KreditvergabeDie Bankenlobby spielt falsch

Die Politik will Banken zwingen, mehr Eigenkapital vorzuhalten. Die wehren sich und sagen, das schade der Konjunktur. Doch die Argumente der Lobby sind nicht stichhaltig.

Banken in Frankfurt

Banken in Frankfurt

Genug ist genug, protestiert Charles Dallara, der Direktor der internationalen Bankenvereinigung IIF. Mit Forderungen nach immer höheren Eigenkapitalauflagen für Banken müsse Schluss sein. Würde der Staat Geldinstitute zwingen, noch mehr Eigenkapital zur Seite zu legen, riskiere er eine neue Rezession, warnt Dallara. Dann stünden weltweit bis zu 7,5 Millionen Jobs auf dem Spiel.

Strenge Eigenkapitalanforderungen sind Banken ein Dorn im Auge. Seit dem Ausbruch der Finanzkrise machen sich Forscher und Bankenregulierer dafür stark, dass Geldinstitute deutlich dickere Eigenkapitalpuffer einrichten, um das Finanzsystem sicherer zu machen. So sprechen sich Volkswirte der Bank of England für Eigenkapitalquoten von 16 bis 20 Prozent aus – das wäre mindestens doppelt so viel, wie die Basel-III-Regeln ab 2018 vorschreiben.

Banker und ihre Lobby wehren sich mit Händen und Füßen gegen diese Ideen. Zu hohe Eigenkapitalauflagen führten dazu, dass sie weniger neue Kredite vergeben könnten, argumentieren sie. Zudem müssten sie höhere Zinsen verlangen. Beides bremse Wachstum und Beschäftigung.

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Aber wie stichhaltig sind diese Warnungen? Dieser Frage ist die Tübinger Ökonomin und neue Wirtschaftsweise Claudia Buch in einer empirischen Studie auf den Grund gegangen – gemeinsam mit ihren Fakultätskollegen Esteban Prieto und am Beispiel der Kreditvergabepraxis der deutschen Banken von 1950 bis 2009.

Ihr Befund ist bemerkenswert: Die Sorge, dass besser kapitalisierte Banken weniger Kredite vergeben, erweist sich als unbegründet. "Es gibt keine Belege dafür, dass hohes Eigenkapital einer Bank negative Folgen für die Kreditvergabe an Unternehmen hat", lautet das Fazit der Studie mit dem Titel Do Better Capitalized Banks Lend Less?

Die Arbeit liefert neue empirische Belege für die Zweifel, die zahlreiche Ökonomen seit Jahren an der Argumentation der Bankenlobby hegen. Ein Forscherteam der Bank of England hatte im vergangenen Jahr ebenfalls auf historische Erfahrungen verwiesen: Zwischen 1880 und 1960 verfügten Banken in den USA und Großbritannien demnach über deutlich höhere Eigenkapitalpuffer als heute - dies habe aber weder zu systematischen Kreditklemmen noch zu Problemen beim Wirtschaftswachstum geführt.

Auch die Zinsaufschläge, die Unternehmer und Haushalte für Kredite bezahlen mussten, seien damals nicht höher gewesen als heute, zeigen die Forscher um den Bank-of-England-Volkswirt David Miles.

Ein internationales Forscherteam der Universitäten Stanford und Bonn kommt in einem ausführlichen Diskussionspapier ebenfalls zu dem Schluss, dass die Horrorszenarien, die die Finanzbranche zeichnet, überzogen sind. So sei Eigenkapital für Banken nur deshalb teurer, weil Fremdkapital steuerlich besser behandelt werde. Geldinstitute können die Zinsen, die sie für geliehenes Kapital bezahlen müssen, beim Finanzamt geltend machen, bei Eigenkapital ist das nicht möglich.

Die Eigenkapitalrendite einer Bank, die mit höheren Kapitalpolstern sinkt, sei zudem kein aussagekräftiger Maßstab für die Performance einer Bank - denn dabei werden die Risiken, die ein Geldhaus bei seinen Geschäften eingeht und die mit steigendem Verschuldungsgrad überproportional stark zunehmen, nicht berücksichtigt. "Bankenaufseher müssen sich keine übermäßigen Sorgen machen, dass eine substanzielle Erhöhung der Eigenkapital-Anforderungen deutliche negative Folgen für Wirtschaft und Wachstum hat", schreiben die Wissenschaftler aus Stanford und Bonn.

Buch und Prieto liefern in ihrer Studie neue empirische Belege für diese Aussage. Grundlage ihrer Arbeit sind Daten der Bundesbank über die Bilanzstruktur und die Geschäfte der deutschen Banken zwischen 1950 und 2009. Sie können daher im Detail nachvollziehen, wie sich die Kreditvergabe abhängig vom Verschuldungsgrad der Banken in den vergangenen 60 Jahren entwickelt hat.

