NachhaltigkeitBesser leben durch weniger Wachstum

Um die Erde zu erhalten, müssen wir uns mäßigen, schreibt Hans Christoph Binswanger. Der Ökonom fordert ein neues Geldsystem und höhere Preise für die Nutzung der Umwelt. von Hans Christoph Binswanger

Auf dem Nachhaltigkeits-Gipfel in Rio de Janeiro ist viel vom "grünen Wachstum" die Rede. Man hofft, durch eine "neue industrielle Revolution der Ressourceneffizienz" den Verbrauch von natürlichen Ressourcen so weit zu senken, dass die Wirtschaft weiter stark wachsen kann, ohne die Umwelt zu belasten. Vor allem die moderne Technik soll dabei helfen.

Ich glaube, das wird nicht funktionieren. Wenn Ressourcen effizienter genutzt werden, die Wirtschaft aber weiter wächst, wird das Wachstum die Einsparungen überkompensieren. Das ist wahrscheinlich, weil die wachsende Effizienz selbst das Wirtschaftswachstum antreibt. In der Folge werden der Ressourcenverbrauch und die damit verbundene Umweltbelastung trotz technischer Verbesserungen immer weiter steigen.

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Wenn man ernsthaft eine nachhaltige Entwicklung mit einer absoluten Reduktion des Ressourcenverbrauchs anstrebt, muss man das Wachstum bremsen. Das kann durch institutionelle Reformen gelingen. Konkret brauchen wir neue Regeln für das Geldsystem, das Unternehmensrecht und die Eigentumsrechte. Sie wurden zu einer Zeit geschaffen, als eine Rücksichtnahme auf ökologische Erfordernisse noch kein Thema war und es allein um die unbedingte Förderung des Wachstums ging.

Weniger Geldschöpfung

Früher war die Geldschöpfung begrenzt. Unter dem Goldstandard mussten alle Banknoten jederzeit in Gold einlösbar sein; ihre Menge war also durch die Menge des vorhandenen Goldes beschränkt. Heute ist es wegen Aufhebung der Einlösungspflicht möglich, wertloses Papier in Geld zu verwandeln. Das ermöglicht eine grenzenlose Geldschöpfung quasi aus dem Nichts.

Die Banken können im Prinzip unlimitiert Kredite in Form von Sichtguthaben vergeben und dadurch Buchgeld schaffen. In der Theorie ist seine Menge zwar begrenzt, weil ein kleiner Teil des Buchgeldes immer in Banknoten umtauschbar sein muss, und nur die Zentralbanken diese Banknoten drucken dürfen. Aber die Banknoten müssen nicht mehr durch Gold gedeckt sein – und de facto können die Zentralbanken den Nachschub an Banknoten kaum mehr verweigern. Täten sie es, würden sie die schon vorausgegangene Expansion des Buchgeldes der Banken und damit das ganze System der Kreditbeziehungen in Unordnung bringen und damit eine Krise heraufbeschwören.

Rio 1992

Beim Rio-Gipfel von 1992 sollte die internationale Umweltpolitik mit fünf Dokumenten vorangebracht werden:

1 Das Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen wurde auf dem Erdgipfel von 154 Nationen unterzeichnet und war der Start für internationale Klimaverhandlungen.

2 Die Rio-Erklärung über Umwelt und Entwicklung schrieb 27 Grundsätze für eine nachhaltige Entwicklung fest, die den Menschen ein gesundes und produktives Leben ermöglichen soll.

Agenda 21

3 Die Walderklärung, die völkerrechtlich ebenso wenig bindend ist wie die Rio-Erklärung, formulierte Ziele für eine nachhaltige Bewirtschaftung von Wäldern weltweit.

4 Das Übereinkommen über biologische Vielfalt wurde auf dem Erdgipfel ausgehandelt, um das weltweite Artensterben zu stoppen und eine gerechte Nutzung der biologischen Ressourcen zu ermöglichen.

5 Die Agenda 21 war als Aktionsprogramm gedacht, das den Staaten und – als lokale Agenda 21 – den Gemeinden konkrete umwelt- und entwicklungspolitische Ziele an die Hand gibt.

