Staatsverschuldung : Spaniens Rating knapp über Ramsch-Niveau

Der Druck auf Spanien wächst: Die Rating-Agentur Fitch senkt die Bonität des überschuldeten Landes um drei Noten. Die Zinsen für spanische Anleihen sind weiter gestiegen.
Die spanische Fahne weht über der Nationalbank in Madrid. © Paul Hanna/Reuters

Die Rating-Agentur Fitch hat die Bonitätsnote Spaniens um drei Stufen gesenkt. Die Bewertung wurde von A auf BBB gesetzt, teilte Fitch mit. Damit wird das hoch verschuldete Land nur noch zwei Stufen über Ramsch-Niveau bewertet.

Die Rating-Agentur setzte zudem den Ausblick auf negativ und signalisierte damit, dass eine weitere Verschlechterung in der Bewertung droht. Das Land sei wegen seiner hohen Auslandsverschuldung besonders anfällig für eine Verschärfung der Schuldenkrise .

Als Hauptbegründung für die Entscheidung nannte das Rating-Unternehmen die hohen Kosten, die Spanien wahrscheinlich bei der Sanierung des maroden Bankensektors bevorstehen. Fitch sieht den nötigen Mittelaufwand zwischen 60 und 100 Milliarden Euro .

Zinsen für Anleihen steigen

Vor diesem Hintergrund dürfte es für die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone immer teurer und schwieriger werden, sich Geld von Investoren zu besorgen.

Am Donnerstag musste Spanien am Anleihemarkt bereits höhere Zinsen für Staatsanleihen bezahlen. Bei einer Auktion verlangten Investoren für Papiere mit einer Laufzeit von zehn Jahren Zinsen von 6,044 Prozent. Im April waren es noch 5,743 Prozent. Damit wird die Finanzierung der Schulden für Spanien immer schwieriger.

Im April hatte die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) die Kreditwürdigkeit bereits um zwei Stufen von A auf BBB+ herabgestuft.
 

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Kommentare

38 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Es ist wunderbar, welch Spektakel uns ....

....geboten wird. Wer bekommt soviel Spaß für sein Geld? Wenn Spanien 60-100 Milliarden selbst einholen müssen über die normale Staatsfinanzierung hinaus, ich meine da sprechen wir über einen guten Teil des Bundeshaushalts zusätzlich, und schon jetzt 6% zahlen müsse für nicht einmal 3 Milliarden, dann wir es noch sehr heiter.

Wenn man bedenkt, dass ein festes Wort der Euroländer vor zwei Jahren uns die ganze Lustigkeit genommen hätte. Nein! Daran möchte ich nicht denken.

Märchen!

Es hätte mitnichten ein "festes Wort" ausgereicht. Man hätte wirklich Geld bezahlen müssen (entweder direkt oder in Form von Krediten). Griechenland hatte nämlich ein Primärdefizit von ca. 10 %, ein Leistungsbilanzdefizit von >10% des BIP.
Außerdem wäre dieses "feste Wort" moralisch fragwürdig gewesen: Wenn man ein Wort gibt, soll man es auch einhalten -- man hätte also, falls die Märkte die Bereitschaft zur Hilfe auch wirklich getestet hätten (und das hätten sie wahrscheinlich), tatsächlich sehr viel Geld auf den Tisch legen müssen oder verlöre seine Glaubwürdigkeit. Und wenn man dies täte, wäre es unmoralisch, denn mit welchem Recht wird das parasitäre Verhalten Griechenlands finanziert? Warum finanziert man dann nicht gleich jedes Land der Welt?
Die einzig richtige Entscheidung wäre gewesen, uns auf die No-Bailout-Klausel zu berufen und Griechenland pleite gehen zu lassen. Dann hätten wir uns dieses Spektakel erspart und wären jetzt nicht der Buhmann für alles und jeden.

Natürlich waren Verluste da.....

....und nicht mehr vermeidbar. Es ging aber nicht nur darum, wer sie nimmt. Es ging darum sie möglichst gering zu halten. Durch das lange Zaudern sind die Verluste aber gestiegen, weil die Ängste wuchsen und Geld abgezogen wurde. Dieses Geld fehlt an allen Ecken und Enden der Wirtschaft, Anlagepreise fallen und nun sind bspw die spanischen (aber auch andere) Banken pleite und/oder pleite.

Diese Angst getriebenen Verluste hätte man durch glaubwürdiges Auftreten und dem "Bazooka" minimieren können. Statt dessen lavierte man in bekannter verlogener Art europäischer Politik herum und machte aus einer schlechten Situation eine Katastrophe.

es nervt wirklich

Die ständigen Hiobsbotschaften nerven mich... Kann man das ganze bitte einmal ins richtige Verhältnis setzen: Wie hoch waren die Zinsen, die Spanien am Kapitalmarkt vor der Euro Einführung zahlen musste ?

Warum soll die Zinslast für alle Staaten im Euroraum gleich hoch sein ? Das jetzige Theater der Ratin Agenturen soll vielleicht nur von der Schuldenkrise in den USA oder in GB ablenken. Oder es soll mehr Druck auf Deutschland erzeugt werden jetzt Euro Bonds zuzustimmen und so die Zinsgewinne auf ewig abzusichern.

