Euro-KriseMerkel will systemrelevante Banken unter Aufsicht stellen

Die Bundeskanzlerin fordert in der Euro-Krise mehr Kontrolle für europäische Institutionen. Wichtige Großbanken könnten mittelfristig unter europäische Aufsicht kommen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel

Bundeskanzlerin Angela Merkel

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich dafür ausgesprochen, eine EU-Aufsicht über Großbanken in der Europäischen Union zu prüfen. "Wir werden auch darüber sprechen, inwieweit wir systemische Banken unter eine spezifische europäische Aufsicht stellen müssen", sagte Merkel vor einem Gespräch mit EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso. Das sei ein mittelfristiges Ziel. Damit unterstützte sie entsprechende Forderungen anderer EU-Partner.

In der Euro-Zone sei mehr, nicht weniger Europa nötig, sagte die Kanzlerin. Dazu gehöre auch, dass die europäischen Institutionen mehr Möglichkeiten der Kontrolle über die Entwicklung in den Nationalstaaten bekämen. "Ansonsten kann die Währungsunion nicht funktionieren", sagte Merkel. Der Fiskalpakt für eine straffere Haushaltsdisziplin sei nur der erste Schritt, aber nicht ausreichend. "Die Welt will wissen, wie stellen wir uns die politische Union zur Währungsunion vor." Darauf müsse auf absehbare Zeit eine Antwort gegeben werden. Deutschland werde hierbei ein "sehr konstruktiver Gesprächspartner" sein, kündigte die Kanzlerin an. In Deutschland ist der Fiskalpakt Gegenstand intensiver Debatten. Die Opposition macht ihre notwendige Zustimmung zu dem Vertrag davon abhängig, ob die Regierung auf ihre Forderungen eingeht, etwa die nach einer Finanztransaktionssteuer.

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Barroso sprach das Thema einer Bankenunion an, zu der auch ein stärker integriertes Einlagensicherungssystem in der EU gehören müsse. Ähnliche Vorschläge hatte auch die Europäische Zentralbank gemacht. Die Währungsunion müsse mit einer wirtschaftlichen Union ergänzt werden, forderte der Kommissionspräsident.

Entwicklung der Euro-Zone

Der Besuch Barrosos in Berlin diente der Vorbereitung des EU-Gipfels Ende Juni. Beide Politiker sagten, dass neben den mittelfristigen Überlegungen für eine Fortentwicklung der Euro-Zone und der EU auch kurzfristig mehr für Wachstum getan werden müsse. In Deutschland berichteten Zeitungen, das ein solcher Wachstumsplan in Arbeit ist.

Merkel lobte die Beurteilungen, die die EU-Kommission für die wirtschaftliche Entwicklung der Mitgliedsländer vorgelegt hat. "Auf dieser Basis können wir sehr viel besser diskutieren, wie wir gezielte Wachstumsimpulse für einzelne Länder setzen können", sagte sie. Thema des Gesprächs solle der Finanzplan für den EU-Etat sein, der von 2014 bis 2020 gilt. Darin soll verstärkt dafür gesorgt werden, dass Wachstum und Innovation in den EU-Staaten gefördert werden.

 
Leserkommentare
  1. Man muss kein Sozialist sein um festzustellen, dass die Banken in Deutschland, Europa oder sonstwo die ihnen übertragenen Aufgaben innerhalb der Volkswirtschaften nicht mehr richtig erfüllen. Sicher gibt es viele Ursachen für die Krise, aber ein wesentlicher Punkt ist: das private Bankensystem funktioniert nicht mehr richtig und es ist mehr als fraglich, ob seine Funktionsfähigkeit noch einmal hergestellt werden kann. Wenn überhaupt, dann nicht nur mit massiver staatlicher Hilfe, sondern nur mit staatlicher Aufsicht und Kontrolle, wozu auch neue Vorschriften und Gesetze gehören. Die zaghaften Ansätze von Frau Merkel zeigen den richtigen Weg, aber wahrscheinlich wird es nicht reichen. Die Bankenlobby ist nicht nur mächtig, sondern hat es geschafft, den Politikern einzureden, sie seien systemrelevant. Das heißt sie behaupten, unverzichtbar zu sein. Das ist Mumpitz, und je eher die Politik dies ganz klar sieht, desto besser wird es für uns alle sein.

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    • joG
    • 05.06.2012 um 10:26 Uhr

    ....anders als Sie. Muss Ihnen allerdings darin recht geben, dass die Landesbanken spektakulär scheiterten an ihrer Aufgabe. Interessant müsste da aber sein, dass gerade dort die politische Kontrolle am stärksten und recht direkt war.

    Die Banken sind Dienstleister, die das Verrechnungsmittel ( = Geld ) zwischen Arbeit, Dienstleistung, Überlebensmittel und Hardware verwalten, nicht mehr.
    Diese Zauberlehrlinge reden uns ein, aus dem Nichts solche Verrechnungsmittel erzeugen zu können, vulgo, uns alle ohne Anstrengung reich machen zu können. Und wir dämlichen Hunde glauben den Schmus, geben unseren Verstand ab und machen so die Knechte zu unseren Herren ...

