Im Hafen von Juba, Südsudan, schaut ein Mann auf den Nil. © Adriane Ohanesian/AFP/Getty Images

Die Anrainerstaaten des südchinesischen Meers rüsten auf. Sie streiten sich um fossile Brennstoffe und Fischgründe. China schränkt den Export seiner seltenen Erden ein, unter dem Protest der USA  und Europas . Im Mittelmeer sind sich Israel , der Libanon , Zypern und die Türkei nicht einig, wem die kürzlich entdeckten unterseeischen Gasfelder gehören. Äthiopien und Sudan möchten  mithilfe von Dämmen Strom aus der Wasserkraft des Nils gewinnen, und auch der Südsudan braucht Nilwasser, um seine Landwirtschaft zu entwickeln wie geplant – aber für Ägypten könnte jeder Eingriff in den Oberlauf des Flusses ein Kriegsgrund sein.

Die Liste der Ressourcenkonflikte ließe sich fortsetzen. Staaten streiten um Energie, mineralische Rohstoffe oder Trinkwasser. Menschen kämpfen um Nahrung oder Land . Es geht ums Überleben, um Wohlstand und Entwicklung; und es geht um Macht. Nicht immer lassen sich die Dispute friedlich lösen, wie im Beispiel der seltenen Erden Chinas , über die derzeit vor der Welthandelsorganisation WTO verhandelt wird. Forscher der Transatlantic Academy warnen in einer neuen Studie: Das Risiko wächst, dass die Konkurrenz um immer knappere Ressourcen sich in Gewalt entlädt. Am Donnerstag präsentierten sie die Studie im Weltwirtschaftsinstitut in Hamburg (HWWI).

Deutschland könnte ein besonderes Interesse an der Arbeit der Wissenschaftler haben: Mehr als andere hängt die deutsche Wirtschaft von importierten Rohstoffen ab. Um ihre Versorgung zu sichern , haben deutsche Konzerne sich deshalb in diesem Frühjahr zu einer Rohstoffallianz zusammengeschlossen. Die Bundesregierung unterstützt das Projekt. Daneben treibt die Frage, wie sich in Zukunft eine verlässliche, bezahlbare Stromversorgung garantieren lässt, im Land der Energiewende ohnehin Politiker, Unternehmer und Privatleute um.

Europas Politik hat Folgen für andere Kontinente

Doch die Sachlage ist kompliziert, stellt das sechsköpfige amerikanisch-europäische Forscherteam fest. Seit der letzten großen Rohstoffkrise in den Siebziger Jahren ist die Welt nicht einfacher geworden. Sie sei stärker vernetzt als damals –  so beeinflussten Entscheidungen an einem Ort schnell den Alltag auf anderen Kontinenten, sagt Philip Andrews-Speed, als Experte für Energiepolitik einer der Autoren. Wenn die Europäer Agrotreibstoffe fördern, kann das Bauern in Afrika in Nöte bringen , weil ihnen ihr Land weggenommen wird. Wenn Elektromotoren als Antrieb der Zukunft gehandelt werden, hat das Folgen für die Südamerikaner , die Lithium für Batterien fördern.

Die Konkurrenz um Ressourcen ist heute noch schärfer als vor dreißig, vierzig Jahren. Die Fördertechniken mögen sich weiterentwickelt haben, die Wirtschaft effizienter mit Rohstoffen umgehen. Aber die globale Mittelschicht wächst – und mit ihrem Wunsch nach Wohlstand auch die Nachfrage nach Energie, Mineralien, Land, Wasser und Nahrung. Aufstrebende Mächte wollen ihren Teil vom Kuchen. Zugleich nimmt die Zahl der Armen zu.

"Das hohe Ausmaß des Konsums von natürlichen Ressourcen im Norden der Welt kann nicht getrennt werden von Hunger, Wasserknappheit und Energieunsicherheit in den abgelegensten Ecken des Südens", heißt es dazu im Report. Manchmal bedeutet "Knappheit" eben schlicht, dass die Ressourcen unfair verteilt sind. Gelinge es nicht, die Armut wirkungsvoll zu bekämpfen, schreiben die Wissenschaftler, folgten politisches Chaos, Gewalt und massenhafte Migration.