FinanzministeriumDeutschland haftet mit 310.000.000.000 Euro

Das Finanzministerium hat zusammengerechnet, wie hoch die Bürgschaften und Kredite für die Euro-Rettung ausfallen. Ein Ende der Währungsunion sei aber noch teurer. von afp und dpa

Das Reichstagsgebäude in Berlin

Das Reichstagsgebäude in Berlin  |  © Barbara Sax/AFP/Getty Images

Deutschland haftet bei der Euro-Rettung mit etwa 310 Milliarden Euro. Das gehe aus einem Bericht des Bundesfinanzministeriums an den Haushaltsausschuss hervor, schreibt das Handelsblatt .

In der Summe seien die von Deutschland verbürgten Kreditvolumen des Rettungsfonds ESM und des zeitweise parallel laufenden EFSF in Höhe von 285,3 Milliarden Euro enthalten. Hinzu kommt demnach der deutsche Anteil an Hilfen aus dem EU-Haushalt mit 9,8 Milliarden Euro und an Krediten aus dem ersten Griechenland-Hilfspaket mit 15,2 Milliarden Euro.

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Bei der Summe von 310,3 Milliarden Euro handelt es sich dem Bericht zufolge um den maximalen Bürgschaftsrahmen für den Fall, dass sowohl die noch nicht belegten Mittel des EFSF als auch alle Hilfen des ESM tatsächlich ausgereizt werden. Weitaus teurer als 310 Milliarden Euro wäre aber ein Auseinanderfallen der Euro-Zone, heißt es in dem Dokument des Finanzministeriums. Eine Summe für dieses Szenario werde darin aber nicht benannt.

"Strukturelle Lösungen erwartet"

Der ESM soll den einst unter großem Zeitdruck eingesetzten Krisenfonds EFSF ablösen. Im Unterschied zum EFSF-Fonds kann der ESM über längere Zeit und auch mehr Geld vergeben.

Auf dem EU-Gipfel zum Ende der Woche in Brüssel will die Union über weitere Hilfsmaßnahmen beraten. Die Finanzminister Deutschlands, Italiens , Spaniens und Frankreichs trafen am Dienstagabend in Paris zusammen, um den EU-Gipfel vorzubereiten. Über Ergebnisse wurde zunächst nichts bekannt. Frankreichs Finanzminister Pierre Moscovici hatte zuvor gemahnt, von den Europäern würden endlich "strukturelle Lösungen erwartet".

Neben den akuten Krisenhilfen geht es am Donnerstag und Freitag in Brüssel auch um die Frage, wie die EU das Wirtschaftswachstum anregen kann. Gleichzeitig erörtern die Staats- und Regierungschefs die Lage in Griechenland und Spanien. Außerdem sollen Brüsseler Vorschläge diskutiert werden, die Finanzpolitik enger zu verzahnen und gemeinsam über nationale Haushalte zu entscheiden.

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Leserkommentare
  1. sind zudem immer noch gang und gäbe. Es ist unglaublich, wie sich hier auf Kosten der Steuerzahler bereichert wird.
    Dazu zieht die Finanzindustrie im Hintergrund an den Strippen (siehe Mappus oder Ex-Merkel Berater Deutsche Bank) und die Politiker springen.
    Wie so offensichtlich das Fiasko immer noch vergrößert wird, wenn jeder mit gesundem Menschenverstand schon von Anfang an vor diesen Haftungen gewarnt hat, ist zum Verzweifeln.
    Der Euro wird Europa spalten, denn die Spekulationen damit bieten Nährboden für Vorurteile und Schuldzuweisungen.

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    Es ist einfach zu kurzsichtig, die Ursache der Krise an ein paar Südländern festzunageln. Die haben Probleme und Reformstau - keine Frage. Aber sie sind nicht die Ursache. Sie sind nur leichte Opfer einer unregulierten Finanzwirtschaft. Welcher Geschäftsführer einer Bank, welcher Aufsichtsrat, welcher Berater ecc. wurde denn zur Verantwortung gezogen? Da gibt es Leute die haben sich verspekuliert und mit ganzen Staaten Schindluder getrieben. Und nun soll der Staatsangestellte in Griechenland schuld sein. Deutschland muss endlich aufwachen, sonst wird Europa in eine tiefe Krise stürzen.

  2. z. b. den Einalgensicherungsfont usw enthalten. Das sind ja eher Dinge der Vergangenheit. Also 4000 Euro pro Person in Deutschland finde ich doch sehr heftig.

    Warum um Himmels willen müssen die Staaten Ihre Banken retten. Warum rettet nicht die EZB die ach so wichtigen Banken und übernehmen sie bei Bedarf.

