SchuldenkriseZEW-Konjunkturindex bricht ein

Die Euro-Krise trübt die Zuversicht deutscher Finanzexperten. Das ZEW-Barometer für die Konjunkturerwartungen brach so stark ein wie seit 1998 nicht mehr. von afp, dpa und reuters

Die Euro-Krise verschlechtert nach Ansicht von Finanzmarktexperten nun auch die Konjunkturerwartungen für Deutschland deutlich. Der Index des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) fiel im Juni so stark wie seit Oktober 1998 nicht mehr, wie das ZEW mitteilte. Die Konjunkturerwartungen sanken demnach um 27,7 Punkte auf minus 16,9 Punkte.

"Das ist ein heftiger Rückgang. Man darf allerdings nicht vergessen, dass Finanzmarktexperten befragt wurden und keine Unternehmen. Dennoch ist das ein Indiz dafür, dass sich die Verschärfung der Schuldenkrise und die zunehmenden Spannungen in Spanien auf Deutschland auswirken", sagte Jürgen Michels von der Citigroup . Peter Meister von der Bhf-Bank sagte: "Insgesamt deuten die ZEW-Zahlen darauf hin, dass auch Deutschland nicht immun gegen die Krise ist."

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Das ZEW führte den dramatischen Rückgang auf die Zuspitzung der Lage des spanischen Bankensektors sowie die Lage in Griechenland zurück. Die Umfrage unter den Experten fand jedoch weitgehend noch vor der Wahl in Griechenland am Sonntag statt. Der Wahlausgang hatte an den Finanzmärkten vorübergehend für Erleichterung gesorgt, die aber schnell wieder nachließ. Der Wahlsieg der konservativen Nea Dimokratia (ND) in Griechenland war als Votum für ein Festhalten an den internationalen Sparauflagen gewertet worden.

Die Finanzmarktexperten betrachten offenbar auch die Situation in Deutschland mit zunehmender Sorge. "Die Erwartungen der Finanzmarktexperten warnen eindringlich vor einer allzu optimistischen Einschätzung der deutschen Konjunkturperspektiven in diesem Jahr", erklärte ZEW-Präsident Wolfgang Franz . Denn die Risiken einer "markanten Konjunkturabschwächung" in wichtigen Handelspartnerländern seien unübersehbar. Hinzu komme die nach wie vor brenzlige Lage im Euro-Raum. "Das Votum der griechischen Wähler verschafft uns eine kurze Atempause – nicht mehr und nicht weniger", mahnte Franz.

Auch die aktuelle konjunkturelle Lage in Deutschland bewerten die Experten schlechter. Der entsprechende Indikator fiel im Juni um 10,9 Punkte auf nun 33,2 Punkte. Die Konjunkturerwartungen für die Euro-Zone fielen um 17,7 Punkte auf minus 20,1 Punkte. Der Indikator für die aktuelle Lage im Euro-Raum sank um 13,0 Punkte auf minus 73,2 Punkte. Für den Index befragt das ZEW jeden Monat Analysten.

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Leserkommentare
  1. für Erleichertung sorgen.
    Nur weil es jetzt erstmal weitergeht, ohne dass ein Problem gelöst wird, wird der Markt bestenfalls mal kurz lächeln, bevor die Sorgenfalten zurückkommen.

    • WiKa
    • 19. Juni 2012 13:05 Uhr

    … wenn sich die Geldberge in einem Maße vermehren, bei dem die das Wachstum begründenden Zinsen und Zinseszinsen nicht mehr über die Realwirtschaft erarbeitet werden können, einfach weil es physisch nicht möglich ist,dann beginnt das System nicht nur zu stottern, sondern zu kollabieren.

    Nichts anderes sehen wir hier. Da die Geldmehrung nicht gestopft wird, sondern ganz im Gegenteil, dies auch noch zu Lasten der Wirtschaft und Verbraucher geschieht, fehlt die geldliche Grundlage am Ende um realwirtschaftliche Wachstumsprozesse überhaupt im Gang halten zu können. Für diese Erkenntnis muss man nicht einmal VWL oder BWL Voodoo Kunst beherrschen.

