WirtschaftskriseDer Aufstieg des Schweizer Franken ruiniert Familien in Ungarn

Hunderttausende Ungarn haben Immobilienkredite in Franken aufgenommen. Weil der Kurs der Schweizer Währung drastisch stieg, stehen viele Schuldner vor dem Nichts. von Kata Kottra

In Budapest sind viele Immobilien zu verkaufen, so wie auch diese Wohnung.

In Budapest sind viele Immobilien zu verkaufen, so wie auch diese Wohnung.  |  © Bernadett Szabo/Reuters

Edit Gyarmati hat seit Wochen kein warmes Wasser mehr. Die 55-Jährige lebt zusammen mit ihrer Tochter in einer Ein-Zimmer-Wohnung in Kecskemét – einer Stadt südöstlich von Budapest . Weil sie monatelang ihre Rechnungen nicht bezahlt hat, haben die Stadtwerke ihr das warme Wasser abgedreht. Wenn sie oder ihre 14-jährige Tochter duschen wollen, müssen sie Wasser in einem großen Topf auf dem Herd erhitzen. "Wenigstens Strom haben wir noch", sagt Gyarmati.

Edit Gyarmati ist eine von Hunderttausenden in Ungarn , die sich vor der Krise in einer Fremdwährung verschuldet haben – die meisten in Schweizer Franken, andere in Euro oder sogar in japanischen Yen. Rund eine Million solcher Verträge gibt es nach Angaben der ungarischen Regierung – in einem Land mit rund zehn Millionen Einwohnern. Die meisten Kreditverträge wurden zwischen 2006 und 2009 abgeschlossen, damals schienen sie sein gutes Geschäft zu sein. Kredite in Forint waren wegen des hohen Leitzinses in Ungarn teuer, manchmal verlangten die Banken zehn Prozent Zinsen oder mehr. Die Darlehen in Schweizer Franken gab es hingegen schon für drei Prozent. Viele Institute rieten deshalb ihren Kunden zu einem Kredit in fremder Währung und mit geringeren Raten.

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Zu den Anbietern gehörten neben der größten ungarischen Bank, der OTP, auch zahlreiche Tochterinstitute ausländischer Banken: Die BayernLB-Tochter MKB, die Erste Bank und die Raiffeisen Bank International (RBI) aus Österreich oder die CIB-Bank, eine Tochter des italienischen Kreditinstitutes Intesa Sanpaolo. Wie viele andere Ungarn ließ sich Edit Gyarmati auf das Angebot der Institute ein. Im April 2008 nahm sie einen Kredit über vier Millionen Forint auf – zum damaligen Zeitpunkt rund 16.000 Euro. Mit dem Geld kaufte sie nach dem Tod ihres Mannes eine kleine Wohnung in einem Kecskeméter Plattenbau, gleich neben dem Supermarkt, in dem sie bis heute arbeitet.

Ohne die Krise an den Finanzmärkten wäre ihr Kalkül vielleicht sogar aufgegangen. Doch seit die Zukunft der gemeinsamen europäischen Währung unsicher erscheint, sind viele Anleger in Schweizer Franken geflüchtet. Wenn die Nachfrage nach einer Währung zunimmt, steigt aber auch der Kurs – der Franken gewann seit 2008 um mehr als 50 Prozent an Wert. Die einstmals günstigen Kredite wurden immer teurer, die Tilgungsraten explodierten.

Der Traum vieler: eine eigene Wohnung

Für Edit Gyarmati war das eine verhängnisvolle Entwicklung. In den ersten Monaten musste sie noch jeden Monat 28.000 Forint an ihre Bank überweisen. Doch schon nach wenigen Monaten stiegen die Raten. Heute zahlt sie fast 45.000 Forint im Monat. Ungarns größte Bank, die OTP-Bank, vergab ihr den Kredit. Weil sie auch ihr Girokonto bei der Bank hat, wird ihre Tilgungsrate sofort vom Lohn abgezogen. Nach Abzug der Nebenkosten für die Wohnung bleiben Edit Gyarmati im Moment noch 1.000 Forint – das sind kaum mehr als drei Euro. Wenn ihre Tochter kein Waisengeld bekommen würde, hätten die beiden nicht einmal mehr Geld für Lebensmittel.

