BankenrettungSpanien soll in Kürze EU-Hilfen beantragen

Spaniens Regierung schafft es nicht, die angeschlagenen Banken selbst zu sanieren. Schon am Wochenende könnte das Land Hilfen des Rettungsschirms EFSF anfordern. von dpa und reuters

Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy

Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy  |  © Pierre-Philippe Marcou/AFP/Getty Images

Spanien wird nach Informationen von Insidern voraussichtlich noch am Wochenende beim Euro-Rettungsfonds EFSF einen Antrag auf Hilfe für seine angeschlagenen Banken stellen. Im Laufe des Tages wird zudem mit der Einschätzung des Internationalen Währungsfonds ( IWF ) gerechnet, wie viel Geld die spanischen Institute tatsächlich benötigen.

Bisher liegt der EU noch kein Antrag auf Finanzhilfen vor. "Es gibt keine Neuigkeiten zu einer spanischen Anfrage", sagte der Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn . Die passenden Instrumente stünden aber bereit, wenn Spanien sie benötigen sollte. Die deutsche Regierung will keinen Druck auf Spanien ausüben. Kanzlerin Angela Merkel sagte, dass diese Entscheidung bei der Regierung in Madrid liege und das Land den Antrag selbst stellen müsse.

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Die spanischen Banken sind wegen geplatzter Immobilienkredite unter Druck geraten und brauchen bis zu 100 Milliarden Euro Sanierungshilfen . Spanien selbst dürfte nach Ansicht von Experten überfordert sein. Allein die Großbank Bankia braucht vom Staat für ihre Sanierung insgesamt mehr als 23 Milliarden Euro. Der Staat hat aber selbst Probleme an Geld zu kommen. Er kann es sich auch nicht ohne weiteres auf den Kapitalmärkten besorgen, weil Spanien – wie Finanzminister Christóbol Montoro zuletzt selbst einräumte – dort keine Kredite zu erschwinglichen Bedingungen mehr erhält.

Spanische Regierung hält sich bedeckt

Hilfen aus dem EFSF sind mit Auflagen der EU für den spanischen Finanzsektor verbunden. Die Auflagen würden aber nicht so hart ausfallen wie für Griechenland oder Portugal . Die im Herbst verabschiedeten Leitlinien des EFSF sähen die Möglichkeit eines reinen Bankenrettungsprogramms vor, sagte der Ökonom Jens Boysen-Hogrefe vom Institut für Weltwirtschaft (IfW)."Spanien müsste daher nicht bei jeder Tranche, die vom EFSF ausgezahlt wird, seine gesamte Finanz- und Wirtschaftspolitik durchleuchten lassen."

Die Regierung in Madrid hielt sich zunächst bedeckt. Eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums sagte: "Wir können nicht jede zehn Minuten Berichte kommentieren, die in der Presse auftauchen. Die gestrigen Äußerungen des Ministerpräsidenten Mariano Rajoy bleiben gültig: Spanien wird zuerst die Gutachten der Prüfungsgesellschaften abwarten, bevor eine Entscheidung getroffen wird."

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Leserkommentare
  1. Gestern verneint & ausgeschlossen & heute beantragt. Und so läuft es mit jedem und allen seit "die Krise" (TM) begonnen hat...

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    Jetzt geht das ganze Spiel von vorne los: Erst wird gesagt, man wolle auf keinen Fall Geld aus dem Schirm. Dann erklärt man sich gnädig doch bereit, die Hilfsmilliarden anzunehmen und regt sich darüber auf, dass es nur Kredite sind, die zu 6% Zinsen gezahlt werden, so dass Deutschland angeblich ein gutes Geschäft macht. Und am Ende kommt der Schuldenschnitt und das Geld ist weg...

    • joG
    • 08. Juni 2012 15:01 Uhr

    ....wie die in griechische Anleihen abschreiben müssen? Wenn nicht, warum nicht?

    danke dafür
    die kommt ins ewige register

    ehrerbitig
    lentz

  2. 2. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Polemik und argumentieren Sie sachlich. Danke, die Redaktion/mk

    2 Leserempfehlungen
  3. 4 Jahre Zeit gehabt und nichts hat sich geändert. Bank pleite gehen lassen und die 100 Milliarden direkt den Spaniern auszahlen, macht 2000€ pro Person.