Rio+20

Von Mitte Juni 2012 an findet in Rio wieder eine große UN-Nachhaltigkeitskonferenz statt. Sie ist in drei Phasen gegliedert: Ab dem 13. Juni bereiten Vertreter der Regierungen das Abschlussdokument des Gipfels vor. Ab dem 16. Juni diskutieren Wissenschaftler, Unternehmer, Umweltschützer, Armutsexperten, Gewerkschafter und UN-Vertreter Aspekte der nachhaltigen Entwicklung. Ihre Empfehlungen gegen Arbeitslosigkeit, Armut und Hunger, für Wald- und Meeresschutz, umweltfreundlichen Städtebau, verantwortungsvollen Konsum und eine nachhaltige Energieversorgung werden den rund 100 Staats- und Regierungschefs vorgelegt, die vom 20. bis zum 22. Juni über eine Abschlusserklärung verhandeln. Angela Merkel wird nicht in Rio sein.

Gipfel-Themen

Auf der Konferenz geht es ums große Ganze: Wie kann der Umbau zu einer ökologischen Wirtschaftsweise gelingen, die den armen Ländern Entwicklungschancen bietet? "Green Economy im Kontext nachhaltiger Entwicklung und Armutsreduzierung" heißt das etwas sperrig offiziell. Es soll über Nachhaltigkeitsziele beraten werden, die 2015 die UN-Milleniumsentwicklungsziele ablösen könnten. Möglicherweise wird in Rio auch beschlossen, das Umweltprogramm der Vereinten Nationen, Unep, aufzuwerten.

Wachstumsdebatte

Das Konzept einer Green Economy ist auf dem Rio+20-Gipfel umstritten. Lassen sich Wachstum und Nachhaltigkeit wirklich vereinbaren? Wir haben Experten gefragt und veröffentlichen Ihre Antworten in den kommenden Tagen auf ZEIT ONLINE.

Den Auftakt macht Hans Christoph Binswanger mit einem Aufruf zur Mäßigung: "Besser leben durch weniger Wachstum".

Auf ihn folgen Christian Hey und Karin Holm-Müller (Sachverständigenrat für Umweltfragen) mit einer Kritik der Wachstumskritik, sowie Niko Paech (Uni Oldenburg), der nachhaltiges Wachstum für unmöglich hält.

Allerdings würde eine Rückkehr zum Goldstandard, wie sie da und dort propagiert wird, die Geldschöpfung zu stark einschränken. Man kann aber die Geldschöpfung wieder unter Kontrolle bringen, indem man die Banken verpflichtet, zu hundert Prozent über einen entsprechenden Betrag von Zentralbankgeld zu verfügen, bevor sie Kredite ausgeben. Dann können die Zentralbanken die Geldschöpfung vorausschauend so steuern, dass sie nicht mehr ausufert. Wie viel Geld geschaffen wird, könnte auch vom jeweils aktuellen Ressourcenverbrauch und der Umweltbelastung durch die Wirtschaft abhängig gemacht werden.

Eine solche Reform hat bereits Irving Fisher, der bedeutendste amerikanische Ökonom des letzten Jahrhunderts vorgeschlagen. In der heutigen Krisensituation ist sein Vorschlag erst recht aktuell. Um die Reform zu verwirklichen, könnten einzelne Länder oder Währungsregionen als Pioniere vorausgehen, denn die neuen Regeln gäben ihrem Geld eine größere Stabilität. Dies würde es für andere Länder attraktiv machen, nachzuziehen. Die Ausbreitung der Reform könnte so Schritt für Schritt vorangehen.

Leserkommentare
  1. Der Artikel erinnert mich irgendwie an Griechenland, die in der ´´glücklichen´´ Lage sind, kein Wirtschaftswachstum zu generiren.
    Wie es den Menschen in dem Land geht, nun, die sollten den Artikel lesen, vielleicht geht es ihnen dann besser.
    Kritik an den Banken ist langweilig, es sind die Staaten, die um soziale Geschenke zu verteilen, sich übermässig verschulden und Steuereinnahmen verschwenden.
    Solange dies so ist, ist Wachstum leider eine Notwendigkeit.
    Wenn der Bevölkerungszuwachs nicht mehr stattfindet, wenn die Staaten nur das Geld ausgeben, welches sie einnehmen, wenn , wenn , wenn
    Wenn Märchen wahr werden, vorher geht aber die Welt unter.