Früher oder später werden sich die Märkte aber wieder beruhigen, wenn sich Investoren überlegen, ob ihr Geld in Pakistan oder Venezuela wirklich sicherer angelegt ist als in Spanien oder Italien.

Dann sollten die Spanier froh sein...

... denn vor der Euroeinführung haben sie 12% für eine Anleihe geblecht. Mit Euroeinführung senkte sich der Zinssatz auf deutsches Niveau!

Der Markt bereinigt sich endlich, wenn Griechenland am Markt leihen würden, dann müssten die schon ca 15% zahlen.

Ich bin für unterschiedliche Zinssätze der Staaten, weil es einfach Realität ist.
Eurobonds ja gerne, aber bitte mit System: Gewissen Prozentsatz der Gesamtleistung des Euroraums wird als Anleihen ausgegeben, die werden prozentual verteilt(,d.h. Deutschland und Frankreich haben einen Bärenanteil). Haftung gemeinsam von allen Eurostaaten. Wenn den Staaten die Einnahmen via Eurobonds nicht reichen, sollen sie am Kapitalmarkt mit Zinsaufschlägen mehr Geld leihen, dann gibt es keine Schuldenexzesse und Transferunion mehr....

Abwertung unmöglich

Im Gegensatz zu früher können die Südländer aber nicht mehr ihre Währung abwerten. Damit bleibt nur die innere Abwertung, was nichts anderes bedeutet, als den massiven Wohlstandsverlust und der Rückfall auf ein Drittwelt-Niveau.
Es glaubt doch wohl keiner ernsthaft, daß sich zum Wohle der deutschen Exportindustrie die Südperipherie dauerhaft mit 25% Arbeitslosigkeit abfinden wird?

Entweder Deutschland zahlt (per Eurobonds oder gemeinschaftlicher Haushalts- und Finanzpolitik, quasi Souveränitätsabgabe), oder der Euro und wahrscheinlich auch die EU werden demnächst Geschichte sein.
Ich denke, so einfach lässt sich die Lage darstellen.

Die Entscheidungen und Ereignisse der nächsten Wochen könnten wahrscheinlich in ihrer Bedeutung durchaus historischen Charakter annehmen und die Geschichte des Kontinents für die nächsten 50 Jahre prägen. Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sagen würde, aber mir wäre momentan wesentlich wohler, wenn der Kanzler noch Kohl hiesse.

Kohl / Merkel

Ich bin beleibe kein CDU-Anhänger, aber ich hatte bei Kohl immer das Gefühl, dass er als Historiker die historische Wichtigkeit der europäischen Thematik sowie die Befindlichkeiten der Nachbarn erkannte und verstand.
Während Merkel eine Art Wankelmut, Unsicherheit sowie grosse Beeinflussbarkeit an den Tag legt, die seit September 2008 Fehlentscheidungen en masse produziert hat.

Kein Verstaendnis

Tja, Zeiten aendern sich und damit auch Politiker Gesellschaft, Einsichen, Selbstverstaendnis, Ideale usw.

Offensichtlich ist es der alten Generation nicht gelungen ein fundamentales Verstaendnis - hier gerade in Bezug den Auf- und Ausbau des Hauses Europa zu vermitteln.

In der Folge hat man sie eingemottet und weiss mit dem Erbe garnichts anzufangen. Offensichtlich wird dieses Erbe wie ein Stein um den Hals empfunden und dementsprechend planlos und ohne Sachbezug segelt Politik und Gesellschaft unbekannten Zeiten und Zielen entgegen.

Spanien muss und wird den argentinischen Weg gehen

Zahlungsunfähigkeit erklären und eine neue spanische Währung ausrufen. Verstaatlichung des Bankensystems und einen 10jährigen steinigen Weg mit Unterstützung der EU gehen.

Die Schockwellen der Einzelstaaten auf den EURO muss beendet werden. Die Schuldfrage ist im nachhinein unerheblich, wo das Kind in den Brunnen gefallen ist.

Noch ist es aber zu früh, da Spanien nicht nach den EU-Rettungsmitteln greift. Noch hilft sich Spanien selbst. Noch ist der "argentinische Weg der Staatsbankrotterklärung" fern. Der Weg ist aber nicht "unehrenhaft". Auch dieser Weg kann mit Stolz begangen werden. Anders als Argentien steht Spanien nicht allein - sondern als festes Partnerland in der EU. Der Weg kann also milder sein und in eine bessere Wirtschaft und verbesserte Exportfähigkeit münden.

Eine "massive Bankenpleite" zu erklären, ist so kontrollierbar. Die neue spanische Währung und ein neues spanisches Bankensystem kann auch ein neuer Anfang bedeuten.

Schuldfrage

" Die Schockwellen der Einzelstaaten auf den EURO muss beendet werden. Die Schuldfrage ist im nachhinein unerheblich, wo das Kind in den Brunnen gefallen ist. "

Doch, die Frage, die Schuldfrage halte ich für emminent wichtig.
Weniger in dem Sinn, die Schuldigen ins Gefängnis zu werfen, als diese - die sich jetzt gerade überall als hemdsärmelige Krisenmanager, talkshowhoppenden Finanzexperten usw. inszenieren, davon abzuhalten, die bestehenden Problem mit den gleichen Methoden zu lösen, mit denen sie verursacht wurden.

Jedesmal wenn versucht wird, das Kind aus dem Brunnen zu ziehen, stürzen weitere in die nasse Tiefe...