Euro-KriseAngela Merkel kann Spanien retten

Spanien ist selbst schuld an der Krise. Aber nur mit europäischer Hilfe kann sie überwunden werden. Gelingt das nicht, sind die Kosten unermesslich.

Angela Merkel (Archivbild)

Angela Merkel (Archivbild)

Am 20. November 2011 gewann Mariano Rajoy, Parteichef der konservativen Partido Popular, die Wahlen in Spanien mit überwältigender Mehrheit. Die Bürger unterstützten seine Reformagenda. Rajoy sollte genau das Gegenteil von dem tun, was sein Vorgänger José Luis Zapatero getan hatte.

Die Wähler hofften, Rajoy könne die wirtschaftlich schlechte Situation in Spanien wenden. Heute, genau sechs Monate später, hat sich die Lage sogar verschlechtert. Die Reformen haben ihr Ziel nicht erreicht, die Refinanzierungskosten des Staats sind so hoch wie nie zuvor in Euro-Zeiten, die Bürger sind enttäuscht, die Regierung scheint überfordert.

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Dabei hat die neue Regierung mit Reformen begonnen, kaum dass sie im Regierungspalast angekommen war. Sie erhöhte Steuern und kürzte Ausgaben. Sie reformierte den Arbeitsmarkt, indem sie Entlassungen für die Arbeitgeber deutlich verbilligte. Sie verabschiedete den nach eigenen Angaben "sparsamsten Staatshaushalt in Zeiten der Demokratie" und ganze drei Reformen des Finanzsystems. Zum ersten Mal wurde sogar die spanische Verfassung geändert, um die Staatsausgaben zu beschränken. Seither darf die öffentliche Hand nicht mehr ausgeben, als sie einnimmt.

Pablo Rodríguez Suanzes
Pablo Rodríguez Suanzes

(@Suanzes) ist Wirtschaftsredakteur der spanischen Tageszeitung El Mundo.

Doch das alles hat nicht gereicht, um die Märkte zu beruhigen. Im Gegenteil: In dieser Woche stiegen die Risikoprämien für spanische Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit auf über sieben Prozent, und der Kurs der Kreditausfallversicherungen (CDS) durchbrach die Marke von 625 Punkten. Beides spiegelt das sinkende Vertrauen der Investoren wider. Unter solchen Bedingungen kann sich Spanien mittelfristig oder sogar kurzfristig nicht mehr am Markt refinanzieren.

Die Bürger Spaniens verstehen nicht, was passiert und warum es passiert. Und an vielen Tagen hat man das Gefühl, die Regierung verstehe es auch nicht. Es gibt keinen Grund, dass Spanien ein ähnlich trauriges Schicksal erleidet wie Griechenland, Portugal oder sogar Irland, dessen Probleme den spanischen ähneln.

Vor der Krise verzeichnete Spanien regelmäßig Haushaltsüberschüsse. In den neunziger Jahren sprach man in ganz Europa vom "spanischen Wunder". Heute bestrafen die Finanzmärkte Spanien, weil sie dem Land nicht mehr trauen – weil Rajoy den tatsächlichen Finanzbedarf der spanischen Banken unterschätzt hat, weil die Prognose für das Haushaltsdefizit zu häufig angepasst wurde, weil die Arbeitslosenrate unglaublich hoch ist. Und weil die Wachstumsaussichten für das laufende Jahr sehr schlecht und  für 2013 trübe sind.

Ohne Europa geht Spanien unter

Spanien hat weitere Reformen versprochen und wird sie in den kommenden Tagen und Wochen auch angehen. Die Mehrwertsteuer wird steigen, wie Brüssel und der Internationale Währungsfonds (IWF) es verlangen. Weitere Sparmaßnahmen wird es ebenso geben wie Privatisierungen. Der Dienstleistungssektor wird flexibilisiert und die Löhne der Beamten werden sinken.

Es stimmt, all das hätte viel früher geschehen müssen – und viele weitere Reformen wurden noch nicht angegangen: das Verwaltungs- und Bildungssystem muss erneuert werden, die Wettbewerbsfähigkeit muss steigen, die Autonomen Regionen Spaniens müssen besser kontrolliert werden. Aber wir müssen auch realistisch und offen akzeptieren: Wenn Europa jetzt nicht handelt, kann Spanien untergehen, und die Reformen werden erst recht nicht angegangen.  

