ihn jemand im Café merkwürdig angeschaut habe, habe er sich verfolgt gefühlt. "Ich bin dann in eine andere Wohnung gezogen." Bis man ihn im Jahre 2009 in Piräus festnahm.
Ab 1975 war Kasimatis als Buchhalter in verschiedenen Firmen in Nordgriechenland tätig. Sein erster Arbeitgeber war ein Textilhersteller. Immer wenn ein Geschäftsjahr abzuschließen war, sei es zu einem Aliswerisi, einem Deal mit Bestechungsgeldern, zwischen der Firma und den Steuerbeamten gekommen. "Wir werden runtergehen", hätten die Steuerbeamten am Ende immer gesagt. Damit meinten sie, dass sie die fällige Steuer senken würden. Im Gegenzug hätten sie Geld verlangt. Kasimatis erklärt: "Die Formel lautete 40-40-20. Wenn die Steuer normalerweise 100.000 Euro betrug, bekamen die Steuerbeamten 40.000 Euro und der Fiskus 20.000 Euro. Die Firma hatte 40.000 Euro an Steuern gespart." Kasimatis gesteht: "Ich war ein Kind des Systems. Ein System voller Abhängigkeiten." Das Vorgehen sei weit verbreitet gewesen. Wer sich nicht daran gehalten habe, habe keine Arbeitsstelle als Buchhalter in einem Unternehmen gefunden.
1996 begann Kasimatis, als Vermittler zwischen diversen Firmen und korrupten Steuerbeamten zu fungieren. Der Zweck: die Ausstellung von Scheinrechnungen im großen Stil. 2001 kam die Steuerfahndung SDOE Kasimatis auf die Schliche. Er habe noch etwa zwanzig Gerichtsverfahren vor sich, sagt er. Wegen seiner Steuerschulden verlor er sein ganzes Hab und Gut. Von den 952 Millionen Euro entfällt der größte Teil auf Bußgelder, Strafzuschläge und Zinsen. Und Kasimatis' Schulden steigen wegen der Zinsen unaufhörlich weiter – in zwei, drei Jahren werden es 1,5 Milliarden Euro sein. "Ich habe nicht einmal Geld, um meine Rechtsanwälte zu bezahlen. Sie arbeiten umsonst für mich." Kasimatis zeigt aber Einsicht: "Ich habe mich und meine Familie zerstört. Meine Kinder schämen sich, mich im Gefängnis zu besuchen." Er schluchzt, als er das sagt.




Die Troika erzaehlt doch seit 2008, dass Griechenland auf einem guten Weg ist.
Wenn das richtig gewesen waere, muesste das Steuersystem doch schon seit Jahren funktionieren.
Entschuldigung, dass ich das so sagen muss, aber die Griechenland krise existiert seit dem Mai 2010. Erst seit damals hat das Ganze überhaupt angefangen. Also nicht mit irgendwelchen Jahreszahlen hantieren, wenn man keine Ahnung hat.
Griechenland beantragte am 23. April 2010 offiziell EU-Hilfe.
Da war die Krise also schon jahrelang am kochen und erreichte den ersten Höhepunkt.
[...]
Gekürzt. Bitte äußern Sie Kritik respektvoll. Danke, die Redaktion/mk
.... Zwischendatum. Wir, ich meine unsere politischen Vertreter und die Euroland Bürokratie wissen schon seit den 1990er, dass das nicht klappt und die Bücher getürkt waren. Das machte nichts aus, denn man wollte das Projekt voran treiben. Da sind Wahrheit und Kosten egal.
Entschuldigung, dass ich das so sagen muss, aber die Griechenland krise existiert seit dem Mai 2010. Erst seit damals hat das Ganze überhaupt angefangen. Also nicht mit irgendwelchen Jahreszahlen hantieren, wenn man keine Ahnung hat.
Griechenland beantragte am 23. April 2010 offiziell EU-Hilfe.
Da war die Krise also schon jahrelang am kochen und erreichte den ersten Höhepunkt.
[...]
Gekürzt. Bitte äußern Sie Kritik respektvoll. Danke, die Redaktion/mk
.... Zwischendatum. Wir, ich meine unsere politischen Vertreter und die Euroland Bürokratie wissen schon seit den 1990er, dass das nicht klappt und die Bücher getürkt waren. Das machte nichts aus, denn man wollte das Projekt voran treiben. Da sind Wahrheit und Kosten egal.
