Schwache Konjunkturdaten beiderseits des Atlantiks haben dazu geführt, dass die Aktienkurse in Europa und in den USA deutlich gefallen sind. Der deutsche Aktienindex Dax verbuchte seinen größten Tagesverlust seit gut einem halben Jahr. Der Wert verringerte sich um bis zu 4,1 Prozent und erreichte zeitweilig mit 6008,47 Punkten sein Fünf-Monats-Tief.

Auch an anderen europäischen Börsen fielen die Kurse. Der europäische Index EuroStoxx50 notierte zeitweise so niedrig wie zuletzt im September 2011. Zudem verlor der Euro deutlich an Wert, kurz lag er bei einem Zwei-Jahrestief von 1,2286 US-Dollar.

Nicht ganz so dramatisch reagierten die US-Börsen . Der Dow-Jones-Index der Standardwerte verlor 1,8 Prozent. Ähnliche Verluste gab es bei dem breiter gefassten Index S&P-500 (2 Prozent) und bei dem Index der Technologiebörse Nasdaq (2,2 Prozent).

"Erstmals seit Monaten haben die Verkäufe am Aktienmarkt wieder panikartige Züge angenommen", sagte Matthias Jasper, Aktienexperte bei der WGZ Bank. "Die Konjunktur zeichnet angesichts der enttäuschenden Daten aus USA, Europa und China und der unsicheren Lage in Griechenland ein insgesamt trübes Bild." Entsprechend seien Investoren extrem nervös.

Rekord bei Arbeitslosigkeit in der Euro-Zone

Die Märkte reagierten vor allem auf Arbeitsmarktdaten aus den USA und Europa. Das US-Arbeitsministerium meldete, dass die US-Wirtschaft im Mai lediglich 69.000 neue Jobs geschaffen habe. Ökonomen hatten mit deutlich höheren Zahlen gerechnet. Die Erwerbslosenquote stieg von 8,1 Prozent im Vormonat auf 8,2 Prozent .

Schlechte Nachrichten gab es auch aus der Euro-Zone : Niemals zuvor waren dort so viele Menschen arbeitslos. Insgesamt 17,4 Millionen Menschen hatten in den 17 Ländern mit der gemeinsamen Währung im April keinen Job. Das teilte die EU-Statistikbehörde Eurostat mit. Die EU-Kommission bezeichnete das Niveau der Arbeitslosigkeit als "inakzeptabel hoch" in einigen Ländern.

Die Arbeitsmarktdaten kamen zu einem Zeitpunkt, an dem sich ohnehin die Anzeichen für eine verschlechterte Weltkonjunktur gemehrt hatten. So fielen für den Euro-Raum und in Großbritannien die Einkaufsmanager-Indizes (PMI) für die Industrie auf den tiefsten Stand seit drei Jahren. Von ihren historischen Tiefstständen Anfang 2009, als Europa und die Weltwirtschaft von einer schweren Rezession heimgesucht wurden, sind sie nicht mehr allzu weit entfernt.

In China fiel der amtliche Einkaufsmanager-Index für die Großunternehmen überraschend kräftig auf 50,4 Punkte und damit den tiefsten Stand in diesem Jahr. Der Exportweltmeister leidet unter der Krise in der EU , seinem wichtigsten Absatzmarkt.

Noch schlechter steht es um Chinas mittelständische Industrie: Deren Einkaufsmanager-Index fiel auf 48,4 Punkte. Er signalisiert damit den siebten Monat in Folge schrumpfende Geschäfte. Auch im benachbarten Indien wuchs die Wirtschaft im ersten Quartal so langsam wie seit neun Jahren nicht mehr.