So wie Gyarmati geht es in Ungarn momentan Zehntausenden Menschen. Viele von ihnen wollten ein normales Leben führen und eine Wohnung kaufen. Wie in vielen osteuropäischen Ländern gilt es auch in Ungarn als prekär, zur Miete zu wohnen, 90 Prozent der Bevölkerung lebt in einer eigenen Immobilie (zum Vergleich: in Deutschland sind es rund 53 Prozent). Weil die Ungarn oft auf Kredit kauften, sind viele Wohnungen und Häuser mit Hypotheken belastet. Ende Mai waren die Besitzer von mehr als 100.000 Wohnungen mit ihren Ratenzahlungen so stark in Verzug, dass die Banken eine Zwangsvollstreckung verlangten.

Leserkommentare
    • joG
    • 13. Juni 2012 12:05 Uhr

    ....was direkt die Folge euroländischer und vor allem deutscher Politik ist.

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    ...sondern allein ein Problem der Gier der Konsumenten nach Immobilien und sonstigen Konsumtentenkrediten, ohne sich die Risiken zu vergegenwärtigen.

    Im Einzellfall mag ein Schadensersatzanspruch gegen Banken gegeben sein, im Regelfall wollten alle einfach günstige Kredite.

    Und warum sollten man in Deutschland Mitleid damit haben, dass es in Osteuropa als "prekär" gilt, zur Miete zu wohnen, wo bei uns nahezu 50 % nicht an der sgn. Eigenheimquote partizipieren ?

    man hat wie immer als Kunde nicht überlegt, was man dort eigentlich macht und/oder bewusst gezockt. Was imho jede Währungswette ist.
    Und man ist natürlich auch auf die Propaganda - eigen Immobilie - der Politik und Medien reingefallen, wie imho auch viele in D.
    Wer glaubt das es prekär ist auf Miete zu wohnen, dem kann nicht geholfen werden. Etwas das auch viele Dt. noch am eigenen Leibe erfahren dürften, wenn die Kosten der teilweise mit heißer Nadel gestrickten Kredite nicht mehr getragen werden können, weil die Nebenkosten ansteigen.

    Dieser gewaltige Kursgewinn des Franken ist auf das Euro-Desaster und damit zum großen Teil auf die unfähige deutsche Politik zurückzuführen.

    Die bösen, bösen Deutschen...

    Alle Lösungsvorschläge aus Südeuropa zur Euro-Krise würden im übrigen das Aufweichen der früheren Hartwährung Euro nur noch weiter beschleunigen und den Franken stärken.

    Also sparen sie sich Ihre einseitigen und ökonomisch vollkommen unsinnigen Schuldzuweisungen.

    Bitte achten SIe auf einen sachlicheren Diskussionston. Danke, die Redaktion/lv

    .. so dumm und vereinfacht kann man nicht immer denken. Wie bei allen Kaufgeschäften haben zurechnungs- und geschäftsfähige Menschen die alleinige Verantwortung über den Verbleib ihres Vermögens in einer freien Wirtschaft. Vieleicht wäre es ratsam das allzu profitgierige Menschen in einre gesunden Ehrfurcht VORHER über das vermeintlich "tolle Geschäft" nachdenken und nicht einem absolut nicht in einer Verantwortung stehenden Land hinterher die Schuld geben!

    Der Franken hat so stark aufgewertet, weil der Euro an wert verloren hat. Der Euro hat an Wert verloren wegen der Krise.

    Sie sehen die Krise vor allem als Kausalität deutscher Politik?
    Ohne Deutschland hätte der Euro noch mehr an Wert eingebüßt.

    Die Schweiz hat nach dieser Logik theoretisch ebenso viel Schuld daran, schließlich hat man sich dort zu lange Zeit gelassen bevor sie den Kurs des Franken an den Euro gekoppelt hatte.

    Vielleicht liegt es aber auch einfach in der Verantwortung des Einzelnen sich aus Verträgen rauszuhalten, die er nicht versteht?

    ...gab es immer und wird es immer geben. Schade ist es, dass die Investoren sich dieser Tatsachen und der Konsequenzen, die sich daraus ergeben können nicht bewusst waren. Aber Europa oder gar Deutschland für deren Desaster verantwortlich zu machen ist Unsinn.