    Spanien ist doch ein wunderbares Beispiel. Die Banken haben unsichere Bauprojekte finanziert. Für die Kredite haben Sie Geld geschafften und jahrelang von Zinseinnahmen profitiert.
    Jetzt werden die Banken vom Steuerzahler gerettet. Werden jetzt die Steuerzahler Eigentümer dieser Immobilien. Eher nicht. Sobald die Bauprojekte im Konkurs sind werden die Banken Eigentümer dieser Immobilien, die ja bestenfalls noch mit einem Euro in den Büchern stehen. Dann werden die Banken gerettet. Nachdem alles abgewickelt ist können dann die Immobilien wieder mit Gewinn verhökert werden. Der Steuerzahler bezahlt es, die Gewinne machen andere. So stelle ich mir ein gerechtes Finanzsystem vor.

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    weil Politiker die Regeln geschaffen haben, dass es so funktioniert.

    Die Schulden der Banken an die Steuerzahler weiterzureichen hat ... schlicht ... System. Es funktioniert doch. Gewinne privatisieren und Verluste sozialisieren. Es geht doch. Regeln, um es zu bremsen wurden ... einfach nicht gemacht.

    Das Leben am Anfang einer kleinen Blase, die schnell wächst ... ist wunderschön profitabel. Regeln ... warum ... alle verdienen gut im Blasenwachstum. Kein Politiker wird doch so grausam sein, der schönen Stimmung das Wasser abzugraben. Nein ... es passiert ... NICHTS.

    Wenn dann die Blase platzt und Verluste in der Bankenbilanz steht ... ist doch brav der Steuerzahler da. Und nun ... welch grenzenübergreifende Freude ... wird es vielleicht sogar Realität, dass Schuldenwerte an alle EU-Bürger weitergereicht werden dürfen, wobei die Deutschen doch einen noch größeren Beitrag leisten dürfen.

    Und siehe da ... es kann wieder weitergemacht werden ... im gewohnten Blasendenken. Man kann sich sogar wieder politische Wohltaten verordnen. Es geht doch ... irgendwie ... weiter zu wurschteln und ... zu lächeln.

  3. Die Illusion, dass EU-Staaten locker flockig einfach mehr ausgeben, als sie einnehmen, um Wohltaten zu bezahlen ... ist nicht lange lebbar. Die Illusion, einfach mehr zu verdienen, indem ich immer mehr importiere, aber immer weniger eigene Produktionen im eigenen Land aufrechterhalte, bringt nur solange etwas, wie die eigene Bevölkerung noch ein eigenes selbst erwirtschaftetes Einkommen hat. Die Illusion vieler Reichen in was weiß ich zu investieren und sich bequem abzuschotten, geht nur eine Zeitlang gut.

    Politiker beweisen Kompetenzen in Krisen und nicht in guten Zeiten. Weglächeln ist nicht immer das Maß der Dinge.

    Der Euro muss nicht scheitern. Der Euro wird aber scheitern, wenn immer mehr EU-Staaten nicht e n d l i c h einmal anfangen, mit weniger Schuldenaufnahme klar zu kommen. Diese massive Inkompetenz ist erdrückend.

    Auch seine Sparbuchinhalte nur in EURO zu haben, ist ja wohl hoch risikobehaftet. Jeder sollte auf seinen Lebensverhältnissen entsprechenden Risikomix umsteigen. Heute besser als morgen. Das "Mildeste" was dem Euro passieren kann, ist langfristig ein satter Inflationsschnitt, da Staatsschulden mit der "Geldpresse=mehr Geld in den Umlauf bringen" bezahlt werden.

    Kein Politiker wird aber dem Bürger sagen, wie es durch das politische Verhalten um den Euro steht. Es wird gelächelt und weiter Risiken in gewaltige Schattenhaushalte verschoben werden, die irgendwann platzen werden. Man muss mit dem Platzrisiko leben lernen und sich darauf einstellen.

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    wer hatte den Größenwahn überallhin zu exportieren, ohne denHandelsbilanzüberschus zu beheben?

    Entfenrt. Bitte argumentieren Sie sachlich. Die Redaktion/ag

  4. weil Politiker die Regeln geschaffen haben, dass es so funktioniert.

    Die Schulden der Banken an die Steuerzahler weiterzureichen hat ... schlicht ... System. Es funktioniert doch. Gewinne privatisieren und Verluste sozialisieren. Es geht doch. Regeln, um es zu bremsen wurden ... einfach nicht gemacht.