Natürlich stinkt der Fisch von der Basis.
Die "Wir zahlen nicht!"-Bewegung gab es auch früher, sonst wäre der Staat jetzt nicht Pleite; nur hatte sie damals keinen Namen.
Einmal mehr bewahrheitet sich der Grundsatz, in der modernen, elitengeprägten Marktwirtschaft ist der Ehrliche der Dumme. Die einfachen Leute werden das, was ihnen ihre "Elite", also die Bourgeoisie im Marxistisch-Leninistischen Sinne, eingebrockt hat, auslöffeln sollen. Tatsächlich erweist die "Elite" mit so einem Verhalten jeder Form öffentlicher Ordnung und jeder Form der Rechtstaatlichkeit einen Bärendienst - und auch sich selbst.
Ich befürchte, dass man seitens der griechischen Bevölkerung auf die Dauer nicht um "Hausbesuche" bei den weltweit residierenden Schmarotzern und Marodeuren herum kommt und einfach mal bei denen was weg nimmt. Rechtlich tituliert ist ja bereits das meiste.
Seit wann gehören denn bitte Buchhalter und Steuerberater, die im Namen großer Unternehmen Hinterzimmerdeals mit dem Fiskus aushandeln, zu den einfachen Leuten? Offensichtlich gehören sie zur Elite, doch viel Ergaunertes, was man dem Herrn Kasimatis wegnehmen könnte, hat er dennoch nicht.
Sie werden mit ihren Hausbesuchen nicht weit kommen. Die Reichen sind reich, weil ihnen Unternehmensanteile gehören und diese einen beachtlichen Wert haben haben können. Nur da die jetzt reienweise in die Insolvenz fallen, sind das nur noch überschuldete juristische Personen ohne Wert. Sie können den Reichen ihnen sicherlich noch ihren Schmuck, ihre Villen, ein paar teure Anzüge, PkW und vielleicht ne Yacht wegnehmen, nur hilft ihnen das alles nichts, um die Wirtschaft zu sanieren. Was wollen sie mit dem Zeug denn machen? Zwangsversteigern, damit andere Reiche es kaufen? Um diese dann wieder zu enteignen?
Wenn die Wirtschaft zusammenbricht, dann nicht deshalb, weil die Reichen es geschafft haben, dass ganze Volksvermögen abzuzweigen und irgendwo in ihrem Keller zu verstecken. Sondern weil die wirtschaftlichen Produktions- und Vertriebsketten nicht mehr funktionieren.
Der Wolf im Schafspelz - oder ihr neoliberales Geschwätz, der Schonung der Reichen, hinter "sozialer" Fassade..
Der Reichtum der Reichen besteht mitnichten nur aus teuren Yachten und PWK, sondern sicherlich auch aus flüssigem Geld, das eingezogen werden müsste.
Nach allem was man so hört und liest ist es mit Nichten nur die Elite, die für die Steuerhinterziehung verantwortlich ist. Die Schwarzarbeit von Handwerkern und Korruption in der Verwaltung hat nicht viel mit Elite zu tun.
Die "Elite" allein kann mit ihrer Steuerhinterziehung gar nicht so viel bewirken; da macht der kleine Mann gehörig mit.
Seit wann gehören denn bitte Buchhalter und Steuerberater, die im Namen großer Unternehmen Hinterzimmerdeals mit dem Fiskus aushandeln, zu den einfachen Leuten? Offensichtlich gehören sie zur Elite, doch viel Ergaunertes, was man dem Herrn Kasimatis wegnehmen könnte, hat er dennoch nicht.
Sie werden mit ihren Hausbesuchen nicht weit kommen. Die Reichen sind reich, weil ihnen Unternehmensanteile gehören und diese einen beachtlichen Wert haben haben können. Nur da die jetzt reienweise in die Insolvenz fallen, sind das nur noch überschuldete juristische Personen ohne Wert. Sie können den Reichen ihnen sicherlich noch ihren Schmuck, ihre Villen, ein paar teure Anzüge, PkW und vielleicht ne Yacht wegnehmen, nur hilft ihnen das alles nichts, um die Wirtschaft zu sanieren. Was wollen sie mit dem Zeug denn machen? Zwangsversteigern, damit andere Reiche es kaufen? Um diese dann wieder zu enteignen?
