Trotz der Schuldenkrise in der Euro-Zone hat sich das Konsumklima in Deutschland verbessert. Die Verbraucher gehen davon aus, dass sich ihre eigene finanzielle Situation positiv entwickeln wird. Entsprechend steigt auch ihre Bereitschaft zu größeren Anschaffungen. Die überaus positive Konsumneigung gleiche die radikal negativen Konjunkturerwartungen aus, sodass der Konsumklimaindex insgesamt wie im Vormonat bei 5,7 Punkten liegt, teilte das Marktforschungsinstitut GfK mit. Für Juli sagten die Konsumforscher einen Anstieg auf 5,8 Zähler voraus.

"Offenbar steigt die Furcht davor, dass auch Deutschland stärker in den Abwärtstrend gezogen wird. Bislang sehen die Bundesbürger jedoch die Gefahren aus dem Ausland offenbar ausschließlich für die Konjunktur generell und weniger für ihre persönliche Situation", kommentierte die GfK.

Die Konjunkturerwartungen der Deutschen gingen dagegen zurück. Das Barometer für die Konjunkturerwartungen brach um 16,6 auf 3,0 Punkte ein. Das ist der niedrigste Wert in diesem Jahr. Vorausgegangen war eine Serie negativer Nachrichten aus der Wirtschaft: Exporte, Produktion und Industrieaufträge gingen zurück, die ZEW-Konjunkturerwartungen von Anlegern und Analysten fielen so stark wie seit 1998 nicht mehr, während der ifo-Index nach zwei Rückgängen in Folge auf dem niedrigsten Wert seit März 2010 liegt. Grund ist neben der schwächeren Weltkonjunktur vor allem die Schuldenkrise, wegen der viele Euro-Länder auch in der Rezession sparen. 

Kaufen statt Sparen

Angesichts spürbarer Tariferhöhungen und sinkender Arbeitslosigkeit rechnen die Deutschen zugleich mit steigenden Einkommen. "Hinzu kommt, dass der Inflationsdruck zuletzt nachgelassen hat", hieß es von der GfK. "Dadurch sehen die Konsumenten ihre Kaufkraft gestärkt." Die Teuerungsrate war im Mai erstmals seit rund anderthalb Jahren unter die Marke von zwei Prozent gefallen, bis zu der die Europäische Zentralbank von stabilen Preisen spricht. Das Barometer für die Einkommenserwartung legte deshalb um 8,1 auf 40,1 Zähler zu.

Auch die Bereitschaft zu größeren Anschaffungen legte zu. Die gute Beschäftigungslage sorge für "weniger Angst vor Jobverlust und damit Planungssicherheit, was gerade für größere Anschaffungen eine wichtige Rolle spielt", kommentierte die GfK. Durch das fehlende Vertrauen in die Finanzmärkte und historisch niedrige Zinsen hielten es viele Konsumenten derzeit für nicht sehr attraktiv, ihr Geld zurückzulegen.

Die GfK rechnet in diesem Jahr mit einem Wachstum der realen Konsumausgaben um etwa ein Prozent. Die Konsumforscher warnen aber auch vor großen Risiken – etwa bei einer Verschärfung der Euro-Krise, Diskussionen um den Austritt Griechenlands aus dem Währungsraum und die Krise des spanischen Bankensektors . "In diesem Falle würde dies auch das Konsumklima belasten und die positive Entwicklung der Konsumkonjunktur stoppen."