Nachhaltigkeit"Grünes" Wachstum wäre ein Wunder

Es ist wie ein Naturgesetz: Wenn die Wirtschaft wächst, verbraucht sie Ressourcen und schadet der Umwelt. Wer anderes behauptet, leugnet die Realität. Von Niko Paech von Niko Paech

Dichter Straßenverkehr in Hongkong

Dichter Straßenverkehr in Hongkong  |  © Philippe Lopez/AFP/Getty Images

Wer glaubt, das Bruttoinlandsprodukt (BIP) könne ohne zusätzliche Umweltschädigung immer weiter wachsen, muss an zwei Wunder glauben: an die ökologische Unbedenklichkeit zunehmenden Konsums und an die Unschädlichkeit wachsender Produktion. Beides ist schwer vorstellbar, denn ein wachsendes BIP ist ohne eine zusätzliche Warenproduktion nicht möglich. Zugleich lässt wirtschaftliches Wachstum das verfügbare Einkommen von mindestens einem Teil der Bevölkerung steigen, woraus zusätzlicher Konsum entsteht. Beides, Produktion wie Konsum, verbrauchen Ressourcen oder belasten die Umwelt.

Welche Güter oder Dienstleistungen, mit denen Anbieter Geschäfte machen und für deren Erwerb Kunden bereit sind zu zahlen, könnten so beschaffen sein, dass ihre Produktion, ihre Nutzung und ihre Entsorgung weder Fläche, noch Energie, noch andere Ressourcen verbrauchen? Passivhäuser, Elektromobile, Ökotextilien, Photovoltaikanlagen, Bio-Nahrungsmittel, Stromleitungen, Blockheizkraftwerke, solarthermische Heizungen, Cradle-to-cradle-Getränkeverpackungen, Carsharing- oder Internet-Dienstleistungen: Sie alle erfüllen diese Bedingung nicht. Ohne physischen Aufwand sind sie nicht zu haben.

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Das gilt auch für digitale Technologien und Services, deren oft beschworener Dematerialisierungseffekt nicht eingetreten ist. Stattdessen verursachen sie eine nie dagewesene Elektroschrottlawine und verbrauchen Unmengen an fossilen Ressourcen, Mineralien, Seltenen Erden und Metallen. Auch wenn das, was der Kunde kauft, per Mausklick übertragen wird, in Form von virtuellen Datenpaketen: An den End- und Anfangspunkten der Warenkette bedarf es einer umso massiveren Ausstattung mit materiellen Maschinen, um die Kundenwünsche erfüllen zu können.

Rio 1992

Beim Rio-Gipfel von 1992 sollte die internationale Umweltpolitik mit fünf Dokumenten vorangebracht werden:

1 Das Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen wurde auf dem Erdgipfel von 154 Nationen unterzeichnet und war der Start für internationale Klimaverhandlungen.

2 Die Rio-Erklärung über Umwelt und Entwicklung schrieb 27 Grundsätze für eine nachhaltige Entwicklung fest, die den Menschen ein gesundes und produktives Leben ermöglichen soll.

Agenda 21

3 Die Walderklärung, die völkerrechtlich ebenso wenig bindend ist wie die Rio-Erklärung, formulierte Ziele für eine nachhaltige Bewirtschaftung von Wäldern weltweit.

4 Das Übereinkommen über biologische Vielfalt wurde auf dem Erdgipfel ausgehandelt, um das weltweite Artensterben zu stoppen und eine gerechte Nutzung der biologischen Ressourcen zu ermöglichen.

5 Die Agenda 21 war als Aktionsprogramm gedacht, das den Staaten und – als lokale Agenda 21 – den Gemeinden konkrete umwelt- und entwicklungspolitische Ziele an die Hand gibt.

