Nachhaltigkeitsgipfel: Hehre Ziele, keine Fortschritte
Bisher ging es auf dem Rio-Gipfel nur um den kleinsten gemeinsamen Nenner; die Konferenz kam nicht voran. Die Staats- und Regierungschefs könnten die Blockade auflösen.
© Christophe Simon/AFP/Getty Images

Zwei Frauen auf einem Protestmarsch gegen "grünen Kapitalismus" und Gewalt gegen Frauen am Rande des Rio+20-Gipfels
In Rio laufen zurzeit die letzten Vorverhandlungen für die große UN-Konferenz Rio+20 für nachhaltige Entwicklung. Zu dem Treffen vom 20. bis 22. Juni werden mehr als 130 Staats- und Regierungschefs erwartet – die Mächtigsten der Welt, aber leider kommen die Verhandlungen bislang trotzdem nicht voran.
Seit vergangenem Freitag sind die offiziellen Vorverhandlungen zu Ende. Dennoch hat man sich über die 199 Paragraphen des Schlussdokuments noch nicht geeinigt. Nun gibt es weitere informelle Verhandlungen, deren Führung das Gastgeberland Brasilien übernommen hat, indem es am Samstag einen neuen Vorschlag für ein konsensfähiges Abschlussdokument vorlegte. Über ihn wird jetzt verhandelt.
Zwar gibt der 50-seitige Text Hoffnung auf wenigstens einige greifbare Ergebnisse, aber wirklich zufrieden mit seinen Inhalten sind wenige. Insbesondere die Nichtregierungsorganisationen kritisieren, es stehe zu wenig Konkretes und Verbindliches darin. Teilweise falle der Text sogar hinter die Ergebnisse von vor zwanzig Jahren zurück. Immerhin geht es um nicht weniger, als allen Erdbewohnern den Weg zu wirtschaftlichem Wohlstand und sozialer Gerechtigkeit bei gleichzeitiger ökologischer Verträglichkeit zu ebnen. Ein hehres Ziel, an das man in Zeiten der Finanzkrise kaum mehr glauben mag.
- Rio 1992
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Beim Rio-Gipfel von 1992 sollte die internationale Umweltpolitik mit fünf Dokumenten vorangebracht werden:
1 Das Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen wurde auf dem Erdgipfel von 154 Nationen unterzeichnet und war der Start für internationale Klimaverhandlungen.
2 Die Rio-Erklärung über Umwelt und Entwicklung schrieb 27 Grundsätze für eine nachhaltige Entwicklung fest, die den Menschen ein gesundes und produktives Leben ermöglichen soll.
- Agenda 21
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3 Die Walderklärung, die völkerrechtlich ebenso wenig bindend ist wie die Rio-Erklärung, formulierte Ziele für eine nachhaltige Bewirtschaftung von Wäldern weltweit.
4 Das Übereinkommen über biologische Vielfalt wurde auf dem Erdgipfel ausgehandelt, um das weltweite Artensterben zu stoppen und eine gerechte Nutzung der biologischen Ressourcen zu ermöglichen.
5 Die Agenda 21 war als Aktionsprogramm gedacht, das den Staaten und – als lokale Agenda 21 – den Gemeinden konkrete umwelt- und entwicklungspolitische Ziele an die Hand gibt.
- Rio+20
Von Mitte Juni 2012 an findet in Rio wieder eine große UN-Nachhaltigkeitskonferenz statt. Sie ist in drei Phasen gegliedert: Ab dem 13. Juni bereiten Vertreter der Regierungen das Abschlussdokument des Gipfels vor. Ab dem 16. Juni diskutieren Wissenschaftler, Unternehmer, Umweltschützer, Armutsexperten, Gewerkschafter und UN-Vertreter Aspekte der nachhaltigen Entwicklung. Ihre Empfehlungen gegen Arbeitslosigkeit, Armut und Hunger, für Wald- und Meeresschutz, umweltfreundlichen Städtebau, verantwortungsvollen Konsum und eine nachhaltige Energieversorgung werden den rund 100 Staats- und Regierungschefs vorgelegt, die vom 20. bis zum 22. Juni über eine Abschlusserklärung verhandeln. Angela Merkel wird nicht in Rio sein.
- Gipfel-Themen
Auf der Konferenz geht es ums große Ganze: Wie kann der Umbau zu einer ökologischen Wirtschaftsweise gelingen, die den armen Ländern Entwicklungschancen bietet? "Green Economy im Kontext nachhaltiger Entwicklung und Armutsreduzierung" heißt das etwas sperrig offiziell. Es soll über Nachhaltigkeitsziele beraten werden, die 2015 die UN-Milleniumsentwicklungsziele ablösen könnten. Möglicherweise wird in Rio auch beschlossen, das Umweltprogramm der Vereinten Nationen, Unep, aufzuwerten.