  1. ...eine Wohnung zu kaufen, noch einen Frankenkredit aufzunehmen. Wer spekuliert, ist selbst schuld - und soll selbst für die Folgen haften.

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    Hoffentlich setzt sich zukünftig diese Meinung auch in Bezug auf Banken und Versicherungen durch!

    Kommentare wie dieser, so richtig sie auch sind, erzeugen bei mir immer noch Magenkrämpfe, solange die Hochfinanz, mithin die Speerspitze des Kapitalismus, mit einer Attitüde, die an die Aufgeblasenheit des Absolutismus erinnert, von allen anderen gesellschaftlichen Akteuren verlangt, dass die Grundregel des Kapitalismus ausgerechnet für sie nicht gelten soll.

    Wurde uns nicht Ungarn - zusammen mit Spanien und Irland - um 2004 nicht als "vorbildlich" im "modernen" wirtschaftspolitischen Sinne präsentiert? Galt Deutschland damals nicht als der "kranke Mann in Europa" mit seinem "sozialistischen Modell", das so entsetzlich "Pfui" war?

    ...ein bisschen ausgeweitet bedeutet dies aber auch, wer solche Politiker wählt, ist selber schuld.

    Und es sind genau diese Politiker, die diese Krise erst geschaffen haben. Nur Politiker sind in der Lage allgemeingültige Gesetze zu schaffen.

    • vadeho
    • 13. Juni 2012 12:54 Uhr

    Ihr Motto ist durchaus Common-Sense. Gratulation zu den zahlreichen Empfehlungen. Aber Sie haben denke ich Dinge nicht verstanden. Und weil Ihr Denken das Normale ist, ist die Welt auch ein schlechterer und unsolidarischerer Ort als sie sein könnte.

    Ich will ihnen mal das Tor zu gewissen Perspektiven öffnen, die Ihnen scheinbar nicht in den Sinn kommen oder nicht bedeuten.

    Beginnen wir mit Textarbeit: Viele dieser Menschen wurden, so steht es im Text, unzureichend über die Kredite aufgeklärt. Klauseln wurden verkompliziert, in Gesprächen wurden Informationen unterschlagen. Kredite wurden nachträglich zu Ungunsten der Betroffenen verändert.

    Es ist zudem nicht so, dass die Menschen um Kredite gebettelt haben, die Kreditanstalten sahen in gleichem Maße Ihre Chancen. Somit ist hier schwerlich von einer Einzelverantwortung zu sprechen.

    • vadeho
    • 13. Juni 2012 13:00 Uhr

    Zweitens müssen Sie den Lebensstandard beachten. In einem armen Land wie Ungarn hängt Altersarmut viel stärker mit dem Nichtbesitz einer Immobilie zum Leben zusammen, als das bei uns der Fall ist. Und auch bei uns gibt es diesen Zusammenhang. Es ist klar, dass Menschen dies verhindern möchten. Es ist deutlich, dass dieser Umstand beinahe einem "Zwang" gleichkommt, möchte man nicht in Armut, Krankheit und Leid (alles direkte Folgen von Altersarmut) das Ende seiner Tage fristen. Das vermeiden zu wollen, kann ich keinem verübeln.

    Um dies zu erkennen, reicht einfach Folgendes aus: Das ganze Bild zu sehen und sich in andere Perspektiven einzudenken.

    Ihr Motto macht Sie dafür blind. Nicht nur Sie.
    Ich nehme mir heraus, mal psychologisch zu deuten: Werden die Zeiten rauh, denken Menschen vermehrt an sich. Nicht immer, aber in unserer Gesellschaft weithin schon. Reichtum scheint wichtiger zu sein als Solidarität.

    Es ist so einfach, aus sich zu abstrahieren und zu versuchen, andere Menschen zu verstehen. Es ist peinlich, wie derart "aufgeklärte" und eigentlich mit Klugheit gesegnete Menschen reihenweise nur Ihrem Egoismus fröhnen, dass Sie sogar mit Mitgefühl geizen. Ich komme zu dem Schluss: Klugheit und Anstand sind verschiedene Güter. Klug sind viele, noch mehr glauben es zu sein. Tief und in ethischem Sinne autonom (nicht autonom in wirtschaftlicher Hinsicht), ist fast niemand.

