Nachhaltigkeit : "Grünes" Wachstum wäre ein Wunder

Es ist wie ein Naturgesetz: Wenn die Wirtschaft wächst, verbraucht sie Ressourcen und schadet der Umwelt. Wer anderes behauptet, leugnet die Realität. Von Niko Paech
Dichter Straßenverkehr in Hongkong © Philippe Lopez/AFP/Getty Images

Wer glaubt, das Bruttoinlandsprodukt (BIP) könne ohne zusätzliche Umweltschädigung immer weiter wachsen, muss an zwei Wunder glauben: an die ökologische Unbedenklichkeit zunehmenden Konsums und an die Unschädlichkeit wachsender Produktion. Beides ist schwer vorstellbar, denn ein wachsendes BIP ist ohne eine zusätzliche Warenproduktion nicht möglich. Zugleich lässt wirtschaftliches Wachstum das verfügbare Einkommen von mindestens einem Teil der Bevölkerung steigen, woraus zusätzlicher Konsum entsteht. Beides, Produktion wie Konsum, verbrauchen Ressourcen oder belasten die Umwelt.

Welche Güter oder Dienstleistungen, mit denen Anbieter Geschäfte machen und für deren Erwerb Kunden bereit sind zu zahlen, könnten so beschaffen sein, dass ihre Produktion, ihre Nutzung und ihre Entsorgung weder Fläche, noch Energie, noch andere Ressourcen verbrauchen? Passivhäuser, Elektromobile, Ökotextilien, Photovoltaikanlagen, Bio-Nahrungsmittel, Stromleitungen, Blockheizkraftwerke, solarthermische Heizungen, Cradle-to-cradle-Getränkeverpackungen, Carsharing- oder Internet-Dienstleistungen: Sie alle erfüllen diese Bedingung nicht. Ohne physischen Aufwand sind sie nicht zu haben.

Das gilt auch für digitale Technologien und Services, deren oft beschworener Dematerialisierungseffekt nicht eingetreten ist. Stattdessen verursachen sie eine nie dagewesene Elektroschrottlawine und verbrauchen Unmengen an fossilen Ressourcen, Mineralien, Seltenen Erden und Metallen. Auch wenn das, was der Kunde kauft, per Mausklick übertragen wird, in Form von virtuellen Datenpaketen: An den End- und Anfangspunkten der Warenkette bedarf es einer umso massiveren Ausstattung mit materiellen Maschinen, um die Kundenwünsche erfüllen zu können.

Effizienz- und Konsistenzpotenziale, also Umweltvorteile beispielsweise durch die Nutzung erneuerbarer Technologien, fallen nicht einfach vom Himmel. Sie sind auch nicht durch einfache Anpassungen oder das Umrüsten vorhandener Produktionsstätten möglich. Stattdessen sind Investitionen in neue Anlagen erforderlich. Um zu verhindern, dass es dadurch zu purer Addition weiterer Produktionsoutputs und der Ansammlung von immer mehr technischen Geräten um uns herum kommt, müssen die bislang genutzten Kapazitäten nicht nur stillgelegt, sondern auch entsorgt werden.

Materie verschwindet nicht

Aber wie kann man die Materie ganzer Industrien ökologisch neutral verschwinden lassen? Möglich wäre das nur in einem Paralleluniversum, das kein Entropiegesetz kennt. Und wenn es gelänge: Wie könnte das BIP dann dauerhaft wachsen? Jeder neuen Wertschöpfung stünde, sofern sie nachhaltig wäre, unweigerlich ein Wertschöpfungsverlust infolge des Rückbaus alter Strukturen entgegen.

Wer beispielsweise glaubt, erneuerbare Energien könnten langfristig die BIP-Beiträge der atomaren und fossilen Industrien ersetzen, übersieht: Die derzeit bestaunten Wertschöpfungsbeiträge grüner Technologien entsprechen einem Strohfeuereffekt, der allein dem vorübergehenden Kapazitätsaufbau geschuldet ist.