Wenn die Wirtschaft zusammenbricht, dann nicht deshalb, weil die Reichen es geschafft haben, dass ganze Volksvermögen abzuzweigen und irgendwo in ihrem Keller zu verstecken. Sondern weil die wirtschaftlichen Produktions- und Vertriebsketten nicht mehr funktionieren.
Der Wolf im Schafspelz - oder ihr neoliberales Geschwätz, der Schonung der Reichen, hinter "sozialer" Fassade..
Der Reichtum der Reichen besteht mitnichten nur aus teuren Yachten und PWK, sondern sicherlich auch aus flüssigem Geld, das eingezogen werden müsste.
Nach allem was man so hört und liest ist es mit Nichten nur die Elite, die für die Steuerhinterziehung verantwortlich ist. Die Schwarzarbeit von Handwerkern und Korruption in der Verwaltung hat nicht viel mit Elite zu tun.
Die "Elite" allein kann mit ihrer Steuerhinterziehung gar nicht so viel bewirken; da macht der kleine Mann gehörig mit.
Die Emotionalität der Angelegenheit macht es so schwer die Dinge zu differenzieren. Ein Versuch:
- Der systematische Betrug mittels 40-40-20 scheint bekämpft zu werden. Wenn dennoch nicht mehr Geld reinkommt wegen Rezession, ist das schade aber normal. Wird sich wieder ändern.
- Die Business-Eliten und Gutverdiener heran zu ziehen ist auch positiv, wenn es tatsächlich so ist. Wenn die jetzt jammern ist das kein Drama.
- Die Ärmsten nicht nur nicht zu unterstützen, sondern auch noch melken zu wollen, ist aber Ausdruck einer asozialen Grundhaltung der europäischen Polit-Eliten. Wie Professor Heitmeyer in seiner Studie über Ent-Solidarisierung fest stellte.
Diese (zumindest in den Köpfen) Bewegung gibt es bei uns in Deutschland auch, wenn es um dt. Steuergelder geht die nach Griechenland transferiert werden.
Wenn man solche ZEIT Artikel liest wird diese Bewegung mit Sicherheit nicht abreißen.
Steuerfreibeträge von 12.000€? - Bitte was?
Irgendwo alles nicht verwunderlich, wollen wir Europas Elite verdienen, aber nichts zahlen.
wenn man im Glashaus sitzt sollte man nicht mit Steinen werfen. Wenn die Finanzämter in D den dt. Firmen richtig auf die Finger schauen würden und in den Finanzämtern Fachleute sitzen würden, dann sähe es in D auch anders aus.
Nur ist es wie auch in GR lukrativer auf der Gegenseite zu arbeiten, denn die "gesparten" Steuern sind um ein vielfaches Höher sind als die Kosten für einen kreativen Steuerberater.
Kann das GR Bashing nicht mehr lesen, denn wenn es um Korruption auch in den Amtsstuben und auch Steuerhinterziehung geht, sind die meisten Länder Waisenknaben gegen Deutschland. Dort weis man, warum das Antikorruptionsabkommen der UN nicht ratifiziert.
Bei uns in Deutschland läuft es besser!?
Wenn die Steuerfahnder aus Versehen den falschen Leuten auf die Finger klopfen, werden sie mithilfe eines falschen psychatrischen Gutachtens in den Vorruhestand geschickt... und in der Affäre wird einfach nicht ermittelt.
http://www.fr-online.de/r...
DAS ist ein Skandal, den es so auch nur bei uns geben kann!
wenn man im Glashaus sitzt sollte man nicht mit Steinen werfen. Wenn die Finanzämter in D den dt. Firmen richtig auf die Finger schauen würden und in den Finanzämtern Fachleute sitzen würden, dann sähe es in D auch anders aus.
Nur ist es wie auch in GR lukrativer auf der Gegenseite zu arbeiten, denn die "gesparten" Steuern sind um ein vielfaches Höher sind als die Kosten für einen kreativen Steuerberater.
Kann das GR Bashing nicht mehr lesen, denn wenn es um Korruption auch in den Amtsstuben und auch Steuerhinterziehung geht, sind die meisten Länder Waisenknaben gegen Deutschland. Dort weis man, warum das Antikorruptionsabkommen der UN nicht ratifiziert.
Bei uns in Deutschland läuft es besser!?
Wenn die Steuerfahnder aus Versehen den falschen Leuten auf die Finger klopfen, werden sie mithilfe eines falschen psychatrischen Gutachtens in den Vorruhestand geschickt... und in der Affäre wird einfach nicht ermittelt.
http://www.fr-online.de/r...