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    ein sol grundlegender institutioneller Wandel ist natürlich nichts für Zyniker oder Schwarzmaler, soviel sollte eigentlich klar sein. Aber das soll nicht heißen, dass ganz Deutschland außen vor bleibt.

    Ich finde, der Artikel zeichnet sich dadurch aus, dass er als Alternative zur normalen Kritisierung des Ist-Zustandes auch Handlungsalternativen aufzeigt. Ob sich diese Alternativen letztendlich politisch und gesellschaftlich umsetzen lassen, steht auf einem anderen Blatt.
    Sicherlich wären die Griechen momentan anderer Meinung, aber das liegt eben, der Logik des Artikels nach, daran, dass die institutionellen Gegebenheiten noch dem Wachstumsparadigma folgen.
    Wie sich alles letztendlich entwickeln wird, wird sich zeigen. Der (junge) Wille ist da, der (alte) Widerstand aber auch.

    MfG
    le Toast

    hätten Sie sich sparen können. Die Situation in Griechenland hat nichts mit dem Thema des Artikels zu tun. Ich bin sicher die Vision von Herrn Binswanger liesse sich theoretisch umsetzen. Leider fehlt in den meisten Staaten bzw. den meisten Bürgern die Einsicht oder der Wille sich neu zu orientieren.

    Kritik an den Banken ist langweilig, es sind die Staaten, die um soziale Geschenke zu verteilen, sich übermässig verschulden und Steuereinnahmen verschwenden.

    Bitte was? Deutschlands Verschuldung ist durch die Folgen der Krise enorm gestiegen. Woher kam die Krise? Wer hat sie verursacht? ES WAREN DIE BANKEN! Nicht nur die Hilfspakete für die Banken, die Bailouts und Badbanks - auch die Konjunkturpakete zur Abfederung der Konsequenzen auf die Realwirtschaft...alles Folgen der BANKENKRISE!

    Die darauf folgenden Refinanzierungsprobleme diverser Staaten sind eine direkte Folge dieser Bankenkrise.

    Es ist armseelig und eine Lüge jetzt die Schuld den Sozialausgaben zu geben!

    • deDude
    • 19. Juni 2012 12:13 Uhr

    ... tatsächlich sozialer Natur wären, dann wäre der Aufschrei sicher weit geringer. Leider haben unsere Re(a)gierungen in den vergangenen Jahren lieber Steuergeschenke und Subventionen an bereits gut aufgestellte Konzerne verteilt (Sie wissen schon, "...sonst wandern die ins Ausland ab", "alternativlos" und so etwas) anstatt die von Ihnen erwähnten "sozialen Geschenke" zu verteilen. Diese "Geschenke" widerum wurden mit nichts anderem als heißer Luft bezahlt. Heiße Luft die, weitestgehend unkontrolliert, durch Finanzinstitute geschaffen wurde und so weltweit verteilt wurde.

    Die Wachstumsdoktrin hat ihren Zenit überschritten, in einer endlichen Welt kann es kein unendliches Wachstum geben. Ihr Vergleich mit Griechenland hinkt deshalb auch gewaltig. Selbst bei einem Wirtschaftswachstum von 10% würde das höchstens die Symptome lindern, nicht aber die Krankheit kurrieren. Die Staaten die heute vor der Pleite stehen, sollen nun plötzlich die viele heiße Luft mir reellen Sachwerten besichern. Das das niemals funktionieren kann und die "Griechenlandrettung" eigentlich vielmehr eine Rettung von heißer Luft für die Anleger ist, das verschweigt man dem unmündigen Bürger natürlich gerne.

    Wachstum gibt es seit jeher nur in den Geldbörsen einiger weniger. In Deutschland warten die meisten seit zehn Jahren auf ihren Anteil am Wachstum und können nun dank dem Missmanagement ihrer "Volksvertreter" und "der Märkte" auch weiter in die Röhre gucken - aber bezahlen dürfen Sie!

