VerbrauchertäuschungVanillajoghurt ohne Vanille

Seit einem Jahr können sich Verbraucher im Netz beschweren, wenn sie sich von der Lebensmittelindustrie getäuscht fühlen. Zum Ärger der Industrie ist das Interesse enorm. von 

Frau K. aus Fulda war sichtlich verärgert, als sie die Täuschung auf der Schokoladentafel entdeckte. "Auf der Bananenschokolade von Piasten leuchteten mir gelbe Bananen und Schokoladenstückchen mit gelber Füllung entgegen", beschwerte sich die Dame bei der Verbraucherzentrale. "Umso größer war die Enttäuschung, als ich merkte, dass laut Zutatenliste gar keine Banane enthalten ist." Auf der Zutatenliste der Gefüllten Milchschokolade mit Bananencremefüllung (36 Prozent ) kam Banane nicht vor.

Die Macher des Internetportals Lebensmittelklarheit stimmten Frau K. zu. Fruchtschokolade solle entweder tatsächlich die Frucht enthalten, oder zumindest klar machen, dass sie nur nach Frucht schmecke, sie aber nicht enthalte. Sie mahnten den Hersteller ab – und der gelobte Besserung: Zukünftig solle die Schokolade Bananenpüree enthalten. Das allerdings wird in homöopathischer Dosierung verwendet, gerade einmal 1,2 Prozent sollen es sein.

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Seit einem Jahr können sich Verbraucher beim Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) über irreführende Aufmachungen oder Kennzeichnungen von Lebensmitteln beschweren. Dieser recherchiert die Fälle nach, stellt die Klagen der Verbraucher und die Reaktionen der Firmen ins Internet.

Großes Interesse der Verbraucher

Das Interesse der Konsumenten ist enorm. Mehr als 5.000 haben sich seit dem Start an das Portal gewandt. Täglich erhalten die Mitarbeiter zwischen fünf und zehn Anfragen, fünf Mal so viel wie ursprünglich gedacht. "Die Resonanz ist überraschend und erfreulich, wir haben nicht mit so vielen Anfragen gerechnet", sagt Projektkoordinatorin Janina Löbel.

Mehr als 220 Lebensmittel prangert das Portal inzwischen öffentlich an. "Oftmals fühlt sich der Verbraucher getäuscht, weil die Verpackung etwas suggeriert, was letztlich gar nicht im Produkt enthalten ist", sagt Löbel. Dazu gehört etwa der Ehrmann Joghurt Fantasie Vanilla Erdbeer, der gar keine echte Vanille enthält (Ehrmann argumentiert, daher heiße er auch Vanill a und nicht Vanill e ). Oder das Bio-Milchpulver, das laut Verpackung zwar ungesüßt sein soll, aber laut Nährwerttabelle auf 41 Prozent Zucker kommt.

Unter dem Namen Gemüse-Ideen brachte Iglo bis vor Kurzem gar die Französische Pfanne auf den Markt. Dass das Tiefkühlgericht Speck enthielt, zeigte erst der Blick auf die Zutatenliste – zum Ärger von Vegetariern. Nach der Beschwerde hat Iglo inzwischen die Worte "mit Speck" auf der Vorderseite eingefügt.

Mehr als 90 Prozent der Hersteller reagieren auf das öffentliche Anprangern und schicken eine Stellungnahme. Mit einer Änderung tun sie sich allerdings schwer, nur etwa jeder dritte Produzent nimmt die Kritik seiner Kunden ernst.

Leserkommentare
  1. Wenn ich mit umfangreichen Täuschungsmaßnahmen meine Produkte an den Mann bringe, darf ich mich nicht wundern, wenn das irgendwann jemandem auffällt.

    Solane aber Frau Aigner als Handlungsgehilfin der Industrie so gute Arbeit macht, braucht sich dort doch keiner Sorgen zu machen. Sie wird das sicher richten, wie sie seit Jahren grundsätzlich immer weniger in Richtung Verbraucher schaut.

    • joG
    • 05. Juli 2012 13:13 Uhr
    2. [...]

    Entfernt. Bitte diskutieren Sie das konkrete Artikelthema. Danke. Die Redaktion/ag

    • PigDog
    • 05. Juli 2012 13:13 Uhr

    "Der Spitzenverband Bund für Lebensmittelrecht (BLL) unterstellt dem Portal, politisch tendenziös zu sein und nur die Interessen der Verbraucherzentralen zu verfolgen."

    Wie putzig!
    Da beschwert sich die Industrie, daß ein vom Verbraucherschutzministerium finanziertes Projekt primär Verbraucherinteressen schützt.