Rio+20

Von Mitte Juni 2012 an findet in Rio wieder eine große UN-Nachhaltigkeitskonferenz statt. Sie ist in drei Phasen gegliedert: Ab dem 13. Juni bereiten Vertreter der Regierungen das Abschlussdokument des Gipfels vor. Ab dem 16. Juni diskutieren Wissenschaftler, Unternehmer, Umweltschützer, Armutsexperten, Gewerkschafter und UN-Vertreter Aspekte der nachhaltigen Entwicklung. Ihre Empfehlungen gegen Arbeitslosigkeit, Armut und Hunger, für Wald- und Meeresschutz, umweltfreundlichen Städtebau, verantwortungsvollen Konsum und eine nachhaltige Energieversorgung werden den rund 100 Staats- und Regierungschefs vorgelegt, die vom 20. bis zum 22. Juni über eine Abschlusserklärung verhandeln. Angela Merkel wird nicht in Rio sein.

Gipfel-Themen

Auf der Konferenz geht es ums große Ganze: Wie kann der Umbau zu einer ökologischen Wirtschaftsweise gelingen, die den armen Ländern Entwicklungschancen bietet? "Green Economy im Kontext nachhaltiger Entwicklung und Armutsreduzierung" heißt das etwas sperrig offiziell. Es soll über Nachhaltigkeitsziele beraten werden, die 2015 die UN-Milleniumsentwicklungsziele ablösen könnten. Möglicherweise wird in Rio auch beschlossen, das Umweltprogramm der Vereinten Nationen, Unep, aufzuwerten.

Wachstumsdebatte

Das Konzept einer Green Economy ist auf dem Rio+20-Gipfel umstritten. Lassen sich Wachstum und Nachhaltigkeit wirklich vereinbaren? Wir haben Experten gefragt und veröffentlichen Ihre Antworten in den kommenden Tagen auf ZEIT ONLINE.

Den Auftakt macht Hans Christoph Binswanger mit einem Aufruf zur Mäßigung: "Besser leben durch weniger Wachstum".

Auf ihn folgen Christian Hey und Karin Holm-Müller (Sachverständigenrat für Umweltfragen) mit einer Kritik der Wachstumskritik, sowie Niko Paech (Uni Oldenburg), der nachhaltiges Wachstum für unmöglich hält.

Effizienz- und Konsistenzpotenziale, also Umweltvorteile beispielsweise durch die Nutzung erneuerbarer Technologien, fallen nicht einfach vom Himmel. Sie sind auch nicht durch einfache Anpassungen oder das Umrüsten vorhandener Produktionsstätten möglich. Stattdessen sind Investitionen in neue Anlagen erforderlich. Um zu verhindern, dass es dadurch zu purer Addition weiterer Produktionsoutputs und der Ansammlung von immer mehr technischen Geräten um uns herum kommt, müssen die bislang genutzten Kapazitäten nicht nur stillgelegt, sondern auch entsorgt werden.

Materie verschwindet nicht

Aber wie kann man die Materie ganzer Industrien ökologisch neutral verschwinden lassen? Möglich wäre das nur in einem Paralleluniversum, das kein Entropiegesetz kennt. Und wenn es gelänge: Wie könnte das BIP dann dauerhaft wachsen? Jeder neuen Wertschöpfung stünde, sofern sie nachhaltig wäre, unweigerlich ein Wertschöpfungsverlust infolge des Rückbaus alter Strukturen entgegen.

Wer beispielsweise glaubt, erneuerbare Energien könnten langfristig die BIP-Beiträge der atomaren und fossilen Industrien ersetzen, übersieht: Die derzeit bestaunten Wertschöpfungsbeiträge grüner Technologien entsprechen einem Strohfeuereffekt, der allein dem vorübergehenden Kapazitätsaufbau geschuldet ist.

Ist die neue Infrastruktur komplett, reduziert sich ihre ökonomische Wirkung auf einen Energiefluss, der vergleichsweise wenig Aufwand an wertschöpfungsträchtigem Input verursacht und nicht beliebig gesteigert werden kann – es sei denn, die Produktion neuer Anlagen wird ohne Begrenzung fortgesetzt. Doch dann nähmen infolge des materiellen Wachstums die schon jetzt kaum mehr erträglichen landschaftlichen Zerstörungen zu. Daran zeigt sich nebenbei, dass regenerative Energien ohnehin kein ökologisches Problem lösen, sondern es nur in eine andere physische, räumliche, zeitliche oder systemische Dimension transferieren. Für die meisten anderen Hoffnungsträger des Green Growth gilt das nicht minder.

