Banken tun es, Staaten tun es, und der Nachbar, der sich schon wieder ein neues Auto gekauft hat, tut es ebenfalls: Sie alle leben auf Pump und leisten sich Dinge, für die eigentlich ihr Geld nicht reicht. Auch Unternehmen finanzieren den Bau von Fabriken oder die Entwicklung neuer Produkte oft mit Krediten.

Aus der Sicht der klassischen Betriebswirtschaftslehre machen diese Firmen alles richtig. Gängige BWL-Theorien empfehlen Unternehmen, sich großzügig bei Banken mit fremdem Kapital einzudecken. Manche theoretische Modelle halten sogar Schuldenquoten von bis zu 90 Prozent für optimal.

Diese Botschaft stößt allerdings nicht in allen Vorstandsbüros auf offene Ohren: Immer mehr Unternehmenschefs ignorieren die Empfehlungen der Theoretiker hartnäckig - und wirtschaften asketisch ganz ohne Fremdkapital.

1989 waren in den sieben größten Industrienationen gerade einmal fünf Prozent aller Firmen schuldenfrei - knapp 25 Jahre später sind es dagegen fast dreimal so viele. Das stellte ein Forscherteam um den Gießener Finanzmarktexperten Wolfgang Bessler fest.

In den USA stieg der Anteil der Kreditasketen sogar noch stärker: von rund sieben Prozent 1989 auf knapp 20 Prozent im Jahr 2009, so der Befund von Ilya Strebulaev (Stanford) und Forscherkollege Baozhong Yang (Georgia State University). "Die Aversion gegen Schulden ist ein branchenübergreifendes Phänomen", schreiben sie.

Das bedeutet nicht, dass diese Firmen ihre Expansion und Investitionen nur aus eigenen Gewinnen finanzieren. Studien zeigen: Häufiger als schuldenfinanzierte Unternehmen geben solche Firmen an der Börse Aktien aus.

Dieser Weg hat aber einen Nachteil: Die Unternehmen können die Kapitalkosten - die Dividende, die sie an ihre Aktionäre ausschütten - nicht von der Steuer abziehen. Zinsen, die sie für Kredite zahlen, können sie dagegen beim Finanzamt geltend machen.
Viele haben Probleme, Kredite zu bekommen. 

Warum verzichten dennoch immer mehr Unternehmen auf das Schuldenmachen? Dieser Frage sind Ökonomen in mehreren Studien auf den Grund gegangen.

Zunächst einmal stellten sie fest, dass nicht alle Unternehmen freiwillig einen Bogen um das Fremdkapital machen. Die Forscher um Wolfgang Bessler fanden heraus, dass auffällig viele junge Firmen schuldenfrei sind. Das liegt aber daran, dass sie mangels Sicherheiten Probleme haben, von Banken Kredite zu bekommen.