Ist die neue Infrastruktur komplett, reduziert sich ihre ökonomische Wirkung auf einen Energiefluss, der vergleichsweise wenig Aufwand an wertschöpfungsträchtigem Input verursacht und nicht beliebig gesteigert werden kann – es sei denn, die Produktion neuer Anlagen wird ohne Begrenzung fortgesetzt. Doch dann nähmen infolge des materiellen Wachstums die schon jetzt kaum mehr erträglichen landschaftlichen Zerstörungen zu. Daran zeigt sich nebenbei, dass regenerative Energien ohnehin kein ökologisches Problem lösen, sondern es nur in eine andere physische, räumliche, zeitliche oder systemische Dimension transferieren. Für die meisten anderen Hoffnungsträger des Green Growth gilt das nicht minder.

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Kommentare

86 Kommentare Seite 1 von 10 Kommentieren

Naturgesetz

"Es ist wie ein Naturgesetz: Wenn die Wirtschaft wächst, verbraucht sie Ressourcen und schadet der Umwelt. Wer anderes behauptet, leugnet die Realität."

Ganz schön anmaßend, wie Herr Paech meint, "Realität" festschreiben zu können. Wollen wir mal sehen.
Seine Behauptung mag intuitiv für viele Wirtschaftsbereiche gelten - für alle gilt sie sicher nicht! Denken wir nur an die Dienstleister. Wenn ich jemanden einstelle, um bei mir die Wohnung zu putzen, meinen Kindern Nachhilfeunterricht zu geben, oder mir eine Ausarbeitung zu übersetzen, ist das Wachstum. Und schadet doch nicht der Umwelt.
Das war's mit dem Naturgesetz.

Das hat zwar, zugegeben, nichts mit Grünem Wachstum im Eigentlichen zu tun - aber wenn man anstrengungslos Behauptungen des Autors schon nach den ersten Zeilen widerlegen kann, ist das ein Problem, was mich in letzter Zeit immer öfter an der ZEIT ärgert.

Richtig....

Somit darf von den 3 Wirtschaftssektoren nur noch der Dienstleistungsektor wachsen, der besteht zum größten Teil aus Banken und Versicherungen, die mit virtuellem Geld ein bisschen Kasino spielen ;)

Im Endeffekt ist es aber auch relativ schwammig argumentiert.
Denn ein Ressourcenverbrauch muss nicht gleich Umweltschaden bedeuten, z.B. wenn Weizen zu Brot verarbeitet wird, dann wird die Ressource Weizen und Holz verbraucht(hier setzen wir voraus, dass es aus einem mit Steinbackofen gebacken wird).
Beides ist aber kein Problem für die Natur, Weizen und Holz lässt sich neu anbauen, somit gibt es einen Ressourcenverbauch, eine wachsende Wirtschaft, aber keinerlei Umweltschaden.
Ja, an alle meine Kritiker, dieser theoretische Konstrukt ist mehr als realitätsfern.
Aber in der Mathematik reicht ein negatives Beispiel und die Hypothese/Argument/Behauptung ist zu Fall gebracht, somit ist die komplette Aussage: Wirtschaft wächst -> Ressourcenverbauch -> Umweltschaden. Für nicht alle Fälle anzunehmen....

Putzen ist ein schlechtes Beispiel, aber es geht

Leute im Dienstleistungsbereich zu beschäftigen ist ein schlechtes Beispiel, denn das ist nur dann Wachstum, wenn die Leute nicht vorher woanders gearbeitet haben - also Wachstum durch Erhöhung der Arbeitssumme. Im Rahmen dieses Themas ist es aber sinnvoll, Wachstum unter gleichbleibender Arbeitssumme zu untersuchen. Dann ist Wachstum gleich Produktivitätswachstum. Auf dem Gebiet der Nachhilfe oder der Reinigung gibt es praktisch kein Produktivitätswachstum. Dieses gibt es nur dort, wo entweder mehr oder höherwertige Güter produziert werden. Unter "mehr" ist dann auch "größer" zu verstehen, wie z.B. das Anwachsen des durchschnittlichen Fahrzeuggewichts.