Leserkommentare
  1. "Es ist wie ein Naturgesetz: Wenn die Wirtschaft wächst, verbraucht sie Ressourcen und schadet der Umwelt. Wer anderes behauptet, leugnet die Realität."

    Ganz schön anmaßend, wie Herr Paech meint, "Realität" festschreiben zu können. Wollen wir mal sehen.
    Seine Behauptung mag intuitiv für viele Wirtschaftsbereiche gelten - für alle gilt sie sicher nicht! Denken wir nur an die Dienstleister. Wenn ich jemanden einstelle, um bei mir die Wohnung zu putzen, meinen Kindern Nachhilfeunterricht zu geben, oder mir eine Ausarbeitung zu übersetzen, ist das Wachstum. Und schadet doch nicht der Umwelt.
    Das war's mit dem Naturgesetz.

    Das hat zwar, zugegeben, nichts mit Grünem Wachstum im Eigentlichen zu tun - aber wenn man anstrengungslos Behauptungen des Autors schon nach den ersten Zeilen widerlegen kann, ist das ein Problem, was mich in letzter Zeit immer öfter an der ZEIT ärgert.

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    • DDave
    • 21. Juni 2012 19:20 Uhr

    Somit darf von den 3 Wirtschaftssektoren nur noch der Dienstleistungsektor wachsen, der besteht zum größten Teil aus Banken und Versicherungen, die mit virtuellem Geld ein bisschen Kasino spielen ;)

    Im Endeffekt ist es aber auch relativ schwammig argumentiert.
    Denn ein Ressourcenverbrauch muss nicht gleich Umweltschaden bedeuten, z.B. wenn Weizen zu Brot verarbeitet wird, dann wird die Ressource Weizen und Holz verbraucht(hier setzen wir voraus, dass es aus einem mit Steinbackofen gebacken wird).
    Beides ist aber kein Problem für die Natur, Weizen und Holz lässt sich neu anbauen, somit gibt es einen Ressourcenverbauch, eine wachsende Wirtschaft, aber keinerlei Umweltschaden.
    Ja, an alle meine Kritiker, dieser theoretische Konstrukt ist mehr als realitätsfern.
    Aber in der Mathematik reicht ein negatives Beispiel und die Hypothese/Argument/Behauptung ist zu Fall gebracht, somit ist die komplette Aussage: Wirtschaft wächst -> Ressourcenverbauch -> Umweltschaden. Für nicht alle Fälle anzunehmen....

    Leute im Dienstleistungsbereich zu beschäftigen ist ein schlechtes Beispiel, denn das ist nur dann Wachstum, wenn die Leute nicht vorher woanders gearbeitet haben - also Wachstum durch Erhöhung der Arbeitssumme. Im Rahmen dieses Themas ist es aber sinnvoll, Wachstum unter gleichbleibender Arbeitssumme zu untersuchen. Dann ist Wachstum gleich Produktivitätswachstum. Auf dem Gebiet der Nachhilfe oder der Reinigung gibt es praktisch kein Produktivitätswachstum. Dieses gibt es nur dort, wo entweder mehr oder höherwertige Güter produziert werden. Unter "mehr" ist dann auch "größer" zu verstehen, wie z.B. das Anwachsen des durchschnittlichen Fahrzeuggewichts.

    Entkopplung vom Ressourcenverbrauch kann es nur dort geben, wo Wachstum in Höherwertigkeit erfolgt. (Wenn damit erhöhte Haltbarkeit verbunden ist, könnte der Ressourcenverbrauch sogar sinken.) Also z.B. bessere Software. Oder bessere Telefone. Oder bessere Kleidung. Oder bessere Theater. Oder bessere Bildung. Oder bessere Altenpflege.
    Höherwertigkeit ist nicht objektiv, sondern subjektiv. wir haben in hohem Maße die Freiheit zu entscheiden, was für uns "höherwertig" ist. Beispiel Biobereich: die Produktivität im Sinne von Stückkosten ist dort ungünstiger, aber viele finden dort einen Wert, den sie auch bereit sind zu bezahlen.
    Diese höherwertige Produktion ist, i.G. zu dem was der Autor meint, nicht von materiellem Wachstum begleitet, denn wir können unser Geld nur einmal ausgeben, da hat er nicht nachgedacht.

