InsolvenzSchlecker-Mitarbeiter sollen in Kitas und Pflegeheimen arbeiten

Arbeitsministerin von der Leyen will Schlecker-Beschäftigte zu Erziehern und Altenpflegern umschulen lassen. Diese Idee stößt auch bei ver.di auf Zustimmung.

Nach der Insolvenz von Schlecker suchen Bundesregierung, Bundesagentur für Arbeit (BA) und die Gewerkschaft ver.di für die betroffenen Mitarbeiter neue berufliche Perspektiven. In strukturschwachen Gebieten könnten etwa Umschulungen zur Erzieherin oder Altenpflegerin angeboten werden, sagte Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU). Die Arbeitsagenturen wollten ihnen vollwertige Umschulungen in diese Mangelberufe anbieten, kündigte von der Leyen zusammen mit Bundesarbeitsagentur-Chef Frank-Jürgen Weise an.

Akut betroffen von der Schlecker-Zerschlagung sind nach Angaben von der Leyens etwa 25.000 Beschäftigte, überwiegend Frauen. Von den 11.190 bereits im Frühjahr Entlassenen seien bislang etwa 5.000 in einen neuen Arbeitsplatz oder Fördermaßnahmen vermittelt worden. Weniger als 2.500 hätten dabei einen vollwertigen Job angetreten. "Das ist keine Zahl, die beruhigt, sie zeigt aber eine gewisse Dynamik", sagte Weise. Viele Schlecker-Beschäftigte hätten wertvolle Berufserfahrung und würden auf dem Arbeitsmarkt gesucht.

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Dort gibt es nach Angaben von Ver.di-Chef Frank Bsirske allerdings zu viele Bewerber. Im Einzelhandel gebe es bei 25.000 offenen Stellen derzeit etwa 360.000 Arbeitssuchende. Viele Ex-Schlecker-Mitarbeiterinnen seien nach der ersten Kündigungswelle lediglich in unbezahlte Praktika oder Urlaubsvertretungen vermittelt worden. "Es kann nicht sein, dass sie jetzt als billige Arbeitskräfte zur Verfügung stehen", sagte er.

Bsirske begrüßt die Umschulungspläne. Da bei Erziehern und Altenpflegern eine "ausgesprochene Mangelsituation" herrsche, biete sich für die ehemaligen Schlecker-Mitarbeiter in diesem Bereich eine Qualifizierung an. Dies könne sowohl für die Betroffenen als auch "für die Gesellschaft insgesamt" eine Chance sein, sagte Bsirske.

Nach Angaben von der Leyens stehe das Geld für die Umschulungen mit der sogenannten Initiative zur Flankierung des Strukturwandels zur Verfügung. Außerdem gelte für die Schlecker-Mitarbeiter, die sich für eine Weiterqualifizierung entscheiden würden, Bestandsschutz, "wenn ein Kind da ist". Sie erhielten für die Dauer der Umschulung das Arbeitslosengeld I.

Schlecker-Mitarbeiter fordern Transfergesellschaft

In Dresden protestierten Schlecker-Mitarbeiter und Gewerkschafter vor dem Wirtschaftsministerium des Bundeslandes – mit Fahnen, Tröten und Transparenten wie "Schämt Euch, Schlecker-Clan!" oder "Was wird aus uns?". Auch in Hannover demonstrierten Hunderte Schlecker-Mitarbeiter und forderten Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) auf, eine neue Initiative zur Gründung einer Transfergesellschaft zu starten. "Das ist nach wie vor eine vernünftige Lösung, um Zeit zu gewinnen. Wir fordern Sie auf, das Möglichste zu tun", sagte Ver.di-Landeschef Detlef Ahting bei der Demonstration vor dem Wirtschaftsministerium.

Am Freitag beginnt der Ausverkauf in den Schlecker-Filialen. "Das wird für uns alle ein schwerer Gang", sagte eine Mitarbeiterin, die mit den Tränen kämpfte. Sie bitte daher alle Kunden, Solidarität mit den Verkäuferinnen zu zeigen.
 

 
Leserkommentare
  1. Manchmal weiß man gar nicht, bei welcher Schlagzeile, einem zuerst das Lachen und dann die Tränen kommen sollen....

    Ich hoffe F.von der Leyen, stellt als erste, für ihre Kinder, eine
    weitergebildete Verkäuferin (Pädagogin) ein.