    Irgendwann wird genau aus diesem Grund keine Gesellschaft mehr sein. Ade du schöne Zeit.

    Wo ist da (siehe Link) der Unterschied...?

    http://www.zeit.de/2012/1...

    Sich von vorneherein zu übernehmen ist immer blöd, aber die Hoffnung auf -keineswegs überkandideltes- Wohneigentum halte ich für legitim.
    Diese Ungarin ist OPFER des weltweit sich etabliert habenden
    grausamen Hütchenspiels und der Zockerei.
    Mein Mitleid hat sie, wie die weiterne aberzigtausenden, die jetzt, wie unlängst in Spanien gesehen, vor den zugemauerten Eingangstüren ihrer Wohnungen stehen.

    Ich würde gerne Ihre Reaktion sehen, wenn die Zinsen für Ihre Konsum- oder Baufinanzierung innerhalb kürzester Zeit um mehr als 100% anstiegen?

    Menschlichkeit schafft sich ab?

    Haben Sie mal versucht, in Ungarn eine Mietwohnung zu bekommen? Der Artikel beschriebt das Zur-Miete-Wohnen als "prekär", und das ist es auch. Jeder "normale" Mensch in Ungarn hat seine eigene Wohnung/sein eigenes Haus.

    Wohnungen zur Miete sind in Ungarn entweder dermaßen teuer, dass sie nur für (ausländische) Spitzenverdiener tragbar sind, die ohnehin nur für begrenzte Zeit vor Ort bleiben, oder sie sind so schlecht (Zustand/Lage), dass kein Mensch von Selbstachtung dort einziehen möchte.

    aber die Ausbeute der Wohneigentümer treibt einen gerade dazu, wenn auch nur die Möglichkeit besteht.

    Wir wohnten in Berlin in einer mehr als € 2.000,00/Monat Mietwohnung.
    Nach dem Kauf fielen Wohnkosten von € 450,00/Monat an.

    Auch wenn der Kauf ohne Kredit möglich war, kann ich gut verstehen, dass derartige Differenzen jeden, der auch nur die Chance auf einen Kredit bekommt lockt, Eigentümer zu werden.

    Zumal wir die Wohnung nach vier Jahren mit fast 40% Prozent Gewinn zum Kaufpreis verkaufen konnten.

    Die Überlegung an sich ist schon logisch. Es sei denn man wird von Banken, Wirtschaft und Politik verraten.

    Schuld ist ein problematisches Wort in diesem Zusammenhang. Ich wuerde sagen die Frau im Artikel hat unter den bestehenden Umstaenden zur Zeit der Kreditaufnahme exakt das Richtige getan. Ich wuerde sagen, Schuld sind die Finanzakrobaten mit Villen in der Schweiz, Florida, Bahamas etc.; Schuld ist ein Wirtschaftssystem das Ausbeutung belohnt; Schuld ist die allgemeine Unplanbarkeit des Lebens im 20 Jahrhundert.
    Ihr Kommentar scheint zu implizieren, dass der Kauf einer Immobilie ein Spekulationsrisiko ist, von dem jeder vernuenftige Mensch Abstand halten sollte, wenn er den Kaufpreis nicht bar bezahlen kann.

    • MrKern
    • 13. Juni 2012 15:44 Uhr

    DIe meisten Kommentatoren sollten sich für ihre Bemerkungen schämen.

    Hier geht es nicht um ZOCKER oder um irgendwelche Spekulanten. Es sind die Normalverbraucher, die normalen, kleinen Bürger. Ihnen wurde von den Banken verkauft, dass diese Kredite besser für sie sind. Weil angeblich ihre eigene Währung zu instabil sei usw. DIe gleiche Situation gibt es derzeit in Kroatien. Die BANKEN haben Menschen ein RISIKO aufgedrückt, dass diese nie wirklich verstanden haben.

    FALSCHBERATUNG! In Deutschland würden die meisten Kommentatoren wütend und jammernd bei den Verbraucherzentralen stehen und ihr Geld zurück verlangen - siehe Lehmann-Pleite usw.

