LebensmittelindustrieDürre lässt Getreidepreise deutlich steigen

Seit Wochen hat es in den USA nicht geregnet – jetzt verdorrt die Ernte und das hat Einfluss auf den Weltmarktpreis von Getreide. Besonders Mais ist so teuer wie nie. von dpa

Ein amerikanischer Bauer in Illinois zeigt seine vertrockneten Maispflanzen.

Ein amerikanischer Bauer in Illinois zeigt seine vertrockneten Maispflanzen.  |  © Scott Olson/Getty Images

Die Krise auf den globalen Märkten für Getreide spitzt sich zu. Mais ist so teuer wie noch nie und der Getreidepreis hat den höchsten Stand seit eineinhalb Jahren erreicht. Ausgelöst wurde der Preisanstieg durch die schwere Trockenheit in den USA . Dort ist bereits mehr als ein Drittel der Maispflanzen verdorrt. Da die USA der weltweit größte Exporteur für diese Agrarrohstoffe sind, wächst die Angst vor einem Versorgungsengpass bei diesen Grundnahrungsmitteln und einem weiteren Anstieg der Preise.

"Eine Änderung des Wetters ist nicht absehbar", sagte Leon Leschus, Rohstoffexperte beim Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) . "Beim Weizen wird die Situation zusätzlich verschärft durch eine Dürre in Russland ." Rohstoffspekulanten an der Börse verschlimmtern die Krise zusätzlich.

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Mais verteuerte sich in den vergangenen Wochen um rund 70 Prozent, Weizen um mehr als ein Drittel. Die Preise für Agrarrohstoffe werden nach Einschätzung von Leschus auch mittel- und langfristig eher weiter steigen, weil die Nachfrage sich erhöht. "Die Weltbevölkerung steigt, ebenso das Risiko von Missernten durch den Klimawandel ." Durch den höheren Wohlstand in den Schwellenländern essen die Menschen dort zudem häufiger Fleisch und warme Mahlzeiten. Das erhöht den Bedarf an Futtermitteln. In den USA mehren sich die Stimmen, generell weniger Mais als Bio-Rohstoff für Kraftstoffe einzusetzen und stattdessen zu verfüttern.

"Die steigenden Preise geben einen Anreiz, auch das Angebot auszudehnen", sagte Leschus. Speziell die ärmeren Länder benötigten dazu besseres Saatgut und besseren Dünger und eine leistungsfähigere Infrastruktur, um die Ernte einzubringen und zu vermarkten. "Am stärksten belastet sind diejenigen Länder, die mit ihrer eigenen landwirtschaftlichen Produktion die Bevölkerung nicht ernähren können und auf Importe angewiesen sind", sagte Leschus. Im Gegensatz zur vergangenen Preisspitze der Agrarrohstoffe 2008 sei aber zumindest Reis in ausreichender Menge vorhanden.

In den armen Ländern geben die Menschen den größten Teil ihres Einkommens für Nahrungsmittel aus. Die Verbraucher in Deutschland hingegen dürften die hohen Weltmarktpreise für Getreide nur in stark abgemilderter Form zu spüren bekommen. "Für einen Bäcker oder einen Einzelhändler spielen zum Beispiel Lohnkosten, Mieten oder Energiekosten eine größere Rolle als der Mehlpreis", sagte Leschus.

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Leserkommentare
  1. Ganz davon abgesehen, dass wir unglaublich viele Lebensmittel vernichten, die noch gegessen werden könnten, ist es eine Verschwendung den Umweg über Fleisch und Milch zu nehmen um uns zu ernähren, das ginge direkt über pflanzliche Lebensmittel viel effizienter.

    Dagegen erscheint mir das Verheizen von Getreide verschwindend gering.

    Antwort auf
  2. @vvmetro,

    vielleicht hätten Sie da besser keinen Bäcker gefragt.

    Richtig ist eher das überlagertes oder mit Lagerschäden behaftetes Getreide der Sekundärnutzung zugeführt wird.

    Also Lagerbestände minderer Qualitäten die eh nicht mehr verkehrsfähig ( für Lebensmittel ) gewesen wären.

    Gruss

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Die riesigen Mais-Monokulturen, welche heute auf dem Land zu besichtigen sind, haben also nichts mit Energieerzeugung zu tun?
    Interessant...

  3. "In den USA mehren sich die Stimmen, generell weniger Mais als Bio-Rohstoff für Kraftstoffe einzusetzen und stattdessen zu verfüttern."

