Barclays-Verwaltungsratschef Marcus Agius © Dylan Martinez/Reuters

Der Verwaltungsratschef der britischen Großbank Barclays , Marcus Agius, ist zurückgetreten. Wie das Geldinstitut mitteilte, soll sich nun ein Gremium mit der Suche nach einem geeigneten Nachfolger befassen – möglich sei ein Kandidat aus dem Verwaltungsrat oder von außerhalb. Unterstützt von seinem neu ernannten Stellvertreter Michael Rake wird Agius sein Amt bis zur Ernennung eines Nachfolgers weiter ausüben.

In der Stellungsnahme sagte Agius , er übernehme mit dem Rücktritt die Verantwortung für den Skandal um die Manipulation des Interbanken-Zinssatzes. Die Ereignisse der vergangenen Woche hätten ein "inakzeptables Vorgehen innerhalb der Bank" deutlich gemacht und dem Ruf des Instituts massiv geschadet, sagte Agius. Als Vorsitzender des Verwaltungsrats sei er "der oberste Wächter über den Ruf der Bank".

Agius sagte, es tue ihm aufrichtig leid, dass Kunden, Mitarbeiter und Aktionäre "im Stich gelassen worden seien". Barclays kündigte eine interne Untersuchung der Vorfälle an. Außerdem soll für die Mitarbeiter ein neuer, verpflichtender Verhaltenskodex entwickelt werden.

Manipulation des Libor-Zinssatzes

Seit Tagen gab es Spekulationen um Agius Rücktritt. Hintergrund sind seit Monaten laufende Untersuchungen, unter anderem in den USA , Großbritannien und der Schweiz . Dabei geht es um den Vorwurf der Manipulationen des weltweit gültigen Interbanken-Zinssatzes Libor. Dieser täglich in London fixierte Satz dient als Referenz für Kredite von Privatleuten und Unternehmen, Derivate sowie andere Finanzprodukte im Gesamtvolumen von 360 Billionen Dollar. Er basiert auf den Daten mehrerer Großbanken, die diese täglich abliefern.

Den Instituten wird nun vorgeworfen, dass sie von 2005 bis 2009 absichtlich falsche Angaben gemacht haben, um die eigenen Handelsgewinne in die Höhe zu treiben und die wahren Refinanzierungskosten zu verschleiern.

In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass die britische Barclays an die Finanzaufsichtsbehörden in den USA und Großbritannien sowie an das US-Justizministerium eine Strafe in Höhe der Rekordsumme von 290 Millionen Pfund (etwa 345 Millionen Euro) zahlen muss. Die britische Finanzaufsicht FSA kam zu dem Schluss, dass die Verfehlungen bei Barclays "ernst und großflächig" gewesen seien. Die Richtigkeit von wichtigen Finanz-Richtmarken wie dem Libor-Satz sei von grundlegender Wichtigkeit für die Finanzmärkte.