    • Hoplon
    • 19. Juni 2012 13:12 Uhr

    "... es sind die Staaten... sich übermässig verschulden ... Solange dies so ist, ist Wachstum leider eine Notwendigkeit."

    In Teilen richtig erkannt!!!
    Wachstum ist _nur_ notwendig solange wir verschuldet sind.
    Das beste ist, die Schulden der Staaten steigen mit Zins und Zinseszins exponentiell, das Wirtschaftswachstum auf Dauer nicht. Nebenbei sind die Ressourcen des Planeten endlich und damit verbunden auch das Wachstum.
    Es ist also eine Milchmädchenrechnung Verschuldung mit Wachstum bekämpfen zu wollen, vor allem dann wenn man nebenbei noch Banken retten soll. Nicht die Staatsschulden die Ursache der Krise (Griechenland ist da eher die Ausnahme), wie gern aus den Reihen der Koalition behauptet, das sind nur die Symptome einer Systemkrankheit. In Spanien und Irland haben wir z.B. eine Immoblienkrise. Und wie in jeder Krise schreien diejenigen die lange daran verdient hatten "ceter und mordio". Selbst wir hier in Dt. bekommen es bei starken Wirtschaftswachstum und Exportüberschuss nicht auf die Reihe die Verschuldung abzubauen.

    Warum? Weil das überhaupt nicht machbar ist.
    Der Autor des Artikels kritisert daher zurecht
    das Wachstumsparadiga und auch das Geldsystem.

    Wir haben in unserer Demokratie eine Gewaltenteilung in executive, legislative und judikative. Das Monolpol der Geldschöpfung liegt aber nicht in demokratischer Kontrolle.
    Das "Münzprägerecht" haben ausschließlich Privatbanken.
    Wir benötigen daher als erste Reform des Gelsystems eine montetative Gewalt.

    >>Kritik an den Banken ist langweilig, es sind die Staaten, die um soziale Geschenke zu verteilen, sich übermässig verschulden und Steuereinnahmen verschwenden.
    Solange dies so ist, ist Wachstum leider eine Notwendigkeit.<<

    Ah, da ist sie ja wieder, die Legende vom überbordenden Sozialstaat, habe ich schon drauf gewartet :D
    Stimmt schon, die Staaten haben sich tatsächlich verschuldet, um massiv soziale Geschenke zu verteilen - und zwar an die Banken.
    Mit dem Geld, das alleine die HRE bis jetzt gekriegt hat, könnten wir uns doppelt so viele HartzIV-Empfänger für die nächsten 30 Jahre leisten. Oder schonmal über ein BGE nachdenken.

    Und das Wachstum ausschließlich generiert wird, um den Sozialstaat zu finanzieren, halte ich auch mal für ein Gerücht. Ich könnte schwören, das Wachstumsdogma ist schon deutlich älter als die Erfindung des Sozialstaates.

    Kritik an Banken und am Finanzsystem ist nicht im geringsten überflüssig, sie ist überlebensnotwendig im Moment. Entweder, wir gewöhnen uns daran, anders zu denken, oder die ganze exponentielle Wachstumsgesellschaft geht über die Wupper. Und zwar bald.

    • xpeten
    • 19. Juni 2012 16:18 Uhr

    zwischen der Entscheidung, zugunsten von positiver gesellschaftlicher Entwicklung und staatenübergreifender Gerechtigkeit das Wachstum -welches ganz sicher und immer auch von irgendjemandem bezahlt werden muss-

    nicht mehr als alternativlos in den Mittelpunkt der Betrachtung zu stellen

    und den von Ihnen angeführten griechischen Verhältnissen

    ist unendlich viel Platz für sinnvolles Gestalten.

    da wird mal wieder der schwarze peter dem sozialstaat zugeschoben und damit auf die armen armen...das wird langsam auch langweilig.

    sozialausgaben sind keine steuerverschwendung..diese werden direkt verkonsumiert und fliesen dem wirtschaftkreislauf wieder zu. anderst sieht es mit kapital gewinnen aus diese werden nur zu einem bruchteil in der realwirtschaft reinvestiert. daher ist eine kapitalertragssteuer ein effektives mittel um den staatshaushalt zu sanieren.

    aber hier in dem artikel geht es nicht um umverteilung oder kritik an banken, sondern es geht um einen kompletten systhem wechsel in der wert- und geldschöpfung.

    ich für meinen teil halte es für lohnenswert darüber nachzudenken.

