Der Abbau von Gold verursacht in der Regel große Schäden . Der Verbrauch von Wasser und Land ist immens. Zur Förderung werden giftige Chemikalien verwendet, die Menschen krank machen und die Umwelt belasten. Die Arbeit in den Minen kann lebensgefährlich sein.

Die Goldwäscher von Oro Verde (grünes Gold) in Kolumbien wollen es besser machen. Sie leben im  Chocó , einem Regenwald-Gebiet, das sich von Panama im Norden bis Ecuador im Süden entlang der Pazifik-Küste erstreckt. Das Chocó-Becken gehört zu den artenreichsten Regionen der Erde. Hier sammelt sich das Gold, das der Regen aus dem Gestein der Anden gewaschen hat. Das Edelmetall gehört, neben Landwirtschaft, Jagd und Fischerei, zu den wichtigsten Einnahmequellen der Menschen hier.

Auch im Chocó hat die mechanisierte Form der Goldgräberei Zehntausende Hektar von Wäldern zerstört, die Flüsse mit Quecksilber vergiftet und die Menschen verarmen lassen. "In den Dörfern hat der Bergbau, der in großem Maßstab betrieben wird, nur Tristesse hinterlassen", sagt Américo Mosquera, ein Goldwäscher aus der Gemeinde Tadó.

Pflanzenextrakt statt Quecksilber

Oro Verde geht dagegen an. Die Organisation wurde um die Jahrtausendwende von mehreren Gruppen aus der Region ins Leben gerufen. Sie zahlt den von ihr zertifizierten Goldwäschern, die das Edelmetall von Hand fördern, mit Spaten, Schalen und Sieben, etwas mehr als die anderen Ankäufer. Zudem gibt sie technische und finanzielle Unterstützung. Dass die Goldwäscher im Gegenzug ohne Chemie und möglichst umweltfreundlich arbeiten, ist Bedingung. Statt Quecksilber oder Zyanid nutzen die Familien beispielsweise ein Pflanzenextrakt und die Schwerkraft, um Sand und Metall voneinander zu trennen.

Die Goldwäscher forsten auch Land auf, das der mechanisierte Bergbau kahl zurückgelassen hat, sie legen Terrassen an und bewirtschaften Felder. Das verschafft ihnen zusätzliche Nahrung oder ein Extraeinkommen. Durch Oro Verde müssten sie keinen Hunger mehr leiden, sagt Américo Mosquera.

Etwa 114 Familien, das sind 377 Goldwäscher, aus den zwei Gemeinden Tadó und Condoto arbeiten mit Oro Verde zusammen. "Unser Gold ist grünes Gold, ganz ohne Chemie", sagt Mosquera. "Eine Maschine würde die Erde in zwei oder drei Arbeitsgängen ausbeuten. Aber dieses Geld bringt uns nichts, denn morgen schon hätten wir nichts mehr davon", ergänzt Nubia Mosquera, deren Gold ebenfalls durch Oro Verde zertifiziert wurde. "Wir aber gehen und finden jeden Tag ein Korn, und die Erde bleibt dort. So haben wir einen Lebenserhalt, für uns und unsere Kinder."

Verkauft wird das grüne Gold in den USA und Europa . Jedes Stück, das daraus entsteht, trägt eine Nummer, mit deren Hilfe die Käufer den Weg der Ware bis zu den Goldwäschern zurückverfolgen können.

Normalerweise kämpfen die Menschen im Chocó um das tägliche Leben. Oro Verde will ihnen eine langfristige Perspektive verschaffen. "Die Umwelt ist das Wichtigste in unserem Leben", sagt Américo. "Wenn wir sie zerstören, zerstören wir uns selbst." In Kolumbien ist ein Großteil der artenreichen Regenwälder schon abgeholzt. Würde sich die Idee von  Oro Verde ausbreiten, hätten die Menschen, die in den Wäldern leben, eine nachhaltigere Perspektive. Alexandra Endres