US-Ökonom Eichengreen : "Die Deutschen sollten besorgter sein als andere"

Die Weltwirtschaft könnte ähnlich stark abrutschen wie in den dreißiger Jahren, warnt der Ökonom Barry Eichengreen im Interview. Deutschland müsse sich schneller bewegen.
Straßenszene in Madrid: Mitglieder einer NGO suchen im Müll nach Lebensmitteln für Bedürtige © Pablo Blazquez Dominguez/Getty Images

ZEIT ONLINE: Herr Eichengreen, ist das Wahlergebnis in Griechenland nicht ein Beleg dafür, dass Weltuntergangsszenarien am Ende doch nie eintreten und wir alle etwas optimistischer sein sollten?

Barry Eichengreen:
Nein. Ein Sieg von Syriza hätte einen Bankensturm in Südeuropa in Gang gesetzt. Die Europäische Zentralbank wäre gezwungen gewesen, sich mit außergewöhnlichen Notmaßnahmen und Liquiditätsspritzen gegen die Panik zu stemmen.

ZEIT ONLINE: Jetzt bekommen die Griechen hingegen eine Regierung , die weiter sparen und reformieren will.

Eichengreen: Dass die konservative Nea Dimokratia den größten Stimmanteil von allen Parteien errungen hat, ändert nichts. Der Schuldenstand Griechenlands ist weiterhin zerstörerisch hoch. Die Defizitziele der Troika sind unrealistisch und nicht zu halten.

ZEIT ONLINE:Brüsselwill nachverhandeln , heißt es.

Barry Eichengreen

Der amerikanische Ökonom Barry Eichengreen ist einer der renommiertesten Analytiker der Weltwirtschaft. Er unterrichtet Ökonomie und politische Wissenschaften in Berkeley in Kalifornien. Die Einführung des Euro sah er von Beginn an skeptisch: Die gemeinsame Währung werde Transfers von den reichen zu den armen Staaten notwendig machen, sagt er voraus. Zuletzt erschien von ihm Das Ende des Dollar-Privilegs im Börsenbuchverlag.

Eichengreen: Der öffentlichen Hand in Griechenland wird dennoch bald das Geld ausgehen. Die Depression geht weiter, und die Zustimmung wird für jede neue Regierung erodieren. Alle Fragen der vergangenen Wochen werden wieder auf den Tisch kommen: Kommt es zu einer Staatspleite Griechenlands? Kann Griechenland pleite gehen, ohne den Euro zu verlassen?

ZEIT ONLINE: Das Wahlergebnis bedeutet einen Zeitgewinn.

Eichengreen: Ich würde es so sagen: Die Panik ist der Furcht gewichen, dass die Panik bald wieder kommen könnte. Ohnehin ist Griechenland nur ein Nebenschauplatz. Der eigentliche Grund zur Sorge ist Spanien .

ZEIT ONLINE: Sie waren einer der ersten , der vor den Parallelen zwischen der Großen Depression der dreißiger Jahre und der heutigen Krise gewarnt haben. Gilt die Warnung noch?

Eichengreen: Was die Große Depression damals groß machte, war, dass sie global war. Der Absturz war nicht auf ein Land oder eine Region begrenzt. Das ist das Risiko, vor dem wir jetzt wieder stehen. Es droht ja nicht nur eine Rezession und ein finanzielles Desaster in Europa. Auch in den USA schwächt sich das Wachstum ab. Der sogenannte fiscal cliff , der uns am Ende des Jahres erwartet...

ZEIT ONLINE: ... Steuererleichterungen aus der Bush-Ära, die auslaufen und beschlossene Sparmaßnahmen der Regierung Obama...

Eichengreen: ... kann Amerika wieder zurück in die Rezession drücken. Auch Chinas Wirtschaft wächst langsamer. Die chinesische Regierung hat gemischte Signale gesendet, ob sie eine erneute Rezession mit einem Konjunkturprogramm bekämpfen wird wie noch 2008 und 2009. Eine Rezession in den USA, in Europa und in China wäre ein äußerst düsteres ökonomisches Szenario.

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Kommentare

152 Kommentare Seite 1 von 14 Kommentieren

und eben genau diese Art der Krisenbewältigung

ist die, die wir jetzt brauchen um überhaupt noch eine Chande zu bekommen ohne größere Schäden die langfristigen Ziele umzusetzen. denn was die Staaten kaputtmacht ist die hohe Zinsbelastung. Diese ließe sich drücken, wenn die Einlagen notfalls durch die Notenpresse garantiert wären.
Daher sollten wir uns endlich ein Beispiel an den USA nehmen, was die kurzfristigen Maßnahmen der Krisenbewältigung betrifft. Merkels Pläne werden ohne diese Maßnahmen nicht mehr zur Umsetzung kommen, weil die EU bis dahin Geschichte ist.

Das Problem ist, dass die Medien in der Hand der Oberschicht sin

... deshalb hält sich hartnäckig die Angst vor der Inflation. Denn die Verlierer der Inflation sind die Besitzer von geld. Und die können jeden Kleinsparer aufhetzen, der um seine paar kröten bangt; denn das Prinzip ist das Gleiche: Angst um Besitz.

Dabei sollte man sich mehr Sorgen um die laufende Wirtschaft machen, dass das arbeitsteilige Prinzip nicht mehr aufgeht, weil ganz einfach das Geld in den falschen Händen ist und nur gegen hohe Zinsen abgegeben wird. Wir sollten das Geld von seinem Mißbrauch befreien, indem man den Handel mit ihm unter strenge Aufsicht und unter hohe Steuern legt. Damit wäre schon sehr viel gewonnen. Geld muss im Umlauf bleiben und zwar nicht nur als Staatskredit sondern als Steuern aus den Taschen der Reichen.

Hier traut sich noch keiner ran, das wäre unter Tsipras neu definiert worden. Leider haben sich die Griechen nicht getraut, weil sie unter massive Propaganda gesetzt worden sind.... diesmal hat's noch gewirkt!

was sie nicht sagen

und die beführworter von inflation sind die banken und ihre anteilseigner weil ich kreti und pleti einen kredit zu 6% zinsen andrehen kann wenn ich was von10% inflation fabuliere wie es die banken und ihre kamarillia seit nun 8 jahren tun
nichts gegen werbung und die wahrung von geschäftsinterressen
allerdings weis ich nicht warum oma krauses spaarguthaben für die spekulationsfehler von leuten die an produktinformation glauben herhalten sollte.
abgesehen von der frage wieviele jahrzehnte es eigentlich her ist das löhne renten, alg2 etc mal wirklich an die reale inflation angepasst wurden
ich weis
diese ganzen transverbesitzstandswahrer sind die schlimmsten kapitalisten von allen aus sicht derer die sich millionengeschäftskredite erst aufschwätzen liessen und sie jetzt nicht bedienen können