Langfristig finden die Wissenschaftler keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass höhere Eigenkapitalpuffer die Kreditvergabe der Banken schmälern. Tatsächlich scheint sogar eher das Gegenteil der Fall zu sein. Wenn die Kapitalausstattung einer Bank um ein Prozent zunimmt, vergibt dieses Institut laut Studie im Schnitt 0,23 Prozent mehr Kredite.

Nur bei sehr kurzfristiger Betrachtungsweise stimmt die Argumentation der Banklobby, stellen die Forscher fest. Wenn die Eigenkapitalquote einer Bank schlagartig steigt, vergibt sie vorübergehend weniger Darlehen. Bei großen Geldinstituten ist dieser Anpassungsprozess aber schon innerhalb von drei Jahren nahezu vollständig abgeschlossen. Etwas länger dauert es bei regionalen Geldinstituten sowie bei Hypotheken- und Landesbanken. "Das spricht dafür, dass höhere Kapitalanforderungen schrittweise eingeführt werden sollten, um die Effekte auf die Kreditvergabe zu minimieren", raten die Forscher.

Erschienen im Handelsblatt

 
Leserkommentare
    • Hamit
    • 17.07.2012 um 20:38 Uhr

    Wozu dieser Artikel?

    Eine Lobby VERTRITT INTERESSEN und das der Bankenlobby alles ansere als ihre Banken an der hinteren Peripherie vorbei schlittert ist nicht weiter verwunderlich.

    Die Argumente sind nicht stichhaltig? Die Argumente einer Lobby sind also porös und entbehren jeder Grundlage? Mon Cherie, willkommen in der SOZIALEN Marktwirtschaft:-)

    Es geht hier nicht um Recht oder gar Gerechtigkeit. Weder in Parermo, noch andernorts.

    Aber ich denke das weiß mittlerweile jedes Kind, weshalb der Kommentar ebenso überflüssig ist wie der Artikel selbst.

  1. Bereits mit Geburt eines Kindes sollten die Eltern einen momatlichen Betrag ansparen, welcher den Kindern mit Volljaehrigkeit den Start in ein selbstbestimmtes Leben ermoeglicht. Den Hinweis auf den etwaigen Verlust von Arbeitsplaetzen haben wir zur Kenntnis genommen. Wir wissen aber auch, dass nur die tatsaechlich auf dem Markt vorhandene Geldmenge unsere Realitaet bestimmt. Wenn es hart auf hart kommt, so sind saemtliche die reale Geldmenge uebersteigenden Buchwerte auch wertlos. Es erscheint unverstaendlich, warum hier ein Machtkampf zwischen Banken und Regierung stattfinden sollte. In einer Gesellschaft, die ihre materiellen Besitztuemer gleich aufteilt, ist jeder gleich. Nicht ein hoher Besitz bestimmt ihren Status als Banker, sondern Intelligenz, Hilfsbereitschaft, Gesundheit, Serioesitaet, Kommunikationsfaehigkeit und einige eher preussische Eienschaften, wenn man sich den Hinweis erlauben darf. Arbeiten Sie doch einfach zusammen. Erwachsene Kinder mit einem Startkapital beginnen ihr Leben unbelastet, haben ihren Besitz in dem Augenblick, in dem er benoetigt wird, vielleicht zum Ankauf einer unpfaendbaren Immobilie in jungen Jahren ohne Kredit. Der Staat sollte sich hier nicht lumpen lassen, wer nicht bereits frueh etwas eigenes besitzt, stellt spaeter haeufig einen Hilfeempfaenger dar, der in Teufelskreisen gefangen ist, oder Schulden nicht tilgen kann. An diesem Muster haben weder die Banken noch die Regierung ein Interesse.

    Eine Leserempfehlung
  2. ...dass die Banken und insbesondere die Bankenlobby zu unserer aller größtem Vorteil sein können. Man muss sie nur nach ihren Wünschen fragen, die dafür notwendigen Maßnahmen en detail von ihnen erarbeiten lassen...und dann einfach nur das genaue Gegenteil machen. Denn unter der durchaus stichhaltigen Prämisse dass ALLES was sich die Banken wünschen zum größtmöglichen Schaden der breiten Masse führt, könnte doch das Durchführen des exakten Gegenteils nur von Vorteil sein.

    15 Leserempfehlungen
    • IQ130
    • 17.07.2012 um 21:07 Uhr

    sind zunächst mal in investmentbanken (typ casino) und den altbekannten geschäftsbanken zu unterscheiden. Erstere sollten ihr Risiko selber tragen.

    Im übrigen dürfen wir das Steuergeld nicht den Banken geben. Die zocken alle und jeden ab. Außerdem: was vom Staat kommt, ist nie genug und wird nie genug sein.

    Als Staat würde es nicht im Traum einfallen, von banken (oder "märkten") abhängig zu sein. Banken ist der Staat - und damit die Gesellschaft - völlig egal.

    [...]

    Bitte achten Sie auf einen sachlichen Tonfall. Danke, die Redaktion/fk.

