Passanten gehen in Dublin an der Bank of Ireland vorbei. (Archivbild) © dpa

In Rom herrscht Zufriedenheit. In Madrid ist man ganz erleichtert und in Dublin und Nikosia erscheint der Blick in die Zukunft auch etwas freundlicher. Wenigstens für jene (potenziellen) Pleiteländer der Euro-Zone, die durch ihre ausgeflippten Banken in eine Schieflage geraten sind, hat der jüngste EU-Gipfel ein Ergebnis produziert, das einen Neuanfang durchaus möglich erscheinen lässt. Neunzehnmal haben sich die Staats- und Regierungschefs der EU seit Beginn der Krise bereits zu ihren nächtlichen Debatten in Brüssel getroffen und immer wieder enttäuschten sie die Märkte.

Was der Präsident des Europäischen Rates Herman Van Rompuy am Freitag bei Sonnenaufgang jedoch als "Durchbruch" bezeichnete, wurde auch von den Finanzmärkten so eingeschätzt. Dass der Europäische Rettungsfonds in Not geratene Banken künftig rekapitalisieren kann, bedeutet das Ende der Schuldenspirale, bei der Pleitestaaten ihre Pleitebanken übernehmen und sich aus dem Rettungspaket Geld leihen müssen, bis die Rating-Agenturen sie auf Junk-Status herabstufen, weil der totale Zahlungsausfall droht.

Freilich könnte dieser Gau für Spanien , der fünftgrößten Volkswirtschaft der EU, immer noch eintreten, aber die Regierung von Premierminister Mariano Rajoy hat eine lange Atempause bekommen. Nun kann man ihm nur raten, gleich nächste Woche eine Delegation nach Irland zu schicken, denn die Iren gelten rechtermaßen als die Musterschüler der Krisenbekämpfung und der Weg in das Schuldendilemma verlief in Spanien und Irland ganz ähnlich.

In Spanien sind es die Betongerippe stillgelegter Bauprojekte, die sich die gesamte Mittelmeerküste entlangziehen, die Ursprung und Ausmaß der Pleite widerspiegeln, in Irland sind es zahllose ausgestorbene Wohnsiedlungen inmitten grüner Hügel. Beide Länder wurden durch eine Immobilienblase in die Knie gezwungen, die von den Banken aufgepumpt worden war.

Niedrige Zinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) verleitete sie zur Maßlosigkeit. Irische Hauspreise stiegen binnen weniger Jahre um 350 Prozent. In Spanien waren es 150 Prozent. Die Lust der Menschen, nicht nur am Eigenheim, sondern an der Spekulation mit Immobilien, führte schließlich zum Absturz. Fünf Jahre nach dem Bankencrash liegt die Arbeitslosenquote in Irland bei 14,2 Prozent und in Spanien gar bei 24,3 Prozent. Simon Tilford, ein Ökonom der für den Londoner Thinktank Centre for European Reform arbeitet, beschreibt die Dynamik, die beide Länder in den Abgrund trieb als "eine Art des kollektiven Wahnsinns".