Die meisten von uns können sich ein Leben ohne Strom kaum vorstellen – aber für 1,3 Milliarden Menschen, fast 20 Prozent der Weltbevölkerung, ist es traurige Realität. Etwa doppelt so viele sind, um kochen zu können, auf traditionelle Brennstoffe wie Holz, Holzkohle, Tierdung und Pflanzenreste angewiesen. Hätten sie Zugang zu Elektrizität und sauberen Kochgelegenheiten, könnte sich ihr Leben entscheidend verbessern.

Die Vereinten Nationen haben es sich zum Ziel gesetzt, die Energieversorgung der Armen zu verbessern. Ihre Initiative Nachhaltige Energie für alle basiert auf drei Säulen: der allgemeine Zugang zu modernen Energieformen soll gesichert und die Energieeffizienz verdoppelt werden, ebenso wie der Anteil erneuerbarer Energien am globalen Energiemix. Im Zentrum der Initiative steht die Förderung von Partnerschaften zwischen nationalen Regierungen und der Privatwirtschaft, der Zivilgesellschaft und Entwicklungspartnern. Mit ihrer Hilfe soll Energiepolitik so gestaltet werden, dass sie Investitionen und den Aufbau von Kompetenzen befördert.

Die entscheidende Frage ist, inwiefern sich die neuen Partnerschaften von den bestehenden unterscheiden, die zum Erhalt des Status quo beitragen.

Indiens Energiebedarf wächst rasant

Für Indien, das gerade einen Mega-Stromausfall erlebte, sind die Ziele der UN-Initiative besonders wichtig: Aufgrund des rasanten Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstums ist davon auszugehen, dass sich der Energiebedarf des Landes bis 2030 verdoppelt. Bislang bezieht Indien einen Großteil seines Stroms aus Kohlekraftwerken und investiert auch weiterhin in technisch veraltete Kraftwerke. Damit es nicht zu der daraus erwarteten Verdreifachung des CO2-Ausstoßes kommt, muss Indien das Potenzial seiner erneuerbaren Energien ausschöpfen und die Energieeffizienz steigern.

Zugleich leben nirgendwo so viele Menschen ohne Energieversorgung wie in Indien. Etwa 300 Millionen Menschen sind von Energiearmut betroffen, das heißt sie haben keinen Zugang zu modernen Energieformen. Mehr als 65 Prozent der Bevölkerung kochen mit traditionellen Brennstoffen.

Das indische Beispiel zeigt, wie schwierig es ist, die UN-Ziele zu verwirklichen. Das beginnt damit, dass es kompliziert ist, den "Zugang zu modernen Energieformen" zu schaffen und zu messen. Die meisten von Energiearmut betroffenen Menschen haben ein sehr geringes Einkommen und leben auf dem Land. Geografisch und ökonomisch an den Rand gedrängt, haben sie kaum Einfluss auf Entscheidungsfindungsprozesse in Indiens traditionell hierarchischem Machtgefüge.

Der Grad der ländlichen Elektrifizierung wird in Indien auf Dorfebene ermittelt. Entscheidend ist, ob ein funktionsfähiges Versorgungsnetz existiert, Strom an öffentlichen Orten verfügbar ist und mindestens zehn Prozent der Haushalte ans Stromnetz angeschlossen sind. Diese Form der Berechnung erfasst jedoch nicht alle Aspekte: Unberücksichtigt bleiben die Qualität und Dauer der Stromversorgung und die Zahl derjenigen, die sich einen privaten Stromanschluss leisten können.

Die Regierung beziffert den Grad der Elektrifizierung indischer Dörfer auf mehr als 83 Prozent. Tatsächlich aber haben 45 Prozent der ländlichen Haushalte keinen Zugang zu Strom, und mehr als eine Million Haushalte leben ohne irgendeine Form von moderner Energie oder elektrischem Licht.