Rajoy-SMS"Spanien ist nicht Uganda"

Ministerpräsident Rajoy schickt eine SMS an seinen Wirtschaftsminister, während der mit der Eurogruppe verhandelt – und macht sich so zum Gespött seiner Landsleute. von 

Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy

Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy  |  © Dani Pozo/AFP/Getty Images

Wie sich die Zeiten ändern. Bis zum Wochenende waren die Bezugspunkte des spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy noch klar: Spanien sei weder mit Griechenland vergleichbar noch mit Irland oder Portugal , verkündete er unermüdlich. Sein Land werde kein Rettungsgeld von der EU brauchen. Das war Rajoys wichtigstes Versprechen an seine Wähler.

Bis er den Schein nicht mehr aufrechterhalten konnte. Am Samstag, als der spanische Wirtschaftsminister Luis de Guindos mit der Eurogruppe über ein Hilfspaket verhandelte, wechselte Rajoy seinen Referenzrahmen. Per SMS sandte er de Guindos Unterstützung: "Halt durch. Wir sind die viertgrößte Macht Europas. Spanien ist nicht Uganda ", textete der Regierungschef. Zwei Tage später findet sich seine Botschaft auf der Titelseite der Tageszeitung El Mundo – und Rajoy hat sich durch sie zum Gespött seiner Landsleute gemacht.

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Unter spanischen Twitter-Nutzern ist "#Españanoesuganda" seit Sonntagnacht ein Trend. Hämische Kommentare gibt es auch von der Wall Street und von Ökonomen in den USA . "Klar, dass wir kein afrikanisches Land sind", twittert GeekIndignado . "Die Arbeitslosenrate in Uganda liegt bei 4,2 Prozent. In Spanien: 25 Prozent." Wirtschaftsprofessor Xavier Sala-i-Martin von der Columbia-Universität vergleicht die schrumpfende spanische Wirtschaft mit der Ugandas, die seit einigen Jahren mit zweistelligen Raten wächst.

"SpanienistnichtUganda: Das scheint offensichtlich", schreibt David Cervelló . "Nur hier sind wir auch noch stolz darauf, gerettet zu werden. Mehr Respekt für Uganda!" Er spielt darauf an, dass Rajoy sich am Wochenende weigerte, das Wort "Rettung" in den Mund zu nehmen. Am Samstag zeigte sich der Ministerpräsident nicht einmal in der Öffentlichkeit. Er schickte de Guindos vor, um die Details der europäischen Hilfen der Presse zu erklären. Der Minister tat alles, um sich von der Bankenrettung zu distanzieren. Es handele sich lediglich um Kredite für die Finanzinstitute, erklärte er, und keinesfalls um ein Rettungspaket für den Staat.

Rajoy aber wurde auf Twitter als "Feigling" beschimpft . Als er am Sonntag dann doch eine Pressekonferenz gab, sprach er dort nur von "dem, was gestern geschah". Er klang schwer traumatisiert. Und doch legte der mächtigste Mann Spaniens Wert auf die Feststellung, dass niemand ihn unter Druck gesetzt habe. " Vielmehr habe ich Druck ausgeübt , um Kredit zu erhalten." Dadurch hätten "die Glaubwürdigkeit des europäische Projekts, die Zukunft des Euro, die Solidität des Finanzsystems" gewonnen.

Abermals sagte Rajoy, dass Spanien nicht die gleiche Form von Hilfen erhalte wie Griechenland, Irland oder Portugal. Vielmehr seien es Kredite zu Vorteilskonditionen, die "nicht so leicht zu bekommen sind." Öffentlich sind die Details der Darlehen zwar noch nicht. Aber die EU-Kommission und Deutschlands Finanzminister Schäuble haben schon klargestellt: Auch die Hilfe für Spanien wird an Bedingungen geknüpft sein, und die Troika aus Währungsfonds, EU-Kommission und Europäischer Zentralbank wird sie überwachen.

Ugandische Politiker haben sich bisher übrigens, soweit bekannt, noch nicht zu Rajoys Ländervergleich geäußert. Präsident Yoweri Museveni hat andere Probleme. Und seine eigenen Verdrängungsmechanismen, um mit ihnen umzugehen. In seiner Erklärung zur Lage der Nation vor wenigen Tagen beschuldigte er die Presse und Opposition , für die Malaisen des Landes – Krankheiten, Strommangel, Wirtschafts- und Sicherheitsprobleme – verantwortlich zu sein.

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Leserkommentare
    • SuR_LK
    • 11. Juni 2012 19:37 Uhr

    so arrogant reagieren und eher wenig Interesse an Hilfsgeldern haben wieso lässt man es nicht einfach, wir sind bald letztes grosses Geberland in den Rettungsschirmen mit Frankreich, den Euro insgesamt fallen lassen und mal wieder ordentlich mit allen 27 EU Ländern an den Tisch und nicht immer nur das Geplänkel mit den Euro Staaten, Schweden/GB usw langweilen sich doch bald weils nur noch um den Euro in der EU geht.