Leserkommentare
  1. ein solcher Blickwinkel ("Es ist wirklich merkwürdig, daß die ZEIT keinen Autor beibringen kann, der die Dinge von der deutschen finanzpolitischen Seite aus beleuchtet.") gälte als nationalistisch, wenn nicht gar rechtsradikal. So wie T. Sarrazin ja mittlerweile unverhohlen als Rechtsradikaler gehandelt wird.

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    Genau. Ein Urteil darüber, was wir zu tun und zu lassen haben, ist ausschließlich Politikern, Journalisten und sonstigen "Experten" von ANDEREN Staaten vorbehalten. Wir selbst haben da den Mund zu halten. Alles andere wäre ja nazistisch und am deutschen Wesen könne schließlich nicht die Welt genesen usw. usf. ... :-)

    Churchill ("Deutschland ist wie ein Schäferhund: entweder zu deinen Füßen oder an deiner Kehle") hat wieder einmal Recht. Die tonangebende publizierende und politische Klasse kann es sich nicht vorstellen, dass Deutschland in angemessener, höflicher Weise seine Interessen vertreten kann, ohne überheblich-nationalistisch oder gar faschistisch zu sein. Vielleicht eine Projektion: weil sie es selbst nicht können, glauben sie, dass es gar nicht anders geht.

    Doch Leute, es geht anders. Man kann angemessene eigene Interessen vertreten, ohne die Anderen als minderwertig anzusehen oder sich selbst zu erhöhen. Und es ist in aller Interesse: Auch der Rest Europas möchte nicht mit einem riesengroßen Schäferhund in seiner Mitte leben müssen. Sondern mit einem selbsgewiss freundlichen Nachbarn, der die Anderen respektiert, weil er auch sich selbst respektiert.

    Genau. Ein Urteil darüber, was wir zu tun und zu lassen haben, ist ausschließlich Politikern, Journalisten und sonstigen "Experten" von ANDEREN Staaten vorbehalten. Wir selbst haben da den Mund zu halten. Alles andere wäre ja nazistisch und am deutschen Wesen könne schließlich nicht die Welt genesen usw. usf. ... :-)

    Churchill ("Deutschland ist wie ein Schäferhund: entweder zu deinen Füßen oder an deiner Kehle") hat wieder einmal Recht. Die tonangebende publizierende und politische Klasse kann es sich nicht vorstellen, dass Deutschland in angemessener, höflicher Weise seine Interessen vertreten kann, ohne überheblich-nationalistisch oder gar faschistisch zu sein. Vielleicht eine Projektion: weil sie es selbst nicht können, glauben sie, dass es gar nicht anders geht.

    Doch Leute, es geht anders. Man kann angemessene eigene Interessen vertreten, ohne die Anderen als minderwertig anzusehen oder sich selbst zu erhöhen. Und es ist in aller Interesse: Auch der Rest Europas möchte nicht mit einem riesengroßen Schäferhund in seiner Mitte leben müssen. Sondern mit einem selbsgewiss freundlichen Nachbarn, der die Anderen respektiert, weil er auch sich selbst respektiert.

  2. Das "Merkel" - besser gesagt: Der deutsche Steuerzahler - Spanien retten "kann", wissen wir selbst. Dafür brauchen wir nicht die Erkenntnisse eines spanischen Zeitungsredakteurs.

    Die Frage ist, warum wir das tun sollten? In anderen Bereichen wie im Delikts- oder Immissionsschutzrecht gilt das Verursacherprinzip. Es besagt kurz, dass derjenige die Folgen der Misere zu tragen hat, der selbige angerichtet hat. Dieser Grundsatz spiegelt fundamentale Erwägungen der Gerechtigkeit wider und zeitigt gegenüber notorisch fahrlässigen Schlendrianen auch einen gewissen Erziehungseffekt. Bisher ist die Welt mit dem Verursacherprinzip auch immer ganz gut gefahren. Warum wir davon abweichen sollten, ist nicht ersichtlich.

    Ach so, die Kosten im Falle der Verweigerung wären ja "unermesslich"? Sorry, die Kosten mögen extrem hoch sein, (er)messen kann man sie aber allemal. Im Übrigen bezweifele ich dass die Kosten bei einem Euro-Crash unter dem Strich wirklich höher wären, als wenn wir auf unbestimmte Zeit jedes Jahr neue 200 Milliarden für irgendwelche Rettungsschirme bereitstellen müssen.