    SIe sollten allesamt für 20 Jahre ausgewiesen werden und ihr Glück unter den gleichen Bedingungen wie die Ungarn und Kroaten suchen. Viel Erfolg in einer anderen Umwelt ohne die gewohnten, deutschen Sicherheiten. In Ungarn war es normal, als Arbeiter zumindest eine kleine Wohnung zu kaufen. Aber schauen sie sich die Bausubstanz mal an (auch auf dem Foto). Hier geht es nicht um Reichtum.

    Vielleicht wäre es gar nicht schlecht, wenn der EURO scheitert, ein Umbruch stattfindet und wir einmal wieder eine unstabile Währung bekommen. Man kann sich auf nichts verlassen, kommt nur weiter, wenn man Kontakte hat usw. Die meisten klugen Stimmen hier im Forum würden jedenfalls verstimmen.

    • und999
    • 03. Juli 2012 14:26 Uhr

    Zocker??? So ein Blödsinn...

    Gesehen aus Deutschland, vielleicht...
    Ungarn war doch sozialistisch... Die Menschen haben keine bezahlbaren Mietwohnungen...die einzige Chance eine
    Genossenschaftwohnung zu kaufen..Ein Zimmer zum Leben zu kaufen = ein Zocker?

    Nicht jeder hatte so viel Glück wie die Deutschen in den 50 -Jahren von der USA mit Paketen und viel Geld nach dem Krieg beliefert zu werden..Schon vergessen?

  2. ...sondern allein ein Problem der Gier der Konsumenten nach Immobilien und sonstigen Konsumtentenkrediten, ohne sich die Risiken zu vergegenwärtigen.

    Im Einzellfall mag ein Schadensersatzanspruch gegen Banken gegeben sein, im Regelfall wollten alle einfach günstige Kredite.

    Und warum sollten man in Deutschland Mitleid damit haben, dass es in Osteuropa als "prekär" gilt, zur Miete zu wohnen, wo bei uns nahezu 50 % nicht an der sgn. Eigenheimquote partizipieren ?

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    • joG
    • 13. Juni 2012 12:28 Uhr

    .... Ausprägung der Folgen deutscher Politik nicht vor deutschen Gerichten landen werden und den Deutschen nicht schädigen. In anderer Gestalt allerdings geschieht das jedoch, wenn auch die "Täter" nicht direkt belangt werden. Die Gemeinden haben bspw in NRW von der WestLB zinsinstrumente gekauft, die durch den Verfall des Euro enorme Verluste verursachen. Das ist nun vor Gericht.

    "Gier der Konsumenten nach Immobilien"

    Oh ja, alle gierig außer ich.

    "und sonstigen Konsumtentenkrediten, ohne sich die Risiken zu vergegenwärtigen"

    Ich halte es für eine Aufgabe der Politik den Leuten die Zusammenhänge zu erklären und die Banken daran zu hindern die Leute über den Tisch zu ziehen. Denn die Banken haben keinerlei Interesse daran die Risiken korrekt darzustellen, wie zahlreichen Urteile beweisen.

    Davon ab, war für Normalbürger eine derartige Krise (und damit der Aufstieg des Franken) nicht absehbar.

    Die Leute sind Opfer der sogenannten "Globalisierung" also im Klartext: von Freihandel und Kapitalfreizügigkeit und der damit einhergehenden Komplexitäten.

    In einer Boomphase mag beides für die meisten Leute Vorteile bringen, aber wehe der Kapitalismus hat mal wieder eine seiner periodischen Krisen... dann kracht es richtig.

    Ich hoffe nur die Politik und die Leute lernen daraus. Aber bis dann die nächste Krise in zig-Jahren kommt, wird es wahrscheinlich erst die nächsten Generationen treffen und die werden wieder die selben Fehler gemacht haben. So war es bisher immer.

  3. man hat wie immer als Kunde nicht überlegt, was man dort eigentlich macht und/oder bewusst gezockt. Was imho jede Währungswette ist.
    Und man ist natürlich auch auf die Propaganda - eigen Immobilie - der Politik und Medien reingefallen, wie imho auch viele in D.
    Wer glaubt das es prekär ist auf Miete zu wohnen, dem kann nicht geholfen werden. Etwas das auch viele Dt. noch am eigenen Leibe erfahren dürften, wenn die Kosten der teilweise mit heißer Nadel gestrickten Kredite nicht mehr getragen werden können, weil die Nebenkosten ansteigen.

