Euro-Krisengipfel : Monti warnt vor Spekulationsangriffen

Italiens Regierungschef alarmiert die Euro-Zone: Scheitere der EU-Gipfel kommende Woche, werde der Finanzmarkt geschwächte Staaten auf eine harte Bewährungsprobe stellen.
Italiens Premier Mario Monti © Filippo Monteforte/AFP/Getty Images

Einzelne Euro-Länder müssen nach Einschätzung des italienischen Ministerpräsidenten Mario Monti mit "eskalierenden Spekulationsangriffen" rechnen, wenn der EU-Gipfel kommende Woche keine dauerhafte Lösung der Euro-Krise findet.

Vor allem die schwächeren Länder müssten von solchen Attacken ausgehen, sagte Monti dem Guardian . Nicht nur die Länder, die die Vorgaben der EU nicht erfüllt hätten, wären dann bedroht, sondern auch solche Länder wie Italien , die einen hohen Schuldenberg angehäuft hätten. Ein großer Teil Europas müsse dann mit höheren Zinsen klarkommen, was sich indirekt auch auf Unternehmenskredite auswirke. "Das ist das genaue Gegenteil dessen, was für wirtschaftliches Wachstum notwendig ist."

Die Spitzen der vier größten Volkswirtschaften der Eurozone wollen am heutigen Freitag den EU-Gipfel in der kommenden Woche vorbereiten sowie den aktuellen Stand Griechenlands erörtern. Monti hat dazu Bundeskanzlerin Angela Merkel , den französischen Staatspräsidenten François Hollande und den spanischen Regierungschef Mariano Rajoy zu einem Vierer-Gipfel nach Rom eingeladen.

Italien verfehlt Schuldenziel

Kurz vor dessen Beginn warnt Monti nun, der Frust der Öffentlichkeit über Europa könnte weiter wachsen. Um die Lage zum Positiven zu verändern, sei mehr Zusammenarbeit und Integration unter den Staaten nötig. Wenn der Gipfel kommende Woche keine Lösungen präsentiere, werde sich die öffentliche und politische Meinung gegen mehr Integration richten.

Während der italienische Premier warnt, gab sein Finanzministerium zu, dass Italiens Staatsverschuldung sich langsamer reduziert als geplant. Sein Land werde sein Defizitziel in diesem Jahr von 1,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verfehlen, warnte Gianfranco Polillo, Staatssekretär im Finanzministerium, im Unterhaus des Parlaments. Deshalb müsse das Land vier Milliarden Euro zusätzlich sparen.

Für die Sanierung des überschuldeten Griechenland soll am Montag die Troika aus Europäischer Union, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds nach Athen zurückkehren. Erst nach dem Bericht der Experten soll entschieden werden, ob der Hilfsvertrag mit Griechenland auf Wunsch der neuen Regierung verändert werde. Im Gespräch ist beispielsweise , Fristen zu strecken oder Zinsraten zu senken.

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Kommentare

76 Kommentare Seite 1 von 9 Kommentieren

Mag sein, dass wir nun im.....

....Endspiel sind. Andererseits kann man so etwas schlecht abschätzen. Timing ist immer ein Problem.

Es scheint aber sicher, dass wir entweder eine Quasi-Garantie brauchen für die Schulden der Staaten und für die Einlagen in den Banken. Sonst bekommen wir keine Stabilität hin und mit einiger Wahrscheinlichkeit eine Depression; auch in Deutschland.

Wenn ich immer lesen muss "ANGRIFF DER SPEKULANTEN"

merke ich dass man den Leser für DUMM verkaufen will !

KEIN Spekulant greift irgendein Land an !
Dass die Zinsen steigen, liegt einzig und allein daran, dass nicht genügend Idioten (auch Anleger oder Spekulanten genannt) gefunden werden konnten, welche den Euro Ländern noch Geld leihen wollen.

Dieses ständige Geschwafel, welches suggerieren soll dass eine allmächtige Schwarze Macht voller Freude Attacken auf die Euro Länder führt, ist hohler Mumpitz !!!
Das Problem ist Europäische Länder zahlen Ihre Schulden Nicht zurück (Griechenland war der Beweis), und Kein Anleger hat ein Interesse daran sein Geld zu verlieren.

es wird nicht nur gegen den Euro gewettet...

Selbstverstaendlich wird seit nicht nur seit geraumer Zeit gegen den Euro "gewettet"!
Riesige Geldstroeme (Kanada-Manhattan-London!)werden eingesetzt, in solch gigantischem Umfang, die in naher Zukunft den Euro auf unter Paritaet zum $ zwingen wird!
Das Millionheer kanadisch-englisch-amerikanischer Boilerrooms sind da nur ein Teil dessen, wer dahinter steht!
Ein Land das rund um die Uhr eigene Waehrung druckt und diese Papierfetzen fast 50 Staaten aufdraengt, hat natuerlich keinerlei Interesse an einer soliden Welt-Zweitwaehrung!

Wenn ich immer solche Kommentare lesen muss...

Das Problem ist, dass Pleite-Banken ständig mit neuem Spielgeld ausgestattet werden!

Dieses Spielgeld wird für teure Zinsen dann an die Staaten verliehen.

Und dieses Spielgeld kommt vom europäischem Steuerzahler!

Insofern hat Monti recht, dass der Frust, über Politiker, die sich am Nasenring von der Finanz-Mafia durch die Manage ziehen lassen, weiter steigen wird.

Der Sand in den Augen brennt nicht mehr....

....weil man diesen längst hinausgeweint hat. Völlig richtig, Wilhelm Paul, was Sie schreiben. Wer glaubt, dass Geld irgendwo investiert wird, wenn ein Verlust nicht nur möglich, sondern wahrscheinlich ist, muss sich den Vorwurf der Naivität gefallen lassen. Weil das so ist und der Mensch legitimerweise ein egoistischer Pragmatiker ist, bleibt nur noch das interstaatliche Transfersystem, um die politische Fiktion aufrecht erhalten zu können. Dieses könnte aber krachend in sich zusammenfallen. Dann kann man nur noch die alte DDR-Hymne anstimmen (Auferstanden aus Ruinen......).

Das heutige Problem liegt bisher nicht....

...in einer "Spekulation gegen" irgend etwas. So weit ist es nicht. Momentan ist es eher ein Problem, dass das Risiko in der Peripherie- oder Bankenpapiere anzulegen den Anlegern zu groß erscheint. Man ist nicht bereit zu spekulieren auf das Wort hin der Eurolander. Die sind einfach zu wenig glaubwürdig. Bzw sind sie nur noch genügend glaubwürdig als Kandidaten zur Wahl aufgestellt zu werden.

Dann lesen Sie wohl noch nicht lange

und sollten lernen, die Worte Ihrer Herren im Licht von Fakten zu betrachten.

Vor Einführung des Euro war die Spekulation einer Währung gegen die anderen auf der Tagesordnung, ohne irgendwelche wirtschaftspolitischen Gründe fiel eine Währung nach der anderen in den Keller.

Dieses "Spiel" wurde mit Einführung des Euro unterbrochen und ist erst jetzt durch den Einfluss der Stammtische auf die deutsche Politik wieder aufgeflammt.

Und nun versuchen sie es also mit Nebenwänden, um die Spekulationsgewinne auch in Zukunft zu sichern. (Welch rosige Zeiten fürs Spekulantenpack, wenn endlich der Euro weg wäre!)

Es wird nicht gelingen.