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    Es ist außerdem seltsam, dass nur die Kosten einer verweigerten Rettung "unermesslich" sein sollen. Die Rettung ist anscheinend immer abschätzbar. Dabei sind wir doch jetzt seit über 2 Jahren am retten, nur die Kosten der Rettung sind in der Zeit laufend gestiegen. Wenn man das extrapoliert, sieht es nicht gut aus. Aber nächste Woche retten wir dann garantiert zum letzten Mal. Versprochen ist versprochen.

    Da sowohl Rettung als auch Nicht-Rettung so schwer abzuschätzen sind, sollte man sich vielleicht auf ein paar einfache Prinzipien halten:

    1. Wir halten vereinbarte Regeln ein!
    2. Jeder haftet für seinen eigenen Verantwortungsbereich!
    3. Existenzielle Risiken (also solche, die ich mir nicht leisten kann), sollte ich tunlichst vermeiden!

    Und dann schauen wir uns alle in die Augen und versprechen uns, das wir das Wort "Rettung" nur noch einmal in den Mund nehmen, wenn es zum Unwort des Jahrzehnts erklärt worden ist.

    Es ist außerdem seltsam, dass nur die Kosten einer verweigerten Rettung "unermesslich" sein sollen. Die Rettung ist anscheinend immer abschätzbar. Dabei sind wir doch jetzt seit über 2 Jahren am retten, nur die Kosten der Rettung sind in der Zeit laufend gestiegen. Wenn man das extrapoliert, sieht es nicht gut aus. Aber nächste Woche retten wir dann garantiert zum letzten Mal. Versprochen ist versprochen.

    Da sowohl Rettung als auch Nicht-Rettung so schwer abzuschätzen sind, sollte man sich vielleicht auf ein paar einfache Prinzipien halten:

    1. Wir halten vereinbarte Regeln ein!
    2. Jeder haftet für seinen eigenen Verantwortungsbereich!
    3. Existenzielle Risiken (also solche, die ich mir nicht leisten kann), sollte ich tunlichst vermeiden!

    Und dann schauen wir uns alle in die Augen und versprechen uns, das wir das Wort "Rettung" nur noch einmal in den Mund nehmen, wenn es zum Unwort des Jahrzehnts erklärt worden ist.

  3. Es geht nur noch um
    -Geld
    -Wirtschaft
    -Rohstoffe
    -Militärische Umstürze

    selbst Demokratie ist nur eine Form der Selbstverwaltung der Gesellschaft bei der aber doch eigentlich der mensch und menschlichkeit im Vordergrund stehen sollte.

    Es ist relativ egal ob Spanien "gerettet" wir oder nicht.
    Das Staatenbündnis EU ist sowieso überholt. Die Welt verändert sich aber Deutschland will auf Teufel komm
    raus eine europäisches Reich schaffen um mehr Macht zu erlangen. Diese Idee ist in etwa so überholt und sinnfrei wie 1945 ein tausendjähriges Reich zu errichten.

    Deutschland wird seien Identität und Zukunft vor allem in Deutschland finden und nicht in Euroa.

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    • joG
    • 23.06.2012 um 11:32 Uhr

    ...verfassungsmäßig ähnlich:

    "Zum ersten Mal wurde sogar die spanische Verfassung geändert, um die Staatsausgaben zu beschränken. Seither darf die öffentliche Hand nicht mehr ausgeben, als sie einnimmt."
    und
    "Roland Berger und Oliver Wyman schätzen, dass die spanischen Banken zwischen 16 und 62 Milliarden Euro frisches Kapital benötigen. Diese Summe ist sehr hoch und sie könnte die spanische Staatsschuld in diesem Jahr über die Marke von 85 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen lassen."
    scheinen einen gewissen Konflikt darzustellen. Wie kann es verfassungsmäßig verboten sein ein Defizit zu verabschieden und eines zu machen?

    Eine Leserempfehlung
  4. hieße Schulden mit noch mehr Schulden bekämpfen? Wie lange soll das funktionieren?