Entkopplung vom Ressourcenverbrauch kann es nur dort geben, wo Wachstum in Höherwertigkeit erfolgt. (Wenn damit erhöhte Haltbarkeit verbunden ist, könnte der Ressourcenverbrauch sogar sinken.) Also z.B. bessere Software. Oder bessere Telefone. Oder bessere Kleidung. Oder bessere Theater. Oder bessere Bildung. Oder bessere Altenpflege.
Höherwertigkeit ist nicht objektiv, sondern subjektiv. wir haben in hohem Maße die Freiheit zu entscheiden, was für uns "höherwertig" ist. Beispiel Biobereich: die Produktivität im Sinne von Stückkosten ist dort ungünstiger, aber viele finden dort einen Wert, den sie auch bereit sind zu bezahlen.
Diese höherwertige Produktion ist, i.G. zu dem was der Autor meint, nicht von materiellem Wachstum begleitet, denn wir können unser Geld nur einmal ausgeben, da hat er nicht nachgedacht.

Doch, doch, ...

"Ganz schön anmaßend, wie Herr Paech meint, "Realität" festschreiben zu können. Wollen wir mal sehen.
Seine Behauptung mag intuitiv für viele Wirtschaftsbereiche gelten - für alle gilt sie sicher nicht! Denken wir nur an die Dienstleister. Wenn ich jemanden einstelle, um bei mir die Wohnung zu putzen, meinen Kindern Nachhilfeunterricht zu geben, oder mir eine Ausarbeitung zu übersetzen, ist das Wachstum. Und schadet doch nicht der Umwelt.
Das war's mit dem Naturgesetz."

... ihre Beispiele wirken sich sehr wohl auf die Umwelt aus: Entweder der Nachhilfelehrer muß zu Ihnen kommen oder ihre Kinder müssen zum Nachhilfelehrer oder man benötigt Energie für eine Fernkommunikation. Genauso verhält es sich mit ihrer Putzfrau. Je mehr geputzt wird, desto mehr Umweltauswirkung.

Im weiteren

Annahme Urzustand:
Person x (mutter, vater) bleibt daheim, genug geld ist vorhanden, geld bleibt ungenutzt auf dem Konto, es werden nur die notwendigen dinge verzehrt.
Person y arbeitet und konsumiert nur sehr geringfügig

Nun nimmt y den job an, verdient damit 2-300% mehr, muss allerdings 10% dafür für den Weg aufnehmen, kauft sich allerdings davon Fahrrad, Roller oder Auto - bestenfalls noch Bus, kostet aber auch. Schlussendlich Konsum 1.
Durch den Verdienst kann y sich mehr leisten, dies schlägt sich dann darin nieder, dass sie öfters weggeht (lass ich mal unter neutralem konsum laufen) - dazu braucht y aber kleider, kauft sich alkohol, evtl zigaretten (konsum 2-4) - und weil dann immernoch Geld überbleibt ein neues Handy, TV etc (konsum 5-n)

Wie sie bemerken können ist hier schon enormes Potential ihre Aussage an die Wand zu fahren.

Weitergehts auf der X Seite - diese hat nun mehr Zeit - Kinder werden überwacht, man kann entweder Genussvoll Kaffeetrinken gehen, einkaufen gehen, [..seien sie kreativ ;) ] (KOnsum n+1 - n+m) oder auch nur arbeiten => mehr geld - siehe Konsum 1-5 - zusätzlich kann man sich darüber nun einen schicken Zweitwagen oder einen größeren Urlaub leisten (Auto, Kerosin (Konsum...ja braucht man wohl nicht mehr aufzählen))

VG. Bitte, auch wenn es nicht in Ihre Weltansicht passt, der Autor hat Recht.

Re: 1. Naturgesetz

> Ganz schön anmaßend, wie Herr Paech meint, "Realität"
> festschreiben zu können. Wollen wir mal sehen.

Hier fühlt sich wieder ein antiautoritär denkender Mensch auf den Schlips getreten.

Wie kommt es, dass in den letzten hundert Jahren das Dienstleistungsgewerbe kontinuierlich wuchs und heute dennoch mehr fossile Ressourcen verbraucht werden als früher?

Der Autor hat schon Recht... Finden Sie erstmal eine Putzfrau - das ist schon mit erheblichem Energieaufwand auf beiden Seiten verbunden. Ihre Nachbarn werden sich sicherlich nicht freiwillig dafür melden.

