StudieHartz-IV-Sanktionen treffen Frauen seltener

Eine Studie zeigt, dass Männer doppelt so häufig für Verstöße gegen Hartz-IV-Bezüge bestraft werden wie Frauen. Warum, ist auch den Forschern nicht klar. von dpa

Jobcenter kürzen bei Verstößen gegen Hartz-IV-Bestimmungen Frauen weitaus seltener das Arbeitslosengeld II als Männern. Männliche Hartz-IV-Bezieher werden fast doppelt so häufig sanktioniert wie Frauen. Das geht aus einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor.

Vor allem Frauen mit Kindern würden fast nie von den Jobcentern mit Leistungskürzungen bestraft, wenn sie zum Beispiel eine zumutbare Arbeit ablehnen. In Familien, in denen beide Elternteile arbeitslos sind, konzentrierten sich die Vermittlungsbemühungen häufig auf den Mann. Entsprechend öfter würden bei Hartz-IV-Verstößen die Männer sanktioniert.

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Doch ist der Studie zufolge nicht nur die Verantwortung für Kinder ein Grund der ungleichen Behandlung. Die Nürnberger Arbeitsmarktforscher stellten fest, dass auch kinderlose Single-Frauen weniger sanktioniert würden. In der Gruppe der alleinstehenden Hartz-IV-Empfänger werden Männer nach IAB-Erkenntnissen doppelt so häufig sanktioniert wie Frauen.

Gründe nicht erklärbar

Deshalb rätseln auch die Autoren der Studie über die Gründe für die Ungleichbehandlung. "Es ist nicht a priori klar, inwieweit die vorliegenden Unterschiede dadurch zustande kommen, dass Männer eher als Frauen nicht mit den Jobcentern kooperieren", schreiben die Forscher Joachim Wolff und Andreas Moczall. Dies sollte weiter untersucht werden.

Ob einem Hartz-IV-Empfänger eine Sanktion droht, hängt nach Erkenntnissen der Arbeitsmarktforscher auch vom Alter der Betroffenen ab. So würden Ältere ab 50 Jahren bei Verstößen kaum mit der Kürzung des Arbeitslosengeldes belegt, junge Männer und Frauen unter 25 Jahren dagegen vergleichsweise häufig. Auch Jobsuchern mit einer Hochschulausbildung drohten seltener Sanktionen als Arbeitslosen mit einem niedrigeren Bildungsabschluss.

Mit Jobcenter-Sanktionen müssen Hartz-IV-Empfänger rechnen, die eine für sie zumutbare Arbeit oder den Abschluss einer Eingliederungsvereinbarung ablehnen, eine bezahlte Aus- oder Fortbildung ohne triftigen Grund abbrechen oder mehrfach vereinbarte Gespräche mit ihrem Vermittler platzen lassen. Je nach der Schwere der Versäumnisse können Hartz-IV-Leistungen ganz oder teilweise für eine begrenzte Zeit gestrichen werden.
 

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Leserkommentare
  1. Dass ALG-II überhaupt gekürzt und sogar gestrichen werden darf, obwohl es das von der Verfassung garantierte Existenzminimum darstellen soll, ist eine Unverfrorenheit ohne gleichen. Staatliche Gängelung ist das.

    Und bevor hier wieder kommt, die sollen sich nicht so anstellen, die sollen froh sein, dass sie überhaupt was bekommen: Es handelt sich um ein GRUNDRECHT!

    Dass offensichtlich Diskriminierung bei der ungleichen Behandlung der ALG-II-Empfänger bezüglich der Sanktionen im Spiel ist, hat sich wohl keiner der Autoren getraut zu schreiben. Männer mehr als Frauen, Junge mehr als Alte, Prekariat eher als Akademiker, Singles eher als Familien... ja nee. Hat bestimmt nichts mit Diskriminierung zu tun.

    @ Redaktion: Es wäre sehr schön, wenn sich die Online-Redaktion einmal dazu durchringen könnte, den unsäglichen Hartz-IV-Begriff gegen den korrekten ALG-II-Begriff auszutauschen. Der Namensgeber ist ein inzwischen rechtskräftig verurteilter Krimineller. Warum müssen die Betroffenen, ohnehin schon aus der Gesellschaft ausgestoßen, auch noch mit dem Namen eines Kriminellen stigmatisiert werden, wenn es doch einen besseren und vor allem gültigen Begriff dafür gibt?

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    • a.bit
    • 26. Juli 2012 14:11 Uhr

    Im Artikel geht es um die Kürzung der "Grundsicherung für Arbeitsuchende". Für nicht wirklich Arbeitssuchende gibt es auch kein Grundrecht auf das Geld.

    Insofern wäre die korrekte Verwendung des "ALG-II-Begriff"s im Artikel vor allem zur Abgrenzung zum Sozialgeld (für nicht Erwerbsfähige) wünschenswert, dass ja auch gelegentlich bei "Hartz IV" eingeschlossen wird -- aber der erste Satz des Artikels macht ja bereits deutlich, worum es geht.

    eher ein ordentliches Lebensminimum.