    "Und schadet doch nicht der Umwelt."

    Und die Putzfrau kauft sich dann einen schönen Fernseher, oder gar ein Motorrad. Das alles mit Ihrem induzierten Wachstum...

    "Ganz schön anmaßend, wie Herr Paech meint, "Realität" festschreiben zu können. Wollen wir mal sehen.
    Seine Behauptung mag intuitiv für viele Wirtschaftsbereiche gelten - für alle gilt sie sicher nicht! Denken wir nur an die Dienstleister. Wenn ich jemanden einstelle, um bei mir die Wohnung zu putzen, meinen Kindern Nachhilfeunterricht zu geben, oder mir eine Ausarbeitung zu übersetzen, ist das Wachstum. Und schadet doch nicht der Umwelt.
    Das war's mit dem Naturgesetz."

    ... ihre Beispiele wirken sich sehr wohl auf die Umwelt aus: Entweder der Nachhilfelehrer muß zu Ihnen kommen oder ihre Kinder müssen zum Nachhilfelehrer oder man benötigt Energie für eine Fernkommunikation. Genauso verhält es sich mit ihrer Putzfrau. Je mehr geputzt wird, desto mehr Umweltauswirkung.

    Luxemburg hat das höchste BIP pro Kopf, aber kaum nennenswerte Industrie. Allein schon dieser Umstand zeigt, wie nutzlos dieser Indikator ist.

    • chri.s
    • 21. Juni 2012 23:22 Uhr

    Annahme Urzustand:
    Person x (mutter, vater) bleibt daheim, genug geld ist vorhanden, geld bleibt ungenutzt auf dem Konto, es werden nur die notwendigen dinge verzehrt.
    Person y arbeitet und konsumiert nur sehr geringfügig

    Nun nimmt y den job an, verdient damit 2-300% mehr, muss allerdings 10% dafür für den Weg aufnehmen, kauft sich allerdings davon Fahrrad, Roller oder Auto - bestenfalls noch Bus, kostet aber auch. Schlussendlich Konsum 1.
    Durch den Verdienst kann y sich mehr leisten, dies schlägt sich dann darin nieder, dass sie öfters weggeht (lass ich mal unter neutralem konsum laufen) - dazu braucht y aber kleider, kauft sich alkohol, evtl zigaretten (konsum 2-4) - und weil dann immernoch Geld überbleibt ein neues Handy, TV etc (konsum 5-n)

    Wie sie bemerken können ist hier schon enormes Potential ihre Aussage an die Wand zu fahren.

    Weitergehts auf der X Seite - diese hat nun mehr Zeit - Kinder werden überwacht, man kann entweder Genussvoll Kaffeetrinken gehen, einkaufen gehen, [..seien sie kreativ ;) ] (KOnsum n+1 - n+m) oder auch nur arbeiten => mehr geld - siehe Konsum 1-5 - zusätzlich kann man sich darüber nun einen schicken Zweitwagen oder einen größeren Urlaub leisten (Auto, Kerosin (Konsum...ja braucht man wohl nicht mehr aufzählen))

    VG. Bitte, auch wenn es nicht in Ihre Weltansicht passt, der Autor hat Recht.

    > Ganz schön anmaßend, wie Herr Paech meint, "Realität"
    > festschreiben zu können. Wollen wir mal sehen.

    Hier fühlt sich wieder ein antiautoritär denkender Mensch auf den Schlips getreten.

    Wie kommt es, dass in den letzten hundert Jahren das Dienstleistungsgewerbe kontinuierlich wuchs und heute dennoch mehr fossile Ressourcen verbraucht werden als früher?

    Der Autor hat schon Recht... Finden Sie erstmal eine Putzfrau - das ist schon mit erheblichem Energieaufwand auf beiden Seiten verbunden. Ihre Nachbarn werden sich sicherlich nicht freiwillig dafür melden.