    Aber genau das Thema Zins- und Zinseszins, nebst kaputtem Geldsystem wird ums verrecken nicht thematisiert, lieber lässt man ganze Nationen über die Klinge springen. Die schwachen (PIIGS) zuerst, am Schluss wird auch der Stärkste mit in den Strudel gesogen.

    Un wenn sich mal jemand mit der etwas heitereren Seite, bzw. der Kehrseite der „Schuldenkrise“ auseinandersetzen möchte, dem sei der Blick auf die „Guthabenkrise“ empfohlen, es macht das ein oder andere Aha-Erlebnis: http://qpress.de/2011/12/...

    Will sagen, solange wir uns ein derart kaputtes und asoziales Geldsystem gönnen, dürfen wir uns auch nicht über den alle drei Generationen anstehenden Zusammenbruch wundern, der mit der mathematischen Präzision der Zinsrechnung kommen muss … (°!°)

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    die Frage, was können wir tun, ohne in den von Ihnen beschriebenen Strudel zu geraten? Da ich weder VWL noch BWL studiert habe, würde mich diese Frage, weil sie uns "alle" angeht, brennend interessieren. Gibt es diesen Weg überhaupt, oder ist das was jetzt abläuft "alternativlos"? Hierzu wird sehr wenig geschrieben. Oder ist dies gewollt, weil sonst ja diejenigen, die von dieser Situation so wunderbar leben, in Gefahr? Bitte, ich weiß es nicht und möchte es auch niemandem unterstellen, daß dies so ist. Nur kann man sich nicht des Eindrucks erwehren, daß es so ist, denn irgendwas ist faul in dieser Welt!!!

  2. die Frage, was können wir tun, ohne in den von Ihnen beschriebenen Strudel zu geraten? Da ich weder VWL noch BWL studiert habe, würde mich diese Frage, weil sie uns "alle" angeht, brennend interessieren. Gibt es diesen Weg überhaupt, oder ist das was jetzt abläuft "alternativlos"? Hierzu wird sehr wenig geschrieben. Oder ist dies gewollt, weil sonst ja diejenigen, die von dieser Situation so wunderbar leben, in Gefahr? Bitte, ich weiß es nicht und möchte es auch niemandem unterstellen, daß dies so ist. Nur kann man sich nicht des Eindrucks erwehren, daß es so ist, denn irgendwas ist faul in dieser Welt!!!

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    ...Alternativen, die gibts immer (alternativlos ist eine Sache immer nur in einem Herrschaftsrahmen):

    1) das Geldvermögen muss immer wieder zurück in die Realwirtschaft und dort investiert werden, das kann man über mehrere Wege erreichen:

    1.1) Umverteilung

    oder

    1.2) knapp werdendes Geld nachdrucken (per Zentralbankanleihe), da Kapital weiter akkumuliert führt das jedoch zu Blasen, Vermögenspreisinflation (Aktien, Rohstoffe usw. werden teurer) und wenn man es übertreibt auch zu normaler Verbraucherpreisinflation, außerdem ensteht ein enormes undemokratisches Machtgefälle, nichtdestotrotz zumindest einfacher gegen die Herrschenden umsetzbar als Vermögensbesteuerung und besser als Rezession

    in jedem Fall:

    1.3)
    erzwingen ausgeglichener Handelsbilanzen (Werteabflüsse/zuflüsse sind ausgeglichen)

    • Chilly
    • 19. Juni 2012 14:07 Uhr

    verursacht wird. Da Angela Merkel dem Ziel ihrer Wiederwahl im Jahr 2013 die ökonomische Vernunft unterordnet, hat sie alle möglichen Heilmittel gegen die Krise verboten. Dies führt dazu, dass nun auch in D die Krise ankommt: Die Banken sitzen auf schlechten Kreditrisiken in den Risikostaaten, die Exportwirtschaft verzeichnet Rückgänge der Aufträge, da von dort keine Aufträge mehr kommen, die Konsolidierung des dt. Arbeitsmarktes ist schon zum Stillstand gekommen, was mittelfristig auch die noch recht stabile Inlandsnachfrage dämpfen wird. NEIN: Frau Dr. Merkel, Sie bekommen den Sturm zurück, dessen Wind Sie gesäht haben.