Was wenn...

-... der Bus/ das Auto solarbetrieben faehrt?
-... der Bus/ das Auto aus dem Schrott der Busse und Autos des letzten Jahrzehnts hergestellt wurde?
-... die dazu noetige Energie aus Solarkraftwerken erzeugt wird?
-... die Solarkraftwerke wiederum aus dem Schrott der Kern- und Kohlekraftwerke des letzten Jahrhunderts hergestellt werden?
-... kurzum Resourcen wiederverwertet oder synthetisch hergestellt werden und Sonnenenergie nachhaltig geerntet wird?

Das mag sich nach Scifi anhoeren und ich behaupte auch nicht, dass wir es noch erleben werden, aber fuer moeglich halte ich es durchaus, dass technologische Fortschritte zu "gruenem" Wachstum fuehren koennen. Wir reden ja nicht von unendlichem Wachstum der Bevoelkerung, sondern vom Wachstum der Produktivitaet.

Tatsache ist

aber auch, dass nicht jeder die berühmte Putzfrau einstellen kann. Besser wäre es die vorhandene Arbeit besser zu Teilen, da es genügend qualifizierte für jede Stelle gibt. Es müssen ja nicht die gewaltigen Einkommensunterschiede sein, da der Tag für alle nur 24 Stunden hat, wäre ein 4-facher Unterschied in Ausnahmefällen gerade noch vertretbar. Wenn Sie das nicht begreifen, dann so Uwe Seeler hat bestimmt genauso gut Fußball gespielt wie Schweinsteiger heute. Also in meinen Augen die gleiche Leistung, aber der "sogenannte" absolute Marktgedanke hat hier nur zu Verwerfungen geführt. Daran krankt das ganze System.

Treiber des Wachstums langfristig ist insbesondere Technologischer Fortschritt, also mit weniger mehr produzieren. Außerdem hat die Inflation hier auch was zuzusteuern. Wenn ein Produkt weniger Ressourcen, aber mehr Arbeitsschritte verlang (Beispiel Handarbeit) wird es auch teurer - Wachstum in Geldwert gemessen (BIP).

Der Autor hatte eine fixe Idee, die aber nicht sehr durchdacht ist

Bitte achten Sie auf eine respektvolle Wortwahl. Die Redaktion/vn

Die Wirtschaftsstatistik enthält Lücken und Wiedersprüche.

Heimwerken, Haus- und Gartenarbeit ist Wertschöpfung, die in der Wirtschaftsstatistik nur dann erfasst wird, wenn sie durch regulär bezahlte Dienstleister erbracht wird. Das gegenseitige Erbringen von Dienstleistungen erzeugt auf dem Papier Wirtschaftswachstum, selbst wenn wir im Ergebnis gar nicht anders leben.

Ob der Bagger den Kelleraushub für ein neues Haus macht oder einen gebrochenen Deich repariert erfasst die Wirtschaftsstatistik gleichermaßen als Wertschöpfung. Natur- oder Umweltkatastrophen wirken durch Arbeits- und Produktionsausfälle. Die Kosten für die Beseitigung der Schäden werden aber als Wertschöpfung gemessen.

Gewinn aus der Förderung nicht erneuerbarer Rohstoffe, der Verpachtung und dem Verkauf von Land ist Wertschöpfung, nicht etwa Wertverbrauch. Wertschöpfung (aber eigentlich -verbrauch) durch das Einleiten von Abfallstoffen in die Umwelt wird nur erfasst, wenn Betroffene Entschädigung bekommen.

An sich nicht...

Wenn Sie alle Bäume nehmen und verbrennen, dafür aber wieder alles Aufforsten, dann tut das der Welt keinen Schaden, aber, wenn Sie hingehen und aus den Tiefen Erdöl fördern bzw Kohle und das nutzen, dann addieren Sie CO2 zum Kreislauf. Der natürliche Kreislauf besteht aus dem, was in nächster Bodennähe, sowie in Luft gespeichert sind...
Btw, wenn Sie für jede Tonne Kohle, zahlenmässig viele Bäume anpflanzen dürfte das auch kein Problem mehr sein, nur es gibt zu wenig Land, bzw das Land ist nicht nutzbar.

