Die Krise auf den globalen Märkten für Getreide spitzt sich zu. Mais ist so teuer wie noch nie und der Getreidepreis hat den höchsten Stand seit eineinhalb Jahren erreicht. Ausgelöst wurde der Preisanstieg durch die schwere Trockenheit in den USA . Dort ist bereits mehr als ein Drittel der Maispflanzen verdorrt. Da die USA der weltweit größte Exporteur für diese Agrarrohstoffe sind, wächst die Angst vor einem Versorgungsengpass bei diesen Grundnahrungsmitteln und einem weiteren Anstieg der Preise.

"Eine Änderung des Wetters ist nicht absehbar", sagte Leon Leschus, Rohstoffexperte beim Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) . "Beim Weizen wird die Situation zusätzlich verschärft durch eine Dürre in Russland ." Rohstoffspekulanten an der Börse verschlimmtern die Krise zusätzlich.

Mais verteuerte sich in den vergangenen Wochen um rund 70 Prozent, Weizen um mehr als ein Drittel. Die Preise für Agrarrohstoffe werden nach Einschätzung von Leschus auch mittel- und langfristig eher weiter steigen, weil die Nachfrage sich erhöht. "Die Weltbevölkerung steigt, ebenso das Risiko von Missernten durch den Klimawandel ." Durch den höheren Wohlstand in den Schwellenländern essen die Menschen dort zudem häufiger Fleisch und warme Mahlzeiten. Das erhöht den Bedarf an Futtermitteln. In den USA mehren sich die Stimmen, generell weniger Mais als Bio-Rohstoff für Kraftstoffe einzusetzen und stattdessen zu verfüttern.

"Die steigenden Preise geben einen Anreiz, auch das Angebot auszudehnen", sagte Leschus. Speziell die ärmeren Länder benötigten dazu besseres Saatgut und besseren Dünger und eine leistungsfähigere Infrastruktur, um die Ernte einzubringen und zu vermarkten. "Am stärksten belastet sind diejenigen Länder, die mit ihrer eigenen landwirtschaftlichen Produktion die Bevölkerung nicht ernähren können und auf Importe angewiesen sind", sagte Leschus. Im Gegensatz zur vergangenen Preisspitze der Agrarrohstoffe 2008 sei aber zumindest Reis in ausreichender Menge vorhanden.

In den armen Ländern geben die Menschen den größten Teil ihres Einkommens für Nahrungsmittel aus. Die Verbraucher in Deutschland hingegen dürften die hohen Weltmarktpreise für Getreide nur in stark abgemilderter Form zu spüren bekommen. "Für einen Bäcker oder einen Einzelhändler spielen zum Beispiel Lohnkosten, Mieten oder Energiekosten eine größere Rolle als der Mehlpreis", sagte Leschus.