- Wachstumsdebatte
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Das Konzept einer Green Economy ist auf dem Rio+20-Gipfel umstritten. Lassen sich Wachstum und Nachhaltigkeit wirklich vereinbaren? Wir haben Experten gefragt und veröffentlichen Ihre Antworten in den kommenden Tagen auf ZEIT ONLINE.
Den Auftakt macht Hans Christoph Binswanger mit einem Aufruf zur Mäßigung: "Besser leben durch weniger Wachstum".
Auf ihn folgen Christian Hey und Karin Holm-Müller (Sachverständigenrat für Umweltfragen) mit einer Kritik der Wachstumskritik, sowie Niko Paech (Uni Oldenburg), der nachhaltiges Wachstum für unmöglich hält.
Das Konzept dahinter heißt im UN-Jargon "Grüne Ökonomie im Kontext nachhaltiger Entwicklung und Armutsbekämpfung". Im Unterschied zu 1992 geht es jetzt allerdings nicht mehr allein um die Festschreibung des Prinzips der nachhaltigen Entwicklung. Vielmehr wollen sich die Staats- und Regierungschef auch darauf einigen, wie seine schwierige Umsetzung im alltäglichen Wirtschaften erfolgen soll.
Es ist nicht der erste Versuch. Schon auf dem Weltgipfel in Johannesburg 2002 wollte man die Beschlüsse von Rio 1992 weiterentwickeln, allerdings mit beschränktem Erfolg.
Marianne Beisheim, Birgit Lode und Nils Simon arbeiten an der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) zu multilateralen Verhandlungsprozessen in den Vereinten Nationen im Themenbereich Nachhaltige Entwicklung. Die Stiftung berät Bundestag und Bundesregierung in allen Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik.
Die Teilnehmer des aktuellen Gipfels diskutieren in Rio über konkrete Instrumente: Saubere Technologien sollen gefördert, umweltschädliche Steuern und Subventionen abgebaut und der vielfältige wirtschaftliche Nutzen der Natur in Form von Preisen in Wert gesetzt werden. Der Abbau von Subventionen fällt auch der EU nicht leicht, aber vor allem sind viele Entwicklungs- und Schwellenländer skeptisch. Sie wollen sich nicht vorschreiben lassen, wie sie sich zu entwickeln haben. Zudem befürchten sie einen "grünen" Protektionismus und "grüne" Konditionalitäten in der Entwicklungszusammenarbeit.
Zivilgesellschaftliche Gruppen kritisieren, das Konzept ökonomisiere die Natur – sie halten das für den falschen Weg. Vermittelnd formuliert der neue Textentwurf Brasiliens nun, die "Grüne Ökonomie" sei "ein wichtiges" Mittel zur Umsetzung nachhaltiger Entwicklung.
UN-Reform in klein
Um den Wandel in Richtung Nachhaltigkeit besser unterstützen und begleiten zu können, sollen in Rio auch die Vereinten Nationen reformiert werden. Ursprünglich gab es große Pläne: Man wollte eine vollwertige UN-Umweltorganisation und einen tatkräftigen Rat für nachhaltige Entwicklung schaffen. Statt neuer Institutionen wird es nun hier und da ein bisschen Reform geben. Mehr Geld kosten darf das aber keinesfalls.
Nach dem neuen Textentwurf sollen nun sowohl das UN-Umweltprogramm als auch die UN-Nachhaltigkeitskommission geringfügig aufgewertet werden. Ihr institutioneller Status im UN-System soll das aber nicht entscheidend verbessern. Die Europäische Union und andere wollen mehr, sie scheiterten aber bislang am Widerstand derer, die auf ihre Souveränität pochen oder nicht bereit sind, für eine Aufwertung der Institutionen mehr zu zahlen.
Mehrere Entwicklungs- und Schwellenländer fürchten "Aufsichtsbehörden", die sie kontrollieren und in ihrer Entwicklung behindern. Dabei könnten reformierte UN-Institutionen ihnen endlich den Zugang zu finanziellen Hilfen und technologischen Innovationen verschaffen, den sie so drängend fordern, und den für eine umweltverträgliche Entwicklung auch benötigen.
Die Industrieländer ihrerseits wollen sich ohnehin nichts vorschreiben lassen und angesichts der Krisen im eigenen Land kein zusätzliches Geld für "noch mehr UN-Bürokratie" zahlen. Auch für sie aber würden sich die Mehrkosten mittelfristig lohnen, wenn dadurch bereits getroffene Entscheidungen endlich umgesetzt und so Folgekosten für Mensch und Umwelt vermieden würden. Wenn die EU und andere den Entwurf noch verbessern wollen, müssen sie in den verbleibenden Tagen weitere Überzeugungsarbeit leisten.