    • APGKFT
    • 22. Juni 2012 7:07 Uhr

    aber auch, dass nicht jeder die berühmte Putzfrau einstellen kann. Besser wäre es die vorhandene Arbeit besser zu Teilen, da es genügend qualifizierte für jede Stelle gibt. Es müssen ja nicht die gewaltigen Einkommensunterschiede sein, da der Tag für alle nur 24 Stunden hat, wäre ein 4-facher Unterschied in Ausnahmefällen gerade noch vertretbar. Wenn Sie das nicht begreifen, dann so Uwe Seeler hat bestimmt genauso gut Fußball gespielt wie Schweinsteiger heute. Also in meinen Augen die gleiche Leistung, aber der "sogenannte" absolute Marktgedanke hat hier nur zu Verwerfungen geführt. Daran krankt das ganze System.

    Treiber des Wachstums langfristig ist insbesondere Technologischer Fortschritt, also mit weniger mehr produzieren. Außerdem hat die Inflation hier auch was zuzusteuern. Wenn ein Produkt weniger Ressourcen, aber mehr Arbeitsschritte verlang (Beispiel Handarbeit) wird es auch teurer - Wachstum in Geldwert gemessen (BIP).

    Der Autor hatte eine fixe Idee, die aber nicht sehr durchdacht ist

    Bitte achten Sie auf eine respektvolle Wortwahl. Die Redaktion/vn

    • zappp
    • 22. Juni 2012 10:49 Uhr

    Heimwerken, Haus- und Gartenarbeit ist Wertschöpfung, die in der Wirtschaftsstatistik nur dann erfasst wird, wenn sie durch regulär bezahlte Dienstleister erbracht wird. Das gegenseitige Erbringen von Dienstleistungen erzeugt auf dem Papier Wirtschaftswachstum, selbst wenn wir im Ergebnis gar nicht anders leben.

    Ob der Bagger den Kelleraushub für ein neues Haus macht oder einen gebrochenen Deich repariert erfasst die Wirtschaftsstatistik gleichermaßen als Wertschöpfung. Natur- oder Umweltkatastrophen wirken durch Arbeits- und Produktionsausfälle. Die Kosten für die Beseitigung der Schäden werden aber als Wertschöpfung gemessen.

    Gewinn aus der Förderung nicht erneuerbarer Rohstoffe, der Verpachtung und dem Verkauf von Land ist Wertschöpfung, nicht etwa Wertverbrauch. Wertschöpfung (aber eigentlich -verbrauch) durch das Einleiten von Abfallstoffen in die Umwelt wird nur erfasst, wenn Betroffene Entschädigung bekommen.

    • Atan
    • 21. Juni 2012 19:12 Uhr

    20 Jahre nehme, hat sich das BIP grob von 1,5 Bio. EUR auf 2,5 Bio. EUR erhöht, während er Primärenergieinsatz im gleichen Zeitraum um eta. 1.500 Petajoule abnahm, wobei der Anteil erneuerbarer Energien anstieg.

    Gekürzt. Bitte äußern Sie Kritik sachlich. Danke, die Redaktion/jz

    2 Leserempfehlungen
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    • Atan
    • 21. Juni 2012 19:13 Uhr

    .

    Das ist ziemlich kurz gedacht - wie so oft. Umweltprobleme werden zunehmend outgesourct. Es hilft nichts, sich die schönen Nadelwälder in Deutschland anzusehen - man muss die Umweltprobleme global betrachten.

    Woher kommen die Ressourcen für die Herstellung von Windkrafträdern und Solarzellen (einschließlich des Transports mit Ölverbrauch)?

    China´s Umweltprobleme sind ein gutes Beispiel - ein Land das für die halbe Welt produziert und seine Flüsse, Luft und Landschaft verschmutzt.

    • Atan
    • 21. Juni 2012 19:13 Uhr
  2. "Wenn ich jemanden einstelle, um bei mir die Wohnung zu putzen, meinen Kindern Nachhilfeunterricht zu geben, oder mir eine Ausarbeitung zu übersetzen, ist das Wachstum. Und schadet doch nicht der Umwelt.
    Das war's mit dem Naturgesetz."
    Wenn Sie den oder diejenige nicht dafür bezahlen und der oder diejenige dann nichts (mehr) konsumiert, haben Sie sicher recht. Das wäre aber natürlich nicht sehr nett, ... und schon bewegen Sie sich wieder in der Nähe eines 'Naturgesetzes'.

