Nordirland-KonfliktQueen reicht früherem Erzfeind die Hand

Die britische Königin Elizabeth II. hat einem früheren IRA-Führer die Hand geschüttelt. Der allerdings will trotz des Friedenszeichens nicht zu Großbritannien gehören. von afp und dpa

Nordirische Schüler begrüßen die britische Königin mit Flaggen ihres Königreiches.

Nordirische Schüler begrüßen die britische Königin mit Flaggen ihres Königreiches.  |  © David Moir/Reuters

Mit einem Händedruck haben die britische Königin Elizabeth II. und der frühere IRA-Anführer Martin McGuinness symbolisch das Ende des jahrzehntelangen Nordirland-Konflikts besiegelt. Die Queen kam in Belfast zu einem historischen Treffen mit dem früheren Anführer der katholischen Untergrundorganisation zusammen.

Gleich zweimal reichten sich die Queen und der heutige nordirische Vize-Regierungschef McGuinness die Hand: einmal hinter verschlossenen Türen eines Theaters in der nordirischen Hauptstadt, einmal vor Kameras, als sie das Gebäude verließen. Dabei hielt McGuinness für einige Momente die Hand der lächelnden Elizabeth II . "Auf Wiedersehen und Gott sei mit Ihnen", sagte er ihr auf Irisch beim Abschied.

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Das Treffen nach dem drei Jahrzehnte dauernden gewaltsamen Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten in Nordirland gilt als wichtiger Schritt in den Beziehungen zu Großbritannien . McGuinness war ein ranghoher Anführer der katholischen Untergrundorganisation Irisch-Republikanische Armee ( IRA ), als diese 1979 den Cousin der Queen, Louis Mountbatten, bei einem Bombenanschlag tötete. Bisher wurde die Queen, die formell auch Oberbefehlshaberin der britischen Streitkräfte ist, bei den nordirischen Republikanern stets als Feindbild angesehen.

Members of the public wait to catch a glimpse of Britain's Queen Elizabeth as she arrives in Enniskillen on the first day of a two day tour of Northern Ireland, June 26, 2012.REUTERS/Cathal McNaughton (BRITAIN - Tags: ROYALS ENTERTAINMENT)


Das Treffen mit Elizabeth II. sei "sehr nett" gewesen, sagte McGuinness. Seine katholisch-republikanische Partei Sinn Fein lehnt die Zugehörigkeit Nordirlands zum Vereinigten Königreich allerdings auch heute noch ab und fordert stattdessen eine Wiedervereinigung mit der Republik Irland. McGuinness setzt sich aber seit Jahren für Frieden zwischen Katholiken und Protestanten ein. Die IRA hat dem bewaffneten Kampf inzwischen abgeschworen.

Das Treffen wurde allgemein begrüßt. Der Händedruck habe die Beziehungen zwischen Großbritannien und Nordirland "auf eine neue Ebene" gehoben, sagte ein Sprecher des britischen Premiers David Cameron . Vor ein paar Jahren noch wäre eine solche Geste nicht möglich gewesen, sagte der Londoner Nordirland-Minister Owen Paterson.

Der Nordirland-Konflikt , in dem mehr als 3.000 Menschen ums Leben kamen, war im Jahr 1998 durch das sogenannte Karfreitagsabkommen beendet worden. Trotzdem gibt es immer wieder gewalttätige Zwischenfälle und Bombendrohungen, vor allem aus Protest gegen die Zugehörigkeit Nordirlands zu Großbritannien. So hatte es in der Nacht zum Mittwoch in Belfast Zusammenstöße der Polizei mit etwa hundert randalierenden Jugendlichen gegeben.

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Leserkommentare
  1. ...nicht mit Freunden, sonst wäre es ja einfach.
    Schön das zumindest ein Problem auf dem richtigen Weg zur Lösung ist.
    Hut ab vor der Queen und Herrn McGuinness.

    3 Leserempfehlungen
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    • FranL.
    • 27. Juni 2012 21:27 Uhr

    Die Queen hat damit nichts zu tun, sie darf gar keine eigenmächtigen politischen Entscheidungen treffen und hätte es "ihr" Premier nicht erlaubt, hätte sie Herrn McGuiness nicht die Hand geben dürfen.

    • FranL.
    • 27. Juni 2012 21:27 Uhr

    Die Queen hat damit nichts zu tun, sie darf gar keine eigenmächtigen politischen Entscheidungen treffen und hätte es "ihr" Premier nicht erlaubt, hätte sie Herrn McGuiness nicht die Hand geben dürfen.