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    • joG
    • 23.06.2012 um 13:06 Uhr

    ....bekämpfen verleitet zu unnötiger Vereinfachung, die zwar von Merkel et Alias gewünscht ist, aber wenig wirtschaftliche Kenntnis verrät. Es ist eine Frage der Abläufe. Es ist schon sinnvoll in einer Krise Geld auszugeben und diese Ausgaben mit Krediten zu finanzieren. Diese Schulden muss man dann zurückzahlen, wenn die Wirtschaft läuft. Reduziert man in der Krise seine Ausgaben, so verursacht das eine Verstärkung der Krise. Das Gleiche gilt für die Einführung neuer Steuern, Abgaben oder Regulierung. Auch wenn die neuen Regeln sinnvoll sind, sind ihre Folgen nicht genau bekannt und verursachen Irritationen, Risiken und Verunsicherung. Hierdurch fällt die Investitionsneigung und oft auch die Konsumneigung.

    Ja, ich würde sagen, die Euroländer haben die sich heute ausweitende Rezession zu verantworten. Und: Es war unnötig.

    • joG
    • 23.06.2012 um 13:06 Uhr

    ....bekämpfen verleitet zu unnötiger Vereinfachung, die zwar von Merkel et Alias gewünscht ist, aber wenig wirtschaftliche Kenntnis verrät. Es ist eine Frage der Abläufe. Es ist schon sinnvoll in einer Krise Geld auszugeben und diese Ausgaben mit Krediten zu finanzieren. Diese Schulden muss man dann zurückzahlen, wenn die Wirtschaft läuft. Reduziert man in der Krise seine Ausgaben, so verursacht das eine Verstärkung der Krise. Das Gleiche gilt für die Einführung neuer Steuern, Abgaben oder Regulierung. Auch wenn die neuen Regeln sinnvoll sind, sind ihre Folgen nicht genau bekannt und verursachen Irritationen, Risiken und Verunsicherung. Hierdurch fällt die Investitionsneigung und oft auch die Konsumneigung.

    Ja, ich würde sagen, die Euroländer haben die sich heute ausweitende Rezession zu verantworten. Und: Es war unnötig.

    • Marula
    • 23.06.2012 um 11:33 Uhr

    Arme Frau Merkel. Wieder kommt es einem wie ein antikes Drama vor: Der Chor ruft die Gottheit um Beistand an, kniet nieder und erwartet seine Rettung. Kommt die Rettung nicht, schlägt die Bitte schnell in eine Forderung um und Merkel wird zur verhassten Figur.
    Alle Reden, dass Deutschland mit der Rettung Europas überfordert sei (in dem Artikel meint der Autor, Merkel müsse nicht nur Spanien, sondern auch noch Italien retten), verhallen ungehört.
    Auch wenn der Artikel selbstkritisch genug ist, um nicht zur einseitigen Polemik zu verkommen, so ist es doch gefährlich, den Ruf nach europäischer Integration mit Drohungen (sonst müsst ihr einen hohen Preis zahlen) und egoistischen Forderungen zu verbinden. Damit diskreditiert man immer und immer wieder die Idee der europäischen Einheit.
    So kann das nichts werden und so wird man auch die Menschen nicht für Europa gewinnen.
    Merkel macht es auch nicht besser, wenn sie den Ruf nach "mehr Europa" mit Bankenrettung, Schuldentilgung und riesigen Rettungsfonds verknüpft und einen Zwang zur Politischen Union daraus ableitet.
    Sehr attraktiv ist das nicht, im Gegenteil, es graut einem vor diesem Monster Europa. Das kann sich rächen, wenn die Bürger doch mal nach ihrer Meinung gefragt werden müssen.

    8 Leserempfehlungen
  5. Angela Merkel kann Spanien retten
    Angela Merkel kann Griechenland retten
    Angela Merkel kann Irland retten
    Angela Merkel kann Portugal retten
    Angela Merkel kann ...

    Ist Angela Merkel größenwahnsinnig ? Oder werden wir immer naiver und dümmer ???

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  6. Redaktion
    24. Spanien

    Liebe Leser,

    wenn die Welt doch nur so einfach wäre.

    1. Spanien unternimmt bereits viel, reformiert und spart, trotzdem steigen die Zinsen. In zwei Jahren ist ein solcher Reformprozess einfach nicht zu stemmen – insbesondere nicht in einer Rezession.

    2. Eine Pleite Spaniens und/oder spanischer Banken bliebe – gelinge gesagt – nicht ohne Folgen für Deutschland und den Euro-Raum.

    Es klingt so einfach und plausibel: Jeder muss sich selbst helfen. So funktioniert es aber nicht. Im Gegenteil: Der Laden fliegt uns so um die Ohren, auch wenn es viele nicht wahr haben wollen.