Wohl etwas durchdachter als Sie denken

Natürlich betrachtet man bei der Diskussion das inflationsbereinigte BIP-Wachstum. Wenn einfach nur alles teurer wird, ohne mehr Produktion, dann ist das kein Wirtschaftswachstum, sondern Stagnation mit Inflation. Damit wär kein ökologisches Problem.

Und zum Handwerk: Stimmt, je mehr sie von Hand machen, desto teurer wird das Produkt. Aber der Faktor, der hier die Produktivität beschränkt ist Zeit. Ein Schuster kann nicht jedes Jahr mehr Schuhe produzieren. Bei menschlichen Tätigkeiten kann es insgesamt keine ewigen Produktivitätsfortschritte geben.

Man kann jedoch mehr Schuhe produzieren, wenn man Maschinen und Energie einsetzt, die für einen arbeitet. Aber dann ist es nicht von den Ressourcen entkoppelt.

Entkoppelt: kein Wachstum
Wachstum: Keine Entkopplung vom Ressourcenverbrauch

Wachstum ohne zusätzlichen Verbrauch

Mal ganz langsam, sonst schmeißen Sie noch alles durcheinander:

A: Technischer Fortschritt kann den Verbrauch senken. Also kann man wachsen ohne mehr zu verbrauchen.

B: Wir haben in Europa ein Arbeitsplatz Problem. Wenn ein paar Güter nicht mehr Maschinell hergestellt werden, sondern per Hand. Spart das Ressourcen. Die Güter kosten u.U. sogar mehr. Es geht um den Switch, von Maschinell auf Handwerk. Zeit ist hier kein knappes Gut, wenn sie sich den Arbeitsmarkt in Spanien anschauen. Die Öl und Benzin Preise zum betreiben der Maschinen sind dafür (leider) noch zu niedrig.

Langsam zum technischen Fortschritt, der Herr:

ad A: Richtig ist, dass man aus den selben sagen wir 10 Einheiten Ressourcen durch technischen Fortschritt mehr rausholen kann als vorher.

Wenn man jedoch die gesamte Weltwirtschaft oder auch nur Deutschland betrachtet, so werden die Effizienzgewinne des technischen Fortschritts in der Realität durch vielfältige Reboundeffekte aufgefressen. Wenn das Auto weniger verbraucht, fährt man eben weiter oder schneller, oder hat mehr Schnickschnack im Wagen. Oder man hat mehr Einkommen übrig und gibt es für zusätzlichen anderen Konsum aus. Unterm Strich führen Effizienzgewinne so nicht zu weniger Verbrauch. In vielen Bereichen oft sogar zu mehr Verbrauch als vor den Effizienzgewinnen!

Hinzu kommt, dass wir ja jetzt schon etwa 1,5 Erden bräuchten, um unseren heutigen Ressourcenverbrauch nachhaltig zu speisen. Wenn wir dann noch den Entwicklungs- und Schwellenländern nicht verbieten können, auf unser Wohlstandsniveau aufzusteigen und Sie dennoch weiterhin eine wachsende Wirtschaft ermöglichen wollen, so muss das in Ihrer Sicht alles durch Effizienzgewinne ermöglicht werden (ohne die natürlichen Grenzen des Ressourcenverbrauchs weiterhin zu überschreiten). Nach dem brit. Ökonomen Tim Jackson wären dafür bis 2050 Effizienzgewinne um den Faktor 130 (!) nötig.

Also nicht 130%, sondern nur noch ein 130stel des aktuellen Verbrauchs pro € Wertschöpfung. Energie, Metalle, Holz, alles! Halten Sie das für möglich?

Zeit ist entscheidend

ad B:
Bei der Umstellung von Maschinen auf Handwerk werden meist nur dann Ressourcen gespart, wenn dadurch weniger produziert wird. Maschinen der Massenproduktion verschneiden sich weniger, arbeiten genauer, nutzen Skaleneffekte (ihren Größenvorteil) aus. Pro produziertem Gut effizienter als der Mensch.