  2. Obwohl ich seine Meinung insgesamt für zu kurz gegriffen halte, vor allem im Bezug auf die Reformation des Geldsystems und dem Beharren auf Wachstum, wenn auch in verträglicherer Form.

    Zustimmung deshalb, weil es ein erster Schritt wäre, weg vom Dogma des unbedingten, rein profitorientierten Wachstums zu wirklich jedem Preis.
    Ein Wandel geht nicht von heute auf morgen, denn die gesamte Gesellschaft ist angesprochen umzudenken. Wichtig dabei ist, dass das Thema nicht nur als Eintagsfliege vorgestellt, sondern permanent kommuniziert und diskutiert wird. Hierin sehe ich vor allem eine zentrale Rolle für die Medien.

    MfG
    AoM

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    ...auf Wachstum (egal ob gebremst oder genullt) für einen Fehler.

    Das ist doch so, als ob man sich vornimmt, nicht an einen Elefanten zu denken: es dreht sich doch alles um das besagte Objekt.

    "Wachstum" des BIP ist aber viel zu vage und komplex um es als Bezug herzunehmen. Seine bloße Steigerung anzustreben ist genauso dumm, wie es reduzieren zu wollen.

    Wir müssen den Fokus auf andere Sachen setzen: Nachhaltigkeit (nichts wird mehr endgültig verbraucht, alles lässt sich zurückgewinnen), Forschung (Alternativen, Recycling, Energie, Speichertechnologie etc.), Bevölkerungswachstum, gerechte Verteilung,....

    Ob dabei dann irgendeine Kenngröße wächst oder nicht, ist doch total egal.

    Die obigen Punkte sind aber vielen Menschen seit Ewigkeiten ein Anliegen, allein: über die Wege dahin wird ebenso schon ewig gestritten und die Macht ist nicht bei den Altruisten sondern eher bei den Antichristen :-)

    Oder kurz: es wird sich absehbar nichts ändern, wir diskutieren hier über theoretische Alternativen nach einem totalen Kollaps.

    Und das mit dem Geldsystem: naja, 100% ZB-Geld bedeutet mE, dass jeder herausgegebene Euro mit Werten (z.B. Grundschuld) gedeckt sein muss. Risikofinanzierung wird dann ebenso schwierig, wie ein simpler Dispokredit. Das wären zumindest Hürden die man bedenken muss.

    • Afa81
    • 19. Juni 2012 15:29 Uhr

    "Und das mit dem Geldsystem: naja, 100% ZB-Geld bedeutet mE, dass jeder herausgegebene Euro mit Werten (z.B. Grundschuld) gedeckt sein muss. Risikofinanzierung wird dann ebenso schwierig, wie ein simpler Dispokredit. Das wären zumindest Hürden die man bedenken muss."

    Hier könnte man auch fordern, dass Banken ausgegebene Kredite innerhalb von drei Tagen an die ZB weitergeben müssen und so ihre 100%ige Solvenz wiederherstellen. Die Zinsen der EZB könnte man variabel gestalten, wie für uns. Wer viele Schulden hat, muss viele Zinsen zahlen. Wenn eine Bank viel Geld durch die Vergabe von Krediten verdient, soll sie auch entsprechende Zinsen bezahlen. Diese an den Kunden weitergereichten Kosten könnten den Kunden dann dazu bewegen, die Bank zu wechseln.

    "Wir müssen den Fokus auf andere Sachen setzen: Nachhaltigkeit (nichts wird mehr endgültig verbraucht, alles lässt sich zurückgewinnen)"

    Hier haben wir bereits einen sehr hohen Stand erreicht. Im Übrigen widerspricht Ihnen da der 2te Hauptsatz der Thermodynamik - Sie können nicht alles wieder zurückgewinnen.