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    Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Queen sich einen Haendedruck vorschreiben laesst. Also Hochachtung fuer alle drei, und auch fuer alle anderen im Hintergrund, die ebenfalls an diesem Prozess beteiligt sind und waren!

    ...und schon garnicht Herr Cameron.
    Glauben Sie wirklich das sie sich jemanden der ihr Enkel sein könnte vorschreiben lässt den potentiellen Mörder ihres Cousins die Hand zu geben?
    Da spielt eher die historische Verantwortung bzw. Fehler ihrer Vorgänger eine Rolle.

  2. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Queen sich einen Haendedruck vorschreiben laesst. Also Hochachtung fuer alle drei, und auch fuer alle anderen im Hintergrund, die ebenfalls an diesem Prozess beteiligt sind und waren!

    Eine Leserempfehlung
  3. .......wer im Frühjahr ihren Staatsbesuch in der Republik Irland verfolgt hat,
    BBC hat ihn detailliert übermittelt, der konnte alleine an ihrer Garderobe
    (die ihr mit Sicherheit kein PM vorschreiben kann) erkennen, mit welchem
    Einfühlungsvermögen die Queen auf das stolze, unabhängige Irland einge-
    gegangen ist. Das Gleiche für ihren Besuch in Nordirland.

    Diese Frau ist für ihr GB mehr wert, als der gesamte diplomatische Dienst
    ihres Landes.

    Über so einen Glücksfall als Staatsoberhaupt kann man GB nur beneiden.

    Eine Leserempfehlung
  4. ...und schon garnicht Herr Cameron.
    Glauben Sie wirklich das sie sich jemanden der ihr Enkel sein könnte vorschreiben lässt den potentiellen Mörder ihres Cousins die Hand zu geben?
    Da spielt eher die historische Verantwortung bzw. Fehler ihrer Vorgänger eine Rolle.

    2 Leserempfehlungen
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    • FranL.
    • 28. Juni 2012 18:57 Uhr

    Die Queen hat keine reale politische Macht in GB, auch die jährliche Rede zur Parlamentseröffnung darf sie nur verlesen, aber nicht selbst verfassen. Letzten Endes sind es die Politiker die im Nordirlandkonflikt verhandeln, die Queen hat auf den Friedensprozeß nicht mehr Einfluß als der königliche Butler.

    Der Haß der katholischen Iren auf die Briten kommt nicht von ungefähr. Die Gründung und Radikalisierung der IRA hat ihre Wurzeln in der desaströsen Irlandpolitik der Briten.

    • FranL.
    • 28. Juni 2012 18:57 Uhr

    Die Queen hat keine reale politische Macht in GB, auch die jährliche Rede zur Parlamentseröffnung darf sie nur verlesen, aber nicht selbst verfassen. Letzten Endes sind es die Politiker die im Nordirlandkonflikt verhandeln, die Queen hat auf den Friedensprozeß nicht mehr Einfluß als der königliche Butler.

    Der Haß der katholischen Iren auf die Briten kommt nicht von ungefähr. Die Gründung und Radikalisierung der IRA hat ihre Wurzeln in der desaströsen Irlandpolitik der Briten.

    • faxbi
    • 28. Juni 2012 19:23 Uhr

    Ich glaube,dass wir in Deutschland diesen Konflikt nie verstehen werden! Der Konflikt ist eben schon sehr alt und die Queen war lange nicht in Irland. Mit der Anreise will Sie ja auch ein Zeichen setzen.

  5. .....es handelt sich. n i c h t um einen drei Jahrzehnte dauernden Konflikt,
    sondern um einen sei mind. v i e r J a h r h u n d e r t e n. dauernden Konflikt !!!

    Und die protestantischen Nordiren sind Nachkommen von aus Schottland
    nach Irland umgesiedelten Protestanten, um die kath. Iren, deren Königreich
    in Persunalunion mit England nur auf dem Papier bestand, wegen permanenter
    Revolten, in die Knie zu zwingen.

    Der Nord-Irland-Konflikt ist also nur vordergründig ein Religions-Konflikt . Leider wird er
    fälschlicherweise als solcher dargestellt. Es ist, wie seit Jahrhunderten, ein Konflikt
    zwischen den autochthonen ( katholischen) Iren und den (importierten, der britischen
    Krone gegenüber loyalen) protestantischen (Neu-) Iren.

    Aber "Religionskrieg" lässt sich natürlich besser "verkaufen".

    Schade, von Die Zeit hätte ich doch ein bisschen mehr erwartet..........

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP
  • Schlagworte Elizabeth II | David Cameron | IRA | Theater | Beziehung | Großbritannien
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