Teuer wird das handwerklich produzierte Gut, weil der Handwerker viele Stunden dransitzen muss und seine körperlichen Fertigkeiten dafür nutzt. Mit "beschränkender Faktor" meinte ich, dass der Tischler sich vielleicht sehr anstrengen kann, um 20-30% mehr in der gleichen Zeit zu schaffen, aber dann ist irgendwann Schluss mit den Produktivitätsgewinnen. (Produktivität=Wertschöpfung pro Zeiteinheit) Und mehr als 24h hat er nicht. Wo keine Produktivitätsgewinne, da kein Wachstum. Deswegen ist das Wachstumspotenzial im Handwerk durch die Zeit begrenzt.

Das ist auch bei der Altenpflege so, in der Kunst, Entertainment, Frisöre, Kosmetiker, Psychologen, ... Das Gut/die Dienstleitstung erhält ihren Wert durch die menschliche Zeit, die reingesteckt wurde. Wird man da viel effizienter, zB. Frisur in 6 min statt 30, so verliert das Gut seinen Wert. Diese ganzen immateriellen Bereiche sind super entkoppelt vom Ressourcenverbrauch, haben aber kein unbegrenztes Wachstumspotenzial.

Teilhabe statt Beschäftigung der Leute

Und in Europa haben wir nicht so sehr ein "Arbeitsplatzproblem", sondern ein Problem der Verteilung von Arbeit und damit gesellschaftlicher Teilhabe.

Durch die Automatisierung werden nicht mehr so viele Menschen in den Fabriken gebraucht. Die Früchte der Maschinenarbeit kommen aber primär den Aktionären des Unternehmens zugute, während große Teile der Bevölkerung nicht arbeiten dürfen und andere vor Burnout (im Dienstleistungsbereich) umkippen.

@de_le_nen... Nr1

@de_le_nen:

Zitat: "Beispiel Biobereich: die Produktivität im Sinne von Stückkosten ist dort ungünstiger, aber viele finden dort einen Wert... bereit sind zu bezahlen."

Ein sehr schlechtes Beispiel. Heute habe ich noch einen dazu gelesen. Fangen wir mal mit einem Zitat von Renate Künast zur Zeit als Bundesministerin in Bezug auf Biogas-Anlagen und Bio-Sprit an: "Die Bauern sind die Ölscheischs von Morgen". Das hatte Folgen. Investitionen.

Heute wird faktenignorant das Gegenteil gefordert. Lebensmittelspekulationen bzw. Preisanstieg hingen mit Biogas und Bioethanol zusammen. Weltweit wird 0,1 Prozent der betreffenden Pflanzen für solche eingesetzt. Der Weltmarktpreis hat damit nichts zu tun. Einst durch die gefördert, die jetzt verteufeln. Und die dumme Masse schwimmt schon wieder mit, bedient sich der Argumente damaliger Gegner von Biogas und Bioethanol, damals Gegner nicht selten Landwirte. Witzigerweise wurden die Maßnahmen auch durch Überproduktionen in der EU begründet.

Ihr Argument des subjektiven Wertes ist als nicht mehr als eine Modefrage. Wenn die Nahrungsmittelkrise nur extrem genug ist, wird das auch folgen für den Bio-Bereich haben, wo dann von Wohlstands- und Luxus-Verschwendung die Rede ist und nicht von Vorbildlichkeit.

Ähem, wenn ich jetzt alleine mal die letzten

20 Jahre nehme, hat sich das BIP grob von 1,5 Bio. EUR auf 2,5 Bio. EUR erhöht, während er Primärenergieinsatz im gleichen Zeitraum um eta. 1.500 Petajoule abnahm, wobei der Anteil erneuerbarer Energien anstieg.

Gekürzt. Bitte äußern Sie Kritik sachlich. Danke, die Redaktion/jz

Re: Ähem, wenn ich jetzt alleine mal die letzten

Das ist ziemlich kurz gedacht - wie so oft. Umweltprobleme werden zunehmend outgesourct. Es hilft nichts, sich die schönen Nadelwälder in Deutschland anzusehen - man muss die Umweltprobleme global betrachten.

Woher kommen die Ressourcen für die Herstellung von Windkrafträdern und Solarzellen (einschließlich des Transports mit Ölverbrauch)?