    Ein großes Einsparpotential würde ich bei der Gemeinsamen Nutzung von Gütern sehen. Es braucht nicht jeder einen Rasenmäher, den man am Ende eh nur 5 mal pro Jahr rausholt. Früher war es absolut normal, dass sich Nachbarn zusammen einen Rasenmäher oder anderes Gerät geleistet haben. Es muss auch nicht jede Familie zwei Autos zu Hause stehen haben. carsharing ist auch im kommen...

  3. ein sol grundlegender institutioneller Wandel ist natürlich nichts für Zyniker oder Schwarzmaler, soviel sollte eigentlich klar sein. Aber das soll nicht heißen, dass ganz Deutschland außen vor bleibt.

    Ich finde, der Artikel zeichnet sich dadurch aus, dass er als Alternative zur normalen Kritisierung des Ist-Zustandes auch Handlungsalternativen aufzeigt. Ob sich diese Alternativen letztendlich politisch und gesellschaftlich umsetzen lassen, steht auf einem anderen Blatt.
    Sicherlich wären die Griechen momentan anderer Meinung, aber das liegt eben, der Logik des Artikels nach, daran, dass die institutionellen Gegebenheiten noch dem Wachstumsparadigma folgen.
    Wie sich alles letztendlich entwickeln wird, wird sich zeigen. Der (junge) Wille ist da, der (alte) Widerstand aber auch.

    MfG
    le Toast

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    Antwort auf "Wachstum"
  4. hätten Sie sich sparen können. Die Situation in Griechenland hat nichts mit dem Thema des Artikels zu tun. Ich bin sicher die Vision von Herrn Binswanger liesse sich theoretisch umsetzen. Leider fehlt in den meisten Staaten bzw. den meisten Bürgern die Einsicht oder der Wille sich neu zu orientieren.

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    Antwort auf "Wachstum"
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    Welch ein Glück, dass nur eine Minderheit (vorzugsweise in Deutschland) sich neue orientieren will. Wenn nämlich den Visionen ala Binswanger gefolgt würde, dann würden wir heute noch mit Voll-Holzrädern durch die Gegend fahren - viereckigen Holzrädern!

    • LP
    • 19. Juni 2012 13:53 Uhr

    Je schlimmer die Verhältnisse, desto eher werden die Menschen auch bereit sein, sich zu ändern/einzuschränken. Irgendwann zwingt uns die Natur ohnehin dazu. Es gibt da ein einfaches Prinzip. Dass der ökologischen Habitatsgrenze, der jede Art unterliegt. Eine Zeit lang kann ein Lebensraum übernutzt werden, aber die Quittung folgt recht bald. Jede Population, die ihren Lebensraum übernutzt bricht über kurz oder lang dramatisch zusammen und erholt sich dann nur sehr langsam.

    Was bedeutet das für uns? Wir haben unsere ökologische Habitatsgrenze als Art noch nie überschritten. Aber wir sind gerade dabei, eben dies zu tun. Im Gegensatz zu anderen Arten können wir jedoch Prognosen erstellen und die Folgen unseres Handels absehen. Die Frage ist, ob wie es als kulutrelle Gemeinschaft zuwege bringen rechtzeitig zu reagieren.

    Je länger wir warten, desto schlimmer werden die Folgen und desto größer wird das Leid.

    An der Einschränkung als Solches führt kein Weg vorbei. Es geht nur noch darum, ob wir selbst schlau genug sind darauf zu kommen, oder ob uns die Natur eine gehörige Mahnung verpassen muss, ehe wir Einsicht zeigen.

    so ein artikel wie oben ist schön zu lesen, das zeigt dass es uns sehr gut geht. wenn man wachstumsbremsen einführen will und die bevölkerung zum verzicht auffordert, der hat es einfach dicke. ich stelle mir so einen artikel in einer rumänischen zeitung vor :D

    • lazzlo
    • 19. Juni 2012 11:58 Uhr

    Endlich bringt es mal jemand auf den Punkt. Unser System kann so nicht mehr weiter existieren. Wir konnen nicht noch mehr die Erde und einzelnde Völker ausbeuten und hoffen möglich viel Gewinn damit zu machen. Nachhaltigkeit und das Umdenken bei den Firmen und bei den Konsumenten ist angesagt. Doch wem sag ich das, wissen tun wir es doch schon lange. Also ran an die Umsetzung!

