Auf dem Nachhaltigkeits-Gipfel in Rio de Janeiro ist viel vom "grünen Wachstum" die Rede. Man hofft, durch eine "neue industrielle Revolution der Ressourceneffizienz" den Verbrauch von natürlichen Ressourcen so weit zu senken, dass die Wirtschaft weiter stark wachsen kann, ohne die Umwelt zu belasten. Vor allem die moderne Technik soll dabei helfen.

Ich glaube, das wird nicht funktionieren. Wenn Ressourcen effizienter genutzt werden, die Wirtschaft aber weiter wächst, wird das Wachstum die Einsparungen überkompensieren. Das ist wahrscheinlich, weil die wachsende Effizienz selbst das Wirtschaftswachstum antreibt. In der Folge werden der Ressourcenverbrauch und die damit verbundene Umweltbelastung trotz technischer Verbesserungen immer weiter steigen.

Wenn man ernsthaft eine nachhaltige Entwicklung mit einer absoluten Reduktion des Ressourcenverbrauchs anstrebt, muss man das Wachstum bremsen. Das kann durch institutionelle Reformen gelingen. Konkret brauchen wir neue Regeln für das Geldsystem, das Unternehmensrecht und die Eigentumsrechte. Sie wurden zu einer Zeit geschaffen, als eine Rücksichtnahme auf ökologische Erfordernisse noch kein Thema war und es allein um die unbedingte Förderung des Wachstums ging.

Weniger Geldschöpfung

Früher war die Geldschöpfung begrenzt. Unter dem Goldstandard mussten alle Banknoten jederzeit in Gold einlösbar sein; ihre Menge war also durch die Menge des vorhandenen Goldes beschränkt. Heute ist es wegen Aufhebung der Einlösungspflicht möglich, wertloses Papier in Geld zu verwandeln. Das ermöglicht eine grenzenlose Geldschöpfung quasi aus dem Nichts.

Die Banken können im Prinzip unlimitiert Kredite in Form von Sichtguthaben vergeben und dadurch Buchgeld schaffen. In der Theorie ist seine Menge zwar begrenzt, weil ein kleiner Teil des Buchgeldes immer in Banknoten umtauschbar sein muss, und nur die Zentralbanken diese Banknoten drucken dürfen. Aber die Banknoten müssen nicht mehr durch Gold gedeckt sein – und de facto können die Zentralbanken den Nachschub an Banknoten kaum mehr verweigern. Täten sie es, würden sie die schon vorausgegangene Expansion des Buchgeldes der Banken und damit das ganze System der Kreditbeziehungen in Unordnung bringen und damit eine Krise heraufbeschwören.

Allerdings würde eine Rückkehr zum Goldstandard, wie sie da und dort propagiert wird, die Geldschöpfung zu stark einschränken. Man kann aber die Geldschöpfung wieder unter Kontrolle bringen, indem man die Banken verpflichtet, zu hundert Prozent über einen entsprechenden Betrag von Zentralbankgeld zu verfügen, bevor sie Kredite ausgeben. Dann können die Zentralbanken die Geldschöpfung vorausschauend so steuern, dass sie nicht mehr ausufert. Wie viel Geld geschaffen wird, könnte auch vom jeweils aktuellen Ressourcenverbrauch und der Umweltbelastung durch die Wirtschaft abhängig gemacht werden.

Eine solche Reform hat bereits Irving Fisher, der bedeutendste amerikanische Ökonom des letzten Jahrhunderts vorgeschlagen. In der heutigen Krisensituation ist sein Vorschlag erst recht aktuell. Um die Reform zu verwirklichen, könnten einzelne Länder oder Währungsregionen als Pioniere vorausgehen, denn die neuen Regeln gäben ihrem Geld eine größere Stabilität. Dies würde es für andere Länder attraktiv machen, nachzuziehen. Die Ausbreitung der Reform könnte so Schritt für Schritt vorangehen.