DAS ist ein Skandal, den es so auch nur bei uns geben kann!
Ein Obdachloser muss also satt Einkommenssteuer bezahlen, da man ihn eines geregelten Einkommens verdächtigt, während ein Reeder ganz gesetzeskonform keinen Cent Steuerangaben zu leisten hat und sein Geld lieber in Londoner Immobilien anlegt?
Das Schlimme ist: Wenn ein Steuereintreibungssystem die Lasten derartig ungleich verteilt, kann ich die Empörung der Griechen sogar verstehen. Natürlich sollen jetzt mal alle beginnen, ihre Steuern zu entrichten, aber wieso ist es gerecht, wenn es das dem griechischen Staat zu bedeuten scheint, so einseitig auf Pennerjagd zu gehen und diejenigen, deren Schwarzgeldkonten allein zur Begleichung der Staatsverschuldung ausreichend wären, völlig unbehelligt zu lassen? Griechenland beginnt vom Kopf her zu riechen!
Da ist es egal, ob in Griechenland oder Deutschland oder anderswo.
Gerade habe ich gelesen, dasß VW für die Übernahme von Porsche keinen Cent Steuern zahlen muß, da es sich "nur" um eine betriebliche Umstrukturierung handele. Es geht hier um einen bescheidenen Betrag von 1,4Milliarden Euro. Ähnliches dürfte in Griechenland die Großunternehmer auch machen können. Oder schauen wir in Deutschland die EEG-Umlage an, von der die energieintensiven Betriebe befreit sind.
Zahlen darf es immer der Fleißige, nämlich der, der so dumm ist, sein Geld durch redliche Arbeit zu erarbeiten. Die Menschen mit leistungslosem Einkommen, ob Verarmter oder Superreicher, können sich erfolgreich um ihre Abgaben drücken.
Da ist es egal, ob in Griechenland oder Deutschland oder anderswo.
Gerade habe ich gelesen, dasß VW für die Übernahme von Porsche keinen Cent Steuern zahlen muß, da es sich "nur" um eine betriebliche Umstrukturierung handele. Es geht hier um einen bescheidenen Betrag von 1,4Milliarden Euro. Ähnliches dürfte in Griechenland die Großunternehmer auch machen können. Oder schauen wir in Deutschland die EEG-Umlage an, von der die energieintensiven Betriebe befreit sind.
Zahlen darf es immer der Fleißige, nämlich der, der so dumm ist, sein Geld durch redliche Arbeit zu erarbeiten. Die Menschen mit leistungslosem Einkommen, ob Verarmter oder Superreicher, können sich erfolgreich um ihre Abgaben drücken.
...was für ein Mensch kommt auf so eine Idee?
Was sind das für Gedankengänge?
Gab es da ein oder mehrere Meetings von höheren Finanzbeamten die sich das ausdachten und auch gleich wie man diese Steuer eintreiben kann?
*Facepalm
eine Idee?"
Dem Drängen von IWF und EU muss entsprochen werden, ohne der eigenen Elite auf dem Schlips zu treten.
Eine heikle Aufgabe, die nicht ohne Bauernopfer bzw. Obdachlosenopfer zu erledigen ist.
IWF und EU wollen, dass sich was bei den Steuern tut. Also tut man dort, wo die wenigsten Widerstände zu erwarten sind.
eine Idee?"
Dem Drängen von IWF und EU muss entsprochen werden, ohne der eigenen Elite auf dem Schlips zu treten.
Eine heikle Aufgabe, die nicht ohne Bauernopfer bzw. Obdachlosenopfer zu erledigen ist.
IWF und EU wollen, dass sich was bei den Steuern tut. Also tut man dort, wo die wenigsten Widerstände zu erwarten sind.
zu Demokratie, Freiheit und Verfassungen aber das geht langsam zu weit. Ich denke den Griechen steht inzwischen ein "Sonderkündigungsrecht" zu. Schlechtem Geld soll man kein gutes Geld hinterher werfen, lehren uns die Experten in den Medien. Wozu diesem Staat also noch Steuern zahlen? Ich halte auch Zweifel an der Legitimität solcher Ansprüche in anderen Ländern für angebracht. Ein unverzollter Teppich, eingeschmuggelt in einem Militärjet und hunderte andere Kleinigkeiten, die an das Tageslicht dringen, wären für mich Indiz genug an diese verklausulierten Ansprüche bedenkenlos zu akzeptieren.
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