Mein Körper stellte sein Wachstum bei 1,84 Metern ein, und das war gut so. Mein wirtschaftliches Wachstum führte mich vom Single mit Ein-Raum-Wohnung und Fiat Panda zum Familienvater mit Limo, Kleinwagen und Fünf-Raum-Wohnung. Ich habe eine Frau und zwei Söhne. Es geht mir gut. Ich will nicht mehr Frauen, Söhne, Autos oder Wohnungen. Ich verweigere weiteres Wachstum. Ich bitte dafür um Entschuldigung, denn überall wird behauptet, ohne Wachstum ginge alles den Bach runter.

Nichts wächst ewig. Selbst unser Universum zieht sich nach einer zugegebenermaßen recht langen Wachstumsperiode wieder zusammen und implodiert. Ich möchte nicht implodieren.

Mein Vater, seines Zeichens Banker, sagt immer, der Bedarf des Menschen sei unendlich. Man müsse durch Innovationen die Bedürfnisse nur immer wieder neu wecken. Blöderweise trifft das nicht auf mich zu, abgesehen von zwei oder drei Geräten wie Computer oder Smartphones.

Das mit dem Wachstum war sicherlich angebracht in einem Europa, das durch Kriegsführung und regelmäßiges Brandschatzen alles mühsam Erschaffene immer wieder zugrunde richtete. Nach dem letzten grauenvollen Weltkrieg ging es in Europa zuallererst um Wachstum. Das war damals das richtige Konzept. 

Als Kind bin ich mit meinen Eltern vom VW-Käfer und einer kleinen Wohnung hin zu einem Reihenendhaus und einem S-Klasse Benz gewachsen. Aber dann war es auch gut. Soll ich mir jetzt einen neuen Weltkrieg herbeiwünschen, damit wir danach wieder einen Grund haben, toll zu wachsen? So skrupellos bin ich nicht.

Wenn aber nichts ewig wächst, dann ist es doch doof, seine Existenz auf ewiges Wachstum auszurichten. Und das so fanatisch und blind, dass man Begriffe wie Nullwachstum oder sogar Minuswachstum kreiert, um nicht vom Wachstumsglauben abzufallen.