    Oder was glauben Sie, was in Deutschland passiert, wenn Spanien oder Italien den Euro aufgeben und vielleicht sogar in die Staatspleite rutschen. Nichts?

    Herzlichen Gruß aus der Redaktion und ein schönes Wochenende,

    Marcus Gatzke

    4 Leserempfehlungen
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    Genau euer Ansatz hat Europa in die Krise gebracht. Wollt ihr dazu aufrufen, Verträge Verfassungen zu brechen? Und Spanien unternimmt zu wenig und hat vieles VIEL ZU SPÄT getan. Die Kopplung der Löhne an die Inflation ist nur ausgesetzt. Ihr solltet die anderen EU-Staaten mit dem gleichen Maß messen, wie ihr es mit eurer Heimat tut. Ihr geht mit Deutschland viel kritischer um als mit anderen Landeiern. Warum tut ihr das? Warum wird Spanien nicht dazu aufgerufen unter den Rettungsschirm zu gehen? Da wartet die europäische Solidarität.

    "Oder was glauben Sie, was in Deutschland passiert, wenn Spanien oder Italien den Euro aufgeben und vielleicht sogar in die Staatspleite rutschen. Nichts?"

    Hallo Herr Gatzke,

    ja, was passiert denn nun konkret?
    Italien und Spanien zusammen importierten 2011 deutsche Waren im Wert von rund 96 Mrd. €, während der gesamte Export der deutschen Wirtschaft in 2011 einen Wert von 1.473 Mrd. € hatte. Das heisst, selbst bei einem kompletten Zusammenbruch beider Volkswirtschaften würden uns rd. 6,5% des gesamten Exports wegbrechen. Das klingt jetzt für die meisten von uns erst einmal nicht so bedrohlich, auch angesichts der Summen, die zur Rettung der Banken beider Länder zusammenkommen.

    Bitte konkretisieren Sie doch einmal, was genau die Folgen sind. Bisher hören wir ja immer nur vage Andeutungen von Horrorszenarien, alleine die Belegung mit nachvollziehbaren Zahlen und Schlussfolgerungen fehlen. Vielleicht liegt darin die Skepsis begründet, die den Befürwortern einer Euro-Solidargemeinschaft entgegenschlägt. Ein schlichtes "alternativlos" reicht den meisten von uns dummen Steuerzahlern einfach nicht mehr!

    • Jahman
    • 23.06.2012 um 12:16 Uhr

    Liebe Zeit!

    Ja soll uns der Laden doch um die Ohren fliegen, wen interessiert das den schon, außer den Menschen die Besitz und Vermögen haben.
    Das was ihr betreibt, ist Besitzstandswahrung, bloß keine Veränderung oder neugestalten des gescheiterten Systems Kapitalismus von Demokratie und Menschenrechten ganz zu schweigen.

    Mfg

    dass die Möglichkeit bestünde "sich selbst zu helfen".
    Spanien hat sich doch vollkommen marktkonform verhalten.
    Mit Einführung des € wurden die Zinsen billig und man hat investiert, wohl hauptsächlich in Immobilien. Eine Marktwirtschaft braucht, wie wir alle wissen, doch ständiges Wachstum.
    Das viele Geld aus D und anderswo hat permanent nach Anlagemöglichkeiten gefahndet.
    Also floss das Geld gen Süden. Ähnlich wie in USA hat man wohl mit dem Investieren nicht rechtzeitig aufgehört. Es wurde zuviel gebaut. Den Rest kennen wir ja.
    Jetzt sind die Banken bankrott und die Immobilien stehen da und verlieren permanent an Wert, die Arbeitslosigkeit ist sehr hoch.
    Ich würde gerne einmal eine Abhandlung lesen, wie mit diesen Grundproblemen umgegangen werden soll, anstatt von einer "Rettung" zur nächsten zu hecheln.

    "Es klingt so einfach und plausibel: Jeder muss sich selbst helfen. So funktioniert es aber nicht. Im Gegenteil: Der Laden fliegt uns so um die Ohren, auch wenn es viele nicht wahr haben wollen."