    Übrigens, ich möchte hier ausdrücklich darauf hinweisen, ich habe
    höchsten Respekt vor der Arbeitsleistung der Schleckermitarbeiter!

    23 Leserempfehlungen
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    >> Ich hoffe F.von der Leyen, stellt als erste, für ihre Kinder, eine weitergebildete Verkäuferin (Pädagogin) ein. <<

    Dass das nicht so ist, da können Sie ganz sicher sein. Sollte es tatsächlich noch Kinder von den "von der Leyens" bundesweit geben, die noch keinen Privatkindergarten besuchen, wird sich bei der Einteilung des Kräfte eine "helfende" Hand finden, die dafür sorgt, dass das schön getrennt bleibt, die Schleckergärtnerinnen im Problemviertel, und die richtig Ausgebildeten in der gepflegten Vorstadt.

    Nur konsequent, die Spaltung der Gesellschaft auch auf dieses Gebiet auszudehnen.

    Jede Mutter ist ...

    ach so, der Vater also nicht......

    in welcher Welt leben sie eigentlich ????

    Übrigens bei solchen Sätzen "Diese Ausbildung ist vor allem bei Problem- und Konfliktfällen angebracht, aber für normale Kindern kaum erforderlich." wird mir schlecht!

    Was ist ein normales Kind ??????????????????????????????????

    ...da wird ständig darüber diskutiert, wie wir es schaffen könnnen frühkindliche Bildung und Förderung voranzutreiben und dann so ein Vorschlag. Mal schnell zum Erzieher umschulen. Sicherlich muss nicht jede Mutter Akademikerin sein... wenn ich diesen Job jedoch professionel machen will, sollte ich schon über mehr als ein paar Grundlagen verfügen. Das zeigt mal wieder als wie wichtig Erziehung in Deutschland gesehen wird. Warum lernt man eigentlich nicht endlich mal von Ländern wo es sehr gut funktioniert? Dort kann nicht jeder Depp Erzieher werden (damit meine ich jetzt nicht die Schlecker-Mitarbeiter). Wenn ich mir überlege, dass gerade Menschen mit dem niedrigsten Bildungsabschluss Erzieher werden können, da frage ich mich schon wo ich eigentlich lebe.

    >> Ich hoffe F.von der Leyen, stellt als erste, für ihre Kinder, eine weitergebildete Verkäuferin (Pädagogin) ein. <<

    Dass das nicht so ist, da können Sie ganz sicher sein. Sollte es tatsächlich noch Kinder von den "von der Leyens" bundesweit geben, die noch keinen Privatkindergarten besuchen, wird sich bei der Einteilung des Kräfte eine "helfende" Hand finden, die dafür sorgt, dass das schön getrennt bleibt, die Schleckergärtnerinnen im Problemviertel, und die richtig Ausgebildeten in der gepflegten Vorstadt.

    Nur konsequent, die Spaltung der Gesellschaft auch auf dieses Gebiet auszudehnen.

    Jede Mutter ist ...

    ach so, der Vater also nicht......

    in welcher Welt leben sie eigentlich ????

    Übrigens bei solchen Sätzen "Diese Ausbildung ist vor allem bei Problem- und Konfliktfällen angebracht, aber für normale Kindern kaum erforderlich." wird mir schlecht!

    Was ist ein normales Kind ??????????????????????????????????

    ...da wird ständig darüber diskutiert, wie wir es schaffen könnnen frühkindliche Bildung und Förderung voranzutreiben und dann so ein Vorschlag. Mal schnell zum Erzieher umschulen. Sicherlich muss nicht jede Mutter Akademikerin sein... wenn ich diesen Job jedoch professionel machen will, sollte ich schon über mehr als ein paar Grundlagen verfügen. Das zeigt mal wieder als wie wichtig Erziehung in Deutschland gesehen wird. Warum lernt man eigentlich nicht endlich mal von Ländern wo es sehr gut funktioniert? Dort kann nicht jeder Depp Erzieher werden (damit meine ich jetzt nicht die Schlecker-Mitarbeiter). Wenn ich mir überlege, dass gerade Menschen mit dem niedrigsten Bildungsabschluss Erzieher werden können, da frage ich mich schon wo ich eigentlich lebe.

  2. Ich bin dem Vorschlag sehr ambivalent gegenüber eingestellt.

    Einerseits kann es eine sogar sehr erfüllende Aufgabe sein, die für die ein oder andere Verkäuferin eine Weiterentwicklung ist.