    3 Leserempfehlungen
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    ...wie immer.

    "man hat wie immer als Kunde nicht überlegt, was man dort eigentlich macht"

    Tja, wenn ich viele Kommentare so lese, dann fallen wohl noch mehr Leute unter "unmündiger Kunde". Zum Glück sind die Deutschen so ängstlich, dass sie lieber in Abhängigkeit und zur Miete wohnen, als selbst ihr Schicksal in die Hand zu nehmen. Immerhin können sie dann mit dem Finger auf andere zeigen, wenns doch mal schiefgeht.

    "Immobilie - der Politik und Medien reingefallen, wie imho auch viele in D."

    Überall auf der Welt, dazu gibts ja Werbung.

    "Wer glaubt das es prekär ist auf Miete zu wohnen, dem kann nicht geholfen werden."

    In diesen Ländern kann man nicht ohne weiteres mieten, WEIL es als prekär gilt. Wer mietet hat kein Geld, entsprechend ist dann auch das Angebot. Wir haben in dieser Beziehung in D eine Sonderstellung, sowohl in der Mentalität, wie auch in der Mietgesetzeslage.

    vielleicht in einiger Zeit drastisch an der Realität verdeutlichen, wie solche Abläufe zustande kommen. Die Stadt hat ihren gesamten sozialen Wohnungsbestand verscherbelt!
    D. h. Es gibt kein Regulativ mehr für bezahlbare Unterkünfte. Der Markt diktiert. Wer erinnert sich nicht an unsere Unterkunftskosten in der Zeit des knappen Angebots. Und an Zeiten, als die Studenten für die Erhaltung des preiswerten Wohnungsbestandes kämpften?

    Dresden hat damit auch keine Handhabe mehr, ggf. Menschen vor der Obdachlosigkeit zu schützen!

    Und wer sich in einer solchen Situation eine Unterkunft kauft und dann auch dem Finanzmarkt durch eigene Gründe, Scheidung, Krankhait, Arbeitslosigkeit etc. zu entgehen, unterliegt nicht der Gier, sondern einer skrupellosen Finanzwirtschaft! Und einer verantwortungslosen Politik.

    Auch in USA haben sich nicht alle Menschen aus Gier eine Wohnung oder Haus gekauft, sondern weil es auch dort kaum bezahlbaren Wohnraum gibt. Solange die Banken die Konten über Kredite auffüllen und die Menschen noch einen Arbeitsplatz haben, zahlen sie Zinsen, im Glauben, es sei alles i.O. "Das sind doch die Fachleute und müssen es wissen". Aber diese behalten ihren Job, solange sie Kreditkunden einfangen.

    Und wir haben nicht die Schuldnerberatungsstellen, weil die AGB der Banken so gut zu durchschauen sind, als ob alle Kreditnehmer Finanzfachleute wären.

    All das hatten wir schon. Und die Gier wiederholt die kriminellsten Fehler wieder und wieder.

  4. Das geht nie gut aus.
    Ja die Geschichte ist tragisch, weil die Dame am Existenzminimum lebt, aber wer einen Kredit auf nimmt muss mit sowas rechnen.
    Ich kaufe auch kein Auto auf Pump.
    Und ich schließe Bausparverträge ab bevor ich nach einer Immobilie Ausschau halte.

    Aber das Hauptproblem wird doch sehr gut offensichtlich:
    Wir halten es mitlerweile alle für selbstverständlich auf pump zu leben (nun wird ja sogar schon der Fernseher auf Raten gekauft...).
    Dann kommt die große Empöring, wenn jemand doch tatsächlich das Geld wieder haben möchte, das wir gerade nicht zahlen können, weil die Wirtschaftslage schlecht ist.

    Vielleicht führt es ja dazu die Kreditkarte nicht mehr so leichtsinnig zu zücken.

