BonitätsbewertungMoody's stuft 15 Banken herab

Die Rating-Agentur hat die Bonität von 15 Großbanken gesenkt, unter ihnen die Deutsche Bank. Der IWF fordert, direkte Bankenhilfen aus den Rettungsfonds zu ermöglichen. von dpa und reuters

Die Zentrale der Credit Suisse in Zürich

Die Zentrale der Credit Suisse in Zürich  |  © Christian Hartmann/Reuters

Die Rating-Agentur Moody's hat die Kreditwürdigkeit von 15 Großbanken neu bewertet, darunter die der Deutschen Bank. Das Rating für langfristige Schuldtitel der deutschen Bank sei auf A2 von zuvor AA3 gesenkt, teilte Moody's mit . Den Ausblick bewertete die Agentur als stabil.

In Europa sind unter anderen Credit Suisse , UBS, HSBC , Barclays , Royal Bank of Scotland, BNP Paribas, Credit Agricole und Société Générale betroffen. In den USA traf es JPMorgan, Morgan Stanley , Citigroup , Bank of America, Goldman Sachs , in Kanada die Royal Bank of Canada. Die Bewertungen der Banken wurden um eine bis drei Stufen gesenkt. Die neuen Bewertungen waren insgesamt in der Finanzbranche erwartet worden. Dementsprechend hatte es bei Bekanntgabe der ersten Herabstufungen vor einigen Tagen auch kaum Reaktionen am Finanzmarkt auf die Schritte gegeben.

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Das Rating von Morgan Stanley, eine der am schärfsten beobachteten Banken, wurde um zwei Stufen auf Baa1 gesenkt – eine weniger als erwartet. Morgan Stanley beklagte dennoch in einer Stellungnahme, die neue Bewertung berücksichtige nicht alle strategischen Maßnahmen der vergangenen Jahre. Auch Citigroup reagierte scharf auf die Bewertung durch Moody's: Die Bank teile nicht die Analyse der Ratingagentur, die Bewertung sei unbegründet und völlig ungerechtfertigt. Citigroup wurde auf Baa2 von A3 herabgestuft.

Als einzige Bank wurde die Credit Suisse drei Stufen schlechter benotet. Mit nunmehr A1 schneiden die Schweizer aber immer noch besser ab als die meisten anderen Banken.

Derweil fordert der Internationale Währungsfonds ( IWF ) direkte Hilfen für die Banken aus den Rettungsfonds EFSF und ESM. "Es muss eine direkte Verbindung (zwischen Fonds und Banken) geben", sagte IWF-Chefin Christine Lagarde am späten Donnerstagabend nach Beratungen mit den Euro-Finanzministern. Die EU-Kommission unterstützt diese Vorschläge.

Bisher sind direkte Bankenhilfen aus den Rettungsfonds rechtlich nicht möglich, was sich auch in Spanien zeigte: Die jüngst bewilligte Kredithilfe für die nationalen Finanzinstitute geht nur indirekt, über die spanische Staatskasse, an die Banken. Lagarde forderte, die Europäische Zentralbank müsse mit einer kreativen Geldpolitik helfen, die Krise einzudämmen. Dazu könnte eine Wiederaufnahme des Ankaufs von Staatsanleihen finanzschwacher Euroländer gehören.

Am heutigen Freitag kommen in Rom die Regierungschefs der vier größten europäischen Volkswirtschaften zusammen. Mario Monti (Italien), Mariano Rajoy (Spanien), François Hollande (Frankreich) und Bundeskanzlerin Angela Merkel  wollen Lösungen für die Euro-Krise und für die Rettung Griechenlands erörtern. Außerdem treffen sich die EU-Finanzminister in Luxemburg, um eine europäische Finanztransaktionssteuer zu beraten.

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Leserkommentare
    • APGKFT
    • 22. Juni 2012 6:59 Uhr

    für einen Privatkunden, dass er doch lieber von einer drittklassigen Bank zu einer soliden Sparkasse wechseln sollte, bei der vielleicht nicht soviel mit seinem Geld gezockt wird. Was wird nun aus dem Spruch: "Leistung aus Leidenschaft"?

    4 Leserempfehlungen
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    ...je größer die Bank und je mehr gezockt wird desto eher ist die Bank Systemrelevant und wird von den "dummen" Kunden der soliden Sparkassen ausgebailt.

    • joG
    • 22. Juni 2012 8:47 Uhr

    ....Sie Dosensuppe in der Garage horten sollten. Das können Sie wenigstens essen.

  1. ...je größer die Bank und je mehr gezockt wird desto eher ist die Bank Systemrelevant und wird von den "dummen" Kunden der soliden Sparkassen ausgebailt.

    6 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Heißt das nun"
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    • joG
    • 22. Juni 2012 8:56 Uhr

    ....Kapital im Markt aufsammeln können oder genügend Assets abbauen, um ihre Bilanzen zu stärken. Da sehe ich aktuell wenig Problem. Sollte es zu Zahlungsunfähigkeit kommen, so stellen diese Banken als Firmen genügend Wert da, um staatliche Rettung zu entlohnen. Da liegt nicht das Problem.

    Das Problem liegt eher darin, dass die Banken und hier meine ich nicht nur diese Banken sondern auch kleine Banken, Sparkassen usw ihre Bilanzen stärken können, indem sie Assets (Anlagen) abbauen, als neues Eigenkapital zu bezahlen. Was aber sind diese Assets? Eher nicht solche Anleihen, die man bei der Zentralbank hinterlegen kann. Das sind Kredite. Das heißt, man verlängert keine auslaufenden Kredite.

    Da trift der Finanzsektor auf die die Realwirtschaft.