    Man sieht ja an den bisherigen Sätzen für Asylbewerbern, dass man von deutlich weniger als 350 Euro im Monat leben kann (nicht gut, aber es geht anscheinend). Und das seit mehr als 10 Jahren.

    Es ist ein Lebensminimum (kein Überlebensminimum), bei dem auch die Teilnahme am öffentlichen Leben mit eingeschlossen ist und nicht nur "Wasser und Brot" zum Überleben.

    Wenn dann Leute betrügen streicht man die zusätzlichen Leistungen.

    Und falls dann jemand aus irgendwelchen Gründen nicht über die Runden kommt, hat er noch die Möglichkeit eines Kredits, den er langsam abstottern kann.

    Wenn ich sowas lese, frage ich mich immer, wie viele Milliarden Menschen von unserem "Existenzminimum" gerne leben würden und die würde sich noch freuen.

    Leider befördern solche Kommentare wie ihrer die Stigmatisierung von ALG-II-Empfängern als "Sozialschmarotzer". Es _muss_ Sanktionsmöglichkeiten geben, wenn jemand nicht aus purer Not Steuergelder bekommt, sondern aus Unwille. Ansonsten verliert die Belastung der arbeitenden Bevölkerung jede Legitimation.

  2. Seit wann entscheidet der Staat, welche Arbeit zumutbar ist?
    Das entscheiden außschließlich Arbeitnehmer und Arbeitgeber in Verhandlungen. Im besten Fall kommt dabei ein Vertrag heraus, der ein Arbeitsverhältnis umschreibt.

    Und wer diese "zumutbare Arbeit" nicht aufnimmt, wird sanktioniert und das Existenzminimum gestrichen?

    (3) Zwangsarbeit ist nur bei einer gerichtlich angeordneten Freiheitsentziehung zulässig. Artikel 12 GG

    Das ist nie und nimmer mit dem Grundgesetz vereinbar.

    10 Leserempfehlungen
    • minhen
    • 26. Juli 2012 14:06 Uhr

    Die vermutlichen Gründe für diese Diskriminierung wurden schon in einem Zeit-Essay sehr gut beleuchtet: http://www.zeit.de/2012/1...

    Besonders der Abschnitt über Strafverfolgung und Gefängnisse passt exakt zu diesem neuen Studienergebnis.

    9 Leserempfehlungen
    • a.bit
    • 26. Juli 2012 14:11 Uhr

    Im Artikel geht es um die Kürzung der "Grundsicherung für Arbeitsuchende". Für nicht wirklich Arbeitssuchende gibt es auch kein Grundrecht auf das Geld.

    Insofern wäre die korrekte Verwendung des "ALG-II-Begriff"s im Artikel vor allem zur Abgrenzung zum Sozialgeld (für nicht Erwerbsfähige) wünschenswert, dass ja auch gelegentlich bei "Hartz IV" eingeschlossen wird -- aber der erste Satz des Artikels macht ja bereits deutlich, worum es geht.

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Schweinerei"
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    Ich wusste nicht, dass Sie das ALG-II auszahlen.

    Oder wie soll ich Ihre Bemerkung mit dem "Geld anderer Leute" verstehen?

    Es gibt ein Grundrecht auf das Existenzminimum, und dieses Existenzminimum wird aus Steuern bezahlt, die der Staat von seinen Bürgern einnimmt. Wenn Sie persönlich das Gefühl haben, dass Ihre Steuern ausgerechnet und ausschließlich für die Auszahlung von ALG-II verwendet werden, dann tut mir das leid. In Wirklichkeit zahlen wir Steuern, damit der Staat seinen Aufgaben nachgehen kann, und die Grundsicherung ist eine davon.

    Wie manche denken können, ein Grundrecht könne man an Bedingungen knüpfen. Im übrigen verweise ich auf das Verbot der Zwangsarbeit, wie es bereits im zweiten Kommentar angeführt wird.

    ...stellen sie sich doch einfach vor, dass ihre Steuern ausschliesslich zur Rettung von Banken, für Militärausgaben und meinetwegen für den Strassenbau verwendet wird...
    und belassen sie die Sozialausgaben für ein friedliches Miteinander aller Menschen denen, die damit gut leben können....z.b. mir :-)

  3. eher ein ordentliches Lebensminimum.

    Man sieht ja an den bisherigen Sätzen für Asylbewerbern, dass man von deutlich weniger als 350 Euro im Monat leben kann (nicht gut, aber es geht anscheinend). Und das seit mehr als 10 Jahren.

    Es ist ein Lebensminimum (kein Überlebensminimum), bei dem auch die Teilnahme am öffentlichen Leben mit eingeschlossen ist und nicht nur "Wasser und Brot" zum Überleben.

    Wenn dann Leute betrügen streicht man die zusätzlichen Leistungen.

    Und falls dann jemand aus irgendwelchen Gründen nicht über die Runden kommt, hat er noch die Möglichkeit eines Kredits, den er langsam abstottern kann.

