Ratingagentur Moody's : Spaniens Bonität sinkt um drei Stufen

Die Ratingagentur Moody's hat die Kreditwürdigkeit Spaniens herabgestuft. Sie liegt nun knapp über Ramsch-Niveau. Grund: Das Hilfspaket der Euro-Staaten für die Banken.

Die Ratingagentur Moody's hat Spaniens Kreditwürdigkeit herabgestuft . Die Bonität des Landes sank um drei Stufen von der Note A3 auf die Note BAA3, wie  Moody's mitteilte. Damit liegt die Kreditwürdigkeit nur noch eine Note über dem sogenannten Ramschniveau. Zudem droht Moody's gleich eine weitere Herabstufung an. Darüber will die Agentur spätestens in drei Monaten entscheiden.

Die Herabsetzung erfolgte wenige Tage nach einer Herabstufung des Landes durch die Agentur Fitch. Zudem hatte erst vor Kurzem die EU Spaniens wirtschaftlich geschwächten Banken bis zu 100 Milliarden Euro Kredit zugesagt. Das Hilfspaket werde Spaniens Schuldenlast weiter erhöhen, erklärte Moody's zur Begründung.

Zudem habe das Land derzeit nur einen sehr begrenzten Zugang zu den Kapitalmärkten. So steige zum einen die Abhängigkeit von Hilfen durch den derzeitige Euro-Rettungsfonds EFSF und dem künftigen Dauerfonds ESM, zum anderen würden derzeit überwiegend einheimische Finanzinstitute bei anstehenden Auktionen als Käufer auftreten. Die schwache konjunkturelle Entwicklung in Spanien schränke zudem die finanziellen Spielräume des Landes weiter ein.

Mögliche weitere Herabstufung

Ob das Land weiter herabgestuft werde, hänge von den Bedingungen der Hilfe und der Form der Bankenrekapitalisierung ab. Auch mögliche weitere Initiativen auf der Ebene der Euro-Zone spielten eine Rolle. Die Gefahren für das Rating von Spanien und anderer Euro-Länder würden zudem steigen, falls das Risiko eines Austritts Griechenlands aus der Euro-Zone zunehme .

Spanien ist finanziell in Bedrängnis, weil es seinen Bankensektor vor dem Zusammenbruch bewahren muss. Dafür können der EFSF und ESM Hilfen vergeben, die an weniger strenge Auflagen als etwa die Hilfen für Griechenland geknüpft sind . Das vor knapp einem Jahr beschlossene Instrument wurde bislang noch nicht angewandt.

Nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) brauchen die spanischen Banken mindestens 40 Milliarden Euro, womöglich aber auch das Eineinhalb- bis Zweifache dessen, um die Märkte zu beruhigen.

Verlagsangebot

Entdecken Sie mehr.

Lernen Sie DIE ZEIT 4 Wochen lang im Digital-Paket zum Probepreis kennen.

Hier testen

Kommentare

24 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Dreimal Fußball - erst an 6. Stelle das neue 100-Milliardenloch

Die ZEIT muss sich überlegen, welchen Einfluss sie auf die Euromantik hatte.

Spätestens in 4 Monaten ist Deutschland sein 'AAA'-Rating los. Der Wahnsinn sind Tür und Tor geöffnet.

Nun soll Pleite-Italien (...oder anders gesagt: dort weiß der Privatsektor sein Geld zusammen zu halten, Deutschland wird schon zahlen (Aussage von Anton Börner, Außenhandelspräsident), welches für 22% des EFSF steht, für 6% Zinsen Milliardenkredite beschaffen, um sie anschließend für 3% an Spanien weiterzureichen.

Schlüpfen die Iberer endgültig unter den Rettungsschirm, scheidet dieser Staat aus der 'Haftergruppe' aus, wodurch der deutsche Anteil signifikant steigen würde. Seriöse Berichterstatter (etwa der US-Finanzblog "Zero Hedge") haben die Ponzi-Math schon vor 1 1/2 Jahren vorgerechnet.

bizarre dynamik der krise

Der spanische Staat muss gewaltige Schulden aufnehmen, um seinen Bankensektor zu retten. Damit er sich diese Schulden leisten kann, bekommt er das Geld billig vom EFSF und ESM geliehen; dieses Geld stellt er seinen Banken dann ebenso billig zur Verfügung. Wegen seiner zunehmenden Schuldenlast und des schwachen Wirtschaftswachstums sinkt die Bonität des spanischen Staates, während die Zinslast für seine Schulden immer weiter steigt. Um seine steigende Schuldenlast zu finanzieren, muss der spanische Staat neue Anleihen herausgeben, welche vor allem von den von ihm geretteten spanischen Banken gekauft werden.

Also in kurz, der spanische Staat verleiht für niedrige Zinsen Geld an seine Banken, welche wiederum spanische Staatsanleihen kaufen, für welche der spanische Staat hohe Zinsen zahlen muss. Ist es wirklich so aberwitzig, wie es aussieht?