    • RGFG
    • 22. Juni 2012 7:08 Uhr

    Beklemmend, wie schnell und sorglos sich 'der Markt' auch im Auge des Normalbürgers demaskiert: Auch wenn man sich im Bekanntenkreis mit alles andere als 'systemkritischen' Menschen unterhält - überall wird die völlige Hilflosigkeit 'des Markts' kritisiert, und dass jeder Schritt 'der Märkte' die Lage immer nur weiter verschlimmert, statt sich eine Atempause zu gönnen oder gar eine Erholung einzuleiten.

    Staatliche Eingriffe hatten schon mal ein schlechteres Image - und im Grunde wird nur kritisiert, dass zu zögerlich und ineffektiv eingegriffen wird. Sogar ein "...verstaatlicht die Deppen doch endlich damit mal Ruhe ist; im Grunde gehören sie uns doch eh' schon - sie verhalten sich bloß nicht so" dringt mittlerweile aus best-ager Mündern...

    8 Leserempfehlungen
  2. wessen Interessen vertritt der IWF, bestimmt keine Europäischen, und schon gar keine Bürgerlichen. !? Banken sind Unternehmen, die mit Geld handeln, wenn sie sich verkalkulieren gehen sie eben pleite,na und.

    12 Leserempfehlungen
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    Lieber Erdmitbürger Erdling, ob IWF falsch spielt oder nicht ist eine wichtige Frage, die bezüglich dieser Aussage der IWF-Chefin Christine Lagarde eine notwendige und ausreichende Erklärung bedarf. Frau Lagarde sagte:

    "Es muss eine direkte Verbindung (zwischen Fonds und Banken) geben!"

    Es ist erlaubt nach einer umfassenden Erklärung zu bitten, um das € - EU Publikum zu überzeugen warum es so ist und was das alles für die Zukunft bedeuten könnte, so gar müsste.

    Erst dann, könnte man über die Falschheit dieses Urteils ernstlich debattieren. Bis dann bleiben nur die Vermutungen. Auf Grund fehlenden Kontrollmechanismen, die gerade als Ursache der Krise analysiert werden müssen, darf man diese Aussage als ungewollte Absicht der Beibehaltung dieses Störfaktors anmahnen.

    Wenn aber, der Eindruck entsteht dass man zwangsläufig manche Kreisläufe schließen will, um so langfristig das ganze System zu gestalten, sind die plausiblen Argumenten gegen manchen Fehlkonstruktionen, die mögliche Weise diese Aussage hervorruft, angebracht.

    Wir alle dürfen hoffen baldst möglich eine ausreichende Erklärung-Analyse dieser Aussage zu bekommen. Bis dann kann man mit ihr nicht viel anfangen.

  3. Wie viel sollen die Steuerbürger noch für die Verursacher der Krise buckeln?

    Es geht hier mittlerweile nicht mehr um die "Rettung angeblich System relevanter Banken" sondern es geht um die Existenz vom Millionen Steuerbürgern und um die Existenz des Mittelstands welche die vorhandenen Demokratischen Staatsformen überhaupt durch seine Leistung ermöglicht.

    Auch der IWF wird alleine durch Steueraufkommen finanziert. Die Stzeuerbürger, als Zahlmeister, müssen Opfer bringen bis an den Rand seiner Existenz. Die ist keinerlei Gleichgewicht zu sehen oder zu fühlen.

    Die Politik beschwert sich über Bürger- Politik Verdrossenheit. Mit Entscheidungen ohne Kopf und Verstand, einseitig zu Gunsten von "Bangstern", macht sie sich selbst unglaubwürdig.

    Lohndumping und Sozialabbau zur Rettung von Spekulanten und Lobbyisten tragen da nicht gerade zur Vertrauensbildung bei.

    15 Leserempfehlungen
  4. Reguliert wurde nichts. Danke an die Bundesregierung.

    13 Leserempfehlungen
    • ludna
    • 22. Juni 2012 7:47 Uhr

    ich glaube hier findet sich ein fiskal-finanzwirtschaftlicher Komplex zusammen.
    Das geht so: Da gibt es einen riesigen Topf voll mit bald fast einer Billion Euro. Dummerweise bekommen die Banken keinen direkten Zugriff auf das Geld. Also stuft eine "unabhängige" Ratingagentur die Banken herab. Dies erhöht den Druck der Staaten, den Banken den Zugriff zu gewähren und es liefert gleichzeitig scheinbar gute Argumente der Vertreter der öffentlichen Hand (z.B. IWF) ihren Kumpels von den Banken den Zugriff zu gewähren.

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    • jojocw
    • 22. Juni 2012 9:00 Uhr

    Wunderbar wie Sie den Hintergrund aufgezeigt haben.

    Ich glaube Sie liegen 100% richtig.

  5. Auf zur nächsten Bankenrettungsrunde!

    @ALLE: Wir sehen hier eine Systemkrise, die - mit welchen Rettungsmaßnahmen auch immer - , nicht in den Griff zu kriegen ist. FIAT-Geld, Giralgeldschöpfung durch Privatbanken, Mindestreservesystem - BITTE ALLES mal auf den Prüfstand!

    Die Menschheit könnte mittlerweile mal gelernt haben, dass SCHULDGELDSYSTEME nicht nachhaltig sind und IMMER im Crash enden. WARUM? Weil systembedingt die Geldmenge und damit auch die Schulden stets anwachsen MÜSSEN. Das ist im Übrigen keine Verschwörungstheorie, sondern in der Entwicklung der Geldmenge M3 ganz blitzsauber nachvollziehbar.

    Also: NACHDENKEN!!!

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