    5 Leserempfehlungen
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    Gingen Sie davon aus das die Reinigungskraft, Nachhilfe oder was auch immer vorher nichts konsumiert (z.B. essen) hat.

    Sozialleistungen fließen nicht in das BIP ein. Das was die Leistungsempfänger damit kaufen sehr wohl. Schafft der erste Kommentator also wie beschrieben neue Arbeitsplätze und diese werden von Menschen besetzt die zuvor auf Sozialtransferleistungen angewiesen waren, so erhöht er das BIP.

    Das BIP ist nur die Summe aller Wirtschaftsleistungen (Umsätze) einer Nation.

    Um das mal von Löhnen oder Gehältern zu trennen. Die Rechnung die ein Unternehmen ausstellt fließt vollständig in das BIP ein. Die Gehälter die das gleiche Unternehmen an seine Mitarbeiter zahlt, fließen nicht in das BIP ein. Es ist sehr wohl möglich das BIP zu steigern und gleichzeitig den Ressourcenverbrauch zu senken.

    statt bei Lidl jetzt im örtlichen Bioladen einzukaufen, ist das durchaus grünes Wachstum, das grünes Wachstum generiert.

    Wenn allerdings dieser jemand stattdessen jetzt drei statt zwei Mal im Jahr nach Malle in den Urlaub fliegt, stimmt Ihr Einwand.

    Im Artikel wird konsequent ärgerlicherweise die letztere Wirkung beschworen.

    k.

    Selbst wenn der für die Leistung Bezahlte davon nach Mallorca fliegt, muss das angebliche "Naturgesetz" keineswegs stimmen: nämlich dann, wenn der Bezahlende eben deshalb NICHT nach Mallorca fliegt, weil er dieses Geld anderweitig gebraucht hat.

  3. her ökologisch unschädliches BIP-Wachstum wäre jemals denkbar. Wie könnte dann sichergestellt werden, dass die korrespondierenden Einkommenszuwächse ebenfalls ökologisch neutral verwendet werden?" - in dem Moment wäre das ökologisch unschädliche BIP-Wachstum nicht nur denkbar, sondern real; wenn nur ökologisch Neutrales erworben werden kann, wären auch die Einkommenszuwächse ökologisch neutral verwendet. - Der Artikel hat mir zuviel Naßforsches; über das BIP ließe sich nachdenken. -

    Eine Leserempfehlung
  4. Dieser Artikel bringt sehr schön das auf den Punkt, was in der politischen Öffentlichkeit allzu ungern diskutiert wird:

    Wir brauchen eine Alternative zum bisherigen Wirtschaftsmotor Wachstum. Ist Wohlstand auch ohne Wachstum möglich? Leseempfehlung dazu: "Exit" von Meinhard Miegel.

    Unser von der Wirtschaft in Realwerten abgekoppeltes Finanzsystem ist dann jedoch dem Untergang geweiht. Investmentbanken setzen auf Wachstum. Schulden werden dank des sicheren Wachstums eingeplant. Alle Staatshaushalte und Unternehmen rechnen in zukünftigen Gewinnen augrund von Maximierung.

    Das gesamte Gesellschaftssystem wie wir es kennen stünde auf dem Spiel, sollte man auf Nullwachstum setzen. Andererseits wird dies ein unausweichliches Zukunftsszenario sein, wie Jorgen Randers im neuen Bericht des "Club of Rome" "2052: A Global Forecast for the Next Forty Years" beschreibt.

    Seit 1984 wird mehr Rohöl verbraucht als gefördert wird. Wir leben bereits jetzt bei vielen Rohstoffen von unseren Reserven. Dazu wächst die Weltbevölkerung jedes Jahr weiter. 2040 soll laut "Club of Rome" das Maximum von 8 Mrd. erreicht sein. Wie soll ein schrumpfendes Angebot einer immer größer werdenden Nachfrage gerecht werden?