China´s Umweltprobleme sind ein gutes Beispiel - ein Land das für die halbe Welt produziert und seine Flüsse, Luft und Landschaft verschmutzt.

Sicher müsste man noch die Importe hereinrechnen,

nur ist Deutschland eben auch ein sehr starker Exporteur.
Wir können auch andere Zahlen heranziehen: sowohl beim Energieverbrauch pro BIP-Einheit bzw. Energieverbrauch pro Kopf gibt es gewaltige nationale Unterschiede. (Siehe Schnelldienst IFO/9-2010) Die Zahlen blegen demgemäß, dass Deutschland trotz seiner Exportleistung sein hohes BIP mit verlgelichswqeise niedrigem Energieeinsatz gewinnt.
Einiger der energieintensivstem Volkswirtschaften liegen interessanterweise in Afrika, sie verbrauchen sehr viele Ressourcen für bescheidene wirtschaftliche Erfolge.
Ich halte die These einer direkten Korrelation von Energieeinsatz und Wohlstand nach wie vor für falsch.

@1. Wachstum

"Wenn ich jemanden einstelle, um bei mir die Wohnung zu putzen, meinen Kindern Nachhilfeunterricht zu geben, oder mir eine Ausarbeitung zu übersetzen, ist das Wachstum. Und schadet doch nicht der Umwelt.
Das war's mit dem Naturgesetz."
Wenn Sie den oder diejenige nicht dafür bezahlen und der oder diejenige dann nichts (mehr) konsumiert, haben Sie sicher recht. Das wäre aber natürlich nicht sehr nett, ... und schon bewegen Sie sich wieder in der Nähe eines 'Naturgesetzes'.

Sorry Herr Gerstenkorn

Gingen Sie davon aus das die Reinigungskraft, Nachhilfe oder was auch immer vorher nichts konsumiert (z.B. essen) hat.

Sozialleistungen fließen nicht in das BIP ein. Das was die Leistungsempfänger damit kaufen sehr wohl. Schafft der erste Kommentator also wie beschrieben neue Arbeitsplätze und diese werden von Menschen besetzt die zuvor auf Sozialtransferleistungen angewiesen waren, so erhöht er das BIP.

Das BIP ist nur die Summe aller Wirtschaftsleistungen (Umsätze) einer Nation.

Um das mal von Löhnen oder Gehältern zu trennen. Die Rechnung die ein Unternehmen ausstellt fließt vollständig in das BIP ein. Die Gehälter die das gleiche Unternehmen an seine Mitarbeiter zahlt, fließen nicht in das BIP ein. Es ist sehr wohl möglich das BIP zu steigern und gleichzeitig den Ressourcenverbrauch zu senken.

Wenn dieser jemand seinen Einkommenszuwachs dafür verwendet,

statt bei Lidl jetzt im örtlichen Bioladen einzukaufen, ist das durchaus grünes Wachstum, das grünes Wachstum generiert.

Wenn allerdings dieser jemand stattdessen jetzt drei statt zwei Mal im Jahr nach Malle in den Urlaub fliegt, stimmt Ihr Einwand.

Im Artikel wird konsequent ärgerlicherweise die letztere Wirkung beschworen.

k.

Nee, nicht so ganz...

denn der örtliche Bioladen verkauft Produkte, die teurer sind, weil
a) weniger Erträge erzielt wurden statt mit chemischer Knalldüngung
b) wesentlich aufwändigere Methoden (Unkrautentfernung mechanisch statt chemisch)
.. und damit mehr Energie aufgewendet wurde

Der Kauf dieser Produkte schöpft Wachstum ab, dass durch Energieverbrauch erzeugt wurde, ist also kein ausschließlich "grünes" Wachstum.

Der Wert eines Produktes ist in der Regel das Äquivalent der Energie, die darin steckt. Das ist sowohl die Handarbeit als auch der Ressourcenverbrauch, oder?

Greenwashing

Bitte tun Sie nicht so, als wenn der Bioladen unabhängig vom gesamten nicht nachhaltigen System existieren kann.

Der Bioladen kann ohne die Infrastruktur (kein einfaches Holzhaus) , die vor allem auf den Fossilen basiert, nichts anbieten, auch wenn er Lokales verkauft.