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  5. Kritik an den Banken ist langweilig, es sind die Staaten, die um soziale Geschenke zu verteilen, sich übermässig verschulden und Steuereinnahmen verschwenden.

    Bitte was? Deutschlands Verschuldung ist durch die Folgen der Krise enorm gestiegen. Woher kam die Krise? Wer hat sie verursacht? ES WAREN DIE BANKEN! Nicht nur die Hilfspakete für die Banken, die Bailouts und Badbanks - auch die Konjunkturpakete zur Abfederung der Konsequenzen auf die Realwirtschaft...alles Folgen der BANKENKRISE!

    Die darauf folgenden Refinanzierungsprobleme diverser Staaten sind eine direkte Folge dieser Bankenkrise.

    Es ist armseelig und eine Lüge jetzt die Schuld den Sozialausgaben zu geben!

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    Antwort auf "Wachstum"
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    Die griechischen Banken waren von der Krise damals nicht betroffen, in Deutschland waren dies vornehmlich auch nur die staatlichen Banken.
    Von diesem Einzelfall aber abgesehen, wenn ein Staat grundsätzlich mehr Geld ausgibt, als er einnimmt ( aus welchen Gründen auch immer, aber sehen Sie sich selbst das Volumen der Ministerien an )dann kann er diese ständige Neuverschuldung nur über das Wachstum der Steuereinnahmen finanzieren und die sind in der Regel besonders vom Wachstums des BIP abhängig.
    Als Betrieb gilt es ähnlich, wer stagniert, kann die ständig wachsenden Kosten nicht aufbringen, bei Deckelung der möglichen Verkaufspreise.
    Wir dürfen nicht jammern, wenn dann die Betriebe in andere Länder ihre Produktion verlegen und dort dann Wohlstand (und Wachstum) erzeugen.
    Bei Wachstum stellt sich ehe die Frage, welches Wachstum man will, sicherlich braucht nicht jeder Mensch ein Auto oder zwei, essen können sollte er aber dürfen. Dazu muss er etwas erzeugen, je mehr Menschen auf der Erde etwas erzeugen, desto höher ist das Wachstum.
    Also, Menschen abschaffen, aber welche?

    • Afa81
    • 19. Juni 2012 17:11 Uhr

    "Woher kam die Krise? Wer hat sie verursacht? ES WAREN DIE BANKEN!"

    Das ist zu einfach. Warum haben die Banken in den USA SubPrime-Kredite vergeben? Weil es politisch gewollt war. Auch G.W.Bush wollte sich im Ruhm eines Clinton sonnen, welcher 3 Mio. Amerikaner ins Eigenheim brachte. Bush wollte das bei 4 Mio. Amerikanern schaffen (Stichwort: "Ownership Society) - die Quittung wurde via Finanzpaketen, welchen beste Bonität bescheinigt wurde (von privaten Rating Agenturen), weitergegeben - zum großen Teil nach Europa...

    Ein Stichwort ist das Gesetz aus 1992: "Federal Housing enterprices financial safety and soundness Act of 1992".
    Lesen Sie hierzu:
    http://www.akad.de/filead... ab Seite 16.

    Die Banken wurden doch geradezu gedrängt, diese SubPrime Kredite zu vergeben.

    • TDU
    • 19. Juni 2012 12:02 Uhr

    "zum Beispiel jenen Kosten, die für die Korrektur der entstandenen Umweltschäden nötig sind." Dann beziffere man mal. Unabhängig von staatlichen Bedürfnissen oder der, der Feststeller der Umweltschäden und der Korrektoren derselben.

    Eine Leserempfehlung
  6. Kaum zu glauben, dass dieser vernünftige Mann der Doktorvater vom Ex-Deutsche Bank Chef ist...

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Börse | Dividende | Gold | Reform | Umweltschaden | Rio de Janeiro
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