    7 Leserempfehlungen
  3. – das wäre mindestens doppelt so viel, wie die Basel-III-Regeln ab 2018 vorschreiben.

    Unser Finanzsystem wird das Jahr 2018 nicht erreichen.
    Daran werden auch höhere Kapitaleinalge nichts ändern.

    3 Leserempfehlungen
  4. Die Lobby sorgt sich um die Eigenkaptalrendite. Die sinkt, wenn der Eigenkapitalanteil steigt. Sie bestimmt die Entlohnung des Kapitals der Aktionäre.

    Ich bin für schärfere Eigenkapitalanforderungen an die Banken. Die Umsetzung ist allerdings nicht einfach. Die Gesamtkapitalrendite der Banken ist relativ gering. Bei der Deutschen betrug sie in 2011 1,5 Prozent. Eine Erhöhung des EK wird also nicht von gleich auf jetzt gehen - außer vielleicht durch eine rigorose Bilanzverkürzung durch Abstoßen besonders risikobehafteter Assets.

    3 Leserempfehlungen
  5. Und jetzt mal alle die Hand heben, denen *das* nicht von von vornherein klar war.

    Keiner?

    War klar.

    7 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • joG
    • 18.07.2012 um 7:23 Uhr

    ...Menschen manchmal "falsch spielen". Da sind die Banker keine Ausnahme. Sie unterliegen allerdings sehr genauer Beobachtung bei relativ guter Transparenz ihres Tuns. Die sei regeln und die Gesetze der Regulierung vorgeben sind schlechter kontrolliert und die Transparenz ist relativ schlecht. Da liegen unsere Hauptprobleme.

    Die Studie aus dem Artikel habe ich noch nicht gelesen. Die Argumentation des Artikels scheint mir allerdings zu wenig auf das Problem des Übergangs zu höheren EK Werten einzugehen. Während dieser Zeit laufen Substitutionsprozesse ab. EK ist momentan sehr teuer, wenn überhaupt erhältlich. So werden vorübergehend Assets abgebaut werden müssen, also ausstehende Kredite. Das mag sich korrigieren, wenn der Markt für EK sich normalisiert hat. Für den Augenblick scheint mir die Analyse so optimistisch, wie man es vom Beamten oder Politiker kennt, wenn Einem etwas aus dem Tütchen genommen werden soll.

    • joG
    • 18.07.2012 um 7:23 Uhr

    ...Menschen manchmal "falsch spielen". Da sind die Banker keine Ausnahme. Sie unterliegen allerdings sehr genauer Beobachtung bei relativ guter Transparenz ihres Tuns. Die sei regeln und die Gesetze der Regulierung vorgeben sind schlechter kontrolliert und die Transparenz ist relativ schlecht. Da liegen unsere Hauptprobleme.

    Die Studie aus dem Artikel habe ich noch nicht gelesen. Die Argumentation des Artikels scheint mir allerdings zu wenig auf das Problem des Übergangs zu höheren EK Werten einzugehen. Während dieser Zeit laufen Substitutionsprozesse ab. EK ist momentan sehr teuer, wenn überhaupt erhältlich. So werden vorübergehend Assets abgebaut werden müssen, also ausstehende Kredite. Das mag sich korrigieren, wenn der Markt für EK sich normalisiert hat. Für den Augenblick scheint mir die Analyse so optimistisch, wie man es vom Beamten oder Politiker kennt, wenn Einem etwas aus dem Tütchen genommen werden soll.

    • Bus-x
    • 17.07.2012 um 22:48 Uhr

    aber nicht so hart: diese Leute zocken mit höchstem Risiko _ wer wagt gewinnt oder wie war das???-

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    denn sie spielen um Geld
    aber sie spielen nicht mit ihren Geld
    sie spielen nicht um ihr Geld
    wenn sie verlieren ist es nicht ihr Geld
    Aber das Geld ist weg.
    Wohin ist das Geld?
    Egal,
    denn ihre Boni sind immer ihre Boni
    und selbst, wenn sie ganze Firmen und Konzerne über sie Klippe fahren,
    bleiben ihre Boni unangetastet
    denn sie werden ja nach Leistung bezahlt.

    Also :
    Wer wagt gewinnt?
    Was aber, wenn eine Seite immer gewinnt,
    auch wenn sie verliert?

    denn sie spielen um Geld
    aber sie spielen nicht mit ihren Geld
    sie spielen nicht um ihr Geld
    wenn sie verlieren ist es nicht ihr Geld
    Aber das Geld ist weg.
    Wohin ist das Geld?
    Egal,
    denn ihre Boni sind immer ihre Boni
    und selbst, wenn sie ganze Firmen und Konzerne über sie Klippe fahren,
    bleiben ihre Boni unangetastet
    denn sie werden ja nach Leistung bezahlt.

    Also :
    Wer wagt gewinnt?
    Was aber, wenn eine Seite immer gewinnt,
    auch wenn sie verliert?

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