    Liebe Lebensmittelindustrie, deshalb heißt das Ministerium ja auch Verbraucherschutzministerium, nicht Industrieschutzministerium.

    Ihr müsst euren Industriemüll halt schmackhafter machen.
    Noch mehr Heile-Welt-Werbung schalten.
    Noch mehr bezahlte "Studien" veröffentlichen.

    Jaja, ich weiß.
    Kostet alles Geld, sowas schmälert den Gewinn...

    Hinweis für Allergiker: Dieser Beitrag wurde von einem Menschen verfasst, der auch Polemik, Sarkasmus und schwarzen Humor verfasst. Kann also Spuren derselben enthalten.

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    Das Ding heißt "Verbraucherschutzministerium" weil es die Industrie vor den Verbrauchern schützt. Zumindest solange, wie die CSU dieses Ministerium leitet.

  2. weil ich einfach inzwischen nichts mehr glaube, was auf irgendeiner Verpackung steht. Prinzip "Im Zweifel gegen den Angeklagten". Als einfache Lösung schlage ich vor, nichts zu kaufen was mehr als drei Zutaten enthält.

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    <em>Als einfache Lösung schlage ich vor, nichts zu kaufen was mehr als drei Zutaten enthält.</em>

    Das wird leider zunehmend schwerer. Ich musste schon eine Weile suchen bis ich Salz gefunden habe, wo wirklich nur Salz drin war, keine Trennmittel oder sonstigen Hilfsstoffe, die Verklumpen bei Feuchtigkeit verhindern oder irgendwie die Rieselfähigkeit verbessern.

    • Nest
    • 05. Juli 2012 21:05 Uhr

    ...alles klar, ich bin dabei!

  3. Ich möchte es so erklären:

    Natürlich wird Frau Aigner das Projekt schnellstmöglich kassieren - könnte doch der Verdacht entstehen, es könne sich hierbei um eine "sozialistische" "Linksverschwörung" handeln - mit dem Ziel "dem Verbraucher" das "von ihm gewünschte" Panschlebensmittel "wegzunehmen".

    Frau Aigner ist in der CSU - und in Bayern ist nächsten Jahr Landtagswahl. Da geht's dann wieder um "Freiheit oder Sozialismus". Wetten, dass alles rechtzeitig zum Wahlk(r)ampfbeginn kassiert wird?

  4. Dieser Kommentar bezieht sich jetzt mal nur auf die Bananen-Schokolade.
    Eine Bananen-Schokolade, die nur nach Banane schmeckt, aber keine Banane beinhaltet. Für mich stellt sich da die Frage: Wo ist generell das Problem dabei? Eine Banane wird nicht für ihre Identität als Frucht in Schokoladen verarbeitet. Es geht dabei um den Geschmack. Nun kann man den Geschmack von Bananen recht leicht synthetisieren, ohne dass irgendwelche gesundheitlichen Risiken bekannt sind. Der Unterschied besteht nicht im Geschmack, nicht in der Gesundheitsgefährdung (da sollte man lieber über die Schokolade reden) und somit nicht am eigentlich Produkt. Der Unterschied ist, dass man Bananen im großen Stil mit Schiffen ankarren muss und sie währenddessen mit Ethen begasen muss (aber auch nicht (für den Kunden) gefährlich, aber zusätzlicher Aufwand). Man sollte doch darüber froh sein, dass man Aromen herstellen kann, ohne für Bananen Unmengen an Wald wegzuholzen. Das Problem ist dabei einfach der Ruf von nachgemachten Aromen und deren grundlose Ablehnung, sowie eine starke Chemie-Paranoia in unserer Gesllschaft. Außerdem könnte wohl kaum jemand etwas mit "Schokolade mit Ethansäure-2-methyl-1-propylester-Geschmack" anfangen. Das klingt für die meisten Menschen einfach bedrohlich und niemand scheint gewillt zu sein, dieser Chemieirrtümer auszuräumen.

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    ... anzunehmen in Bananenschokolade sei Bananen ist recht naiv - und mit der "homöopathischen Dosierung" (sehr witzig geschrieben Fr.Uken) hat der Hersteller ja auch nur ein Lippenbekenntis gezeigt.
    Aber wir sollten von uns nicht auf andere schließen die vielleicht nicht wissen das Banane nicht unbedingt auch Banane bedeutet.
    Vor allem die älteren Menschen unter uns sind wahrscheinlich gewöhnt das wo was drauf steht auch was drin zu sein hat - und da bin ich obwohl ich es besser weis der gleichen Meinung.
    Verbraucherschutz soll Klarheit schaffen wo Banane drauf steht soll sie auch drin sein.