Zu wenig Vertrauen
Letztlich fehlt in Rio vor allem das Vertrauen in den politischen Willen der jeweils anderen Seite, das Ruder in Richtung nachhaltiger Entwicklung herumzureißen. Statt mutige Reformen vorzubereiten, feilten die Verhandlungspartner bislang an den Formulierungen für den kleinsten gemeinsamen Nenner. Dabei gälte es doch, das Momentum der Konferenz zu nutzen und gerade jetzt die Dinge zu erledigen, für die man die Entscheidungsfähigkeit der Staats- und Regierungschefs braucht, denen der Gipfel wichtig genug ist, um anzureisen und selbst in die Verhandlungen einzugreifen.
Noch ist Zeit. Die Handlungsfähigkeit der viel beschworenen "Weltgemeinschaft" und der Vereinten Nationen als ihrer Plattform steht vor einem neuen Test. Die Hoffnung liegt nun auf den Staats- und Regierungschefs: Sie müssen durch mutige Schritte und glaubwürdige Zusagen dafür sorgen, dass zusätzliche Bewegung in die Verhandlungen kommt. Es ist an ihnen, sich auf ein Abschlussdokument zu einigen, das am Ende nicht nur wenig ambitionierte Absichtserklärungen, sondern eine Anleitung für die dringend notwendige Umsetzung nachhaltiger Entwicklung enthält.
Erschienen auf der Homepage der Stiftung Wissenschaft und Politik unter der Rubrik "Kurz gesagt"






Wenn die Länder der Welt so grün wie Deutschland denken würde, wäre es ja fast eine Sensation. Denn das Gedankengut eines Amerikaners bzw. Chinesen heißt: wie mache ich am besten viel Fortschritt. Aber dass dies die Erneuerbare Energien bieten können diese nicht verstehen und nehmen es daher auch nicht an. Aber wenn man die Welt überzeugen will muss man national anfangen!
Soll heißen die eigene Erneuerbare-Energien-Wirtschaft stärken und unterstützen(Subventionen müssen das ja nicht unbedingt sein, wäre aber trotzdem besser diese weiter zu subventionieren). Den Export der Materialien vorantreiben. Damit so unabhängig von China/USA werden. Und dann kommt der Schock für die beiden: Europa ist auf einmal so stark in dem Gebiet um sich selbst zu versorgen.
Dann müssen diese Länder noch schneller in diese Richtung forschen und neues entwickeln oder diese werden immer weiter zurückgedrängt.
Wenn erstmal die Energiewende in Deutschland abgeschlossen ist werden die Nationen sehen wie rückständig sie sind: dann wird hierzulande der Strom günstiger und stabiler wieder werden und man ist von niemanden abhängig.
ALSO: Investition in die Zukunft heißt Stärke beweisen und den Schritt weiter und schneller gehen.
Wenn Nachhaltigkeit nicht in wirtschaftliches Tun und Handeln integriert wird, ist es wahrscheinlich, dass Nöte enorm werden. Das weiß auch ein jeder, zumindest die darüber diskutieren und nach Wegen suchen. Dabei muss Nachhaltigkeit nicht im Widerspruch zum Fortschritt stehen, zur Entwicklung. Sondern daraus könnten neue Ideen hervorgehen. Leider wird es aber immer noch behandelt, als wäre das mit mehr Schwierigkeiten verbunden, als mit Lösungen. So ist mindestens zu erwarten, dass wenigstens in Ansätzen etwas Konkretes entschieden wird und weiterhin (auch nach dem Gipfel) das Thema aktuell bleibt. Besonders die Politik ist dort gefordert. Denn schöne Worte zu finden, wie auf Präsentationsseiten der CSR, genügt nicht.
Entwickeln, was vorher eingewickelt war, - wie der Trinker seine Pulle. Und dann schwellen Länder.
Die Regierungen dieser Länder sind doch alle frei, manche nehmen sich sogar noch ganz souverän enorme Freiheiten.
Wenn dort ausgeplündert und verwüstet wird, sind die Regierenden mit den Plünderern.
Normal: Wer sich nicht selbst kontrollieren will, muss "Kontrollen fürchten", wie es im Artikel so schön heisst.
Die armen unterdrückten Länder sind seit einem halben Jahrhundert frei. Abhängigkeit und Elend sind heute gewollt.
Um Welt schert sich in den Regierungspalästen keiner. Schon Mobuto, selig, war einer der Reichsten der Erde.
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