    Andererseits sind das beides Jobs, für die man geeignet sein muss!

    Es droht durch Maßnahmen dieser Art eine Abwertung der Berufsbilder Pflege und Erzieher. Wenn wir unsere Kinder und Alten qualifiziert betreut haben wollen, dann kann man daraus keine ABM für Jedermann draus machen! Empathie, emotionale Kompetenz, innere Stabilität, das sind nur einige, "weichere" Faktoren die gefragt sind.

    Es gab schon in den letzten Jahren diese Initiativen, HartzIV-Empfänger im großen Stil zu "qualifizieren". Und dann sieht man plötzlich Weiterbildungsanbieter wie Pilze aus dem Boden schießen, die neben Gabelstaplerfahrern und Lagerarbeiter plötzlich Pflegekräfte - und künftig wohl auch Erzieher ausbilden?!?!

    Das kann und darf nicht die Lösung sein! Aber ich habe das Gefühl, dass Frau vdL mal wieder derart abgehoben in ihrem Elfenbeinturm sitzt, dass sie diese Realität und ihre Konsequenzen nicht mitbekommt.

    19 Leserempfehlungen
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    dürfte zeit ihres Lebens sehr gepampert worden sein; die Realität der heutigen Welt hat sie vermutlich nie kennengelernt. Mit Sicherheit hatte sie früher und hat vermutlich noch heute Angestellte: Hausmädchen, Erzieher und Betreuer für die Kinder, Köchin und Putzfrau etc, den Chauffeur stellt ihr ja der Staat.

    Umschulung? Eine reguläre Ausbildung zur Erzieherin dauert fünf Jahre, wo bleibt die Qualität wenn man die Berufsbezeichnung nun auch durch eine Umschulung erhalten kann?

    Die Idee, ist grundsätzlihc nicht verkehrt, nur die Ausgestalltung und der Sinn sollte gut überdacht werden. M.E. wäre es Sinnvoll die im nachhinein Qualifizierten zusätzlich zu den bereits vorhandenen Stellen aufzustocken. Wenn es aber darauf hinausläuft, dass dann die Fachkräfte in Kitas und Altenheimen abgebaut werden, weil es ja auch mit billigeren Arbeitskräften zu machen ist, dann läuft das alles in die vollkommen falsche Richtung.

    Wann sieht unsere Regierung endlich ein, dass auf unserem Arbeitsmarkt leider nicht mehr jede einzelne Person gebraucht werden kann und lässt sich für diese mal etwas einfallen wie sie ihr Leben trotzdem noch lebenswert gestalten können!???

    dürfte zeit ihres Lebens sehr gepampert worden sein; die Realität der heutigen Welt hat sie vermutlich nie kennengelernt. Mit Sicherheit hatte sie früher und hat vermutlich noch heute Angestellte: Hausmädchen, Erzieher und Betreuer für die Kinder, Köchin und Putzfrau etc, den Chauffeur stellt ihr ja der Staat.

    Umschulung? Eine reguläre Ausbildung zur Erzieherin dauert fünf Jahre, wo bleibt die Qualität wenn man die Berufsbezeichnung nun auch durch eine Umschulung erhalten kann?

    Die Idee, ist grundsätzlihc nicht verkehrt, nur die Ausgestalltung und der Sinn sollte gut überdacht werden. M.E. wäre es Sinnvoll die im nachhinein Qualifizierten zusätzlich zu den bereits vorhandenen Stellen aufzustocken. Wenn es aber darauf hinausläuft, dass dann die Fachkräfte in Kitas und Altenheimen abgebaut werden, weil es ja auch mit billigeren Arbeitskräften zu machen ist, dann läuft das alles in die vollkommen falsche Richtung.

    Wann sieht unsere Regierung endlich ein, dass auf unserem Arbeitsmarkt leider nicht mehr jede einzelne Person gebraucht werden kann und lässt sich für diese mal etwas einfallen wie sie ihr Leben trotzdem noch lebenswert gestalten können!???

  3. ...und sollte dann bald die ein oder andere Autofirma pleite gehen, dann machen wir aus ihnen Ärzte, wenn es mal an solchen mangeln wird. Lasst uns die Lückem füllen mit dem was gerade zur Hand ist.
    Ein greifbareres Beispiel zu meinem ironischen Kommentar? Ich fülle im Bad die Fugen doch auch nicht mit Kaugummi weil grad kein Silikon da ist!