    Antwort auf "Noch mehr Botschaften"
  1. In vielen Medien lese ich, dass es eine Arbeitslosenquote von 4,2% gibt. Sind das die offiziellen Zahlen?

    Ein bisschen Suche im Internet ergibt ein anderes Bild:

    http://www.huffingtonpost...

    And yet, youth unemployment stands at a staggering 80 per cent, the highest in the world. This is bad news for the country, for the government, but most of all, for the millions of youth facing an uncertain future.

    Ich würde gerne wissen wie dann alle Welt auf eine Quote von 4,x % kommt...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    Redaktion

    Lieber ricco0672,

    zur Arbeitslosigkeit in Uganda gibt es ganz unterschiedliche Zahlen. Die 4,2 Prozent, die auf Twitter kursieren, stammen offenbar von der Weltbank (abgefragt hier: http://databank.worldbank...).

    Die Krux: Diese offzielle Rate dürfte sich sich auf die "ökonomisch aktive Bevölkerung" beziehen, nicht auf alle Ugander. Ihre Basis ignoriert also all jene, die z.B. von Subsistenz-Landwirtschaft leben oder sich mit Schwarzarbeit durchschlagen und gar keinen offiziellen Erwerbsjob suchen. Das ist ein großer Teil der Bevölkerung.

    Übrigens hat der ugandische Repräsentant in Spanien sich jetzt auch zu Rajoys SMS geäußert: "Wir sind nicht Spanien. Wir haben nicht um Rettung gebeten." http://www.diariocritico....

    Grüße aus der Redaktion,
    Alexandra Endres

  2. 11. Super

    Na, ich glaube das wäre schon wichtig gewesen auf diese zweite SMS einzugehen.

    Einfach unglaublich.

    Da hilft nur noch ein radikaler Schuldenerlass für alle (tja, dann sind eben auch die Guthaben weg..., ich weiss).

    Anschliessend wird man sehen wie es weitergeht.

    Antwort auf "Noch mehr Botschaften"
  3. Ist es "Erpressung" oder etwa nicht, wenn jemand Geld verlangt und mit Konsequenzen bei Nichtzahlung droht?

    Antwort auf "Noch mehr Botschaften"
  4. Redaktion
    13. Uganda

    Lieber ricco0672,

    zur Arbeitslosigkeit in Uganda gibt es ganz unterschiedliche Zahlen. Die 4,2 Prozent, die auf Twitter kursieren, stammen offenbar von der Weltbank (abgefragt hier: http://databank.worldbank...).

    Die Krux: Diese offzielle Rate dürfte sich sich auf die "ökonomisch aktive Bevölkerung" beziehen, nicht auf alle Ugander. Ihre Basis ignoriert also all jene, die z.B. von Subsistenz-Landwirtschaft leben oder sich mit Schwarzarbeit durchschlagen und gar keinen offiziellen Erwerbsjob suchen. Das ist ein großer Teil der Bevölkerung.

    Übrigens hat der ugandische Repräsentant in Spanien sich jetzt auch zu Rajoys SMS geäußert: "Wir sind nicht Spanien. Wir haben nicht um Rettung gebeten." http://www.diariocritico....

    Grüße aus der Redaktion,
    Alexandra Endres

    Antwort auf "Arbeitslos in Uganda"
  5. Spanien noch vor bis kurzem 40% Schulden zum BIP, jetzt allerdings 68%. Deutschland jedoch hat mit 81% viel mehr Schulden zum BIP als Spanien.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    14. Spanien ist aber auch nicht Deutschland

    Spanien noch vor bis kurzem 40% Schulden zum BIP, jetzt allerdings 68%. Deutschland jedoch hat mit 81% viel mehr Schulden zum BIP als Spanien.
    .......

    Da muss ich Ihnen Recht geben! Deutschland ist bald auch im Fokus der Finanzmärkte. Die ersten Anzeichen wird es vor Weihnachten, denn die Schulden wachsen auch hier beständig und ein Ende ist nicht in Sicht, zumal die Babyboomer demnächst aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Das große "Sparen" kommt erst noch, wahrscheinlich wird wieder eine Rot-Grüne Regierung die Ehre haben sich mit sozialen Grausamkeiten "beliebt" zu machen. Spästestens dann wird der Deutsche Bürger ein besseres Verständnis für seine südlichen Nachbarn entwickeln. In jedem Falle gibt es keinen Grund hier über Gebühr auf die nicht-vorhandene deutsche Solidität hinzuweisen.

    • Ferran
    • 13. Juni 2012 16:14 Uhr
    15. [...]

    Entfernt. Über konstruktive Kritik würden wir uns freuen. Danke, die Redaktion/mk

  6. ...denn Uganda hat eine niedrigere Staatsverschuldung (weniger als 3 Milliarden insgesamt)und im Moment auch keine Probleme im Bankensektor! Vielleicht sollte er etwas bescheidener auftreten und umso beherzter Auswege aus der Krise finden?

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