FinanzkriseBankenrettung in Spanien soll bis zu 62 Milliarden Euro kosten

Eine deutsche und eine US-Beratungsfirma haben den Finanzbedarf spanischer Banken errechnet: Demnach könnten die Euro-Länder deutlich billiger wegkommen als befürchtet.

Das Bankia-Hauptgebäude in Madrid

Das Bankia-Hauptgebäude in Madrid  |  © Denis Doyle/Getty Images

Die angeschlagenen spanischen Banken benötigen im schlimmsten Fall bis zu 62 Milliarden Euro. Das geht aus zwei Gutachten von Beratungsagenturen hervor. Laut einem Gutachten der US-Beratungsfirma Oliver Wyman beläuft sich der Mindestbedarf des angeschlagenen Bankensektors auf 16 bis 25 Milliarden Euro. Sollte sich ihr Zustand weiter verschlechtern, müssten sie demnach jedoch mit 51 bis 62 Milliarden Euro unterstützt werden.

Die deutsche Beratungsfirma Roland Berger kam dagegen in einem separaten Gutachten auf einen Minimalbedarf von 25,6 Milliarden Euro. Im schlimmsten Fall könnte dieser Bedarf auf bis zu 51,8 Milliarden Euro steigen, schätzten die Experten. Die beiden Beratungsfirmen waren beauftragt worden, den gesamten seit dem Zusammenbruch der Immobilienblase 2008 geschwächten Bankensektor zu überprüfen. Der Vize-Gouverneur der spanischen Zentralbank, Fernando Restoy, stellte beide Gutachten gemeinsam vor.

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Die Euro-Länder haben Spanien bereits Mittel in Höhe von bis zu 100 Milliarden Euro aus dem Euro-Rettungsfonds in Aussicht gestellt. Der Koordinator der Euro-Gruppe, Thomas Wieser, hatte jedoch schon angekündigt, der Finanzbedarf werde "bei Weitem" unter den 100 Milliarden liegen. Der Betrag der Finanzhilfe solle einen Sicherheitspuffer enthalten und werde daher über dem ermittelten Bedarf liegen. Der offizielle Antrag Madrids auf Notkredite von den Euro-Partnern steht noch aus.

Spaniens Finanzminister Luis de Guindos sagte in Luxemburg vor einem Treffen der Euro-Gruppe, seine Regierung wolle "in den kommenden Tagen" offiziell um Hilfe aus dem Euro-Rettungsfonds für den angeschlagenen Bankensektor des Landes bitten. Dieser Schritt sei nur noch eine "reine Formalie".

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte zum Thema Spanien: "Es geht alles seinen geregelten und geordneten Gang." Es gebe zu dem vereinbarten Fahrplan keine Veränderungen – es müssten also erst mal die Zahlen vorliegen, bevor es ein Gesuch gebe, sagte er ebenfalls am Rande von Beratungen der Euro-Finanzminister in Luxemburg.

Das Euro-Schwergewicht Spanien steht angesichts seiner heftigen Bankenkrise unter dem Druck der Finanzmärkte und muss hohe Risikoprämien für seine langfristigen Staatsanleihen zahlen.

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    • Quelle ZEIT ONLINE
    • Schlagworte Euro | Spanien | Finanzkrise | CDU | Wolfgang Schäuble | Roland Berger
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