    Wenn ich sowas lese, frage ich mich immer, wie viele Milliarden Menschen von unserem "Existenzminimum" gerne leben würden und die würde sich noch freuen.

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Schweinerei"
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    Entfernt. Bitte diskutieren Sie sachlich. Danke, die Redaktion/mk

    Die Höhe der Bezüge für Asylbewerber wurden vom BvfG gerade gekippt und als ungenügend eingestuft.
    Teilhabe an der Gesellschaft ist auch mit dem ALGII nur äusserst bedingt möglich,
    so kann eine Rentnerin sich nicht mal das Tierfutter für eine Katze leisten um ihre Einsamkeit ein wenig zu lindern!
    Sanktionen werden nicht nur in Betrugsfällen verhängt,
    so weiss ich z.b. von einem Fall eines Analphabeten, der seine Unterlagen nicht in der vorgeschriebenen Zeit ausfüllen konnte etc.pp

    Nein, so einfach können sie diese Fakten nicht darstellen!

    Auf das Geld anderer Leute sind ganz andere Gesellschaftschichten aus als die wirklich Bedürftigen...denken sie mal nach wen ich jetzt meinen könnte :-)

    "Wenn ich sowas lese, frage ich mich immer, wie viele Milliarden Menschen von unserem "Existenzminimum" gerne leben würden und die würde sich noch freuen."

    Können Sie knicken!

    Er unterschlägt nämlich immer die Kaufkraft einer Währung im Inland.

    Beispiel: Ich war Mitte der 1990er Jahre auf Abschlussfahrt in Prag von den knapp 150 DM habe ich mich die Woche da fürstlich versorgen können.

    Hier in Deutschland hätte es vielleicht für drei Tage auf sehr viel bescheiderem Niveau gereicht.

    • foggyy
    • 26. Juli 2012 14:17 Uhr

    Es ist nicht nur beim Alg2 so das Männer benachteiligt werden. Ich habe meine Kinder z.b. alleine großgezogen, von Amtswegen wurde meine werte Ex-Gattin nie genötigt irgendwelche Leistungen zu erstatten. Nichtmal der Unterhaltsvorschuß wurde zurückverlangt.
    Ich habe glücklicherweise noch einen Antrag auf Alg2 stellen müssen, aber wenn ich sehe wie Männer die von Ihren Familien getrennt leben gegängelt werden ist das nichts anderes als Diskreminierung.
    Die Emanzipation ist sehr einseitig meiner Ansicht noch, während beim einen Geschlecht fast ausschliesslich gefordert wird wird´s andere Geschlecht nahezu auschliesslich gefördert.

    6 Leserempfehlungen
    • ST_T
    • 26. Juli 2012 14:18 Uhr

    Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. Einige sind gleicher.

    Und nachdem man jahrelang Feminismus groß postiert hat folgt nun der Rückschlag: Es gibt tatsächlich Diskriminierung von Männern!

    Wem aber das Thema "Zwangsarbeit" bei Hartz 4 nicht reicht der sollte sich auch informieren über etwa z.B. Teilkürzungen bei Nicht-Erscheinen zu Terminen, "Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen", "Bewerbungstrainings" und den ganzen anderen Unsinn.

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    • ngw16
    • 26. Juli 2012 16:01 Uhr

    Einseitig Forderungen an Männer zu stellen ist ja keine Neuheit.

    Die Forderung an Männer sich an Kriegshandlungen zu beteiligen soll ja nicht als Benachteiligung gelten. Nur als Pflicht.
    Die Männer sind davon immer begeistert. Wirklich?
    Nur gab es immer schon Männer die davon wenig begeistert waren.

    Im 1. WK wurde solchen Männern eine weiße Feder überreicht.
    http://de.wikipedia.org/w...

    Paradoxerweise(?) von Frauen, die für sich in Anspruch nahmen, nicht kämpfen zu müssen.
    Und selbst kriegsverletzte Männer bekamen solche Ehre.

    Also, alles beim Alten geblieben.

  4. 8. Sorry

    Ich wusste nicht, dass Sie das ALG-II auszahlen.

    Oder wie soll ich Ihre Bemerkung mit dem "Geld anderer Leute" verstehen?

    Es gibt ein Grundrecht auf das Existenzminimum, und dieses Existenzminimum wird aus Steuern bezahlt, die der Staat von seinen Bürgern einnimmt. Wenn Sie persönlich das Gefühl haben, dass Ihre Steuern ausgerechnet und ausschließlich für die Auszahlung von ALG-II verwendet werden, dann tut mir das leid. In Wirklichkeit zahlen wir Steuern, damit der Staat seinen Aufgaben nachgehen kann, und die Grundsicherung ist eine davon.

    Wie manche denken können, ein Grundrecht könne man an Bedingungen knüpfen. Im übrigen verweise ich auf das Verbot der Zwangsarbeit, wie es bereits im zweiten Kommentar angeführt wird.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Alter | Arbeit | Arbeitslose | Arbeitslosengeld | Autor | Familie
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