    • joG
    • 05.06.2012 um 10:26 Uhr

    ....anders als Sie. Muss Ihnen allerdings darin recht geben, dass die Landesbanken spektakulär scheiterten an ihrer Aufgabe. Interessant müsste da aber sein, dass gerade dort die politische Kontrolle am stärksten und recht direkt war.

    Die Banken sind Dienstleister, die das Verrechnungsmittel ( = Geld ) zwischen Arbeit, Dienstleistung, Überlebensmittel und Hardware verwalten, nicht mehr.
    Diese Zauberlehrlinge reden uns ein, aus dem Nichts solche Verrechnungsmittel erzeugen zu können, vulgo, uns alle ohne Anstrengung reich machen zu können. Und wir dämlichen Hunde glauben den Schmus, geben unseren Verstand ab und machen so die Knechte zu unseren Herren ...

    • Chali
    • 05.06.2012 um 10:16 Uhr

    ... wie stellen wir uns die politische Union zur Währungsunion vor"

    Ich befürchte, ich kenne die diesbezüglichen Pläne von Frau Merkel und ihren Freunden ("wir") ziemlich genau.

    "Marktkonform", sage ich mal.

    Daher sollten "wir" - und ich meine hier : "wir Arbeitnehmer" oder "wir alle, die nicht zut neoliberalen Elite zählen") uns auf harte Zeiten gefasst machen.

    4 Leserempfehlungen
    • IQ130
    • 05.06.2012 um 10:21 Uhr

    Zu spät, zu wenig! Die Haftungsfrage hätte 2009 klipp und klar geklärt werden müssen.

    Bänker verstehen nur eine Sprache: Persönliche finanzielle Haftung für ihre Zockerei - und zwar zu 100 Prozent.

    Es ist wahrlich ein Treppenwitz der Geschichte, dass Personen, die im real existierenden Sozialismus groß geworden sind, nun die Raubtierkapitalisten zähmen sollen.

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    • joG
    • 05.06.2012 um 10:31 Uhr

    ....müssen."

    Haftet eine Behörde für schlechte Durchführung ihrer Pflichten oder ein Regierungsmitglied für schlechte Gesetze und Verträge? Haftet er, wenn er sie bricht?
    Haftet er, wenn er die Gesetze missachtet und ein wirtschaftliches Ungleichgewicht ausruft um mehr als ihm sonst erlaubt ausgeben zu dürfen?

    Ja, sie haben recht. Haftung ist wichtig. Sie ist aber nicht wirklich vorgesehen und wird, wo sie das ist, nicht allgemein durchgesetzt.

    Es gab ja schon mal eine Zone, die Deutschland aufgezwungen wurde.

    • joG
    • 05.06.2012 um 10:31 Uhr

    ....müssen."

    Haftet eine Behörde für schlechte Durchführung ihrer Pflichten oder ein Regierungsmitglied für schlechte Gesetze und Verträge? Haftet er, wenn er sie bricht?
    Haftet er, wenn er die Gesetze missachtet und ein wirtschaftliches Ungleichgewicht ausruft um mehr als ihm sonst erlaubt ausgeben zu dürfen?

    Ja, sie haben recht. Haftung ist wichtig. Sie ist aber nicht wirklich vorgesehen und wird, wo sie das ist, nicht allgemein durchgesetzt.

    Es gab ja schon mal eine Zone, die Deutschland aufgezwungen wurde.

    • joG
    • 05.06.2012 um 10:22 Uhr

    .... sagte Merkel. Der Fiskalpakt für eine straffere Haushaltsdisziplin sei nur der erste Schritt, ...."

    Das war schon bei der Unterzeichnung des Maastrichter Vertrags offensichtlich. Und! Gerade darum ist "In der Euro-Zone sei mehr, nicht weniger Europa nötig, ...." die falsche Lösung. Man versteht, wieso ein Politiker oder ein Bürokrat dies will. Aber wo man nicht das erste Mal sondern kontinuierlich versagte und seinen Auftraggeber belog und betrog, ist es für diesen kaum akzeptabel weitere Macht diesen Leuten zu geben.

    Die Antwort muss sein. Krise lösen und danach das gesamte Vertragswerk der EU und Eurolands neu diskutieren, ein allgemein akzeptierbares Ziel finden, einfache Verträge entwerfen und den Bevölkerungen zur Auswahl stellen. Eine solche Legitimität ist mühsam. Ich weiß. Aber es geht um die Zukunft mehrerer Hundert Millionen Menschen. Da muss man ein wenig Sorgfalt von sich und seinen Vertretern erwarten dürfen. Und vor allem Ehrlichkeit. Und da dies bewiesenermaßen nicht möglich ist eine bessere und härtere Kontrolle.