    Und mal ernsthaft - diese Piasten-Schokolade kostet doch vermutlich nicht viel mehr als einen Euro, eher weniger. Wenn man Schokolade mit echten Bananen, hochwertigem Kakao und ohne Lebensmittelchemie möchte, dann muss man halt ein bisschen tiefer in die Tasche greifen.

    Man könnte die Bananen auch vor Ort zu einem hochwertigen Konzentrat verarbeiten und dieses dann an die europäische Schokoladenindustrie liefern. Aber dann würde man ja Wertschöpfung in ein Schwellenland verlagern, anstatt die einheimische chemische Industrie zu fördern.

    Mehr würde mich interessieren, ob man aus Bananen überhaupt eine Füllung herstellen kann, die auch noch in der Schokolade nach Banane schmeckt. Oder haben wir uns schon so daran gewöhnt, dass uns Food-Designer Produkte vorgaukeln, die man aus natürlichen Zutaten gar nicht mehr "nachbauen" könnte?

    Wieso ist denn aber die Aufregung so groß, wenn es so offenkundig Bananengeschmack hat? Die Käufer wollen einfach nicht hinters Licht geführt werden und sobald sie herausfinden, dass nie eine "echte" Banane damit in Kontakt gekommen ist, werden sie erneut hinters Licht geführt. Und zwar von einer tolerierten Unwissenheit über "nicht-natürliche" Produkte, die uns als schädlich und bösartig suggertiert werden. Dass das so ist, ist nicht zuletzt gute Lobbyarbeit der Landwirte (nicht direkt was Bananen betrifft). Es Bedarf einer viel stärkeren Aufklärung hinsichtlich Zutaten und deren Gefahr/Nutzen/Eigenschaften. Das wird aber von Ministerium aktuell genauso wenig gewollt, da es Kunden vom Konsum abhält. Das ist ja nun einmal das oberste Prinzip von Fr. Aigner.
    Ich behaupte, dass in dieser Schokolade tatächlich Bananen vorhanden sind, denn sie definiert sich über den Geschmack und somit ist ein Bananensymbol durchaus legitim. Man sollte aber den Menschen beibringen, was das bedeutet.

    Der Artikel hat da etwas falsch zitiert.

    Auf der Verpackung steht "Milchschokolade mit Banane-Cremefüllung". Also mit Banane. Und Cremefüllung.

    Deutsche Sprache, schwere Sprache. Da würde ich dem Werbetexter (oder dessen Übersetzer) mal eins hinter die Löffel geben.

    • hairy
    • 05. Juli 2012 14:28 Uhr

    warum soll man das nicht von Lebensmittelherstellern verlangen dürfen? Und viele (künstliche) Zusatzstoffe resp. Aromen können sehr wohl schädlich sein, oder allergen, oder allgemein ungesund - und von denen gibt es zig Tausende, und keiner hat mehr den Überblick. Und schließlich: naturidentisches Bananenaroma ist bestimmt teurer als Banane selbst, denn es ist nicht einfach EINE chemische Verbindung.

    • dth
    • 05. Juli 2012 14:35 Uhr

    Zwischen künstlichen Aromen und dem Original besteht oft ein deutlicher Unterschied. Gerade künstliche Frucharomen sind da oft besonders eklig. Daher macht es schon einen Unterschied, ob und wie viel des Aromas echt ist.
    Es wäre schon deutlich angenehmer, wenn das gleich vorn auf der Packung stünde, und man nicht erst lange die Zutatenliste studieren oder das Produkt einmal probieren müsste.

    das mit den Chemieirrtümern. Wenn jemand nach dem Genuss eines Lebensmittels nicht nach einer halben Stunde tot ist, heißt das ja noch nicht, dass das Zeug unbedenklich ist, überspitzt gesagt.

    Die Auswirkungen der chemisch gepimpten Lebensmittel werden wir wohl in einer Weile sehen, wenn die, die von Anfang an damit aufgewachsen sind, alt werden. Ich würde mich nicht wundern, wenn der Trend der steigenden Lebenserwartung in absehbarer Zeit zum Erliegen kommt.

  5. braucht auch keine VanillE, da hat Ehrmann recht.
    Auf Selachsersatzbnrötchen muss auch kein Seelachs sein.
    Auch als schutzbedürftiger Verbraucher muss man sich nicht dümmer stellen als man sein kann.

  6. Das Ding heißt "Verbraucherschutzministerium" weil es die Industrie vor den Verbrauchern schützt. Zumindest solange, wie die CSU dieses Ministerium leitet.

    Antwort auf "Na so was!"

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