    Hiermit möchte ich keinen der Schlecker-Mitarbeiter angreifen, im Gegenteil! Ich bin mir sicher, dass unter ihnen einige tatkräftige und kompetente Mitarbeiter sind! Ich finde es nur eine Unverschämtheit über die Köpfe der Betroffenen hinweg die Fehler der Politik ausgleichen zu wollen - in gewisser Weise auf dem Unglück anderer Leute.
    Wenn ein Mitarbeiter gerne eine Umschulung machen möchte, dann fände ich eine Unterstützung mehr als gerechtfertigt - aber warum nicht z.B. auch zum Bäcker?

    15 Leserempfehlungen
  4. man sollte auch den Einsatz als Nuklearphysiker überprüfen, hier sind auch dringend Arbeitskräfte von Nöten.

    Nein im ernst, dieser Vorschlag ist respektlos den ehemaligen Schlecker Mitarbeitern gegenüber, sowie Erzieherinnen und Pflegepersonal gegenüber.

    Ich habe Hochachtung und Respekt für sicherlich viele und gute Mitarbeiter von Schlecker, aber die Arbeit bei Schlecker qualifiziert weder für Pädagogische Professionalität, noch für den korrekten Umgang in der Alten und Krankenpflege.

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    Frau v.d.Leyen hören - sie meint doch, sie hätte gerade das Patentrezept entdeckt :-).

    Frau v.d.Leyen hören - sie meint doch, sie hätte gerade das Patentrezept entdeckt :-).

  5. wohl entscheident was die Mitarbeiter möchten, ihnen vorzuschreiben seitens des Ministeriums und der Gewerkschaft was sie zukünftig machen sollen empfinde ich als anmaßend und unverschämt.

    Eine Verschnaufpause und darüber nachdenken wie es weiter gehen soll hat doch wohl jede/r der entlassen wurde oder noch wird.

    14 Leserempfehlungen
  6. Frau Leyen meint vermutlich, wer vordem schon Billiglöhner war, könne auch weiter Billiglöhner bleiben - von der Schleckerkasse zum Altenheim und als Pfleger arbeiten, ist ja auch nur ein Katzensprung.
    Das ist in meinen Augen Zynismus pur und ich würde Frau v.d. Leyen mal dringend empfehlen, nur für vier Wochen als Altenpflegerin und für das Gehalt eines Altenpflegers zu arbeiten, am besten über eine Zeitarbeitsfirma.
    'Viele Schlecker-Beschäftigte hätten wertvolle Berufserfahrung und würden auf dem Arbeitsmarkt gesucht.', so äußerte sich Herr Weise, der mutmaßlich mit mehreren Tausend Euro im Monat nachhause geht - bei 25000 offenen Stellen und über 300.000 Arbeitssuchenden ist das Finden eines neuen Arbeitsplatzes (ich will es nicht Job nennen, diese Bezeichnung setzt sich sowieso immer mehr und mehr durch und stört mich seit langem) auch sicherlich ein Klacks.
    Wie kommt es eigentlich, daß solche Leute mit so hochdotierten Positionen meinen, sich auch noch zynisch (jedenfalls in meinen Augen) äußern zu dürfen?

    Die Schleckerfrauen haben meine volle Solidarität - und Anton Schlecker sollte dafür zur Rechenschaft gezogen werden, daß er noch vor kurzem ein Logistikzentrum in Österreich an seine Kinder verscherbelt hat, obwohl die Insolvenz schon abzusehen war.
    http://www.spiegel.de/wir...

    14 Leserempfehlungen
    • Stroke
    • 07.06.2012 um 20:49 Uhr

    Die Arbeit in Kitas ist nervenaufreibend und anstrengend, Altenpfleger ein extrem aufreibender Job, den die meisten Pflegerinnen nicht viel mehr als fünf Jahre aushalten, dann droht das "Burn-out".

    Mit der relativ ruhigen Arbeit in den damaligen Schleckerfilialen haben die empfohlenen Tätigkeiten wenig zu tun. Das einzige Gemeinsame dieser Jobs: die extrem miese Bezahlung und dass sie dem klischeehaften deutschen Rollenbild für erwerbstätige Frauen entsprechen, das ausgerechnet von einer PolitikerIn bedient wird.

    12 Leserempfehlungen
    Antwort auf
  7. die brauchen dafür auch keine weiterbildung.

    Abräumen und kassieren können die heute schon!

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