    Das Leben am Anfang einer kleinen Blase, die schnell wächst ... ist wunderschön profitabel. Regeln ... warum ... alle verdienen gut im Blasenwachstum. Kein Politiker wird doch so grausam sein, der schönen Stimmung das Wasser abzugraben. Nein ... es passiert ... NICHTS.

    Wenn dann die Blase platzt und Verluste in der Bankenbilanz steht ... ist doch brav der Steuerzahler da. Und nun ... welch grenzenübergreifende Freude ... wird es vielleicht sogar Realität, dass Schuldenwerte an alle EU-Bürger weitergereicht werden dürfen, wobei die Deutschen doch einen noch größeren Beitrag leisten dürfen.

    Und siehe da ... es kann wieder weitergemacht werden ... im gewohnten Blasendenken. Man kann sich sogar wieder politische Wohltaten verordnen. Es geht doch ... irgendwie ... weiter zu wurschteln und ... zu lächeln.

    13 Leserempfehlungen
    • DDave
    • 27. Juni 2012 8:03 Uhr

    "Wo Recht zu Unrecht wird, da wird der Widerstand zur Pflicht." - Berthold Brecht
    und:

    "Nur die Lüge braucht die Stütze der Staatsgewalt; die Wahrheit steht von alleine aufrecht."
    - Thomas Jefferson

    9 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Man will uns"
  5. unabhängig davon, wie erschreckend diese Last ist/sein könnte.

    1. @Kommentar 6 "Fikimon":
    310 Milliarden Euro sind 0,3 Billionen Euro nicht 3

    2. In der Überschrift fehlen 3 Nullen: dort stehen leider nur 310 Millionen Euro :D

  6. Dass zu gerechtfertigter Kritik an anderen Ländern auch noch eine Menge Unterstellungen kommen. Diese deutsche Arroganz ist nicht mehr akzeptabel.

    4 Leserempfehlungen
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    ...kann man sich keine Mercedes oder Strandvillen leisten, das haben viele vergessen in den Südländern.

    bezahlt man keine Schulden und bekommt keinen Kredit.

    aber ich glaube das ist gerade das geringste Problem vor dem Europa und Deutschland stehen...

  7. ...das muss man sich mal vor Augen halten...310.000.000.000 € sind für JEDEN Bundesbürger knapp 4000 € mit denen er haftet - vom Säugling bis zum Greis.

    Und wofür? Dafür dass andere Völker 17 Jahre früher in Rente gehen können? Dafür dass Arbeiter in gewissen südlichen Ländern eine BONUSZAHLUNG bekommen, wenn sie mal pünktlich zur Arbeit kommen? Dafür dass ein paar verantwortungslose Banker nicht wirtschaften können?

    Wir haben genügend Baustellen im eigenen Land offen, die es zu bewerkstelligen gibt. Wir können nicht noch das Lotterleben von Bürgern anderer EU-Staaten mitfanzieren. Und da sich wohl daran so schnell auch nichts ändern wird; raus aus der Währungsunion! Wir werden das nie wieder gedankt bekommen - im Gegenzug werden auch noch deutsche Flaggen verbrannt und gegen Deutschland gewettert.

    Und an die Kritik die es jetzt hagelt; ich war nie in irgendeiner Weise rechts eingestellt - ganz im Gegenteil. Aber es sind lediglich Fakten, die für die derzeitige Situation sprechen.

    11 Leserempfehlungen
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    Ihren Entrüstungssturm kann ich ja sofort teilen, aber fdas Bild ist doch arg verzehrt.

    Es ist doch nicht so, dass (z.B.) alle Griechen faul in der Sonne liegen und vom Staat allimenitert werden und "der Südländer" allgemein eher weniger arbeiten möchte.

    Die Schuild trifft sicherlich auch den "kleinen Bürger", der die Brosamen, die vom Tisch der Elite fielen, dankbar aufgenommen hat. Aber richten Sie Ihre Wut lieber auf die jenigen, die nicht nur die Spielregeln schaffen, sondern es sich auch als einizge leisten können, danach zu spielen.

    Ich greif ja niemanden persönlich an und gebe niemandem die direkte Schuld dafür. Würden wir in so einer Volkswirtschaft leben, dann würden wir garantiert ebenso handeln - wären ja blöd, wenn nicht.

    Ich bekräftige nur, dass wir eben ein oder mehrere Systeme unterstützen, die mit unserem auf Dauer nicht übereinstimmen. So kann es eben nicht funktionieren und die Frage ist, wie lang unsere Regierung benötigen wird, um das zu begreifen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa
  • Schlagworte Europäische Union | Finanzministerium | ESM | EU-Gipfel | EU-Haushalt | Euro
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