Die Diskussion um die Kosten der Energiewende ist voll entbrannt. Die einen fürchten um die deutsche Wettbewerbsfähigkeit, die anderen vermuten eine Sabotage der Energiewende hinter dem Kostenargument. Fest steht: In den nächsten Jahren und Jahrzehnten müssen erhebliche Investitionen in die Stromnetze getätigt werden. Dies ist nicht allein auf die Energiewende zurückzuführen.

Seit der Liberalisierung der Strommärkte ist insgesamt sehr wenig in den Erhalt der Netze investiert worden. Dementsprechend besteht jetzt ein erheblicher Nachholbedarf. Zusätzlich müssen Tausende Kilometer Hochspannungsleitungen gebaut werden, um große Strommengen aus den Windparks an der Küste in die Verbrauchszentren im Süden zu transportieren. Und auch die lokalen Verteilnetze, in die vor allem kleinere dezentrale Anlagen zunehmend mehr Strom einspeisen, müssen in Schuss gehalten und für die Anforderungen der Energiewende fit gemacht werden.

Durch intelligentere Netztechnik, sogenannte Smart Grids, können die Kosten des Verteilnetzausbaus zwar begrenzt und die bestehenden Kapazitäten besser genutzt werden, aber auch das erfordert erst einmal Investitionen. Die Modernisierung wird zum größten Teil über die Netznutzungsentgelte finanziert, die staatlich reguliert sind und als Bestandteil des Strompreises im Prinzip von allen Verbrauchern bezahlt werden.

Solaranlagen sind immer noch attraktiv

Dieser Grundsatz beginnt sich jedoch zu wandeln. Während die Ausgaben für die Netze steigen, schrumpft die Basis derer, auf die die Kosten umgelegt werden. Unternehmen mit hohem Energieverbrauch müssen wesentlich weniger für die Nutzung des Stromnetzes bezahlen und besonders energieintensive Unternehmen können sich seit vergangenem Jahr sogar ganz von den Netzgebühren befreien.

Doch auch für kleine Verbraucher tun sich Möglichkeiten auf, sich um die Zahlung von Netzumlage zu drücken – indem man sich günstig selbst mit Strom versorgt, statt ihn teuer vom Energieunternehmen einzukaufen. Was mit dem Eigenverbrauchsbonus für Photovoltaikanlagen begann ist mit den stark gefallenen Preisen für Solaranlagen heute bereits ohne Förderung attraktiv: den erzeugten Strom gleich selbst zu verbrauchen, anstatt ihn ins Netz einzuspeisen. Für diesen Strom müssen keine Netzentgelte bezahlt werden (und übrigens auch keine EEG-Umlage, mit der die Photovoltaikanlagen finanziert werden).

Allerdings muss das Netz weiterhin vorhanden sein, damit man auch das Licht anschalten kann, wenn die Sonne mal nicht scheint. Und damit der Strom aus der Photovoltaikanlage auch abtransportiert werden kann, wenn die Hausbewohner an einem sonnigen Tag mal im Urlaub sind. Die Kosten für die Bereitstellung des Netzes sind gleich hoch, egal wie oft es genutzt wird. Wenn der Eigenverbrauch nicht sicher planbar die Stromeinspeisung zur Mittagszeit reduziert, muss es teilweise sogar extra ausgebaut werden, damit der nicht verbrauchte Strom aufgenommen werden kann.