    Über sowas kann man nur hohl lachen. Solange jeder Einzelne von uns bereit ist, für Energie mehr als für Lebensmittel zu zahlen, so lange werden die Bauern Energie anbauen.

    Für Benzin wird ab Lager 73ct pro Kilogramm bezahlt.
    Weizen erhält man ab Lager für 27ct pro Kilogramm.

    Mit 1kg Benzin kommt man 20km, mit 1kg Weizen 2 Tage weit.

    Beide Preise sind steuerfrei (keine Endkundenpreise) - es helfen also auch keine staatlichen Regelungsversuche mittels Abgabenerhöhung.

    Das sind Marktpreise. Und sie spiegeln wider, dass jedem von uns Energie mehr wert ist als Lebensmittel.

    Zahlt mehr für Lebensmittel und die Bauern werden wieder Lebensmittel anbauen. Doch solange Benzin mehr wert ist als Brot ist es verantwortungslos, Brot anzubauen.

  4. Die riesigen Mais-Monokulturen, welche heute auf dem Land zu besichtigen sind, haben also nichts mit Energieerzeugung zu tun?
    Interessant...

    Antwort auf "@vvmetro"
  5. In einem Land in dem die Hälfte aller erzeugten Lebensmittel weggeworfen ist das doch nicht weiter überraschend. Man vergegenwärtige sich das mal: Deutschland könnte ein weiteres Land gleicher Größe ernähren ohne dass sich die Lebensmittelpreise verteuern würden.

  6. In den USA werden 88% Genmais angebaut. Das die USA ein Niederschlag armes Land ist, konnten wir schon in den Indianerfilmen sehen. Gibt es denn keine Gene, wodurch Pflanzen kein Wasser mehr brauchen? Andere Wahren wie Autos kommen doch auch ohne Wasser aus. (*lach)

    Es gibt jede Menge Maissorten die gegen Trockenheit wesentlich besser geeignet sind als z.B. MON810 (GVO-Sorte von Monsanto). Aber wir haben ja Künstliche Bewässerung, also brauchen wir keine Pflanzen die einen geringeren Wasserbedarf haben und deswegen auch weniger Ertrag.

    Wo ist denn die Künstliche Bewässerung? Reicht nicht aus wa? Ihr Verlierer!

  7. Es wird alles durcheinandergeworfen.

    Die genannten "Monokulturen" sind eben keine Monokulturen. Weinberge sind Monokulturen, Obstplantagen sind Monokulturen. Wann geht das in die Gehirne der Deutschen hinein? Mais-Flächen sind fast immer keine Monokulturen. Soviel Basiswissen darf man im Erdkunde-Unterricht jedem 5.-Klässler abverlangen - egal welcher Schulform.

    Wenn Mais-Flächen Monokulturen wären, warum wettert niemand gegen Bio-Mais? Der wird genauso angebaut und zum gleichen Zweck. Auch Bio-Weizen, etc.. Die Anbauweise ist weitgehend gleich.

    Weizen verheizen ist in Deutschland verboten. Wer anderes tut, der macht sich strafbar.

    Im einen Thread wird über den Überschuss (der nicht mehr vorhanden ist in der EU, wenn doch könnte man ja verfüttern oder als Energieträger verwenden) gewettert und das Drücken der Erzeugerpreise in der dritten Welt, steigen hier die Preise, wird wieder auf die gleichen geschimpft, die eben Lebensmittel als Energieträger nutzen. Was wollt Ihr eigentlich? Die Agrarsubventionen sind angesichts der Auflagen ein Witz. Ihr wollt vorschreiben, aber gleichzeitig, dass außerhalb Eures Wirkungsbereichs an den Regeln vorbei produziert wird.

    Vom Wasser für die Produktion zu schweigen, welches in solchen Ländern Mangelware ist. Wer glaubt eigentlich, dass irgendwer auf der Welt aus Gemeinnützigkeit produziert? Je geringer das Einkommen, desto größer der Anreiz, endlich reich zu werden.

  8. Da braucht man, jedenfalls in Deutschland, für die Erzeugung der gleichen Menge Weizen doppelt so viel Fläche wie im konventionellen Landbau. Aber dafür ist der Bio-Weizen mehr als zweieinhalb mal so teuer - ganz ohne Spekulation.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Dürre | Energiekosten | Ernte | Klimawandel | Kraftstoff | Lebensmittelindustrie
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