    10 Leserempfehlungen
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    Ich will Ihnen ja Ihre Finanzierung ja nicht schlecht reden, aber Bausparvertraege abzuschliessen, ohne einen Kredit aufnehmen zu wollen, ist schon arg merkwuerdig. Finden sie die Bausparkassen zahlen so tolle Zinsen oder warum sollte man das machen? Oder haben Sie sich den aufschwatzen lassen, die Provisonen lohnen sich durchaus fuer den Vertreter. Ich glaube Sie haben die Idee des Bausparvertrages nicht ganz verstanden und deshalb verbietet es sich andere zu kritisieren.

    Aber Sie sollten zwischen Krediten unterscheiden, die für Investition aufgenommen werden und solchen, die Konsumbedürfnisse befriedigen sollen. Für einen Fernseher einen Kredit aufzunehmen ist schwachsinnig. Für ein Auto einen Kredit aufzunehmen kann sinnvoll sein, wenn ich dringend ein Auto - z.B. beruflich - brauche; ich nehme bspw. 1000 € Kredit für ein altes Auto auf, um mobil zu sein und kann dadurch ein Jobangebot antreten. Schwachsinnig wird es dann, wenn ich den Kredit aufnehme, weil ich das neueste SUV-Modell in der Einfahrt zur Schau stellen möchte. Ein Kredit für eine Wohnung kann ebenfalls sehr sinnvoll sein. Schließlich spart mir das unter Umständen die Miete. Aber: Man sollte sich schon genau überlegen, was man macht und auch etwas Ahnung haben. Und rechnen sollte man auch können.

    Das ist schon arg verkürzt wiedergegeben, was sie da schreiben. Eine Immobilie kauft man i.d.R. mit Hilfe eines Kredits. Gut, dass man in Deutschland einen gewissen Anteil an Sicherheiten mitbringen muss, um überhaupt eine Immobilie erwerben zu können. Das sah in anderen Ländern oft anders aus (USA = Ninas = No income no assets).

    Ein Aauto zahlt man heute auch nicht mehr aus der Portokasse und es gibt heute sogar Stimmen, dass sich der Barkauf beim Auto nicht mehr lohne (darüber kann man sicher streiten). Bei Konsumkrediten gebe ich Ihnen durchaus recht und wer einen Urlaub auf Pump macht, der gehört per se bestraft.

    Zum eigentlichen Thema kann ich nur sagen, das sieht man mal, dass eine zu starke Währung eben nicht nur gut ist. Sie hat auch Nachteile. All denjenigen ins Gebetbuch geschrieben, die sich einen (allzu) starken Euro wünschen.

  5. Wer nicht genug Geld hat sollte auch nicht Zocken gehen.
    Was denken die eigentlich immer??

    8 Leserempfehlungen
  6. Als vor einigen Jahren die Refinanzierung meines Hauskredites anstand (mein 10 Jähriger Festzins lief aus) hab ich mich natürlich auch umgesehen, ob es nicht was günstigeres gibt. Da bin ich auf auf den "Frankenkredit" gestossen.

    Nach kurzem Googeln, habe ich mich dagegen entschieden, da es mir zu spekulativ erschien.

    Ich habe mich wieder für einen Kredit mit 10-Jähriger Laufzeit entschieden. Natürlich kostet der etwas mehr, aber er bietet dafür Planungssicherheit durch festen Zinssatz.

    Wer zum Finanzieren eines Hauskredits ein Modell mit dynamischem Zins wählt, der ist selber Schuld wenn's schiefläuft. Das ist pure Dummheit.

    Da könnte ich genausogut auf die Lebensversicherung verzichten, nach dem Motto "mir wird schon nichts passieren".

    11 Leserempfehlungen
    • huhi
    • 13. Juni 2012 12:24 Uhr

    Kein Mitleid für Zocker!
    Allerdings auch nicht für den spanischen Mittelstand, der mit Immobilien zockte. Auch der sollte die Zeche selbst zahlen!

    9 Leserempfehlungen
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    Die größten Zocker sitzen jedoch in der Schweiz.
    Die laben sich hervorragend an jedem auf linkeste
    Art herbeigeschafftem Zehntelcent.
    Trau nie einer Schweizer Bank, es sei denn daß diese
    Organisationen dir helfen Steuern zu hinterziehen.

    Dann ist man sehr gut aufgehoben und sehr Willkommen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Franken | Ungarn | Wirtschaftskrise | Kredit | Privatinsolvenz | Wechselkurs
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