Je größer die Konzentration der Siedlung, je schwieriger wird es Bioläden zu etablieren, weil sie genau auf ein Mehr an Fossilen angewiesen sind (längere Transportwege, entprechende Transporter , sowie die Fabriken für den Bau dieser, wie auch die Fabriken für den Bau der Fabriken etc. pp.

So kann es sein, dass das Öl für die nicht gemachte Reise in die auszubauende und aufrecht zu erhaltende Infrastruktur gesteckt werden muss.

So grün ist das Wachstum nämlich nicht.

Je schwerer diese eingesetzten Fossilen zu erreichen sind, je mehr Aufwand muss getätigt werden, obwohl nicht mehr dabei herauskommt.

und trotzdem steigt das Wachstum

da sich mehr Räder drehen müssen, um den gleichen Nutzen zu gewährleisten

Weltuntergang 2012? Aufgeschoben - aber der Zwang zum Wandel

Dieser Artikel bringt sehr schön das auf den Punkt, was in der politischen Öffentlichkeit allzu ungern diskutiert wird:

Wir brauchen eine Alternative zum bisherigen Wirtschaftsmotor Wachstum. Ist Wohlstand auch ohne Wachstum möglich? Leseempfehlung dazu: "Exit" von Meinhard Miegel.

Unser von der Wirtschaft in Realwerten abgekoppeltes Finanzsystem ist dann jedoch dem Untergang geweiht. Investmentbanken setzen auf Wachstum. Schulden werden dank des sicheren Wachstums eingeplant. Alle Staatshaushalte und Unternehmen rechnen in zukünftigen Gewinnen augrund von Maximierung.

Das gesamte Gesellschaftssystem wie wir es kennen stünde auf dem Spiel, sollte man auf Nullwachstum setzen. Andererseits wird dies ein unausweichliches Zukunftsszenario sein, wie Jorgen Randers im neuen Bericht des "Club of Rome" "2052: A Global Forecast for the Next Forty Years" beschreibt.

Seit 1984 wird mehr Rohöl verbraucht als gefördert wird. Wir leben bereits jetzt bei vielen Rohstoffen von unseren Reserven. Dazu wächst die Weltbevölkerung jedes Jahr weiter. 2040 soll laut "Club of Rome" das Maximum von 8 Mrd. erreicht sein. Wie soll ein schrumpfendes Angebot einer immer größer werdenden Nachfrage gerecht werden?

Wir stehen vor mehreren globalen Herausforderungen, die alle miteinander korrelieren. Wachstum muss in technologischer, ökonomischer, ökologischer, demografischer und soziokultureller Form neu definiert werden. Wird nur ein Faktor vernachlässigt findet keine Veränderung statt (David Harvey).

Keine Zauberei - simple Realität

Glauben Sie das nicht?

Hier ein Nachweis anhand eines Universitätsvortrags in Santa Fe von Dennis Meadows (former Director of the Institute for Policy and Social Science Research at the University of New Hampshire) und Co-Autor des Buches "2052 [...]" vom 13. Juli 2010:

http://www.youtube.com/wa...

Das Thema Energie und Rohöl startet bei 31:00 Minuten. Gern können Sie sich aber auch die komplette Vorlesung ansehen!

Fakten der Vergangenheit und Vermutungen für die Zukunft

Ihr Argument greift nicht. Schließlich war das ein Zukunftsszenario in den 60ern für das Jahr 2000. Es war eine Prognose, die man nicht hinreichend begründen konnte. Letztlich lag man falsch, zum Glück! Das Jahr 1984 liegt nun jedoch in der Vergangenheit und kann relativ einfach per Datenerhebung und Statistikauswertung belegt werden. Gegen diesen Fakt können Sie nichts sagen, es sei denn sie können das Gegenteil belegen, was ich bezweifle.

Deshalb gibt es ja nun auch den neuen Bericht um alte Fehler auszuräumen. Die Zukunft kann man nicht 1:1 vorhersagen, man kann sie nur ungefähr prognostizieren. Die Vergangenheit jedoch lässt sich absolut fassen.