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    ...und zusätzlich den Mastrichtvertrag ändern und direkt von der EZB die Anschubfinanzierungen für Investitionen auszahlen.
    Denn die Rettung spanischer Banken macht die dicken Fische unter den Banken zurzeit noch fetter. Für 1 % von der EZB bekommen und für 16% an Spanien verleihen, garantiert z.B. dem neuen Chef der Deutschen Bank einen mindestens ebenso großen Gewinn wie seinem Vorgänger. 10 Milliarden in einem Jahr Gewinn können mit dem ESFS noch deutlich überboten werden.
    Jungs und Mädels, dass wird noch höchst interessant. Mal sehen wer von den Banken und den Gläubigern den größten Erfolgsbonus bekommt.

  4. Jetzt geht das ganze Spiel von vorne los: Erst wird gesagt, man wolle auf keinen Fall Geld aus dem Schirm. Dann erklärt man sich gnädig doch bereit, die Hilfsmilliarden anzunehmen und regt sich darüber auf, dass es nur Kredite sind, die zu 6% Zinsen gezahlt werden, so dass Deutschland angeblich ein gutes Geschäft macht. Und am Ende kommt der Schuldenschnitt und das Geld ist weg...

    2 Leserempfehlungen
  5. 5. [...]

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen Argumenten an der konkreten Artikeldiskussion. Danke, die Redaktion/mk

    Eine Leserempfehlung
  6. und wird den Deutschen Steuerzahler wieder richtig viel Geld kosten!
    Dabei erschein es mir sooo absurd das Deutschland jetzt für Schlaperei in Spanischen Immobilien geradestehen muss!
    Das haben Mitterand und Kohl mit dem Teuro tatsaechlich sehr gut hinbekommen !

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    • joG
    • 08. Juni 2012 15:06 Uhr

    ...nur wollten das die Politiker nicht sagen. Nun kommt es darauf an, wie man damit umgeht. Werden die Steuerzahler einspringen? Werden die Investoren in spanische Anleihen bluten müssen? Werden die Verursacher, also die Politiker haften? Warum sollten Beamte ihre Pensionen bekommen, wenn die Anleihen nicht bezahlt werden?

    Im Falle Spaniens allerdings muss man zugeben, dass der Bankrott nicht so weitläufig und früh erkannt wurde wie die Pleite Griechenlands.

    • joG
    • 08. Juni 2012 15:01 Uhr

    ....wie die in griechische Anleihen abschreiben müssen? Wenn nicht, warum nicht?

    • joG
    • 08. Juni 2012 15:06 Uhr

    ...nur wollten das die Politiker nicht sagen. Nun kommt es darauf an, wie man damit umgeht. Werden die Steuerzahler einspringen? Werden die Investoren in spanische Anleihen bluten müssen? Werden die Verursacher, also die Politiker haften? Warum sollten Beamte ihre Pensionen bekommen, wenn die Anleihen nicht bezahlt werden?

    Im Falle Spaniens allerdings muss man zugeben, dass der Bankrott nicht so weitläufig und früh erkannt wurde wie die Pleite Griechenlands.

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    • TDU
    • 08. Juni 2012 19:07 Uhr

    Aber die ständig steigende Verschuldung von ca. 4 auf ca 40 von 2005 bis 2008 hätten sie auch bemerken können. Und bankrott? Die können die Zinsen für frisches Geld nicht zahlen. Die Bedingungen haben sich geändert. So wie Häuslebauer, deren Zisnsatz durch Heuschrecken von 4,5 auf 9% gestiegen ist.

    Bei einer Wirtschaftsunion und quasi Eurobonds vor der Krise wäre das nicht passiert. Deutschland hat noch Luft. Und jeher die auf die Beine kommen, um so besser.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters, dpa
  • Schlagworte Spanien | Europäische Union | Angela Merkel | Wirtschaftsministerium | Wirtschaftspolitik | Bank
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