    Wir stehen vor mehreren globalen Herausforderungen, die alle miteinander korrelieren. Wachstum muss in technologischer, ökonomischer, ökologischer, demografischer und soziokultureller Form neu definiert werden. Wird nur ein Faktor vernachlässigt findet keine Veränderung statt (David Harvey).

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    • spacko
    • 21. Juni 2012 20:12 Uhr

    "Seit 1984 wird mehr Rohöl verbraucht als gefördert wird."

    Donnerkiel! Neue Erkenntnis: Auch kritische Geister lernen Phrasen falsch auswendig!

    Glauben Sie das nicht?

    Hier ein Nachweis anhand eines Universitätsvortrags in Santa Fe von Dennis Meadows (former Director of the Institute for Policy and Social Science Research at the University of New Hampshire) und Co-Autor des Buches "2052 [...]" vom 13. Juli 2010:

    http://www.youtube.com/wa...

    Das Thema Energie und Rohöl startet bei 31:00 Minuten. Gern können Sie sich aber auch die komplette Vorlesung ansehen!

    ... gibt es seit dem Jahr 2000 gar kein Öl mehr.

    Ihr Argument greift nicht. Schließlich war das ein Zukunftsszenario in den 60ern für das Jahr 2000. Es war eine Prognose, die man nicht hinreichend begründen konnte. Letztlich lag man falsch, zum Glück! Das Jahr 1984 liegt nun jedoch in der Vergangenheit und kann relativ einfach per Datenerhebung und Statistikauswertung belegt werden. Gegen diesen Fakt können Sie nichts sagen, es sei denn sie können das Gegenteil belegen, was ich bezweifle.

    Deshalb gibt es ja nun auch den neuen Bericht um alte Fehler auszuräumen. Die Zukunft kann man nicht 1:1 vorhersagen, man kann sie nur ungefähr prognostizieren. Die Vergangenheit jedoch lässt sich absolut fassen.

    • DDave
    • 21. Juni 2012 19:20 Uhr

    Somit darf von den 3 Wirtschaftssektoren nur noch der Dienstleistungsektor wachsen, der besteht zum größten Teil aus Banken und Versicherungen, die mit virtuellem Geld ein bisschen Kasino spielen ;)

    Im Endeffekt ist es aber auch relativ schwammig argumentiert.
    Denn ein Ressourcenverbrauch muss nicht gleich Umweltschaden bedeuten, z.B. wenn Weizen zu Brot verarbeitet wird, dann wird die Ressource Weizen und Holz verbraucht(hier setzen wir voraus, dass es aus einem mit Steinbackofen gebacken wird).
    Beides ist aber kein Problem für die Natur, Weizen und Holz lässt sich neu anbauen, somit gibt es einen Ressourcenverbauch, eine wachsende Wirtschaft, aber keinerlei Umweltschaden.
    Ja, an alle meine Kritiker, dieser theoretische Konstrukt ist mehr als realitätsfern.
    Aber in der Mathematik reicht ein negatives Beispiel und die Hypothese/Argument/Behauptung ist zu Fall gebracht, somit ist die komplette Aussage: Wirtschaft wächst -> Ressourcenverbauch -> Umweltschaden. Für nicht alle Fälle anzunehmen....

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    • chri.s
    • 21. Juni 2012 23:23 Uhr

    Im weiteren, wissen sie, wieviel Holz man braucht um die ganze Welt mit Brot zu versorgen? ;-)

    So unverdrossen wie die Klimawandler die nie bewiesene und(schauen Sie aus dem Fenster) real nicht funktionierende CO2-These hochhalten haben Sie noch viel zu tun.

    Gesundheit, Pflege, Betreuung, Bildung, Kultur sind keine Dienstleistung?

  5. Ich stimme zu: Wachstum kostet Resourcen. Ist so, und ist mir recht. Was sonst?

    3 Leserempfehlungen
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    ... sonst. Alles in Ordnung.

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  • Schlagworte Wunder | Nachhaltigkeit | BIP | Konsum | Mobilität | Technologie
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