    Spannend wird nun sein, ob sich D im nächsten Jahr an seine eigenen Rezepte halten wird und auf Stützungsmaßnahmen für di Wirtschaft verzichtet oder ob die Kanzlerin auf die erfolgreichen Methoden der großen Koalition (= Deficite-Spending) setzt. Das recht erfolgreiche Meistern der Krise 2008 - 2009 war die Basis für den "guten Ruf" der Kanzlerin (zusammen mit den sich bessernden Daten vom Arbeitsmarkt). Das weiss sie. Deshalb wird sie wohl ihre Dogmen schnell vergessen, wenn es um deutsche Arbeitsplätze geht. Die angeschlagene Glaubwürdigkeit ist dann zwar ganz weg, aber Hauptsache man bleibt im Amt.

    CHILLY

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    ...je sowas wie Glaubwürdigkeit? Ich glaube der Mainstream wird ihr auch das wieder verzeihen. Aber wer weiß, irgendwann fällt jeder Stern...

  3. ...Alternativen, die gibts immer (alternativlos ist eine Sache immer nur in einem Herrschaftsrahmen):

    1) das Geldvermögen muss immer wieder zurück in die Realwirtschaft und dort investiert werden, das kann man über mehrere Wege erreichen:

    1.1) Umverteilung

    oder

    1.2) knapp werdendes Geld nachdrucken (per Zentralbankanleihe), da Kapital weiter akkumuliert führt das jedoch zu Blasen, Vermögenspreisinflation (Aktien, Rohstoffe usw. werden teurer) und wenn man es übertreibt auch zu normaler Verbraucherpreisinflation, außerdem ensteht ein enormes undemokratisches Machtgefälle, nichtdestotrotz zumindest einfacher gegen die Herrschenden umsetzbar als Vermögensbesteuerung und besser als Rezession

    in jedem Fall:

    1.3)
    erzwingen ausgeglichener Handelsbilanzen (Werteabflüsse/zuflüsse sind ausgeglichen)

  4. ...je sowas wie Glaubwürdigkeit? Ich glaube der Mainstream wird ihr auch das wieder verzeihen. Aber wer weiß, irgendwann fällt jeder Stern...

    • tokos
    • 19. Juni 2012 16:35 Uhr

    Ständig ist in den Medien von „Schuldenkrise“ die Rede. Da fragt sich der interessierte Laie doch allmählich: Wer oder was hat denn die Schulden bloß in die Krise geführt? Antwort: Ihr Image. Schulden sind immer böse, sparen ist immer gut. Wer viele Schulden hat, ist bald pleite, wer viel spart, ist fein raus. So einfach ist das. Man muss es nur oft genug sagen oder von Experten in Talkshows oder der Boulevardpresse bestätigen lassen und schon glaubt es alle Welt. Zumindest hier in Deutschland.

    In Japan seltsamerweise nicht. Da sind Schulden überhaupt nichts schlechtes, obwohl die prozentual noch bedeutend mehr davon haben als wir hier oder sogar als die Griechen. Kann also nur am Euro liegen, denn die Japaner haben ja den Yen. Und der hat offenbar ein gutes Image. Deshalb bekommen die Japaner nach wie vor von aller Welt bzw. allen Banken Kredit, und zwar sehr günstig. Fazit: Schulden und Euro passt nicht zusammen – der Yen muss her. Zumindest gedanklich. Dann sind die Schulden bestimmt schnell aus der Krise. Aber wenn Schulden plötzlich gut sind, wie steht dann das Sparen da?

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, Reuters
  • Schlagworte Wolfgang Franz | BHF BANK | Citigroup | Euro-Krise | Euro-Zone | Griechenland
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