    Es klingt so einfach und plausibel Hr. Gatzke: Wenn wir nichts tun, sind die Folgen fürchterlich. Das ist doch das ewige Mantra. Dummerweise: Wenn wir genau das tun, was sie hier so proklamieren, dann nehmen wir jeden Bürger hier in Zwangshaftung, für etwas, was in anderen Ländern schief gelaufen ist. Der Bürger wird auch nicht gefragt, warum auch? Stattdessen ist die Handlungsweise alternativlos. Leider verlieren wir aber im Zuge dieser Rettungsaktionen auch unsere Demokratie. Und die ist mir ehrlich gesagt mehr wert, als die spanischen Banken. Wollen sie unsere Demokratie gegen die Rettung spanischer Banken eintauschen? Natürlich nicht, werden sie mir jetzt antworten. Dann bleibt aber nur noch eine verbindliche Volksbefragung für alle Bürger, z.B. folgender Art:
    Soll jeder erwachsene Bürger 5.000€ in den Rettungsfonds einzahlen? Falls alles gut geht, bekommen sie die allerdings auch nicht zurück, weil der Rettungsfonds ja permanent sein soll.

    Darauf kann dann jeder mit Ja oder Nein antworten. Falls die Mehrheit mit Ja stimmt, muss ich das halt akzeptieren. Aber dann haben wir wenigstens eine demokratische Rettungslösung.
    Ach ja, und über die Hilfen aus dem Fonds stimmen die "Teilhaber" dann natürlich auch ab.

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich an der Diskussion, wenn Sie einen konstruktiven Beitrag leisten möchten. Danke, die Redaktion/mk

    "1. Spanien unternimmt bereits viel, reformiert und spart, trotzdem steigen die Zinsen. In zwei Jahren ist ein solcher Reformprozess einfach nicht zu stemmen – insbesondere nicht in einer Rezession."

    Sie benutzen die falsche Konjunktion, verehrter Herr Gatzke. Die Zinsen steigen nicht "trotzdem", sondern "deswegen". Man versucht die Staatsschulden zu senken indem man sich in die Depression hinein "spart". Man kürzt Ausgaben und Gehälter, entzieht den Leuten Kaufkraft und der gesamten Volkswirtschaft ihre Basis und wundert sich dann, dass plötzlich die Steuereinahmen wegbrechen und die Ausgaben für den Sozialsektor massiv ansteigen, sodass am Ende ein Mehr an Staatsschulden steht. Das sehen natürlich auch die Ratingagenturen, und "deswegen" steigen natürlich auch die Zinsen. Wie Sie da in Ihrem Satz ein "trotzdem" benutzen können, so als sei dies nicht zu erwarten gewesen, ist mir völlig schleierhaft.

    Genau euer Ansatz hat Europa in die Krise gebracht. Wollt ihr dazu aufrufen, Verträge Verfassungen zu brechen? Und Spanien unternimmt zu wenig und hat vieles VIEL ZU SPÄT getan. Die Kopplung der Löhne an die Inflation ist nur ausgesetzt. Ihr solltet die anderen EU-Staaten mit dem gleichen Maß messen, wie ihr es mit eurer Heimat tut. Ihr geht mit Deutschland viel kritischer um als mit anderen Landeiern. Warum tut ihr das? Warum wird Spanien nicht dazu aufgerufen unter den Rettungsschirm zu gehen? Da wartet die europäische Solidarität.

    "Oder was glauben Sie, was in Deutschland passiert, wenn Spanien oder Italien den Euro aufgeben und vielleicht sogar in die Staatspleite rutschen. Nichts?"

    Hallo Herr Gatzke,

    ja, was passiert denn nun konkret?
    Italien und Spanien zusammen importierten 2011 deutsche Waren im Wert von rund 96 Mrd. €, während der gesamte Export der deutschen Wirtschaft in 2011 einen Wert von 1.473 Mrd. € hatte. Das heisst, selbst bei einem kompletten Zusammenbruch beider Volkswirtschaften würden uns rd. 6,5% des gesamten Exports wegbrechen. Das klingt jetzt für die meisten von uns erst einmal nicht so bedrohlich, auch angesichts der Summen, die zur Rettung der Banken beider Länder zusammenkommen.

    Bitte konkretisieren Sie doch einmal, was genau die Folgen sind. Bisher hören wir ja immer nur vage Andeutungen von Horrorszenarien, alleine die Belegung mit nachvollziehbaren Zahlen und Schlussfolgerungen fehlen. Vielleicht liegt darin die Skepsis begründet, die den Befürwortern einer Euro-Solidargemeinschaft entgegenschlägt. Ein schlichtes "alternativlos" reicht den meisten von uns dummen Steuerzahlern einfach nicht mehr!

