WirtschaftsförderungWie gute Wirtschaftspolitik funktioniert

Ist Industriepolitik besser als ihr Ruf? Richtig gemacht, kann sie das Wachstum befördern, stellen Ökonomen der Universität Harvard fest. von Olaf Storbeck

Solaranlage bei VW in Wolfsburg

Solaranlage bei VW in Wolfsburg  |  © Sean Gallup/Getty Images

Liberalen Ökonomen ist sie ein einziger Graus: staatliche Industriepolitik, bei der eine Regierung einzelne Branchen oder gar Unternehmen gezielt fördert, gilt vielen Volkswirten als pure Geldverschwendung. "Der Staat kann nicht wissen, wo die künftigen Wachstumsfelder sind", fasst der Kölner Ökonomie-Professor Jürgen B. Donges das zentrale Gegenargument zusammen. "Industriepolitik", so Donges, "ist eine Geschichte von Fehlschlägen."

Gerät dieser jahrelang etablierte Konsens jetzt ins Wanken? Neue Studien von US-Ökonomen kommen zu dem Schluss, dass Industriepolitik sehr wohl funktionieren kann - wenn man sie denn richtig macht. "Wir sollten nicht mehr darüber diskutieren, ob der Staat Industriepolitik machen soll oder nicht", schreibt ein fünfköpfiges Forscherteam um den Harvard-Professor Philippe Aghion , einen der weltweit führenden Wachstumsforscher. "Die entscheidende Frage sollte sein, wie solche Politiken aussehen sollten und wie man sie am besten umsetzt."

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Politisch relevant sind die Ergebnisse unter anderem für die Debatte um die Förderung erneuerbarer Energien - ein Beispiel, das die Forscher explizit ansprechen. "Das steigende Bewusstsein, dass sich der Klimawandel ohne staatliche Förderung für umweltfreundliche Technologien stark verschärfen wird, ist ein Grund, warum wir uns das Thema neu vorgenommen haben."

Ein weiteres Indiz dafür, dass vorübergehende staatliche Protektion für bestimmte Branchen nicht per se schlecht sein muss, liefert Aghions Fakultätskollege Nathan Nunn am Beispiel von Zöllen. Gemeinsam mit seinem Co-Autor Daniel Trefler von der Universität Toronto kommt Nunn zu dem Schluss: Zölle, die junge, aufstrebende Branchen vorübergehend vor ausländischer Konkurrenz schützen, können unter bestimmten Umständen den wirtschaftlichen Wohlstand eines Landes erhöhen.

Anhand von Daten aus 63 Entwicklungs- und Industriestaaten für die Jahre 1972 bis 2000 stellten Nunn und Trefler fest: Länder, die wissensintensive Branchen eine Zeit lang vor ausländischer Konkurrenz abschirmen, haben ein spürbar höheres langfristiges Wirtschaftswachstum als andere. Diese These hatte der Ökonomie-Nobelpreisträger Paul Krugman in den achtziger Jahren bereits aufgrund eines theoretischen Modells aufgestellt. Nunn und Trefler liefern jetzt empirische Belege dafür.

Leserkommentare
  1. Autor beschreibt, richtig gemacht.

    Bitte diesen Artikel in den Verteiler aller Wirtschaftsminister in den Bundesländern.

    Eine Leserempfehlung
  2. ...lassen sich aber die nächsten Wahlen nicht gewinnen.
    Das kann schon ein oder gar zwei Jahrzehnte dauern bis sich richtig auch als "richtig" erweist.
    Daher mache ich mir da wenig Hoffnung...

  3. Mittelfristig könnte man durch die Erhebung von Zöllen die Eurowirtschaft wenigstens in Richtung verträgliches Ungleichgewicht bringen. Will sagen, Nationen die unter der Fuchtel des IWF oder ESM stehen erlaubt die EU für einen begrenzten Zeitraum und für ausgesuchte Branchen einseitig die Erhebung von Zöllen.

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