EnergiewendeDie Regierung muss mutiger sein

Endlich diskutiert die Politik die Herausforderungen der Energiewende. Wenn sie es jetzt richtig anpackt, ist sie tatsächlich noch zu schaffen.

Windpark bei Gerdshagen, Brandenburg

Windpark bei Gerdshagen, Brandenburg

In der Bundesregierung wachsen offenbar die Zweifel, die Energiewende im geplanten Zeitrahmen umsetzen zu können. "Wenn wir das noch irgendwie schaffen wollen, dann bedarf das riesiger Anstrengungen", sagte Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) am Wochenende in einem Interview. Am Dienstag legte Wirtschaftsminister Rösler (FDP) nach: Sollten Jobs in Gefahr sein, müsse "nachgesteuert" werden.

Aber stimmt das wirklich? Sind die Ziele der Energiewende zu ambitioniert, wenn bereits die zuständigen Minister öffentlich am Zeitplan zweifeln?

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Nein, es fehlte vielmehr der Wille innerhalb der Bundesregierung, das große Projekt Energiewende voranzutreiben. Bislang haben vor allem Wirtschafts- und Umweltministerium die üblichen Animositäten gepflegt, sich jeweils Naivität und Klientelpolitik vorgeworfen und sich so gegenseitig blockiert.

Doch da hat sich in den vergangenen Wochen einiges bewegt. Es wird wieder diskutiert – über die Ziele, die Umsetzung, die möglichen Lösungen. Altmaier lädt allerorts zu Abendessen, Hintergründen und Runden Tischen ein. Die Bundeskanzlerin ehrt jüngst eine Klimakonferenz mit ihrer Anwesenheit und übt sich in Selbstkritik. Die Energiewende ist für sie mittlerweile "Chefsache". Selbst Wirtschaftsminister Philipp Rösler betont die neue Freundschaft mit dem Kabinettskollegen Peter Altmaier, seinem natürlichen Gegenspieler.

Und zu einem konstruktiven Diskurs gehört nun mal auch, öffentlich und ehrlich zu sagen, was zurzeit schief läuft. Nur so lässt sich das Projekt mit all seinen Herausforderungen voranbringen. Nur so lassen sich Kompromisse zwischen den Beteiligten und den einzelnen Interessensgruppen finden.

Es darf aber nicht beim öffentlichen Herumkritteln bleiben. Rein technisch sind etwa die zehn Prozent Stromeinsparung bis 2020, die sich Schwarz-Gelb im Energiekonzept vorgenommen hat und die Altmaier nun anzweifelt, machbar. Das sagen nicht nur Sonntagsredner, sondern auch Unternehmen. Die Politik muss nur die richtigen Rahmenbedingungen setzen.

Bestes Beispiel dafür ist die aktuelle Diskussion um den sogenannten Spitzenausgleich. Er gewährt dem produzierenden Gewerbe eine Ausnahme von der Ökosteuer. Die Regelung läuft Ende des Jahres aus. Der jetzt diskutierte Vorschlag sieht vor, die Ausnahme weiterhin zu gewähren – aber nur, wenn die Unternehmen im Gegenzug konkrete Energieeinsparungen nachweisen. Doch diese Klausel stößt auf Widerstand im federführenden Bundeswirtschaftsministerium. Wie auch eine ambitionierte Energieeffizienz-Richtlinie. Auch der Vorschlag zu Steueranreizen bei der energetischen Gebäudesanierung vergammelt gerade im Vermittlungsausschuss.

Es sind vor allem politische Widerstände, die die Energiewende verzögern. Rösler spielt gezielt mit der Angst vor einem Jobbau und dem Verlust an Wettbewerbsfähigkeit. Dabei ist die Energiewende auch eine große wirtschaftliche Chance. Wenn Deutschland sie tatsächlich schafft, werden Technologien und Instrumente zum Exportschlager. Die Bundesregierung muss mutiger sein, vernünftige Vorschläge auch gegen Widerstand durchzusetzen. Sie muss sich zum Projekt Energiewende bekennen. Der öffentliche Diskurs könnte dazu beitragen.

 
Leserkommentare
  1. Ich würde spontan einfach mal behaupten, dass die Gegner der Energiewende mehr Geld für Propaganda besitzen und auch nutzen. Das ist allein schon daraus ersichtlich, dass die FDP gegen eine Energiewende ist.

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    • joG
    • 17.07.2012 um 20:03 Uhr

    ....das Programm durchziehen zu müssen. Richtig schlimm ist aber, dass all die Dinge, die sie vordem sie den Ausstieg rückgängig machten gestimmt haben. Die Verluste und Kosten dürften die gleiche Größenordnung haben wie die Eurokrise. Für sich genommen wären beide für sich genommen Herausforderungen an denen auch große Häuptlinge scheitern könntet. Zusammen genommen ist das die Mutter aller Schlachten; mehr als der perfekte Sturm.

  2. Kommentar 32: "Zukunftsorientierung ist nun leider aber absolut nichts was der Markt zu leisten vermag, insofern wäre hier vielleicht doch Mut gegenüber Markt angebracht..."

    Danke. Denn dieser Hinweis ist richtig, wenn auch teilweise nicht ganz richtig. Richtig: der Markt braucht einen verlässlichen Rahmen, dann plant er auch in die Zukunft: Es wurden auch früher Kraftwerke gebaut mit 30 bis 50 Jahren Lebensdauer, weil die Rahmenbedingunen hinreichend stabil waren. Jetzt brauchen wir neue Rahmenbedinungen, die Ähnliches leisten können. Ohne solche Bedingungen wird der Markt vermutlich nicht verlässlich gut arbeiten. Ich bin nicht sicher, aber Netzausbau muss vielleicht zentral und mit staatlicher Hilfe geplant werden.