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  2. Es gibt kaum eine Branche, die ähnlich arrogant agiert, wie die sogenannte Finanzindustrie. Ihre gesellschaftliche Aufgabe innerhalb des marktwirtschaftlichen Gefüges hat sie längst aufgegeben und sich stattdessen weltweit auf eine inhaltliche Ebene begeben, die keiner mehr nachvollziehen kann. Das wäre - ohne die immer wieder reklamierte Systemrelevanz - reine Privatsache und Misserfolge wären dann eben auch Privatsache. Wer Freiheit fordert und sich dann in seinen Möglichkeiten überschätzt, der muss auch die Konsequenzen tragen. Wer aber seine Überlebensgarantie fordert, weil er im Sinne einer Finanzinfrastruktur systemrelevant ist, der muss sich einer ständigen Kontrolle unterwerfen. Das ist der Preis dafür, dass man den Bogen überspannt hat und dass man längst den letzten Funken gesellschaftlicher Verantwortung aufgegeben hat. Jetzt ist der Staat gefordert und es muss ein Verbot für Lobbyaktivitäten der Banken ausgesprochen werden.
    Es ist bewiesen: Politiker sind dieser Branche nicht gewachsen.

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  3. „In der Euro-Zone sei mehr, nicht weniger Europa nötig, sagte die Kanzlerin. Dazu gehöre auch, dass die europäischen Institutionen mehr Möglichkeiten der Kontrolle über die Entwicklung in den Nationalstaaten bekämen.“

    Im Klartext: Abgabe von Hoheitsrechten der Mitgliedsstaaten an die EU. Nur dass das ohne mehr demokratische Befugnisse der Völker Europas, gegenüber der EU nicht machbar ist.

    Die Abgabe von Hoheitsrechten an eine höhere Institution, bedeutet immer weniger effektive demokratische Kontrolle durch den Souverän.
    Mehr Demokratie ist die Voraussetzung für mehr Europa, nicht umgekehrt.

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    • gquell
    • 05.06.2012 um 11:25 Uhr

    Frau Merkel meinte damit, daß das Parlament und der Wahlpöbel zu Gunsten einer nicht gewählten Führungselite entmachtet werden sollen. Wenn wir mehr EU haben wollen, dann muß das gewählte EU-Parlament gestärkt werden und politisch wie auch wirtschaftlich entscheiden können.
    Zur Zeit regiert die EU-Kommission und die ist weitgehend unter deutscher neoliberaler Kontrolle.

    • gquell
    • 05.06.2012 um 11:25 Uhr

    Frau Merkel meinte damit, daß das Parlament und der Wahlpöbel zu Gunsten einer nicht gewählten Führungselite entmachtet werden sollen. Wenn wir mehr EU haben wollen, dann muß das gewählte EU-Parlament gestärkt werden und politisch wie auch wirtschaftlich entscheiden können.
    Zur Zeit regiert die EU-Kommission und die ist weitgehend unter deutscher neoliberaler Kontrolle.

    • joG
    • 05.06.2012 um 10:26 Uhr

    ....anders als Sie. Muss Ihnen allerdings darin recht geben, dass die Landesbanken spektakulär scheiterten an ihrer Aufgabe. Interessant müsste da aber sein, dass gerade dort die politische Kontrolle am stärksten und recht direkt war.

    2 Leserempfehlungen
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    • Hoplon
    • 05.06.2012 um 16:39 Uhr

    In Italien z.B. sitzt nach Bunga Bunga nun Goldmann Sachs direkt an den Schalthebeln der Macht.

    http://www.heise.de/tp/ar...

    Auch von viel zu geringem öffentlichen Interesse missachtet,
    ist die Organisation Finance watch. Ich hoffe das Wirtschaftsjournalisten diese Organisation irgendwann noch bekannt machen. Von Politikern und Giganten wie Soros kann man keine realen Auskünfte erwarten.

    http://www.finance-watch....

    http://www.finance-watch....

    • Hoplon
    • 05.06.2012 um 16:39 Uhr

    In Italien z.B. sitzt nach Bunga Bunga nun Goldmann Sachs direkt an den Schalthebeln der Macht.

    http://www.heise.de/tp/ar...

    Auch von viel zu geringem öffentlichen Interesse missachtet,
    ist die Organisation Finance watch. Ich hoffe das Wirtschaftsjournalisten diese Organisation irgendwann noch bekannt machen. Von Politikern und Giganten wie Soros kann man keine realen Auskünfte erwarten.

    http://www.finance-watch....

    http://www.finance-watch....

  4. ..
    So wie sich Barroso den Bankenrettungsfond vorstellt ist es wieder nichts anderes als Eurobonds, eine "stärkere" Rolle der EZB usw. usw. nämlich die Vergesellschaftung von Schulden durch das deutsche Volk.

    Garantiert nämlich Deutschland die Banken der Perepherie ist das genauso gut wie Eurobonds, denn die ClubMed-Banken können dann kräftig weiter auf Risiko Deutschlands die Schulden ihres Landes aufkaufen.

    Es läuft auf die Aufgabe des deutschen Nationalstaates hinaus durch Übernahme ups Garantie der Schulden anderer Länder. Das Bundervervassungsgericht hat klar gemacht, dass dies nur durch ein Referendum der Deutschen über die Auflösung ihres Staates möglich ist.

    Natürlich wissen das sowohl Merkel als auch Barroso, aber sie wissen eben auch, dass man die Weihnachtsgans nie über Weihnachten abstimmmen lassen darf.

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