    • Jahman
    • 23.06.2012 um 12:16 Uhr

    Liebe Zeit!

    Ja soll uns der Laden doch um die Ohren fliegen, wen interessiert das den schon, außer den Menschen die Besitz und Vermögen haben.
    Das was ihr betreibt, ist Besitzstandswahrung, bloß keine Veränderung oder neugestalten des gescheiterten Systems Kapitalismus von Demokratie und Menschenrechten ganz zu schweigen.

    Mfg

    dass die Möglichkeit bestünde "sich selbst zu helfen".
    Spanien hat sich doch vollkommen marktkonform verhalten.
    Mit Einführung des € wurden die Zinsen billig und man hat investiert, wohl hauptsächlich in Immobilien. Eine Marktwirtschaft braucht, wie wir alle wissen, doch ständiges Wachstum.
    Das viele Geld aus D und anderswo hat permanent nach Anlagemöglichkeiten gefahndet.
    Also floss das Geld gen Süden. Ähnlich wie in USA hat man wohl mit dem Investieren nicht rechtzeitig aufgehört. Es wurde zuviel gebaut. Den Rest kennen wir ja.
    Jetzt sind die Banken bankrott und die Immobilien stehen da und verlieren permanent an Wert, die Arbeitslosigkeit ist sehr hoch.
    Ich würde gerne einmal eine Abhandlung lesen, wie mit diesen Grundproblemen umgegangen werden soll, anstatt von einer "Rettung" zur nächsten zu hecheln.

    "Es klingt so einfach und plausibel: Jeder muss sich selbst helfen. So funktioniert es aber nicht. Im Gegenteil: Der Laden fliegt uns so um die Ohren, auch wenn es viele nicht wahr haben wollen."

    Es klingt so einfach und plausibel Hr. Gatzke: Wenn wir nichts tun, sind die Folgen fürchterlich. Das ist doch das ewige Mantra. Dummerweise: Wenn wir genau das tun, was sie hier so proklamieren, dann nehmen wir jeden Bürger hier in Zwangshaftung, für etwas, was in anderen Ländern schief gelaufen ist. Der Bürger wird auch nicht gefragt, warum auch? Stattdessen ist die Handlungsweise alternativlos. Leider verlieren wir aber im Zuge dieser Rettungsaktionen auch unsere Demokratie. Und die ist mir ehrlich gesagt mehr wert, als die spanischen Banken. Wollen sie unsere Demokratie gegen die Rettung spanischer Banken eintauschen? Natürlich nicht, werden sie mir jetzt antworten. Dann bleibt aber nur noch eine verbindliche Volksbefragung für alle Bürger, z.B. folgender Art:
    Soll jeder erwachsene Bürger 5.000€ in den Rettungsfonds einzahlen? Falls alles gut geht, bekommen sie die allerdings auch nicht zurück, weil der Rettungsfonds ja permanent sein soll.

    Darauf kann dann jeder mit Ja oder Nein antworten. Falls die Mehrheit mit Ja stimmt, muss ich das halt akzeptieren. Aber dann haben wir wenigstens eine demokratische Rettungslösung.
    Ach ja, und über die Hilfen aus dem Fonds stimmen die "Teilhaber" dann natürlich auch ab.

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich an der Diskussion, wenn Sie einen konstruktiven Beitrag leisten möchten. Danke, die Redaktion/mk

    "1. Spanien unternimmt bereits viel, reformiert und spart, trotzdem steigen die Zinsen. In zwei Jahren ist ein solcher Reformprozess einfach nicht zu stemmen – insbesondere nicht in einer Rezession."

    Sie benutzen die falsche Konjunktion, verehrter Herr Gatzke. Die Zinsen steigen nicht "trotzdem", sondern "deswegen". Man versucht die Staatsschulden zu senken indem man sich in die Depression hinein "spart". Man kürzt Ausgaben und Gehälter, entzieht den Leuten Kaufkraft und der gesamten Volkswirtschaft ihre Basis und wundert sich dann, dass plötzlich die Steuereinahmen wegbrechen und die Ausgaben für den Sozialsektor massiv ansteigen, sodass am Ende ein Mehr an Staatsschulden steht. Das sehen natürlich auch die Ratingagenturen, und "deswegen" steigen natürlich auch die Zinsen. Wie Sie da in Ihrem Satz ein "trotzdem" benutzen können, so als sei dies nicht zu erwarten gewesen, ist mir völlig schleierhaft.

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