    Verkehrt aber ist es, wenn die Politik zur Zukunftsplanung nicht nur Rahmenbedingungen setzt, sondern per Dekret beschließt, welche Techniken in Zukunft gut sein werden und welche nicht. Das Ergebnis sind Suventionsgräber für Solarenergie, Windkraftwerke auf See ohne Übertragungskabel, die auch dann subventioniert werden, wenn sie keinen Strom liefern, temporäre Stromüberangebote ohne notwendige Speicher - insgesamt verschwendetes Geld, das uns beim Energieausbau noch sehr fehlen wird. Ein marktwirtschaftlich orientiertes Unternehmen hätte so viel Unsinn vermutlich nicht gemacht - und wenn, dann jedenfalls auf eigene Kosten.

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    Antwort auf "Überschrift"
  3. Würde ein Projektingenieur in der Industrie so wie die Politiker arbeiten, wäre er draußen und das zu recht.

    3 Leserempfehlungen
    • joG
    • 17.07.2012 um 20:10 Uhr

    ...und das gilt auch für Trittin und Stein...s, dass nur der Verbraucher die kosten tragen kann, am Ende des Tages. Es ist lediglich welche Konsumenten wie viel davon nehmen. Das ist wie bei der anderen Krise.

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    Antwort auf "Unverstanden"
    • joG
    • 17.07.2012 um 20:15 Uhr

    ....überdenken und die aktuell unpopuläre Entscheidung treffen. Man wird das vermutlich auch. Man wird aber warten, bis die Bevölkerung richtig hart spürt, wie gravierend die folgen des Ausstiegs sind.

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    ..die Strompreise so lange erhöhen bis es hart wird. Der aktuelle Anstieg der Strompreise hat nachweislich nichts mit der Energiewende zu tun sondern ist allein auf das Kalkül der Energie-Oligarchen zurückzuführen. Wenn dann die Energiewende wieder einkassiert wird bleiben die Preise trotzdem oben und die Gewinnmarge ist wieder gestiegen.... wie durchgehend im letzten Jahrzehnt eben auch.

    ..die Strompreise so lange erhöhen bis es hart wird. Der aktuelle Anstieg der Strompreise hat nachweislich nichts mit der Energiewende zu tun sondern ist allein auf das Kalkül der Energie-Oligarchen zurückzuführen. Wenn dann die Energiewende wieder einkassiert wird bleiben die Preise trotzdem oben und die Gewinnmarge ist wieder gestiegen.... wie durchgehend im letzten Jahrzehnt eben auch.

  4. Tatsächlicher Mut würde bedeuten: Zugeben, dass die "Energiewende" von Anfang an ein Riesenfehler war, und den schnellstmöglichen Wiedereinstieg in die preiswerte und versorgungssichere Kernenergie vollziehen. Dann brauchen wir nur noch ein betriebsfähiges genehmigtes Endlager und haben ein Problem weniger.

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    Ay und sag lieber Freiheitsfreund, wer zahlt denn das günstige und sichere Endlager? Ist es etwa der Steuerzahler? und inwiefern ist dann die Kernenergie für den Bürger günstiger? Und wer zahlt eigentlich bei einem Unfall? Und sag dann noch, was hat es eigentlich damit aufsich, dass es überhaupt keine Versicherungsgesellschaften für Kernkraftwerke gibt?

    Daher muss sie die daraus resultierenden Konsequenzen tragen - im ökonomischen und sozialen.

    Nur, den panikartigen, vorgezogenen Atomausstieg befürworten und sich über dessen negative Folgen beklagen - das geht nicht.

    Das Endlager wird in deinem Keller eingerichtet. Natürlich zieht es mit dir um, wenn auch du umziehst. Und weil dein Keller nicht für Millionen Tonnen radioaktiven Mülls ausreicht, werden sich Milliarden von Glaubensbrüdern und Schwestern solidarisieren und ihre Keller bereit stellen.

    Ay und sag lieber Freiheitsfreund, wer zahlt denn das günstige und sichere Endlager? Ist es etwa der Steuerzahler? und inwiefern ist dann die Kernenergie für den Bürger günstiger? Und wer zahlt eigentlich bei einem Unfall? Und sag dann noch, was hat es eigentlich damit aufsich, dass es überhaupt keine Versicherungsgesellschaften für Kernkraftwerke gibt?

    Daher muss sie die daraus resultierenden Konsequenzen tragen - im ökonomischen und sozialen.

    Nur, den panikartigen, vorgezogenen Atomausstieg befürworten und sich über dessen negative Folgen beklagen - das geht nicht.

    Das Endlager wird in deinem Keller eingerichtet. Natürlich zieht es mit dir um, wenn auch du umziehst. Und weil dein Keller nicht für Millionen Tonnen radioaktiven Mülls ausreicht, werden sich Milliarden von Glaubensbrüdern und Schwestern solidarisieren und ihre Keller bereit stellen.

  5. ..die Strompreise so lange erhöhen bis es hart wird. Der aktuelle Anstieg der Strompreise hat nachweislich nichts mit der Energiewende zu tun sondern ist allein auf das Kalkül der Energie-Oligarchen zurückzuführen. Wenn dann die Energiewende wieder einkassiert wird bleiben die Preise trotzdem oben und die Gewinnmarge ist wieder gestiegen.... wie durchgehend im letzten Jahrzehnt eben auch.

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